Sie blickt uns an.

 

Viel­leicht ist der Autor dieser Zeilen etwas über­emp­find­lich, freund­li­che­re Stim­men mögen es fein­füh­lig nennen. Doch immer wieder über­fällt ihn in All­tags­er­leb­nis­sen oder bei der Lek­tü­re von Texten ein Horror, ein Schock, indem sich ihm der Ver­fall und der Selbst­hass unse­rer Völker gera­de­zu plas­tisch und per­so­nal zeigt. Gle­ne­ra­de wie in einem bil­li­gen Hor­ror­film bricht aus einem Zei­tungs­ar­ti­kel, einer grin­sen­den Nach­rich­ten­spre­che­rin, aus einem Pas­san­ten oder Neben­ste­hen­den in der U-Bahn eine grin­sen­de Fratze hervor, die ein ein­zi­ges Wort sagt:

 

Sterben.

 

Wir, die gesam­ten west­li­chen, euro­päi­schen Völker sind besof­fen und berauscht am Tod und Unter­gang. Gerade in seinen büro­kra­tisch ver­wal­te­ten, „opti­mis­ti­schen“ Formen, in der hei­te­ren Gleich­gül­tig­keit, mit der die prag­ma­ti­schen Mul­ti­kul­ti-Poli­ti­ker unse­ren Unter­gang ver­wal­ten, schießt dieses Gesicht des Hasses umso radi­ka­ler heraus. Es ist ein unend­li­cher, unstill­ba­rer, gei­fern­der Hass, ein Geist der Rache und des Res­sen­ti­ments, der sich in allen „men­schen­freund­li­chen“, huma­nis­ti­schen und kos­mo­po­li­ti­schen Visio­nen aus­drückt. Ein Hass gegen sich selbst.

 

Das ganze Volk atmet diesen Geist. Für die, die nicht denken und nur tun, denkt er vor. Sie spre­chen seine Paro­len nach, lachen über die Objek­te seiner Häme, spu­cken auf die Objek­te seines Hasses und ver­beu­gen sich vor seinen Schütz­lin­gen. Die „geis­ti­ge“ Schicht des Volkes, die Pries­ter, Jour­na­lis­ten, Pro­fes­so­ren, Künst­ler, etc. gehen indes voll in diesem Geist auf. Sie sind seine Ban­ner­trä­ger und Voll­stre­cker. Wie Pries­ter eines irren Kultes voll­zie­hen sie sein Werk der Rache und des Hasses. Ich will diesen Geist in drei kurzen Szenen umschrei­ben.

 

Die neue Stadt

 

Levinas, ein Phi­lo­soph auf den Abwe­gen von Hei­deg­gers Denk­weg, hat ein Denken der „Alte­ri­tät“ geprägt, in dem der „Andere“ eine wesent­li­che Funk­ti­on ein­nimmt. In ihm und seinem „Ant­litz“ kon­sti­tu­iert sich erst auch das eigene Ich. Levinas treibt diese Tat­sa­che eines Mit­seins mit den Ande­ren aber in ein völ­li­ges Extrem. Er beschwört ein Aus­ge­lie­fert­sein, ein Schul­dig­sein, ohne kon­kre­te Schuld eine selbst­auf­er­leg­te „Geduld des Erdul­dens.“ Sein Phi­lo­so­phie-Kol­le­ge und Post-Hei­deg­ge­ria­ner Jac­ques Der­ri­da fleht ebenso den Frem­den gleich­sam an: Komm, nicht nur zu mir, son­dern auch in mich. Beset­ze mich!

 

In diesen Zeilen ver­dich­tet sich ein sado-maso­chis­ti­sches Syn­drom, das heute Europa befal­len hat und ein wesent­li­cher Aspekt dieses „Geis­tes“ ist. Jean Ras­pail, dessen Buch „Das Heer­la­ger der Hei­li­gen“ das Video und damit auch dieser Text gewid­met sind, hat es pro­phe­tisch und ein­drucks­voll beschrie­ben. Es ist eine selt­sa­me Heils­er­war­tung, eine Lust an der Zer­stö­rung und am Unter­gang, die das Europa in seinem Roman befällt, als die Armee der Armen auf es zuströmt.

 

Hinter all den Huma­ni­täts­be­teue­run­gen, hinter all den sozi­al­tech­ni­schen „Bewei­sen“, wie „berei­chernd“ und öko­no­misch unver­zicht­bar die Ein­wan­de­rung sei, ortet Ras­pail die wahre Trieb­fe­der: Es ist ein Selbst­hass, eine Lust am Unter­gang, die hinter der „no border“-Idee steckt. Eigent­lich wissen, ahnen und spüren es alle: die unkon­trol­lier­te Mas­sen­ein­wan­de­rung, das Ein­rei­ßen der Gren­zen und der große Aus­tausch wird unsere Kultur und unser Wesen rest­los besei­ti­gen. Den wahren Grund für die Taten­lo­sig­keit gegen­über dieser Kata­stro­phe erkennt Ras­pail nicht in einer Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung oder einem „Nicht-Wissen“ der ent­schei­den­den Kreise. 

 

Gerade weil sie ahnend wissen, dass es unser Unter­gang ist, beja­hen sie es. Gerade weil sie fühlen, dass es alles zer­stört, wofür wir stehen, kaschie­ren und pro­pa­gie­ren sie es. Sie treibt einer hei­li­ger, aske­ti­scher Selbst­hass an. Sie sind Fla­gel­lan­ten des Geis­tes, deren wahre Sehn­sucht nicht die heile, bunte, grün-tech­no­lo­gisch ver­wal­te­te „Diversity“-Welt der „neuen Städte“ ist. Ihre Sehn­sucht ist die Selbst­zer­stö­rung, das ver­ge­wal­tigt und durch­drun­gen werden. Der Ein­wan­de­rer und Asy­lant, der in ihren Fan­ta­si­en als genau jener Ver­damm­te, Elende und Miss­ra­te­ne aus Ras­pails Dys­to­pie erscheint, muss als Voll­stre­cker, als Werk­zeug dieser Selbst­zer­stö­rung und Auto-ver­ge­wal­ti­gung dienen.

 

Die erste Szene, durch die ich den „Geist des Bösen“ blit­zen sah, war ein Fern­seh­be­richt über Stadt­pla­nung. Keine Ahnung wie ich auf ihn gesto­ßen war. Auf jeden Fall führte ein x-belie­bi­ger Grün­po­li­ti­ker im Anzug — ein Person gewor­de­ner Aus­gleich aus „Realo“ und „Fundi“ — stolz und opti­mis­tisch eine geplan­te Tra­ban­ten­stadt vor. Sie sollte am Rande einer Groß­stadt ent­ste­hen und „alle Fehler“ frü­he­rer „Ban­lieus“ ver­mei­den. Grüne Oasen, ver­spiel­te Archi­tek­tu­ren, Begeg­nungs­zo­nen, Geschäf­te und Sport­plät­ze – alles vor Ort und durch­kom­po­niert. Ein klei­nes Uni­ver­sum für sich. Ener­gie­neu­tra­le Häuser, ein Öko-Para­dies, eine Vor­schau auf jene weißen, strom­li­ni­en­för­mig design­ten Zukunfts­städ­te, die wir alle aus den Sci­ence-Fic­tion-Filmen kennen. Denn – so der opti­mis­ti­sche Tenor – die Stadt werde ja jedes Jahr um knappe 30.000 Men­schen „wach­sen“.

 

Dieses „Wachs­tum“, das wissen alle, ist natür­lich allein die Zuwan­de­rung, der Aus­tausch, der Mas­sen­im­port Frem­der. In diesem prag­ma­tisch nüch­ter­nen, von tau­sen­den auf­stre­ben­den, euro­päi­schen Exper­ten, Idea­lis­ten, Quer­den­kern, Archi­tek­ten, Öko-Revo­lu­tio­nä­ren, Start-Ups, Städ­te­pla­nern und Sozi­al­tech­ni­kern geplan­ten Sze­na­rio der „Ein­ge­mein­dung“ dieser ein­drin­gen­den Heer­scha­ren blick­te, wie durch eine Maske, mit einem mal die Unmög­lich­keit des ganzen Pro­jekts. Und – in einem selt­sa­men Augen­blick, einem Zwin­kern, einem Zucken des Mund­win­kels, schien es mir so, als wüsste dieser Sozial-Inge­nieur, dieser tele­ge­ne, strom­li­ni­en­för­mi­ge, gesell­schafts­kri­ti­sche Kon­for­mist das selbst ganz genau.

 

Er weiß es und er will es. Er will durch­drun­gen, ver­ge­wal­tigt, zer­stört, besetzt, erobert und erlöst werden. Erlöst nicht “zu”, son­dern “von”! Von der unend­li­chen Last einer Geschich­te und Ver­gan­gen­heit, die er nicht mehr tragen, nicht mehr ertra­gen kann. Jean Ras­pail hat dieser Müdig­keit, die nur mehr hassen kann, diesem alten uni­ver­sa­lis­ti­schen Willen, der, bevor er sich selbst auf­gibt, lieber das Nichts will, eine Stimme gege­ben. Die Armada hat Europa erreicht. Alle vorher Begeis­ter­ten sind bereits geflo­hen. Eine Haupt­fi­gur, ein Lite­ra­tur­pro­fes­sor, ist wie der letzte Wäch­ter in Pompei im uralten Haus seiner Vor­fah­ren geblie­ben. Da erscheint jemand auf seiner Veran­da:

 

Über die kleine Treppe zum Gäß­chen war ein junger Mann geräusch­los auf die Ter­ras­se gelangt. Mit nack­ten Füßen, langen schmut­zi­gen Haaren, beklei­det mit einem blu­men­ge­mus­ter­ten Hemd, einem Hin­du­schal und einer Afgha­nen­ja­cke.

»Ich komme von unten« sagte der junge Mann. »Fabel­haft! Fünf Jahre war­te­te ich schon darauf.« 

»Sind Sie allein?« 

»Augen­blick­lich ja. Mit Aus­nah­me von eini­gen, die schon an
der Küste sind. Aber andere kommen nach. Zu Fuß. Alle Schwei­ne hasten nach Norden. Kein Auto in die Gegen­rich­tung. Werden ver­re­cken, wollen es aber nicht anders. Werden toben, sich beschie­ßen, werden zu Fuß mar­schie­ren, statt im Schlaf­wa­gen zu fahren.«

»Waren Sie unten, in der Nähe der Küste?« 

»Ganz nahe. Aber nicht lange. Habe Kol­ben­schlä­ge bekom­men. Ein Offi­zier hat mich Unge­zie­fer gehei­ßen. Aber ich habe Sol­da­ten gese­hen, die heul­ten. Das ist gut so. Morgen wird man das Land nicht mehr wie­der­erken­nen. Es wird wie neu­ge­bo­ren sein.« 

»Haben Sie die gese­hen, die von den Schif­fen gekom­men sind?«

»Ja.« 

»Und Sie glau­ben, daß Sie jenen glei­chen? Sie haben doch eine weiße Haut. Sie sind sicher getauft. Sie spre­chen fran­zö­sisch mit dem hie­si­gen Dia­lekt. Sie haben viel­leicht in dieser Gegend Eltern?« 

»Was soll’s? Meine Fami­lie geht jetzt an Land. Ich gehöre zu der Mil­li­on Brüder, Schwes­tern, Väter, Mütter und Ver­lob­ten. Mit der ersten, die sich bietet, werde ich ein Kind machen, ein dun­kel­häu­ti­ges Kind. Dann bin ich ihres­glei­chen.« 

»Sie werden gar nicht mehr leben. In dieser Masse gehen Sie unter. Sie werden nicht mal beach­tet werden.« 

»Mehr will ich nicht. Heute morgen sind meine Eltern abge­reist, mit meinen beiden Schwes­tern, die plötz­lich Angst beka­men, ver­ge­wal­tigt zu werden. Waren vor Angst ent­stellt. Sie werden sie doch erwi­schen. Alle werden erwischt werden. Sie konn­ten wohl abhau­en, aber diese Leute sind erle­digt. Wenn Sie das Bild gese­hen hätten. Meinen Vater, wie er die Schuhe aus seinem Laden in seinem hüb­schen klei­nen Lie­fer­wa­gen ver­staut hat, und meine Mutter, die heu­lend aus­sor­tier­te. Die bil­li­ge­ren Schuhe wurden lie­gen­ge­las­sen, die teu­re­ren mit­ge­nom­men. Und meine Schwes­tern, die schon auf der vor­de­ren Sitz­bank saßen. Beide drück­ten sich eng anein­an­der. Sie betrach­te­ten mich ent­setzt, als wollte ich sie als erster ver­ge­wal­ti­gen. Ich habe mich krumm und schief gelacht, beson­ders als mein Vater den eiser­nen Rol­la­den her­un­ter­ge­las­sen und den Schlüs­sel ein­ge­steckt hat. Ich sagte zu ihm: ›Glaubst Du, daß das was nützt? Ich mache Deine Tür ohne Schlüs­sel auf und zwar morgen. Und Deine Schuhe im Laden? Sie werden darauf pin­keln oder sie auch fres­sen, denn sie gehen ja barfuß.‹ So sind wir aus­ein­an­der­ge­gan­gen.« 

»Und Sie? Was wollen Sie hier tun? In diesem Dorf? Bei mir?«

»Ich plün­de­re. Ich glaube, daß außer der Armee und etli­chen Kum­pels im Umkreis von hun­dert Kilo­me­tern nie­mand mehr da ist. So plün­de­re ich eben. Hunger habe ich keinen mehr. Ich habe schon zuviel geges­sen. Um es rich­tig zu sagen. Ich brau­che nicht viel, und außer­dem gehört mir alles. Morgen werde ich ihnen alles anbie­ten. Ich bin sozu­sa­gen ein König und werde sie aus meinem König­reich beschen­ken. Ich meine, heute ist Ostern.«

»Ich ver­ste­he nicht.« 

»An Bord dieser Schif­fe befin­den sich eine Mil­li­on Chris­tus­se, die morgen auf­er­ste­hen werden. Und Sie, ganz allein … mit Ihnen wird auch Schluß sein.«

»Sind Sie gläu­big?« 

»Kei­nes­wegs.« 

»Und diese Mil­li­on Chris­tus­se, ist das Ihre Idee?« 

»Nein. Aber bei der Sorte von Pfar­rern finde ich sie hübsch. Sie fiel mir übri­gens bei einem Pfar­rer ein. Als ich hier her­auf­stieg, lief einer wie ein Ver­rück­ter hin­un­ter. Nicht etwa ver­le­gen, son­dern ganz selt­sam. Von Zeit zu Zeit blieb er stehen, hob seine Arme gen Himmel, wie die andern unten, und schrie: ›Danke mein Gott!‹ Dann setzte er den Weg zum Strand fort. Ich glaube, daß noch andere folgen.« 

»Wer andere?« 

»Andere Pfar­rer von der glei­chen Sorte. Aber Sie lang­wei­len mich. Ich bin nicht zum Plau­dern gekom­men. Sie sind nur noch ein Gespenst. Was machen Sie noch hier?« 

»Ich höre Ihnen zu.« 

»Inter­es­sie­ren Sie meine Dumm­hei­ten?«

»Gewal­tig.« 

»Sie sind ver­dor­ben. Sie denken noch nach. Es gibt nichts mehr nach­zu­den­ken. Das ist auch vorbei. Hauen sie ab!« 

»O nein!« 

»Hören Sie mal! Sie und Ihr Haus glei­chen ein­an­der. Man könnte sagen, Sie beide sind schon 1000 Jahre hier.« 

»Seit 1673 genau«, sagte der alte Herr und lächel­te zum ersten Mal.

»Drei­hun­dert Jahre gesi­cher­tes Erbe.«

»Wider­lich. Ich schaue Sie an und finde Sie tadel­los. Des­halb hasse ich Sie. Und zu Ihnen werde ich morgen die Lum­pigs­ten führen. Diese wissen nicht, wer Sie sind und was Sie dar­stel­len. Für sie hat Ihre Welt kei­ner­lei Bedeu­tung. Sie werden gar nicht ver­su­chen, dies zu begrei­fen. Sie werden müde sein, Hunger haben und mit Ihrer schö­nen Eichen­tür Feuer machen. Sie werden auf Ihre Ter­ras­se kacken und sich mit den Büchern Ihrer Biblio­thek die Hände rei­ni­gen. Ihren Wein werden sie aus­spu­cken. Mit ihren Fin­gern werden sie aus Ihren hüb­schen Zinn­tel­lern essen, die ich an Ihrer Wand sehe. Sie werden auf den Fersen hocken und zuse­hen, wie Ihre Sessel bren­nen. Aus der Gold­sti­cke­rei Ihrer Decken werden sie sich Schmuck machen. Jeder Gegen­stand wird den Sinn ver­lie­ren, den Sie dafür haben. Das Schöne wird nicht mehr schön sein, das Nütz­li­che wird lächer­lich und das Unnüt­ze absurd werden. Nichts wird mehr einen echten Wert haben mit Aus­nah­me viel­leicht eines in einer Ecke ver­ges­se­nen Kor­del­stücks, um das sie sich strei­ten werden, wer weiß? Alles um Sie herum wird in Stücke gehen. Es wird furcht­bar sein. Machen Sie sich aus dem Staub!« 

»Noch eins: Jene werden ver­ständ­nis­los zer­stö­ren. Aber Sie?« 

»Ich? Weil ich dies alles hasse. Weil das Welt­ge­wis­sen ver­langt, daß man dies alles haßt. Hauen Sie ab! Ich pfeife auf Sie!«

 

Mad Max

 

Ich geste­he es. Hin und wieder gibt sich der Autor dieser Zeilen nicht nur einer phy­si­schen, son­dern auch einer geis­ti­gen Betäu­bung hin. Beim Besuch eines jener hyper­mo­der­nen Kino­zen­tren in einer jener grau­en­haf­ten Malls samt Pop­corn und Soft­drink wagt er sich tief in den Pro­to­typ eines Nichts-Orts, ins Herz des Blooms vor. Der selt­sa­me „Flow“, der in diesen moder­nen Tem­peln herrscht, die bunte Aus­wahl aus allen exo­ti­schen Spe­zia­li­tä­ten, dar­ge­bo­ten im ein­heit­li­chen Fast-Food Schema, die Shops, die „chil­ling areas“ dazwi­schen, alles erfüllt vom kabel­lo­sen Netz­werk, in das alle Insas­sen ein­ge­klinkt sind.

 

Hier ver­schwin­den Raum und Zeit, hier ist der Ruf von Kultur und Geschich­te nicht mehr spür­bar. Man ver­lässt Berlin, Dres­den, Wien, Rom, Paris, sobald man einen dieser Tempel der Moder­ne betritt. Man tritt ein in eine kli­ma­ti­sier­te Zwi­schen­welt, in der Zwi­schen­we­sen leben. Die­sel­be glo­ba­le Mode wird in den­sel­ben glo­ba­len Marken­lä­den ver­kauft, das­sel­be uni­for­mier­te glo­ba­le Essen wird von den­sel­ben glo­ba­len Fast­food-Ketten an den­sel­ben Kon­su­men­ten gebracht. Dazu erklingt die­sel­be seich­te Pop-Musik. Und im Kino spie­len die­sel­ben Block­bus­ter.

 

Genau die zieht sich der Autor dieser Zeilen manch­mal in einer selt­sa­men, maso­chis­ti­schen Auf­ga­be aller Prin­zi­pi­en „rein“ und ver­kauft sich diese Aus­set­zer als „Stu­di­en“ am offe­nen Herzen des Blooms. Der letzte Film, der sich „gegönnt“ wurde, war der neu­es­te Mad-Max-Strei­fen.

 

Die Post­apo­ka­lyp­se, eine Welt der klei­nen tri­ba­lis­ti­schen Kon­flik­te, in der alle großen ideo­lo­gi­schen Fragen vor der archai­schen Not­wen­dig­keit ver­blas­sen, ist ein­fach eine Art Porno für jeden Rech­ten, ob er sich das ein­ge­steht oder nicht. Die unver­gess­li­chen Worte Tyler Durdens aus „Fight Club“ jagen wohl nicht nur dem Ver­fas­ser dieses Arti­kels jedes mal aufs Neue einen Schau­er über den Rücken.

 

In der Welt, die ich sehe, jagst du Elche durch die feuch­ten, bewal­de­ten Schluch­ten rund um die Ruinen des Rocke­fel­ler Center… Du trägst Leder­sa­chen, die den Rest deines Lebens halten werden… Du klet­terst die dicken Kutso-Ranken empor, die den Sears Tower umschlin­gen… Ein Blick hin­un­ter, und du siehst win­zi­ge Gestal­ten, die Mais stamp­fen… Und Strei­fen von Wild­bret auf der leeren Über­hol­spur eines ver­las­se­nen Super-High­way aus­le­gen…

 

Ein Stamm, das Gefühl eines abge­grif­fen-geschmei­di­gen höl­zer­nen Speers in der Hand, nackte Fuß­soh­len auf Wald­bo­den, Laufen im Mond­licht – irgend­wie berüh­ren solche oder ähn­li­che Erleb­nis­blit­ze eine tiefe Schicht in uns und brin­gen sie zum Schwin­gen. Wie auch immer – genau das durfte man sich im neuen „Mad Max“-Streifen auch erhof­fen, eine kleine Immer­si­on in eine Fan­ta­sie­welt, ein Eska­pis­mus in Dolby Sur­round aus dem Status Quo – ganz ohne nötige Reflek­ti­on. Statt­des­sen fand ein 130minütiger Auf­tritt des Geists der Rache statt. Zumin­dest für die armen Seelen, die ihn sehen und spüren können.

 

Hinter atem­be­rau­ben­den, per­fekt orches­trier­ten Action-Szenen stand dies­mal nicht die Idee der Post­apo­ka­lyp­se. Keine Odys­see eines „lone wolf“ durchs Wüs­ten­meer von Insel zu Insel der Zivi­li­sa­ti­on, in der sich ein Strauß selt­sa­mer Typen, Gesell­schaf­ten und Cargo-Kulte dar­bo­ten. Das ganze war ein Film gewor­de­ner Hoch­ge­sang der Selbst­auf­ga­be des „weißen Mannes“.
In einer lächer­lich plum­pen Skizze wurde die post­apo­ka­lyp­ti­sche Welt als Zwei-Klas­sen-Gesell­schaft gezeich­net, deren eth­ni­sche Zusam­men­set­zung sofort klar machte, wer „gut“ und wer „böse“ war.

 

Die „Ober­schicht“, die auf einer begrün­ten, was­ser­rei­chen Zita­del­le lebte, frönt einem kaput­ten nor­di­schen Tech­no­punk-Hei­den­tum, ist bevöl­kert von ver­krüp­pel­ten, wider­li­chen, eiter­ver­beul­ten, kran­ken Gestal­ten, die Men­schen für Blut und Frauen für Mut­ter­milch anzap­fen. Sie sind Vam­pi­re, Aus­beu­ter, Teufel in Men­schen­ge­stalt, Geis­tes­kran­ke, Füh­rer­kul­tis­ten und – sie färben sich alle „weiß“. In einem „white pain­ting“ wurde die Tat­sa­che, dass es sich bei den „Bösen“ nur um eth­ni­sche „Euro­pä­er“ han­del­te, so deut­lich gemacht, dass es auch der dümms­te Kon­su­ment ver­steht.

 

Auf gigan­ti­schen Felsen, die nur über ebenso gigan­ti­sche Platt­for­men und Seil­win­den erreich­bar sind, kul­ti­vier­ten diese weißen „Herren“ ihren eige­nen Inzest, ein ekel­er­re­gen­des Zucht­pro­gramm, das nur so nach „Lebens­born“ und „Apart­heid“ schreit. Die dezen­te Kapi­ta­lis­mus­kri­tik, die in der tota­len Ver­ding­li­chung der Men­schen in der Kom­mer­zia­li­sie­rung des Was­sers (Aqua-Cola) auf­klingt, wird total von eth­nisch-ras­si­schen Impe­ra­ti­ven kas­siert. Die Masse der Armen hin­ge­gen, die im Wüs­ten­meer die Zita­del­le bela­gert, ist getreu dem Smar­ties-Dogma multi-eth­nisch und daher „normal“ und gut. Sie wird vom weißen, hete­ro­se­xu­el­len Geis­tes­kran­ken, von den sich heben­den Platt­for­men in den Dreck getre­ten, wie die „Flücht­lin­ge“ vor den Mauern der Fes­tung Europa/Australien – das ist die offen­sicht­lich inten­dier­te Bil­der­spra­che. Am Ende, nach Stun­den an zuge­ge­ben unter­halt­sa­mer Action, wird der Führer der Weißen natur­ge­mäß auch getö­tet und die Heer­scha­ren des Boden­sat­zes strö­men auf den Berg, die „Zitat­del­le“. Die ent­setz­te weiße Deka­denz kann nur noch zuse­hen…

 

Genau das­sel­be Bild der „Öff­nung“, der auf­ge­bro­che­nen Para­dies­to­re, evo­zier­te ein ande­rer Sci-Fi-Strei­fen Namens Ely­si­um. Hier ist es eine futu­ris­ti­sche Raum­sta­ti­on, die von der weiß-hete­ro­nor­ma­ti­ven Ober­schicht bewohnt wird, auf der man Krebs heilen, sich von Robo­tern bedie­nen und seiner Muße nach­ge­hen kann. In einer mul­ti­kul­tu­rel­len, öko­lo­gi­schen Hölle, doch mora­lisch im Recht, leben die Massen, die sich auch am Ende dieses Strei­fens, befeh­ligt von einem befrei­ungs­theo­lo­gi­schen Sozi­al­re­vo­lu­tio­när, in die Raum­sta­ti­on ergie­ßen.

 

In beiden Filmen ist es ein Euro­pä­er, ein Weißer, der die Tore auf­sprengt und sich, väter­lich und hero­isch für die armen, ent­mensch­ten Heer­scha­ren opfert, die schein­bar von selbst und aus sich selbst nichts zustan­de brin­gen. Das ist nichts anders als ein Psy­cho­gramm des weißen Mannes und seines Uni­ver­sa­lis­mus der Schuld. Er sieht seine his­to­ri­sche Rolle in einer pater­na­lis­ti­schen Eman­zi­pa­ti­on und „Befrei­ung“ aller Völker der Welt, für die er sich gegen sei­nes­glei­chen rich­ten, sich selbst zer­stö­ren muss. Er ist wie der „kleine Gott Euro­pas“, den Ras­pail im Heer­la­ger der Hei­li­gen beschreibt.

 

Die „Ande­ren“, die amor­phe Masse der Berei­che­rer und „refu­gees“, hat gar keine eigene Rolle, keinen eige­nen Cha­rak­ter, kein eige­nes Schick­sal. Sie ist eine Pro­jek­ti­ons­flä­che, die, je ärmer, kran­ker und miss­ra­te­ner, desto besser, nur eine vor­ge­form­te Rolle erfül­len soll. Sie ist das Chaos, die Kata­stro­phe, die die gelang­weil­te und sich selbst has­sen­de Gesell­schaft des Wes­tens seit Jahr­zehn­ten her­bei­sehnt. Sie ist die „Zombie-Apo­ka­lyp­se“, die sich bereits als Meme und Platz­hal­ter für alle Aus­bruchs­fan­ta­si­en aus dem poli­tisch-kor­rek­ten, kapi­ta­lis­ti­schen Hams­ter­rad gemau­sert hat.  In diesen Filmen wird der Unter­gang und die Über­flu­tung wie eine Erlö­sung beschwo­ren. Sie plau­dern in ihren ergrei­fen­den End­sze­nen das aus, was die Sozi­al­tech­ni­ker von Mul­ti­kul­ti in ihrem Geplän­kel über die „Chan­cen“ der Ein­wan­de­rung ver­schwei­gen. Es ist unser Unter­gang. 

 

Gehen wir kurz auf die Bei­spie­le in den Filmen ein. Beide ver­kör­pern eine extre­me Spal­tung einer „Mensch­heit“ in arm und reich, die nicht-euro­pä­isch und euro­pä­isch ent­spricht. In beiden Filmen wird aber über­haupt nicht hin­ter­fragt, warum diese Spal­tung, woher die Knapp­heit der Res­sour­cen kommt. Ist es „Men­schen­feind­lich­keit“, die hinter den exklu­si­ven Stra­te­gi­en der Elite in Mad Max und Ely­si­um liegt? Was pas­siert nach den End­sze­nen? Was pas­siert, wenn die ent­mensch­ten Massen das tech­ni­sche Para­dies gestürmt haben? Reißen sie es nicht mit sich ins Chaos? Zer­stö­ren sie nicht sich und all seine Mög­lich­kei­ten in ihrer Sturz­flut?

 

Wäre eine wahre Erlö­sung nicht ein Aus­gleich, eine Ver­bes­se­rung der Bedin­gun­gen „da unten“, der Bau meh­re­rer „Raum­sta­tio­nen“ oder „Zita­del­len“? Ja, wäre nicht eine echte Ana­ly­se der Lage — der Knapp­heit, der Spal­tung, der Ver­mas­sung, der Tech­nik — eine Frage nach dem „Warum“ der Apo­ka­lyp­se, die eigent­li­che Erlö­sung? Diese Per­spek­ti­ve taucht in den Filmen genau­so wenig auf, wie heute in Europa. In einem dicho­to­mi­schen Schwarz-Weiß-Denken wird eine aus­beu­te­ri­sche, blut­saugen­de Kolo­ni­al-Ideo­lo­gie, die alle Reich­tü­mer der Erde in Europa sam­melt und den Rest der Welt aus­sperrt, der tota­len Über­flu­tung Euro­pas mit den Ver­damm­ten dieser Erde gegen­über­ge­stellt. Ter­ti­um non datur. Am Ende ergießt sich die Flut wie eine Erlö­sung über die fau­li­ge Deka­denz. 

 

Man kann diese tiefe, lüs­ter­ne, sado­ma­so­chis­ti­sche Sehn­sucht unse­rer intel­lek­tu­el­len Eliten nicht leug­nen. Im Gerede von der „Ener­gie“ (Gauck), der „Viri­li­tät“ der „jungen Männer“, die zu uns kommen und die wir „bräuch­ten“, blitzt sie in ihrer ganzen Per­ver­si­on auf und kon­ter­ka­riert das Reden von den „armen, hil­fe­be­dürf­ti­gen“ „Refu­gees“. Es ist das „Welt­ge­wis­sen“, von dem Ras­pail schreibt, die uralte uni­ver­sa­lis­ti­sche Metaer­zäh­lung, die wie ein Implan­tat im geis­ti­gen Mark des Euro­pä­ers sitzt und ihm von hei­li­ger Rache, Hass und Erlö­sung zuraunt.

 

Es ist die Sehn­sucht der Ort­lo­sig­keit der Utopie, der End­lo­sig­keit und Zeit­lo­sig­keit, die das nahe­lie­gen­de, gesun­de, wahr­haft mensch­li­che, die Ver­win­dung des Wachs­tums­wahn­sinns, der Mensch­heits­uto­pie, der tech­ni­schen Beherr­schung der Welt und des Fort­schritts unter­bin­det. Alles oder nichts. Wille zur Macht oder Wille zum Nichts. Her­ren­mensch oder Unter­mensch. Unend­lich­keit und Ende der Geschich­te oder Ende der eige­nen Geschich­te. In einem fieb­ri­gen, apo­ka­lyp­ti­schen Wahn steu­ert Euro­pas Uni­ver­sa­lis­mus immer schon auf den Nihi­lis­mus und die Selbst­zer­stö­rung, das Zer­bre­chen an einer uner­füll­ba­ren For­de­rung, das Ver­zwei­feln an einer unbe­ant­wort­ba­ren Frage zu. All das blitzt mir hass­erfüllt und hämisch aus einem Hol­ly­wood-Block­bus­ter ent­ge­gen. Kein Wunder, dass ich so selten ins Kino gehe.

 

Der leere Thron Gottes

 

Die dritte Szene spielt sich in einem Uni-Semi­nar ab. Sozio­lo­gie, Polit­wis­sen­schaf­ten, Phi­lo­so­phie – völlig egal. Die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten glei­chen sich heute wie ein Fäkal-Thea­ter­stück dem ande­ren. Durch­zo­gen von einer post­mo­der­nen, ele­gi­schen Gleich­gül­tig­keit, einer hei­te­ren Auf­ge­räum­theit, einem iro­nisch gebro­che­nen „any­thing goes“. Keine Kanten, keine Ecken, die Dis­kur­se funk­tio­nie­ren. Der Wille zum Wissen und die Wahr­haf­tig­keit ist in ana­ly­tisch-logi­schem Bie­nen­fleiß kana­li­siert oder sucht sich eine andere zahn­los-aka­de­mi­sche Nische. Ein Son­der­ling tole­riert den ande­ren, alles ist unglaub­lich „inter­es­sant“, zumin­dest „für mich“. Wie Lenins syphi­li­ti­sches Gehirn, so schmilzt der geball­te Geist und Wille Euro­pas zusam­men in eine brei­ige Masse aus tau­sen­den freien Radi­ka­len. Ihre „Gefech­te“ und Dis­kur­se, ihre geis­ti­gen Bock­sprün­ge und Rad­schlä­ge sind gesamt gese­hen eine brown­sche Teil­chen­be­we­gung: unre­gel­mä­ßig, ruck­ar­tig, fol­gen­los.

 

Die Kom­mi­li­to­nen erzäh­len von „per­sön­li­chen Leseer­fah­run­gen“, der Pro­fes­sor nimmt an einem poetry slam teil, jedes Thema ist für die Semi­anar­ar­beit erlaubt, Haupt­sa­che Sei­ten­an­zahl und Quel­len­ver­wei­se sind kor­rekt. Die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten, der ganze Geist Euro­pas, tau­melt um den leeren Thron des toten Gottes. Er hieß Wahr­heit, System, End­ziel und pro­fa­ner: Welt­re­pu­blik, Auf­klä­rung, Zivi­li­sa­ti­on. Auf den leeren Altä­ren ziehen die Dämo­nen ein. Der leere Thron ist beherrscht vom Geist des Bösen. Er befiehlt die Selbst­zer­stö­rung. Der ganze tau­meln­de Tanz um den Thron steht nicht auf der Stelle. Er beschreibt in seinem Weg durch die Zeit, im Still­stand der eige­nen Zeit­lo­sig­keit einen Vektor der in den Abgrund führt. Die offe­nen Tore, die Flut, das „Andere“, das uns durch­dringt, besetzt und von der Qual erlöst, wir selbst sein zu müssen.

 

Am Rande dieses trail of tears wachen in tra­gi­schem Stolz die aske­ti­schen Hei­li­gen des Schuld­kults, die jeden drit­ten Weg, jeden Aus­gleich, jede Ver­söh­nung mit kalter Miene ver­bie­ten. No border oder weißer Über­mensch, Mul­ti­kul­ti oder Nazi. Ent­we­der im Lager der Guten, die sich im Namen des Welt­ge­wis­sens selbst von der Erde tilgen und mit ihrer Asche fremde Felder düngen – oder im finstren Reich der Nazis. Und es gibt genug „wan­deln­de Holo­caust­denk­mä­ler“ (so bezeich­ne­te ein Mode­ra­tor in einem luci­dum inter­val­lum die Neo­na­zis), die ihnen ihre Sicht bestä­ti­gen.

 

Es ist der Wahn­sinn, das „Dämo­ni­sche“, wie es Gianni Vat­ti­mo nennt, das eine unmit­tel­ba­re Prä­senz des Seins, eine totale fest­ge­stell­te Wahr­heit for­dert. Diese For­de­rung wird ange­sichts der Viel­falt der Welt zur Rasier­ma­schi­ne, zur Ket­ten­sä­ge, die alles weg­schnei­den, abschnei­den und ver­nich­ten muss, was auf die eigene Begrenzt­heit ver­weist. Der Hass auf den „weißen Über­mann“, die völ­li­ge „Eth­ni­sie­rung“ der der­zei­ti­gen Welt­la­ge und Unge­rech­tig­keit, die neben den oben ana­ly­sier­ten Filmen auch in allen jün­ge­ren Taran­ti­no-Strei­fen ritu­ell beschwo­ren und geläu­tert wurde, nährt sich vom selben Hass, der Ausch­witz ermög­lich­te.

 

Es ist ein ritu­el­ler, kul­ti­scher, von Ver­nich­tung und Zer­stö­rung gepräg­ter, fieb­ri­ger unver­söhn­li­cher Blick auf die Welt. Es ist der „Grimm“, das „Grim­mi­ge“, der Geist der Rache, der sich nur allzu oft im Berech­nen­den, Neu­tra­len ver­steckt. Statt eine echte Ana­ly­se der Kata­stro­phe, in der sich die Welt befin­det, statt einem echten Ver­ständ­nis des Gestells und seiner inne­ren Wahr­heit, wird es im „weißen Mann“ im „dwem“ „bio­lo­gi­siert“ und „sexua­li­siert“, wie damals die Ent­zau­be­rung und Moder­ne im Juden. Die „End­lö­sung“, die im NS in der Ver­nich­tung des „jüdi­schen Bazil­lus“ bestand, besteht im Uni­ver­sa­lis­mus der Schuld in der Durch­drin­gung, Zer­stö­rung, Zer­streu­ung der „white Race“ (Noel Inga­tiev).

 

Deutsch­land muss von außen ein­ge­hegt und innen durch Zustrom hete­ro­ge­ni­siert, quasi ‚ver­dünnt’ werden“.

Josch­ka Fischer

 

Dass diese „Ver­nich­tung“ nicht nur als Zer­stö­rung eines „sozia­len Kon­strukts“ gedacht, dass die Mas­sen­ein­wan­de­rung nach Europa ins­ge­heim als Zer­stö­rung und sado­ma­so­chis­ti­sche Ver­ge­wal­ti­gung erkannt wird, ver­ra­ten am Ende die ein­deu­ti­gen Bilder aus der Pop­kul­tur, vor allem in Taran­ti­nos erwähn­ten Filmen. Darf man gewis­sen Krei­sen eine gehei­me Lust an den mulit­kul­tu­rel­len Ver­ge­wal­ti­gun­gen in Rother­ham und Schwe­den, in denen sym­bo­lisch „Rache am Hoch­mut Euro­pas“ genom­men wird, unter­stel­len, wie sie der junge Mann bei Ras­pail offen aus­spricht? Die Genug­tu­ung der Rache, das „Bomber Harris do it again“, die Blut­la­chen und Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gung an Deut­schen, an denen Adorno sich in seinen pri­va­ten Brie­fen ergötzt – das alles ist noch tief in den Geist der Moder­ne ver­strickt.

 

Deren Lösung liegt nicht in einem Ver­such des echten Ver­ständ­nis der Lage, in einer Erkennt­nis eines Ver­häng­nis­zu­sam­men­hangs, in der Suche nach Aus­we­gen. Sie ist die Flucht in den Abgrund in einer binä­ren Logik, in der es nur Fort­schritt und Rück­schritt auf der linea­ren Bahn des hege­lia­ni­schen Welt­geis­tes gibt. Hinter uns Hitler, vor uns Mul­ti­kul­ti – ent­schei­de dich für den „Pro­gress“ oder die „Reak­ti­on“- das ist heute der knappe, neue „Fra­ge­bo­gen“ des frei­es­ten deut­schen Staa­tes und aller ande­ren euro­päi­schen Staa­ten.
Es ist die Flamme eines Hasses, einer schwä­ren­den Wunde, einer Sucht nach Schuld und Schul­di­gen, nach Rache und Opfer, die heute, nach­dem sie eine mis­sio­na­risch-impe­ria­lis­ti­sche Blut­spur durch die Geschich­te gezo­gen hat, sich gegen seinen Träger selbst, gegen Europa rich­tet.

 

Wir leben immer schon in der Vor-Apo­ka­lyp­se, im Schat­ten dieses Hasses, sind von ihm durch­drun­gen als seine Täter oder seine Opfer. Seine Unsicht­bar­keit ist Beweis für den all­ge­mei­nen tiefen Glau­ben, über den unsere Völker ihm ver­bun­den sind. Er steht zwi­schen uns und unsere eigent­li­chen Iden­ti­tät. Wir sind uns eigent­lich selbst das „ganz Andere“ gewor­den. Wir haben mit den uni­ver­sa­lis­ti­schen Cha­rak­ter­mas­ken, mit dem Ende der Moder­ne und ihrer Metaer­zäh­lung alle Rol­len­bil­der ver­lo­ren. Der Sex­tou­rist, der sich im Ficken oder Gefickt-werden, einer „exo­ti­schen“ ori­gi­nä­ren Männer- oder Frau­en­rol­le, seine eigene sexu­el­le Iden­ti­tät zurück­kau­fen will, ist der Arche­typ des west­li­chen Men­schen. Dank der links­grü­nen „Lob­by­ar­beit“ kann er sich viel­leicht auch bald als Pädo­phi­ler seine eigene ver­lo­re­ne Kind­heit zurück­fi­cken.

 

Die ein­zi­ge Hoff­nung, die in diesem Spek­ta­kel des Wahn­sinns, das umso uner­träg­li­cher wird, als es sich nur weni­gen plas­tisch zeigt, bleibt, ist die Tat­sa­che dieses Hasses. Die Bilder der ersehn­ten Über­flu­tung und Ver­ge­wal­ti­gung, die selt­sa­me Heils­er­war­tung, die, wie nach dem Skript Ras­pails, die „refu­gees welcome“-Bewegung längst befal­len hat. Der psy­cho­pa­tho­lo­gi­sche Miss­brauch des Flücht­lings, der sich gar nicht für das Elend, das ihn zur Flucht bewegt und dessen glo­ba­le Ursa­chen inter­es­siert, son­dern ihn als Spiel­zeug der eige­nen Ver­nich­tung impor­tiert, ist für jeden, der Augen hat, sicht­bar.

 

Wie die Chris­ten in der Arena warten sie auf die Bes­ti­en, die sie zer­flei­schen. Doch dies­mal hat man sich selbst „gefes­selt“, mit irren Regu­la­tio­nen hand­lungs­un­fä­hig gemacht, selbst die Gefahr ins Land geholt. Und – dies­mal ist man ohne Hoff­nung auf ein Nach­le­ben, sehn­süch­tig, trot­zig, voller Hass und Ver­zweif­lung. In dieser Ver­zweif­lung lebt aber noch eine gewis­se Ener­gie, die ein­zig­ar­tig ist. Es lebt und waltet noch ein Geist in Europa. Seine Gewalt ist über­all spür­bar. Als eth­no­ma­so­chis­ti­sche Grenze im Kopf, als hass­erfüll­tes Outing der Antifa, als mora­lin­saure Hetz­kam­pa­gne und Exis­tenz­ver­nich­tung durch die Mor­al­ma­fia. Jedes „Deutsch­land muss ster­ben“ kündet aus beru­fe­nen Mund wie eine Epi­pha­nie die Anwe­sen­heit einer geheim­nis­vol­len Kraft, die sich allen geschichts­phi­lo­so­phi­schen Struk­tur­ana­ly­sen ent­zieht. Es lebt, gerade im hei­li­gen Ernst der Antifa, der seinen ver­krampf­ten Fana­tis­mus nicht ver­ber­gen kann, auch wenn er noch so lässig „gegen Deutsch­land“ raven will, eine Tiefe, in der etwas wur­zeln könnte.

 

Es ist kein Zufall, dass der Welt­geist als Geist des Bösen gerade in Deutsch­land, dem Land von Freud, Marx und Nietz­sche, Hegel, Hitler und Hei­deg­ger am unver­deck­tes­ten aus den “blei­chen Masken” schaut. Wie ein gefal­le­ner fie­bern­der Erz­engel, seine Flügel sind mit Kot befleckt, von seinen Lidern trop­fen Würmer. Er ist bespuckt, vom Hass zer­fres­sen, aber von einem Geist beseelt. Dieser Geist wartet auf eine Erlö­sung, auf eine Ausweg und einen Aus­bruch aus seiner selbst­ge­schaf­fe­nen Dicho­to­mie. Er wird, wenn er ihn nicht findet, über sich selbst her­fal­len, ver­sun­ken im sanf­ten Sai­ten­spiel seines Wahn­sinns, zer­schun­den und selbst­zer­fleischt wie ein Adler in der Lege­bat­te­rie im Kreis­gang zugrun­de gehen. Er kann diesen Ausweg nur erken­nen, wenn er zwi­schen der fal­schen Dicho­to­mie von Objekt und Sub­jekt, Faschis­mus und Fort­schritt, Wahr­heit und Belie­big­keit, Ras­sis­mus und Mul­ti­kul­ti, Aus­beu­tung und No-Border, Gleich­heit und Ungleich­wer­tig­keit das „ter­ti­um datur“ erfährt. Dieses ist aber nur erfahr­bar, wenn man das „datur“ das „es gibt“, wirk­lich ver­steht. Was uns und das rechte Lager unwei­ger­lich auf die Über­win­dung des Stil­fa­schis­mus ver­weist.

 

Doch dieser Text, der wie gesagt ein „Sich Luft machen“, ein „rant“ ist. wird sich vor diesem Thema hüten. Wie jede „Anti-Hal­tung“ vom kri­ti­sier­ten „Geist der Rache“ nicht ganz frei, wird er statt­des­sen, mit einer maka­be­ren Genug­tu­ung, mit dem zwei­ten Teil der Stelle aus dem „Heer­la­ger der Hei­li­gen fort­fah­ren und abschlie­ßen:

 

»Ich? Weil ich dies alles hasse. Weil das Welt­ge­wis­sen ver­langt, daß man dies alles haßt. Hauen Sie ab! Ich pfeife auf Sie!«

 

Der alte Herr ging ins Haus, kam aber gleich wieder zurück mit einem Gewehr in der Hand. »Was machen Sie da?« fragte der junge Mann.

»Ich werde Sie wohl töten. Meine Welt wird viel­leicht nach morgen früh nicht mehr leben, daher habe ich die Absicht, die letz­ten Minu­ten noch voll aus­zu­nut­zen. Ich werde in dieser Nacht, ohne mich vom Fleck zu rühren, ein zwei­tes Leben führen, und ich glaube, daß es noch schö­ner als das erste sein wird. Da mei­nes­glei­chen abge­reist ist, will ich es allein erle­ben.«

»Und ich?«

»Sie sind nicht mei­nes­glei­chen. Sie sind mein Gegner. Ich will diese kost­ba­re Nacht nicht in Gesell­schaft meines Geg­ners ver­geu­den. Daher werde ich Sie töten.«

»Sie können das nicht. Ich bin sicher, daß Sie noch nie jemand getö­tet haben.«

»Das ist wahr. Ich habe immer das fried­li­che Leben eines Lite­ra­tur­pro­fes­sors geführt, der seinen Beruf liebte. Im Krieg brauch­te man mich nicht, und die offen­bar unnüt­ze Töte­rei bedrückt mich auch phy­sisch. Ich wäre wahr­schein­lich ein schlech­ter Soldat gewe­sen. Den­noch glaube ich, daß ich mit Actius zusam­men fröh­lich einen Hunnen getö­tet hätte. Und mit Karl Mar­tell ara­bi­sches Fleisch zu durch­lö­chern hätte mich sehr begeis­tert, ebenso mit Gott­fried von Bouil­lon oder mit Bal­du­in dem Aus­sät­zi­gen. Unter den Mauern von Byzanz tot an der Seite von Kon­stan­tin Dra­gasès, mein Gott! Wie­viel Türken hätte ich noch umge­bracht, bevor ich selbst dran gewe­sen wäre. Glück­li­cher­wei­se ster­ben Men­schen, die den Zwei­fel nicht kennen, nicht so leicht. Nach­dem ich wie­der­auf­er­stan­den war, habe ich gemein­sam mit Teu­to­nen Slawen erschla­gen. Ich trug das Kreuz auf meinem weißen Mantel und ver­ließ mit dem blu­ti­gen Schwert in der Hand zusam­men mit der vor­bild­li­chen klei­nen Truppe des Vil­liers de l‘Isle-Adam die Insel Rhodos. Als Matro­se Johanns von Öster­reich habe ich mich in Lepan­to gerächt. Eine schöne Schlach­te­rei! Dann hat man mich nicht mehr ver­wen­det. Nur ein paar Lap­pa­li­en, die lang­sam schlecht beur­teilt werden. Alles wird so häß­lich. Es gibt keine Fan­fa­ren, keine Stan­dar­ten und kein Te Deum mehr. Natür­lich habe ich nie­mand getö­tet. Aber alle diese Schlach­ten, mit denen ich mich soli­da­risch fühle, erlebe ich jetzt mit einem Schlag, und mit einem ein­zi­gen Schuß bin ich die Haupt­per­son. Da ist er!«

Der junge Mann brach gra­zi­ös zusam­men, glitt am Gelän­der, an das er sich ange­lehnt hatte, hin­un­ter und saß schließ­lich mit hän­gen­den Armen auf seinen Fersen, in einer Stel­lung, die für ihn üblich war. Der rote Fleck auf seiner linken Brust­sei­te wurde etwas größer, hörte aber dann rasch auf zu bluten. Er starb ganz ordent­lich. Ein Sieg nach Art des Abend­lan­des, so end­gül­tig wie nutz­los und lächer­lich. Im Frie­den mit sich selbst wandte der alte Herr Cal­guès dem Toten den Rücken zu und kehrte in das Haus zurück.“