Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung bekennt sich in ihren zahl­rei­chen Posi­tio­nie­run­gen unter ande­rem immer wieder dazu, gewalt­frei  zu sein. Und wirk­lich: Mili­tanz ist das Letzte, was die bis­he­ri­gen pro­mi­nen­ten Aktio­nen aus­strah­len. Das hat ihr im Lager der poli­tisch kor­rek­ten Jour­na­lis­ten ein gewis­ses ver­ba­les Ent­ge­gen­kom­men — „immer­hin seien diese Rechts­ex­tre­men aus­nahms­wei­se einmal nicht gewalt­tä­tig“ — beschert, im Lager der Haudraufs und Maul­hel­den ledig­lich Hohn und Ver­ach­tung.

 

Die Distan­zie­rung von Gewalt wird auto­ma­tisch als Schwä­che und Mangel an Bereit­schaft und Idea­lis­mus aus­ge­legt. Es wird als Zuge­ständ­nis an das Gestell, als Mit­sin­gen im post­mo­der­nen Kanon der Harm­lo­sig­keit und des ewigen Dis­kur­ses, betrach­tet und ver­ach­tet. Auch wenn wohl viele Iden­ti­tä­re diese Parole tat­säch­lich nicht weiter bedacht haben und sie ein­fach nur dem Akti­vis­mus-Sprech aller NGOs nach­plap­pern, wollen wir hier eine nähere Betrach­tung unter­neh­men, die viel­leicht eini­ges über das Wesen von Macht und Gewalt erhel­len wird. Neben einer Ana­ly­se der iden­ti­tä­ren Akti­ons­for­men soll auch das plumpe, in NW-Krei­sen gras­sie­ren­de Ver­ständ­nis von poli­ti­scher Macht und Gewalt, einer ver­nich­ten­den Kritik unter­zo­gen werden.

 

Der Kult der Gewalt

 

Jeder von uns hat einen eige­nen Bezug zu diesem Begriff, der wie wenig andere grelle Bilder im Geist evo­ziert. Die nackte, uner­klär­te Gewalt hat, gleich dem Schmerz, etwas Reines und Hei­li­ges, ebenso wie sie schreck­lich und absto­ßend ist. Um sie hat sich in jeder Kultur und Zeit ein gewis­ser Kult gebil­det, so wie sich immer ein gewis­ser lands­knecht­ar­ti­ger Typus gefun­den hat, der sie schau­dernd-bewun­dert ver­kör­pert.

 

Und wirk­lich — man kommt nicht umhin, diese harten Kerle zu bewun­dern, die, nicht­ach­tend der Folgen und jah­re­lan­gen Kon­se­quen­zen, die sie mit ihren kurzen Hand­lun­gen aus­lö­sen, im Schat­ten der urba­nen Metro­po­len dem Kult der Faust frönen. Wer ihn selbst noch nie erlebt hat, diesen einen klei­nen Moment, wenn einem eine Faust ins Gesicht fährt, diese Mischung aus Über­ra­schung und Empö­rung, die Schlag auf Schlag von einer Welle aus Hass und Ver­nich­tungs­wil­len über­rollt wird, die einen mit­reißt, fort aus der All­tags­welt, dieses Gefühl, wenn die Straße zur Arena wird, die Gruppe zur Rotte  und die Hand zur Faust — wer das noch nie erlebt hat, darf hier nicht urtei­len und diesen Kult als Kin­de­rei abtun. Und wenn, sollte er es wagen, das seinen Jün­gern ins Gesicht zu sagen.

 

Dieser Kult hat seine Schön­heit und Daseins­be­rech­ti­gung. Er ist so alt wie der Mensch selbst und gehört zum Wesen des Mannes, als dessen Aus­bruch, Über­trei­bung und teil­wei­se Ver­zer­rung. Durch alle Kul­tu­ren hin­durch ver­steht man seine Spra­che. Der Respekt, den ein guter und ehr­li­cher Kampf zwi­schen den Teil­neh­mern erzeugt, ist ein Aus­druck davon. Das klas­si­sche Motiv — zuerst schlägt man sich auf die Fresse und dann kippt man zusam­men ein Bier — ist der Ritus dieses Kults, der in Hoo­li­gan, Skin­head und diver­sen ande­ren Sub­kul­tu­ren gepflegt wird. Je stär­ker die ersti­cken­de, kaf­ka­es­ke Büro­kra­tie des west­li­chen Empi­res ver­sucht, die Gewalt — ebenso wie das Poli­ti­sche und die Macht — aus der Welt zu ver­ban­nen, desto stär­ker wird die heim­li­che Ver­eh­rung der Jugend für die dunk­len Helden der Gewalt und ihre anar­chi­schen Amok­läu­fe.

 

Gegen diesen Kult der Gewalt wollen wir nichts ein­wen­den und ihn auch nicht näher beschrei­ben. Der Schlä­ger ist wie die Dirne eine ewige Figur des mensch­li­chen Thea­ters, die man viel­leicht nicht als Nach­bar haben möchte, aber auch nicht missen will. Doch gerade indem man ihm seine Daseins­be­rech­ti­gung gewährt, sein Wesen ver­steht und aner­kennt, erkennt man auch klar seine Gren­zen. Er hat mit Poli­tik nichts zu tun und über­lebt und über­steht alle Wenden und Sys­tem­wech­sel mit der­sel­ben Hart­nä­ckig­keit wie das hori­zon­ta­le Gewer­be.

 

Damit ist aber auch klar, dass in seinem Geist keine Poli­tik betrie­ben werden kann, dass hier Welten vor uns liegen, die ganz eigene Geset­ze haben und eigene Typen ver­lan­gen. Gerade in den rech­ten Zusam­men­hän­gen, in denen dieser Kult natür­lich immer schon zu Hause war, wird diese Tren­nung oft man­gel­haft oder gar nicht voll­zo­gen. Er ist der Haupt­grund, warum ein fal­sches Ver­ständ­nis von Macht und Poli­tik vor­herrscht. Er ersetzt mit seiner Begriff­lich­keit, Men­ta­li­tät und Sym­bo­lik theo­re­ti­sche Über­le­gun­gen in jeder Hin­sicht. Wir wollen hier klar gegen­steu­ern, ohne den Kult in seinem Bereich in Frage zu stel­len. Um diesen Bereich und seinen Unter­schied zur poli­ti­schen Macht kennen zu lernen, wollen wir zuvor kurz selbst defi­nie­ren, was wir unter Gewalt ver­ste­hen.

 

Was ist Gewalt?

 

Es gibt über­ra­schend wenige Behand­lun­gen der Gewalt in der euro­päi­schen Phi­lo­so­phie­ge­schich­te, die, wenn sie statt­fan­den, meist ihre Recht­fer­ti­gung und Ein­ge­mein­dung mit­tels eines ande­ren Wertes unter­nah­men. Wer unsere Arti­kel liest, weiß, dass jeder Text eine bestimm­te Ziel­rich­tung hat und wir das „Info­tain­ment“, die großen inhalts­lee­ren Über­bli­cke, Zitat­samm­lun­gen und Pot­pour­ris, meiden. Auch hier wollen wir uns nicht zu sehr in diver­se Gewalt­theo­ri­en ver­lie­ren, son­dern eine grobe Unter­schei­dung tref­fen. Man kann Gewalt ent­we­der eng führen und, ähn­lich dem Straf­recht, als reinen Ein­griff in die kör­per­li­che Inte­gri­tät betrach­ten. Man kann den Begriff weiter fassen, wie Max Weber in seiner berühm­ten Defi­ni­ti­on, wonach Gewalt die Chance sei, „den eige­nen Willen in sozia­len Bezie­hun­gen auch gegen Wider­stre­ben durch­zu­set­zen.“

 

Man kann ihn auch total ent­gren­zen und in der Gewalt den tran­szen­den­ten Urgrund zu sehen, der hinter jeder Ord­nung, in jedem Wort und jeder Geste steckt. Je weiter der Begriff gefasst wird, desto weni­ger erklärt er und desto nichts­sa­gen­der wird jede Betrach­tung über ihn. „Alles ist Gewalt“ kann man leicht pos­tu­lie­ren, um sich nach­her in poe­ti­schen Schil­de­run­gen über das gewalt­sa­me der Zeu­gung, des Geburts­schreis, der kos­mi­schen Kräfte und der Natur zu erge­hen. Ebenso könnte man aber mit einem „Alles ist Liebe“ das­sel­be Spiel trei­ben, das je nach Bega­bung lite­ra­risch inter­es­sant, theo­re­tisch aber nichts­sa­gend ist.

 

Was man damit letzt­lich aus­sagt ist, dass allem Sei­en­den etwas Gewalt­sa­mes anhaf­tet. Das wider­spricht in keiner Weise der von uns prä­fe­rier­ten engen Defi­ni­ti­on von reiner Gewalt als phy­si­schem Ver­let­zungs­akt von Men­schen gegen Men­schen. Dazu zählt zuerst einmal jeg­li­che phy­si­sche Hand­lung, welche die kör­per­li­che Inte­gri­tät beein­flusst, der Schlag ins Gesicht, das Fixie­ren am Boden sowie der Stich der Täto­wier­na­del. Ob dieser Akt im Ein­ver­ständ­nis oder gegen den Willen gesche­hen ist, ist für die Defi­ni­ti­on erst einmal gleich­gül­tig. Auch die Gewalt gegen das Eigen­tum einer Person, etwa das Auf­bre­chen ihrer Türe, das Kna­cken ihres Com­pu­ters, etc. ist in wei­te­rer Folge in die Defi­ni­ti­on ein­zu­be­zie­hen.

 

Psy­chi­sche oder gar „struk­tu­rel­le“ Gewalt wollen wir nicht in die Grund­de­fi­ni­ti­on ein­be­zie­hen, da wir sonst ins Ufer­lo­se abglei­ten. Wir werden sie später behan­deln. Diese oben beschrie­be­ne Form von Gewalt ist in allen poli­ti­schen Ord­nun­gen an sich ver­pönt und regu­liert. Da poli­tisch-recht­li­che Ord­nun­gen unwei­ger­lich dort ent­ste­hen, wo der Mensch als zoon poli­ti­con lebt, ist die gene­rel­le Äch­tung der freien, unge­re­gel­ten Gewalt eine anthro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te, was dem oben beschrie­be­nen Kult der Gewalt seinen rebel­li­schen Charme ver­leiht.

 

Über­all wird die nackte, phy­si­sche Gewalt regle­men­tiert und ihre unbe­grün­de­te oder regel­wid­ri­ge Aus­übung unter Strafe gestellt. Sie bekommt einen Platz in der Ord­nung, die in der Regel eine juris­ti­sche Ord­nung dar­stellt.  Damit gibt es für den Rechts­un­ter­wor­fe­nen klar umris­se­ne Situa­tio­nen, in denen sie ange­wandt werden darf. Die frei­es­te Gewalt­aus­übung kommt in der Ord­nung immer dem Ord­nungs­hü­ter zu. Diese Organe haben das Gewalt­mo­no­pol inne. Das heißt, der Ein­satz geziel­ter und nicht rein reak­ti­ver Gewalt (wie in der Not­wehr) kommt allei­ne ihnen zu. Die reine, nackte Gewalt hat also immer den Cha­rak­ter des Chaos und der Unord­nung, die in Bruch­stel­len der staat­li­chen Macht wächst und von ihr in einem ewigen Ringen bekämpft werden muss, was die tra­di­tio­na­len Reli­gio­nen als Tötung des Mons­trums, Dra­chens oder Rie­sens sym­bo­lisch in seiner kos­mi­schen Dimen­si­on dar­stell­ten.

 

Beide Pole — der Staat und seine ord­nen­de, ver­nünf­ti­ge Macht sowie das Chaos und seine schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rung — sind Pole, die sowohl im Ein­zel­nen als auch im Volk ihre eige­nen Sym­bo­le, Kulte und  Bedeu­tun­gen erhal­ten und in ihm ihre dyna­mi­sche Ein­heit finden. So wie Ver­nunft und Wahn, Trieb und Wille in uns, so ver­ei­ni­gen sich in der eth­no­kul­tu­rel­len Gemein­schaft der Staat und das Chaos, Dio­ny­sos und Apoll. Dass beide sich bekämp­fen und begren­zen, ist ebenso wenig Wider­le­gung ihres Zusam­men­wir­kens wie der Wider­streit zwi­schen Herz und Ver­stand im Men­schen den orga­ni­schen Zusam­men­hang wider­le­gen würde.

 

Die politische Macht

 

Die poli­ti­sche Macht ist nach dieser Betrach­tung der Gewalt ent­ge­gen­ge­setzt. Sie ist von Ver­nunft und Ord­nung gelei­tet. Dass sie diese Ord­nung in einem schöp­fe­risch, gewalt­sa­men Akt ins Chaos der Welt setzt, ändert nichts daran, da diese Set­zung gerade gegen die Gewalt von außen und in einem selbst geschieht. Zudem setzt sich die orga­ni­sche Gemein­schaft diese ihre Ord­nung selbst. Die Staats­po­li­tik ist nur die flüch­ti­ge und tem­po­rä­re Kon­kre­ti­sie­rung der wech­seln­den poli­ti­schen Ziele der sie über­dau­ern­den eth­no­kul­tu­rel­len Gemein­schaft. Sie erwächst aus der Sprach­welt und den Mythen, die diese vor­ge­ben und ist nie­mals ein Kon­trakt, der aus dem Nichts das Kol­lek­tiv schafft.

 

Poli­ti­sche Macht wird immer legi­ti­miert und ist in ihrem Wesen nicht auto­ma­tisch gewalt­tä­tig. Poli­tik ist die gemein­sa­me Rege­lung des gemein­schaft­li­chen Lebens des Gemein­schafts­we­sens Mensch, die in ver­schie­dens­ten Staats­for­men gesche­hen kann. Immer aber muss sie von einer meta­po­li­ti­schen Zustim­mung, einer kul­tu­rel­len Hege­mo­nie getra­gen sein, die sich auf Dauer immer nach dem Gefühl und der Mei­nung des Volkes (nicht der Mehr­heit) und nicht dem Willen der Herr­schen­den rich­tet.

 

Der Herr­scher muss  seine Herr­schaft legi­ti­mie­ren. Sie ist die all­ge­mei­ne Zustim­mung des Volks zur Ord­nung, die er als Leiter ver­tritt. Wenn er gegen die Geset­ze dieser Ord­nung und ihrer Legi­ti­ma­ti­on ver­stößt, ver­fällt seine Macht ins Nichts. Poli­ti­sche Macht ist also immer eine (wenn auch asym­me­tri­sche) zwei­sei­ti­ge Bezie­hung, was sie von der ein­sei­ti­gen Gewalt­an­wen­dung unter­schei­det.

 

Ein Bei­spiel dafür ist die Idee des gött­li­chen Königs­heils, das die Herr­schaft der Mon­ar­chen im Mit­tel­al­ter legi­ti­mier­te. Ein innen- und außen­po­li­ti­sches Ver­sa­gen konnte als Ver­schwin­den dieses mythi­schen Heils­zu­stands gedeu­tet werden, worauf die vorher pflicht­ge­mä­ße Unter­stüt­zung ver­wei­gert werden konnte. Nicht weil irgend­ei­ne Rechts­norm dies zuließ.

 

Die Macht hat zwar immer einen Aspekt des Gewalt­sa­men. Auch wenn sie nicht akut, etwa durch einen Poli­zei­ein­satz, die Gewalt als ultima ratio zur Durch­set­zung der Ord­nung anwen­det. In jedem For­mu­lar und jedem Ver­kehrs­zei­chen lebt ein klei­ner Befehl, der einen gewalt­sam affi­ziert. Doch durch die gerech­te Herr­schaft, die von der all­ge­mei­nen Zustim­mung getra­gen sein muss, wird dieses Gewalt­sa­me ein­ge­hegt und gebun­den wie die Axt im Ruten­bün­del des Liktors.

 

Der Staat ist eben nicht, wie Hannah Arendt fest­hält, die „Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Gewalt“, son­dern von der Macht getra­gen. Dass ihm immer noch etwas Gewalt­sa­mes anhaf­tet, liegt an der oben beschrie­be­nen Uni­ver­sa­li­sier­bar­keit der Gewalt und der Tat­sa­che, dass Begrif­fe und Ideen nie in einer Rein­form auf­tre­ten. Ebenso hat auch jede Form von reiner, nack­ter Gewalt­an­wen­dung auch immer einen ratio­na­len Bei­ge­schmack, eine gewis­se Inten­ti­on, oder zumin­dest einen gewis­se Ziel­ge­richt­et­heit, wie sie selbst im Faust­schlag liegt.

 

Die Macht ist der Aus­druck einer bestimm­ten herr­schen­den Idee, eines Mythos, dem sowohl der Herr­scher als auch die Beherrsch­ten gemein­sam ange­hö­ren. Revo­lu­tio­när ist in letz­ter Kon­se­quenz genau der­je­ni­ge, der gegen diese herr­schen­de Idee und die durch sie begrün­de­te Ord­nung kämpft — nicht aller­dings auto­ma­tisch der­je­ni­ge, der Gewalt anwen­det.  Die poli­ti­sche Macht ist somit immer nur in Bezug auf eine poli­ti­sche Gemein­schaft denk­bar. Die Gewalt nicht. Sie ist ein­sei­tig und unver­han­del­bar, was auch ihre gewis­se Fas­zi­na­ti­on aus­macht.

 

Wer sich mit Poli­tik befasst, beschäf­tigt sich mit Macht- und Meta­po­li­tik. Gewalt ist nicht Zen­trum der Beob­ach­tung, da sie nicht das Zen­trum der Poli­tik dar­stellt. Die Macht hat ihre eige­nen Geset­ze und kann nie­mals durch reine Gewalt erlangt oder erhal­ten werden. Sie bekämpft die freie unge­re­gel­te Gewalt im Inne­ren als Ver­bre­chen und Chaos mit ihrem Gewalt­mo­no­pol. Sie kämpft im Krieg gegen die gewalt­sa­men Angrif­fe eines ande­ren Macht­ge­fü­ges (Staa­tes) mit aller Gewalt ihrer Armee. Sie erhält und beschirmt die zen­tra­le Idee, den meta­po­li­ti­schen „con­tract des idees incon­testa­bles“, der ihre Legi­ti­ma­ti­on begrün­det, nach innen und außen.

 

Den­noch ist sie keine reine Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Gewalt, ebenso wenig wie eine Fami­li­en­ord­nung eine kon­trak­tua­li­sier­te Gewalt dar­stellt. Die Macht, der Staat und die Ord­nung in ihren tau­send Erschei­nungs­for­men sind Grund­fak­ten des mensch­li­chen Lebens, die man ebenso wenig wie es selbst mora­lisch oder ratio­nal recht­fer­ti­gen kann oder muss.

 

Der Ver­such ihrer tota­len Abschaf­fung führt des­we­gen auch mit unaus­weich­li­cher Not­wen­dig­keit zur maxi­ma­len Auf­blä­hung und Zusam­men­bal­lung. Die Abschaf­fung des Poli­ti­schen und des Staa­tes schlecht­hin geht auf­grund des poli­ti­schen Pluri­ver­sums und dessen ago­na­len Drucks nur in Form einer Welt­re­vo­lu­ti­on hin zu einer Form von tota­li­tä­rer Welt­staat­lich­keit (als Erzie­hungs­dik­ta­tur). Die Abschaf­fung des Poli­ti­schen führt zu einer tota­len Poli­ti­sie­rung und Infil­trie­rung aller Lebens­be­rei­che, das Bestre­ben des Welt­frie­dens zum tota­len Welt­krieg.

 

Wenn die Idee und der Mythos ster­ben, ver­liert eine poli­ti­sche Ord­nung ihre Macht. Der meta­po­li­ti­sche Tod der herr­schen­den Ideo­lo­gie, der sich vor allem durch  das Auf­blü­hen der Zensur, einen ver­knö­cher­ten, hyper­mo­ra­li­schen Kunst­be­trieb und eine all­ge­gen­wär­ti­ge gegen­sei­ti­ge Bespit­ze­lung bemerk­bar macht, trock­net die poli­ti­sche Macht aus. Sie ver­liert ihre Auto­ri­tät, d. h. die Bereit­schaft der Bürger, ihr frei­wil­lig und aus Pflicht zu folgen.

 

Statt­des­sen ent­steht eine unwil­li­ge, rein pflicht­ge­mä­ße Befol­gung des äußerst Nöti­gen, die ohne per­ma­nen­te Wohl­stands­be­stechung und maxi­ma­le Gewalt­an­dro­hung und -anwen­dung sofort auf­hö­ren würde. Die Bürger atmen nicht mehr den Geist eines Gedan­kens, dessen poli­ti­scher Aus­druck der Staat ist. Er erscheint ihnen fremd und kalt, als Räuber, Zwing­herr und Gewalt. Wenn das geschieht, wird eine Revo­lu­ti­on mög­lich.

 

Die Revolution

 

Die Revo­lu­ti­on ist die gewalt­sa­me Umwer­fung einer Ord­nung zur Errich­tung einer neuen. Man darf den Ver­fall der poli­ti­schen Macht und die Revo­lu­ti­on nicht mit einer intra­or­di­na­len Instanz zur Ände­rung der Regie­rung (etwa einem Wider­stands­recht gegen Ver­fas­sungs­bre­cher) ver­wech­seln. Diese Instanz hat nur den Sinn, die Ord­nung im Namen, der ihr zugrun­de­lie­gen­den Idee, wieder her­zu­stel­len. Sie ist mehr Refor­ma­ti­on als Revo­lu­ti­on.

 

Die Revo­lu­ti­on ist zwar oft ein gewalt­tä­ti­ger Akt, tat­säch­lich spielt die Gewalt in ihr aber immer eine gerin­ge Rolle. Nie­mals hat eine Armee von Revo­lu­tio­nä­ren einen staat­li­chen Armee­ver­band besie­gen können. Wenn eine Revo­lu­ti­on gewalt­sam ablief, dann immer so, dass die Sol­da­ten zu ihr über­lie­fen oder Schieß­be­feh­le ver­wei­ger­ten.

 

Sie ist scharf vom Gue­ril­la­krieg eines besetz­ten Landes zu unter­schei­den, in dem eine Fremd­herr­schaft mit reiner Gewalt gegen den all­ge­mei­nen Volks­wil­len herrscht. Hier liegt keine poli­tisch legi­ti­mier­te Herr­schaft im eigent­li­chen Sinne vor son­dern die gewalt­sa­me Unter­jo­chung eines Staa­tes unter den ande­ren. Damit ist es auch keine Revo­lu­ti­on, die sie ablöst, son­dern es ist der Krieg zweier Ord­nun­gen gegen­ein­an­der.

 

In der Revo­lu­ti­on also spielt die Gewalt eine wesent­lich gerin­ge­re Rolle als im Krieg. Sie ist viel­mehr ein macht­po­li­ti­sches als ein gewalt­sa­mes Phä­no­men. Wenn die Revo­lu­tio­nä­re Gewalt und Kon­trol­le aus­üben, dann ist das nur das schwin­den­de Gewalt­mo­no­pol der poli­ti­schen Macht, wel­ches sie sich ein­ver­lei­ben. Ihr Ziel ist in der Regel eine andere poli­ti­sche Ord­nung, die sie im Namen einer ande­ren Idee durch­set­zen wollen.

 

Wenn die Mehr­heit der  Bevöl­ke­rung ihre Idee der Herr­schaft und der Ord­nung für legi­ti­mer hält,  sie den meta­po­li­ti­schen Krieg bereits gewon­nen haben, ist es um die Macht des Sys­tems bereits sehr schlecht bestellt. Sobald die herr­schen­de Idee ihre Luft ver­lo­ren hat und ihre Auto­ri­tät ver­liert, wird das Macht­ge­fü­ge morsch und brü­chig. Der Staat wird nervös und ver­sucht den Auto­ri­täts­ver­lust mit Gewalt aus­zu­glei­chen, was ihn zuneh­mend von seinen Bür­gern iso­liert. Ver­trau­ens­ris­se bilden sich.

 

In diese Spal­ten dringt der Revo­lu­tio­när ein und sprengt den Macht­ring um die meta­po­li­ti­sche Hege­mo­nie. Wenn er sie ein­ge­nom­men hat, wenn die Bürger das Ver­trau­en in den Staat und seine Idee ver­lo­ren haben und eine Alter­na­ti­v­i­dee auf­ge­kom­men ist, reicht ein letz­ter Funke, der Tod eines Pro­tes­tie­ren­den, ein Brand in einem Gebäu­de, eine Ver­sor­gungs­kri­se, um das Zeit­fens­ter zu öffnen, in dem eine revo­lu­tio­nä­re Gruppe die Macht an sich reißt.Lässt sie dieses ver­strei­chen, kann es sein, dass der Staat sich erholt, sich refor­miert und eine neue Aus­for­mung seiner Leit­idee das Macht­ge­fü­ge erneu­ert.

 

Der Ein­bruch der staat­li­chen Macht und Auto­ri­tät erfolgt vor jeder echten revo­lu­tio­nä­ren Praxis. Die Erobe­rung der Meta­po­li­tik ist das erste und wich­tigs­te Ziel der revo­lu­tio­nä­ren Avant­gar­de. Je stär­ker das „Bür­ger­tum“ (die lesen­de Schicht), die Medien, das poli­ti­sche Enga­ge­ment der Massen in Demons­tra­tio­nen, Bür­ger­be­we­gun­gen, usw. aus­ge­prägt ist, desto wich­ti­ger ist die Rolle der Meta­po­li­tik und der Macht und desto unwich­ti­ger wird die krie­ge­ri­sche Gewalt.

 

Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on etwa zeich­net sich weni­ger durch gewalt­sa­me mili­tä­ri­sche Gue­ril­la-Aktio­nen aus, als durch den unbarm­her­zi­gen, unauf­halt­ba­ren meta­po­li­ti­schen Total­an­griff auf die herr­schen­de Ideo­lo­gie, der von phi­lo­so­phi­schen Trak­ta­ten bis hin zu mas­sen­wei­se ver­teil­ten obszö­nen Kari­ka­tu­ren des Herr­scher­paa­res reich­te. Hannah Arendt hat recht, wenn sie schreibt:

 

Auto­ri­tät bedarf zu ihrer Erhal­tung und Siche­rung des Respekts ent­we­der vor der Person oder dem Amt. Ihr gefähr­lichs­ter Gegner ist nicht Feind­schaft son­dern Ver­ach­tung, und was sie am sichers­ten unter­mi­niert, ist das Lachen.

 

In einem Staat, in dem die Meta­po­li­tik wenig bis gar nicht aus­ge­prägt ist, liegen die Dinge anders. Bei der Revo­lu­ti­on Lenins gegen die zaris­ti­sche Herr­schaft etwa war das rus­si­sche Bür­ger­tum noch weit­ge­hend unter­ent­wi­ckelt und die mili­tä­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on nahm einen grö­ße­ren Stel­len­wert ein. Den­noch war auch hier der Macht­ver­lust des Zaren durch das Ende der Mon­ar­chie und den Tod Gottes in Europa, sowie durch den ver­lo­re­nen Krieg, die Vor­be­din­gung.

 

Diese revo­lu­tio­nä­re Lage kann man nicht mecha­nisch herbei zwin­gen oder gene­ral­stabs­mä­ßig planen. Viel­mehr kann man nach dem Ver­ständ­nis der Mecha­nis­men eine genaue Lage­ana­ly­se der kul­tu­rel­len Hege­mo­nie betrei­ben, um dann ihre Ideen, ihre Eliten und ihre Zen­tren meta­po­li­tisch zu atta­ckie­ren. Die revo­lu­tio­nä­re Lage stellt sich von selbst ein und kann auf ver­schie­dens­te Arten und Weisen gelöst werden, die nicht zwin­gend gewalt­tä­tig und blutig sein müssen.

 

In dem Moment, wo ein Staat sich nur mehr mit ohn­mäch­ti­ger Gewalt gegen das auch gewalt­freie Auf­tre­ten und Auf­trump­fen einer Gruppe wehren kann, die von einer revo­lu­tio­nä­ren Idee gelei­tet und von der Masse der Bevöl­ke­rung getra­gen ist, hat die geis­ti­ge Revo­lu­ti­on quasi schon statt­ge­fun­den. Die Not­wehr gegen die, nicht struk­tu­rel­le, gesetz­li­che son­dern akut-ver­zwei­fel­te Gewalt des Staa­tes ist selbst kaum mehr nötig. Jene wird von Befehls­ver­wei­ge­rung sowie­so meist ver­un­mög­licht.

 

In einer offe­nen Feld­schlacht gegen eine staat­li­che Armee hat keine Revo­lu­ti­on der Welt eine Chance. Der Ter­ro­ris­mus ver­sucht diesen Pro­zess genau umzu­keh­ren. Er ver­sucht durch mas­si­ve Gewalt­ta­ten gegen die Zivil­be­völ­ke­rung und den Staat ein Klima der Angst zu schaf­fen, in dem der Staat sich zum Poli­zei­staat ent­wi­ckelt und desta­bi­li­siert wird. Seine Ver­wund­bar­keit soll auf­ge­zeigt werden, sein Gewalt­mo­no­pol in Frage gestellt werden.

 

Dadurch soll die Masse das Ver­trau­en an den Staat ver­lie­ren und durch seinen Kampf gegen den omni­prä­sen­ten Terror von ihm iso­liert werden. Doch genau das Gegen­teil wird erreicht. Wenn die Ter­ro­ris­ten nicht schon von vorn­her­ein einen großen Rück­halt in der Bevöl­ke­rung haben — und damit teil­wei­se eher als Gue­ril­las zu betrach­ten sind — erzeu­gen ihre Ter­ror­schlä­ge gegen das Gewalt­mo­no­pol des Staa­tes keinen Ein­bruch seiner Macht oder Legi­ti­mi­tät. Im Gegen­teil: indem er als Ord­nungs­macht gegen ihre offen­bar chao­ti­schen und grau­sa­men Taten vor­geht, stärkt er sich.

 

Die „Ver­wund­bar­keit“, die man so auf­zeigt, wirkt auf die Bürger nicht befrei­end, son­dern beängs­ti­gend, solan­ge sie nicht schon geis­tig vom Staat los­ge­löst und im Lager der Ter­ro­ris­ten sind. Sie rufen so nach mehr Über­wa­chung und Kampf gegen den Terror. Die rein gewalt­tä­ti­gen Schlä­ge gegen das Gewalt­mo­no­pol des Staa­tes sind für diesen nur Krat­zer. Tau­sen­de Waf­fen­fa­bri­ken und Kaser­nen pro­du­zie­ren Tag für Tag Nach­schub, wäh­rend für die Ter­ro­ris­ten schon der Kauf eines Tele­fons einen großen logis­ti­schen Auf­wand bedeu­tet.

 

Ver­lust­reich, sinn­los und grau­sam — das ist der Ter­ro­ris­mus, der stets auf einen theo­re­ti­schen Bank­rott und eine quä­len­de Ohn­macht ver­weist. Der Staat kann durch reine Gewalt nur in einem echten Krieg von einem ande­ren Staat besei­tigt werden. Hier wird zwar auch durch schwar­ze Pro­pa­gan­da die Macht des Staa­tes atta­ckiert; Selten aller­dings will und wird man die geg­ne­ri­schen Zivi­lis­ten für sich gewin­nen, son­dern meist nur ihre Kampf­mo­ral zer­stö­ren.

 

Fassen wir zusam­men: Wir haben nach einer kurzen Betrach­tung über den Kult der Gewalt, der Gewalt als uni­ver­sa­les Phä­no­men, als poe­ti­sches-phi­lo­so­phi­sches Prin­zip, die Gewalt als phy­si­sche Kraft­an­wen­dung und Zwang gegen Men­schen und ihr Eigen­tum defi­niert. Sie ist will­kür­lich und ein­sei­tig und wird in jeder Gesell­schaft regle­men­tiert.  Sie haben wir klar von der poli­ti­schen Macht unter­schie­den, die immer in Bezug auf eine Gemein­schaft, im Rahmen einer bestimm­ten Idee besteht und, wenn sie in den Augen des Volks legi­tim ist, vor allem durch Auto­ri­tät herrscht.

 

Die Macht steht also anders als die Gewalt nicht in der allei­ni­gen Ver­fü­gung des Herr­schers, son­dern wird ihm von der Gemein­schaft zuge­spro­chen. Sie steht in untrenn­ba­ren Zusam­men­hang mit der herr­schen­den Idee, dem lei­ten­den Mythos, der die gesam­te Ord­nung umfasst. Der Staat schützt nach innen vor der chao­tisch-anar­chi­schen Gewalt des Ver­bre­chens und nach außen vor der krie­ge­ri­schen Gewalt ande­rer Staa­ten.

 

Eine Revo­lu­ti­on ist keine gewalt­sa­me Macht­über­nah­me, keine krie­ge­risch-mili­tä­ri­sche Erobe­rung des Gewalt­mo­no­pols, son­dern wird bei einer meta­po­li­tisch indu­zier­ten oder ander­wei­tig auf­tre­ten­den Macht­schwä­chung des Staa­tes mög­lich. Der Staat, der an einer Macht­schwä­che und Legi­ti­ma­ti­ons­kri­se leidet, muss, wenn er keine Rege­ne­ra­ti­on seiner meta­po­li­ti­schen Basis errei­chen kann, mehr und mehr Gewalt anwen­den, um herr­schen zu können, was seine Legi­ti­ma­ti­on weiter schwin­den lässt.

 

Die revo­lu­tio­nä­re Arbeit ist daher vor allem meta­po­li­ti­sche Arbeit. Als gewalt­tä­ti­ger Ter­ro­ris­mus erreicht sie das Gegen­teil von dem was sie will, da sie nicht die Macht, son­dern die Infra­struk­tur und das Gewalt­mo­no­pol angreift und dafür letzt­lich keine Sym­pa­thie, son­dern Hass erntet. Wir wollen nun diese Erkennt­nis­se mit dem herr­schen­den Ver­ständ­nis von Macht, Gewalt und Revo­lu­ti­on im NW in Kon­trast brin­gen.

 

Der Natio­na­le Wider­stand als pseu­do­po­li­ti­scher, ter­roraf­fi­ner Kult der Gewalt

 

Rufen wir uns das ein­gangs Geschrie­be­ne in Erin­ne­rung. Der Kult der Gewalt, das Mas­ku­li­ne, die Beto­nung des Kämp­fe­ri­schen, Wehr­haf­ten hat seinen festen Platz in den akti­ven Grup­pen der rech­ten Zusam­men­hän­ge. Das ist an sich auch kein Pro­blem, son­dern trägt viel zur Attrak­ti­vi­tät bei. Akti­vis­ten sind auch ein­fach immer in der Lage, ihren Mann zu stehen und werden nie­mals Minis­tran­ten oder Chor­kna­ben sein.

 

In poli­ti­schen Jugend­be­we­gun­gen sam­melt sich ein bestimm­ter kämp­fe­ri­scher Typ, der ein­fach eine gewis­se Fas­zi­na­ti­on für den Kampf, das Kräf­te­mes­sen und dessen cha­rak­ter­li­che Her­aus­for­de­rung hat. Hier liegt auch wie gesagt kein Pro­blem. Auch die Theo­re­ti­ker vom Funken sind allen wüten­den Vor­wür­fen hass­erfüll­ter NSler zum Trotz keine Stu­ben­ho­cker, die beim Fuß­ball immer als letzte gewählt wurden. Das Pro­blem ent­steht, sobald man ver­sucht, aus dem Kult der Gewalt heraus Poli­tik zu machen. Im NW herrscht ein plum­pes Ver­ständ­nis von poli­ti­scher Macht und deren Erobe­rung vor. „Macht kommt aus den Geweh­ren.“, so der Tenor der macho­haf­ten Waf­fen­nar­ren. Von der miss­ver­stan­de­nen Parole „Leben ist Kampf“ über einen Vul­gär­dar­wi­nis­mus führt der Irrweg direkt zum poli­ti­schen Elend des natio­na­len Akti­vis­mus der letz­ten Jahr­zehn­te.

 

Der Kampf, der fast aus­schließ­lich phy­sisch und gewalt­tä­tig gedacht wird, sei Urprin­zip des Lebens und heute führe man einen “Krieg” auf Leben und Tod gegen „das scheiß System“. Dazu gesellt sich meist eine def­ti­ge Por­ti­on SA-Roman­tik. Ganz abge­se­hen von der ver­fehl­ten Ori­en­tie­rung am NS wird über­se­hen, dass die Stra­ßen-Gewalt der SA in keiner Weise der letzte Aus­lö­ser für die NS-Macht­er­grei­fung war. Im Gegen­teil: Man tat danach alles, um sie wieder los zu werden. Auch die vor­he­ri­gen Putsch­ver­su­che (Kapp-Putsch) waren nicht krie­ge­risch-mili­tä­risch gedacht.

 

Tat­säch­lich war Deutsch­land damals in einer revo­lu­tio­nä­ren Lage, die Wei­ma­rer Repu­blik meta­po­li­tisch macht­los und zwei radi­ka­le Grup­pen kämpf­ten um die Vor­macht­stel­lung. Wäh­rend die Mar­xis­ten — getreu ihrem Dogma vom Klas­sen­krieg des Pro­le­ta­ri­ats gegen die herr­schen­de Klasse und ihr Klassenrecht/kunst/staat — damals vor allem plump-gewalt­tä­tig vor­gin­gen, Waffen hor­te­ten, Kaser­nen besetz­ten usw., hatte der NS das ent­schei­den­de Schlacht­feld erkannt. Lange bevor die Partei hohe Wahl­er­fol­ge erziel­te, erreich­te der  NS-Stu­den­ten­bund (NSDStB ) an den Unis bereits beacht­li­che Wahl­er­fol­ge. Lange vor der Macht­er­grei­fung hatte er die totale Vor­herr­schaft im AstA.

 

Gram­sci erkann­te später in seiner Ana­ly­se, dass die Mar­xis­ten genau an diesem Miss­ver­ständ­nis vom Wesen der Macht und ihrer Igno­ranz gegen­über der Meta­po­li­tik — die sie als Wider­spie­ge­lung der öko­no­mi­schen Basis als Klas­sen­kul­tur abta­ten — geschei­tert wären. Der NS hatte sein Herr­schaft über das deutsch­na­tio­na­le bis kon­ser­va­ti­ve Klein­bür­ger­tum,  die Stu­den­ten­schaft, über die Vor­ar­beit von Künst­lern und Den­kern gewon­nen, deren Denken er teil­wei­se arg ver­zerr­te.

 

Der NWler betrach­tet den Kampf gegen das “System” wie eine Schlä­ge­rei oder das Katz- und Maus-Spiel mit der loka­len Antifa. Er hat nur einen Modus im Kopf: Den der Stra­ßen­schlacht, der gewalt­sa­men Über­nah­me und des Tags X. Der Kri­sen­kult ist der Aus­druck dieser stra­te­gi­schen Armut. Er ist die stu­pi­de Sehn­sucht nach einem Sze­na­rio, in dem die eigene Standard-„Strategie“ effek­tiv sein könnte.

 

Immer werden die Aus­ein­an­der­set­zung, die Stra­ßen­schlacht und die Gewalt gesucht. Wenn der Staat gegen die eigene Gruppe Gewalt anwen­det, gilt das als untrüg­li­ches Zei­chen am “rich­ti­gen Wege” zu sein. Wie die Dorf­jun­gen nach den Schlä­ge­rei­en stolz ihre Beulen und Schram­men ver­glei­chen, so machen die „Natio­na­len Sozia­lis­ten“ nach dem Akti­vis­mus-Gebal­ge und dem unwei­ger­li­chen Repres­si­ons­schlag stolz einen auf dicke Strafak­te — der Schrei­ber dieser Zeilen könnte bei diesem Wett­be­werb übri­gens durch­aus in der unte­ren bis mitt­le­ren Liga mit­spie­len.

 

Das eigene poli­ti­sche Denken spielt sich nur in Begrif­fen und Bil­dern der Gewalt ab. Der Waf­fen­kult, der Wehr­sport­kult und auch der Ter­ro­ris­mus­kult, der, wenn auch kaum prak­tisch, so doch zumin­dest als stille Sehn­sucht und ohn­mäch­ti­ge Aus­bruchs­phan­ta­sie sehr weit ver­brei­tet ist. Das alles ist, wir haben es schon gefühl­te hun­dert Mal fest­ge­hal­ten, Aus­druck einer feh­len­den geis­ti­gen Arbeit und einer unge­sun­den, qua­si­re­li­giö­sen Bin­dung an den NS, die zur Ver­fet­tung der Hirn­win­dung und zur Ver­fil­zung der Syn­ap­sen führte.

 

Die theo­re­ti­sche Wei­ter­bil­dung, die an die Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on  und nou­vel­le droite hätte anknüp­fen können, war nicht exis­tent und die “Stra­te­gie” konnte guten Gewis­sens unter “ferner liefen” abge­hakt werden.  Alles Tun war eine Flucht in einen mani­schen „Akti­vis­mus“, der das Immer­glei­che in imm­er­neu­en Gewän­dern prä­sen­tier­te. „Irgend­wie“ wollte man an Masse gewin­nen, und „das System abschaf­fen“.

 

Wie genau die herr­schen­de Ideo­lo­gie beschaf­fen ist, wie die öko­no­mi­sche und geo­po­li­ti­sche Lage Deutsch­lands und Euro­pas aus­sieht, wie die aka­de­mi­schen Dis­kur­se stehen, wer heute unsere Feinde sind, wo heute unsere Inter­es­sen liegen, ja was über­haupt die Essenz eines im wei­te­ren Sinne „natio­na­len“, patrio­ti­schen Den­kens aus­macht, daran wurde kein Gedan­ke ver­schwen­det.  Die herr­schen­de Ideo­lo­gie wurde schlicht unter „ree­du­ca­ti­on“ sub­su­miert, mit der man am Tag X per Gewalt­maß­nah­men auf­räu­men wolle.

 

Mit­tels mili­tan­tem Auf­tre­ten, gewalt­tä­ti­gen Gedöns in der Szene­mu­sik,  Hass­pa­ro­len und dem Krieg gegen das System ima­gi­nier­te sich der NW in einen Zwit­ter­zu­stand zwi­schen Revo­lu­tio­när und Groß­stadt­gue­ril­la, obwohl er weder das eine noch das andere war. Er ist bzw. war — seine besten Zeiten schei­nen vorbei — eine meta­po­li­ti­sche Bewe­gung, die man­gels irgend­ei­ner stra­te­gi­schen Aus­rich­tung oder meta­po­li­ti­scher Ana­ly­se, pseu­do­mi­li­tant und ten­den­zi­ell ter­ro­ris­tisch dachte und agier­te. Das Augen­merk auf „Anti-Antifa-Arbeit“ und „natio­nal befrei­te Zonen“ zeigt deut­lich, dass der NW vor allem nach gewalt­tä­ti­gen Akti­ons­fel­dern suchte. Wie wir aber vorher erkannt haben, ist die Macht eines Staa­tes nicht mit­tels Gewalt zu gewin­nen.

 

Was niemals aus den Gewehrläufen kommt, ist Macht.

 

Die meta­po­li­ti­sche Land­schaft ist zu ana­ly­sie­ren, die eigene Stel­lung in ihr zu erken­nen und ein klarer Weg zur Samm­lung, Eini­gung und Inmarsch­set­zung aller patrio­tisch Den­ken­der Rich­tung kul­tu­rel­le Hege­mo­nie zu orga­ni­sie­ren. Die Ner­ven­zen­tren der herr­schen­den Ideo­lo­gie müssen aus­ge­macht und atta­ckiert, ihre Platt­for­men und Brut­stät­ten besetzt und unter­mi­niert werden.

 

Dort, wo das Volk bereits das Ver­trau­en in die Ideo­lo­gie des Empi­res ver­lo­ren hat, muss ange­setzt und über geziel­te Info­ar­beit und Ent­hül­lun­gen weiter Ter­rain gewon­nen werden. All das wäre die Auf­ga­be einer meta­po­li­ti­schen Bewe­gung gewe­sen, die sich den Sturz des heu­ti­gen Ungeists zur Auf­ga­be gemacht hat. Der NW war nie­mals diese Bewe­gung, aber hat jahr­zehn­te­lang jene gebun­den, die sie hätten bauen können. Statt ihm an einer gewis­sen Stelle einen sub­kul­tu­rel­len Platz ein­zu­räu­men, wurde der NW ein Aus­wuchs aus dem Kult der Gewalt und mit ent­spre­chen­den Sozio­pa­then durch­setzt, die zwar gut für eine Sauf­tour sind, voll netter Geschich­ten ste­cken und in einer Schlä­ge­rei besser auf deiner Seite sind, aber in einer poli­ti­schen Funk­ti­on gar nichts ver­lo­ren haben.

 

Er hat kein Ver­ständ­nis für das Wesen von poli­ti­scher Macht und denkt sich das poli­ti­sche Ringen wie ein simp­les „Cap­tu­re the Flag“ beim Paint­ball­spiel. „Der ist der Böse, er hat die Macht und wir brau­chen mehr und bes­se­re Männer, um sie ihm gewalt­sam weg zu nehmen“. Tat­säch­lich geht es zuerst und vor allem um die eigene Lage und Stel­lung in der Mei­nung der Bürger, deren gemein­sa­me Über­ein­kunft auf lange Sicht die poli­ti­sche Macht bestimmt.

 

Die enorme Dis­kre­panz, die hier zwi­schen der stil­len Mei­nung und der Medi­en­macht liegt und die ein ebenso enor­mes Poten­ti­al für eine freche, meta­po­li­ti­sche, patrio­ti­sche Pro­test­be­we­gung gebo­ten hätte, ist es, was der NW Jahr­zehn­te unge­nutzt liegen gelas­sen hat. Grund dafür ist, dass er keine meta­po­li­tisch-iden­ti­tä­re Bewe­gung, son­dern ein Kon­glo­me­rat natio­nal­so­zia­lis­tisch-ter­roraf­fi­ner Gewalt­zel­len war.

 

Anstatt die staat­li­che Gewalt links liegen zu lassen und das Herz der Meta­po­li­tik anzu­ge­hen, damit echte Macht zu gewin­nen, wie das die Linken seit Gram­sci mit Erfolg unter­neh­men, ver­biss er sich in ein tra­gi­ko­mi­sches Gefecht mit dem Gewalt­mo­no­pol des Staa­tes, fei­er­te irgend­wel­che unin­ter­es­san­ten Aus­brü­che aus irgend­wel­chen noch unin­ter­es­san­te­ren Demo-Kes­seln wie gewon­ne­ne Feld­zü­ge und hoffte letzt­lich nur auf eines: dass am Tage X das staat­li­che Gewalt­mo­no­pol wie von selbst zusam­men­bre­chen würde und man selbst es erset­zen könne. Die Leute würden sich dann natür­lich sofort freu­dig unter­wer­fen, ginge es doch nur darum, wer die Gewalt im Staat inne hat. Zudem wäre das mili­tant- gewalt­tä­ti­ge Auf­tre­ten des NW ein Garant dafür, dass die Bürger in der kom­men­den Krise hoff­nungs­voll auf ihn bli­cken würden.

 

Tat­säch­lich hat der NW keinen Funken meta­po­li­ti­sche Macht oder Sym­pa­thie im Volk gewon­nen, seine Träume von der Errin­gung des Gewalt­mo­no­pols waren immer schon irr­wit­zig und die Rolle als mili­tant-ter­roraf­fi­ner Bel­ze­bub ist genau jene, gegen die in Krisen eine echte Ord­nungs­macht auf­tritt. Um noch­mal auf den NS zu rekur­rie­ren: Adolf Hitler wurde für viele auch als Garant gese­hen, den täg­li­chen Terror zu been­den, der in dem Vor­bür­ger­krieg von SA und Rot­front gras­sier­te- nicht weil man die SA als gewalt­tä­ti­ge Orga­ni­sa­ti­on so schätz­te.

 

Die eigene Pseu­do­mi­li­tanz , die fern von jeder poten­ti­el­len Umset­zung in tau­send Lie­dern beschwo­ren wurde, diente nur als groß­ar­ti­ger Auf­hän­ger für den “Kampf gegen Rechts” und als Aus­lö­ser noch grö­ße­rer Repres­si­on. Dieses ver­track­te Ver­hält­nis zur Gewalt wurde nicht von der Antifa-Atta­cke auf­ge­zwun­gen. Es liegt in den Miss­ver­ständ­nis­sen des NWs, den Kampf um die Macht wie eine Schlä­ge­rei zu ver­ste­hen, sein völ­li­ge Igno­ranz für Meta­po­li­tik und seinen Kult der Gewalt, der jede stra­te­gi­sche Über­le­gung mit „Feig­heit“ gleich­setz­te.

 

Dass sich an diesem Zustand nichts änder­te, liegt unse­rer Ansicht nach vor allem an einem Haupt­grund: Jede meta­po­li­ti­sche Ana­ly­se des Status Quo und der Aus­sicht auf eine natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Bewe­gung in ihm, jede Refle­xi­on über den NS, seine unge­woll­ten geis­ti­gen Väter und seine Ent­wick­lung hätte unwei­ger­lich zu einem Schritt weg von dieser Ideo­lo­gie, zu einer echten Über­win­dung und Auf­ar­bei­tung der Ver­gan­gen­heit führen müssen.

 

Dieser Schritt wurde und wird, von eini­gen Kreise mit reli­gi­ös-fana­ti­schem, ja gera­de­zu pries­ter­li­chem Eifer, dau­er­haft ver­un­mög­licht. Weil der NW stra­te­gisch weder um die kul­tu­rel­le Hege­mo­nie gekämpft, noch theo­re­tisch die herr­schen­de Ideo­lo­gie ana­ly­siert, durch­schaut  und an einer vier­ten poli­ti­schen Theo­rie gear­bei­tet hat, war er nie­mals revo­lu­tio­när.

 

Identitär ist revolutionär

 

Nach­dem wir das Wesen von Gewalt, Macht und Revo­lu­ti­on umris­sen und gezeigt haben, warum der NW von all dem nichts ver­stan­den hat, wollen wir nun den Ansatz der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung ana­ly­sie­ren und vor allem ihren Grund­satz der Gewalt­frei­heit in Ver­bin­dung mit ihrer meta­po­li­ti­schen Ziel­set­zung betrach­ten.

 

Die IB sagt von sich selbst aus, dass sie sich zum Ziel gesetzt hat, eine geis­tig-kul­tu­rel­le Revo­lu­ti­on her­bei­zu­füh­ren, deren Ziele klar meta­po­li­tisch defi­niert sind. Gleich­zei­tig betont sie die Gewalt­frei­heit ihres Vor­ge­hens. Wer darin man­geln­de Über­zeu­gung und Opfer­be­reit­schaft sieht, liegt schon einmal falsch. Aus der Aus­sa­ge, einen gewalt­frei­en Weg zur Errin­gung einer meta­po­li­ti­schen Macht ein­schla­gen zu wollen, kann nicht geschlos­sen werden, dass man nicht grund­sätz­lich bereit wäre, alles Erdenk­li­che zu tun.

 

Es ist auch mög­lich und durch­aus denk­bar, dass man aus allem Erdenk­li­chen ein­fach den rich­ti­gen Weg erkannt hat und diesen gehen will. Zudem haben wir oben gezeigt, dass ein gewalt­tä­ti­ges Enga­ge­ment, dass das Erlei­den von repres­si­ver Gewalt kein Anzei­chen eines revo­lu­tio­nä­ren Weges ist. Wer zu allem bereit aber zu nichts zu gebrau­chen ist, wer sich frei­wil­lig zum Kro­ko­dil im Kas­per­le­thea­ter macht, der kann zwar allen und jedem vor­wer­fen, er wäre nicht mutig und opfer­be­reit genug das­sel­be zu tun, aber er ist noch lange nicht revo­lu­tio­när.

 

Wir haben oben beschrie­ben, dass die Revo­lu­ti­on die innere Umwer­fung einer Macht­ord­nung ist, die durch eine andere ersetzt werden soll. Ebenso haben wir beschrie­ben, das Gewalt hier­bei eine sehr gerin­ge Rolle spielt, da es um Macht geht, die grund­sätz­lich keine Frage der Gewalt ist. Wir wollen nun den Revo­lu­ti­ons­be­griff sowie den Begriff der Macht etwas genau­er defi­nie­ren, um zwei ver­schie­de­ne Arten von revo­lu­tio­nä­rer Aus­rich­tung zu unter­schei­den.

 

Das Zen­trum der Macht ist immer die herr­schen­de Ideo­lo­gie, welche den Rahmen des Den­kens, die herr­schen­de Moral und die Bedeu­tung der Begrif­fe vor­gibt. Der Staat und seine Ver­tre­ter haben zwar die poli­ti­sche Macht. Die Legi­ti­ma­ti­on speist sich aber aus der herr­schen­den Ideo­lo­gie, die wie­der­um von der Meta­po­li­tik gebil­det, erhal­ten und neu geprägt wird. Zwi­schen Poli­tik und Meta­po­li­tik besteht eine etwas kom­ple­xe­re Wech­sel­wir­kung auf deren Aus­füh­rung wir hier ver­zich­ten.

 

Der Staat, seine Organe, seine Kaser­nen und seine Infra­struk­tur sind somit nicht das Zen­trum der Macht — das ist die herr­schen­de Idee, welche über ihre Onto­lo­gie der Zeit, ihre Bestim­mung des Men­schen und der Wahr­heit — und sei es nur inso­fern, dass es keine gäb — im Heute das Ges­tern und Morgen bestimmt. Die Ideo­lo­gie, die heute herrscht, kann man im wei­tes­ten Sinne als libe­ra­lis­tisch beschrei­ben. Kon­kre­ter ist sie ein libe­ral­ka­pi­ta­lis­ti­scher, kul­tur­mar­xis­ti­scher post­mo­der­ner Uni­ver­sa­lis­mus der Schuld.

 

Ihr zen­tra­ler Anknüp­fungs­punkt ist nicht unser Volk, ja nicht einmal unser Staat. Sie hat in sich eine Gren­zen spren­gen­de, inter­na­tio­na­lis­ti­sche Ten­denz, die sie eng mit dem Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus ver­quickt. Ihre ideo­lo­gi­sche Herr­schaft macht unse­ren Staat zu einem Fuß­ab­tre­ter und Werk­zeug supra­na­tio­na­ler Netz­wer­ke, die nicht das Wohl Euro­pas im Sinn haben, son­dern unse­ren Kon­ti­nent und seine Völker im Zustand geo­po­li­ti­scher Macht­lo­sig­keit halten.

 

Diese Ideo­lo­gie greift aber noch viel tiefer und ist der moderns­te Aus­druck der west­li­chen Ver­falls­ge­schich­te des Uni­ver­sa­lis­mus, das End­pro­dukt der Seins­ver­ges­sen­heit und das Reich des letz­ten Men­schen. Gegen sie zu kämp­fen und ein­ge­denk ihrer Genea­lo­gie nicht in ihre Vor­for­men zurück zu wollen, son­dern sie in einer vier­ten poli­ti­schen Theo­rie zu über­win­den — das heißt heute revo­lu­tio­när sein.

 

Diese Revo­lu­ti­on ist uner­bitt­lich gegen die herr­schen­de Ideo­lo­gie gerich­tet. Sie ist, was den Staat und die poli­ti­sche Macht betrifft, höchst kon­ser­va­tiv. Sie will nicht die totale Gewalt ent­fes­seln, die die poli­ti­sche Macht auf­frisst und im Tota­li­ta­ris­mus endet. Sie will die herr­schen­de Ideo­lo­gie zer­stö­ren, damit der Staat wieder ganz dem Volk und nicht einer abs­trak­ten Pflicht und Ideo­lo­gie dient.

 

Die Revo­lu­ti­on der Mar­xis­ten ist dage­gen brutal und gewalt­tä­tig, wenn es gegen den Staat, die Ord­nung an sich, die Poli­zei usw. geht. Sie ist höchst kon­for­mis­tisch der herr­schen­den Ideo­lo­gie gegen­über. Ihr gegen­über ist sie eine bloße Reform, die den Uni­ver­sa­lis­mus und Ega­li­ta­ris­mus im Ende der Geschich­te ebenso wie der Libe­ra­lis­mus errei­chen will — nur eben anders und, nach ihrer Sicht, „besser“.

 

Die iden­ti­tä­re Revo­lu­ti­on ist also eine radi­ka­le Revo­lu­ti­on gegen­über der herr­schen­den Ideo­lo­gie und eine kon­ser­va­ti­ve Refor­ma­ti­on für die Ord­nungs­macht und den Staat. Die mar­xis­ti­sche Revo­lu­ti­on ist eine radi­ka­le Revo­lu­ti­on gegen­über Fami­lie, Ord­nung und Staat sowie eine kon­for­mis­ti­sche Refor­ma­ti­on der uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie und des Libe­ra­lis­mus.

 

Der NW über­nahm man­gels einer theo­re­ti­schen Refle­xi­on mit dem Look der Auto­no­men auch teil­wei­se ihren anar­chis­ti­schen Kampf gegen Poli­zei, Staat und Ord­nung. Das ist abso­lut unsin­nig und hat mit unse­ren Ideen und Zielen nichts zu tun. Wir lieben law&order und sind pro border&nation. Gerade aus diesem Grund, um das Poli­ti­sche zu retten, muss der Inter­na­tio­nal-Kapi­ta­lis­mus ebenso wie der Libe­ra­lis­mus und der Mar­xis­mus abge­wi­ckelt werden, ohne dabei in einen NS/Faschismus  zu kippen.

 

Die Iden­ti­tä­ren arbei­ten also an einer radi­ka­len Revo­lu­ti­on gegen die herr­schen­de Ideo­lo­gie, indem sie mit ihrer Info­ar­beit um die Köpfe, die Begrif­fe und die Mei­nun­gen kämp­fen. Damit strei­ten sie meta­po­li­tisch um die kul­tu­rel­le Hege­mo­nie, um die Macht des Libe­ra­lis­mus auf den Staat zu bre­chen. Dieser revo­lu­tio­nä­re Kampf  ist nicht anti­staat­lich oder gar anti­de­mo­kra­tisch. Im Gegen­teil: In Zeiten, da das west­li­che Empire ver­sucht, seine Unter­ta­nen wie Güter und Waren zir­ku­lie­ren zu lassen, ist die Demo­kra­tie der Natio­nal­staa­ten eine revo­lu­tio­nä­re Kraft, wenn sie iden­ti­tär ent­fes­selt wird. Revo­lu­tio­när ist sie als Kampf­mit­tel gegen die herr­schen­de Ideo­lo­gie von „Mensch­heit“, Welt­staat, Gleich­heit, Mul­ti­kul­ti, etc.

 

Die iden­ti­ti­tä­re Revo­lu­ti­on ver­beißt sich nicht in peri­phe­ren Fragen wie der Kritik an Staats­for­men und Wirt­schafts­sys­te­men son­dern atta­ckiert direkt das Herz der herr­schen­den Ideo­lo­gie, die unsere eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät abschaf­fen will. Sie muss die Ideo­lo­gi­en, die die Exis­tenz des Volkes bestrei­ten oder aber den Willen zu dessen Erhal­tung als ras­sis­tisch und natio­nal­so­zia­lis­tisch brand­mar­ken, zer­trüm­mern und den Eth­no­ma­so­chis­mus heilen. Sie muss das Eth­ni­sche und das Tran­szen­den­te zurück­ge­win­nen und beides har­mo­nisch ver­ei­nen. Damit tut sie nur das, was im eigent­li­chen Wesen unse­rer Staats­na­ti­on liegt.

 

Denn selbst in der deut­schen Ver­fas­sung ist der Erhalt der deut­schen Iden­ti­tät vor­ge­schrie­ben, wie 1987 das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bestä­tig­te:

 

Das Fest­hal­ten an der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit in Art. 116 (1), 16 (1) GG und damit an an der bis­he­ri­gen Iden­ti­tät des Staats­vol­kes des deut­schen Staa­tes ist nor­ma­ti­ver Aus­druck dieses Ver­ständ­nis­ses und dieser Grund­ent­schei­dung. Aus dem Wah­rungs­ge­bot folgt ins­be­son­de­re die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht, die Iden­ti­tät des deut­schen Staats­vol­kes zu erhal­ten.

 

Vom deut­schen Staats­volk ist immer wieder die Rede. Wie nun diese Begrif­fe Iden­ti­tät  und Staats­volk zu defi­nie­ren sind und wie der Staat sie erhal­ten soll — das ist eine Frage, die im meta­po­li­ti­schen Kampf der Ideen geklärt wird. Dass die iden­ti­tä­re Mini­mal­for­de­rung nach dem Erhalt unse­rer eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, welche noch vor weni­gen Jahr­zehn­ten in Deutsch­land abso­lut selbst­ver­ständ­lich war, heute bereits als extrem gilt, ist das bit­te­re Erbe einer ver­lo­re­nen meta­po­li­ti­schen Schlacht nach der ande­ren.

 

Mit diesem trau­ri­gen Erbe star­ten wir, als iden­ti­tä­re Gene­ra­ti­on, in unse­ren poli­ti­schen Ein­satz. Mit Ver­wun­de­rung bli­cken wir auf Zeiten zurück, in denen etwas wie das „Hei­del­ber­ger Mani­fest“ noch frei von Uni-Pro­fes­so­ren ver­öf­fent­licht werden konnte. Von fünf­zehn renom­mier­ten deut­schen Hoch­schul­pro­fes­so­ren unter­zeich­net wurde 1981 fol­gen­des ver­brei­tet:

 

Mit großer Sorge beob­ach­ten wir die Unter­wan­de­rung des deut­schen Volkes durch Zuzug von vielen Mil­lio­nen von Aus­län­dern und ihren Fami­li­en, die Über­frem­dung unse­rer Spra­che, unse­rer Kultur und unse­res Volks­tums. (…) Völker sind (bio­lo­gisch und kyber­ne­tisch) leben­de Sys­te­me höhe­rer Ord­nung mit von­ein­an­der ver­schie­de­nen Sys­tem­ei­gen­schaf­ten, die gene­tisch und durch Tra­di­tio­nen wei­ter­ge­ge­ben werden. Die Inte­gra­ti­on großer Massen nicht­deut­scher Aus­län­der ist daher bei gleich­zei­ti­ger Erhal­tung unse­res Volkes nicht mög­lich und führt zu den bekann­ten eth­ni­schen Kata­stro­phen mul­ti­kul­tu­rel­ler Gesell­schaf­ten. Jedes Volk, auch das deut­sche Volk, hat ein Natur­recht auf Erhal­tung seiner Iden­ti­tät und Eigen­art in seinem Wohn­ge­biet. Die Ach­tung vor ande­ren Völ­kern gebie­tet ihre Erhal­tung, nicht aber ihre Ein­schmel­zung („Ger­ma­ni­sie­rung“)

Der Zuzug der Aus­län­der wurde von der Bun­des­re­gie­rung aus Grün­den des heute als frag­wür­dig erkann­ten hem­mungs­lo­sen Wirt­schafts­wachs­tums geför­dert. Die deut­sche Bevöl­ke­rung wurde bisher über Bedeu­tung und Folgen nicht auf­ge­klärt. Sie wurde auch nicht dar­über befragt. Des­halb rufen wir zur Grün­dung eines par­tei­po­li­tisch und ideo­lo­gisch unab­hän­gi­gen Bundes auf, dessen Auf­ga­be die Erhal­tung des deut­schen Volkes und seiner geis­ti­gen Iden­ti­tät auf der Grund­la­ge unse­res christ­lich-abend­län­di­schen Erbes ist. Auf dem Boden des Grund­ge­set­zes ste­hend wenden wir uns gegen ideo­lo­gi­schen Natio­na­lis­mus, gegen Ras­sis­mus und gegen jeden Rechts- und Links­ex­tre­mis­mus.

Da die tech­ni­sche Ent­wick­lung Mög­lich­kei­ten bietet und in gestei­ger­tem Ausmaß bieten wird, alle Aus­län­der­be­schäf­ti­gung über­flüs­sig zu machen, muß es obers­ter Grund­satz zur Steue­rung der Wirt­schaft sein: nicht die Men­schen zu den Maschi­nen brin­gen, son­dern die Maschi­nen zu den Men­schen. Das Übel an der Wurzel zu packen heißt, durch geziel­te Ent­wick­lungs­hil­fe die Lebens­be­din­gun­gen der Gast­ar­bei­ter in ihren Hei­mat­län­dern zu ver­bes­sern — und nicht hier bei uns. Die Rück­kehr der Aus­län­der in ihre ange­stamm­te Heimat wird für die Bun­des­re­pu­blik als eines der am dich­tes­ten besie­del­ten Länder der Welt nicht nur gesell­schaft­li­che, son­dern auch öko­lo­gi­sche Ent­las­tung brin­gen.

 

Jedes Jahr dräng­te man das patrio­ti­sche Deutsch­land einen Schritt zurück. Die rech­ten Zusam­men­hän­ge waren von einem heil­lo­sen Durch­ein­an­der geprägt. Alles löste sich auf und war auf der blin­den Distan­zie­rungs­flucht oder ver­schanz­te sich fana­tisch in alten Dogma-Bun­kern. Wenn man noch retten will, was zu retten ist, muss jetzt rasch gehan­delt werden. Eine spon­ta­ne Rege­ne­ra­ti­on ist immer mög­lich, das Morgen ist nie­mals vor­her­sag­bar. Wenn es den Iden­ti­tä­ren gelingt, die rech­ten Zusam­men­hän­ge zu einen, auf ein neues theo­re­ti­sches und stra­te­gi­sches Niveau zu heben, den NW in Pen­si­on zu schi­cken und nach Jahr­zehn­ten der Belie­big­keit end­lich eine revo­lu­tio­nä­re, iden­ti­tä­re Praxis ins Leben zu rufen, dann gibt es noch Hoff­nung.

 

Diese unvor­her­seh­ba­re Renais­sance der rech­ten Zusam­men­hän­ge, die sich heute, von vielen gehasst und von allen ungläu­big bewun­dert, Bahn bricht, könnte das Fanal und das Vor­bild für einen echten Auf­bruch im ganzen Volk sein. Die Chan­cen stehen gut. Die Mikro­par­tei der Mul­ti­kul­ti-Ideo­lo­gen hat jeg­li­che Legi­ti­mi­tät ver­lo­ren. Auch der herr­schen­de Libe­ra­lis­mus und Inter­na­tio­na­lis­mus wird durch die Wirt­schafts­kri­se in seinem tiefs­ten Kern getrof­fen. Ein Sto­cken seiner uni­ver­sel­len Wohl­stands­ma­schi­ne­rie, mit der er den Völ­kern ihre Frei­heit und Iden­ti­tät abkauf­te, ist für ihn eine ernste Legi­ti­mi­täts­kri­se.

 

In dieser Phase des Macht­ein­bruchs der herr­schen­den Ideo­lo­gie desta­bi­li­siert sich die herr­schen­de Ord­nung. Ihre mul­ti­kul­tu­rel­len Ideo­lo­gen haben kein Rezept zur Reform, da sie nie­mals von ihren kon­tra­fak­ti­schen, ideo­lo­gi­schen Über­zeu­gun­gen abge­hen werden. Sie hoffen auf ein Wunder und reiten ihre wider­leg­ten Uto­pi­en zu Tode.

 

Die ein­zi­ge Hoff­nung für Europa ist eine breite iden­ti­tä­re Bewe­gung, die den ideo­lo­gi­schen Mief aus­mis­tet und eine Rück­kehr zu echten Werten, zu echter Volks­herr­schaft, Gemein­schaft und Frei­heit mög­lich macht. Dieser Schritt stellt eine totale Revo­lu­ti­on gegen die herr­schen­de uni­ver­sa­lis­tisch-bour­geoi­se Ideo­lo­gie dar.  Dieser Schritt geschieht jedoch im Namen tra­di­tio­nel­ler Werte und eines unver­gäng­li­chen Erbes.

 

Er ist eine kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on, welche die Gewalt nicht scheut, die aber einer gerech­ten, großen Poli­tik zu neuer Macht ver­hel­fen will. Die Gewalt­frei­heit der Iden­ti­tä­ren, die kei­nes­falls bedeu­tet, nicht wehr­haft zu sein, ist somit kein Anzei­chen davon, dass sie nicht revo­lu­tio­när wären. Ihre klare Abgren­zung zum NS, ihre ahnungs­vol­le Neu­ori­en­tie­rung an alten Tra­di­tio­nen, ihre stra­te­gi­sche Aus­rich­tung auf die Meta­po­li­tik und ihre pro­pa­gan­dis­ti­sche Anpas­sung an die Spra­che und den Geist der Zeit macht sie zur ein­zi­gen echten revo­lu­tio­nä­ren Kraft der heu­ti­gen Zeit.

 

Sie allein will das Rad der Geschich­te wei­ter­dre­hen und wagt den Schritt aus der Moder­ne in eine mul­ti­po­la­re Welt. Sie allein hat auch das Zeug dazu. Wohl dem, der von sich sagen kann, dass er ein Teil davon ist.

 

Quellen:

Hannah Arendt — Macht und Gewalt

Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift, Heft 2