Dieser Gast­bei­trag von Dimi­trij erschien auch auf seinem Blog und wurde mit Geneh­mi­gung hier ver­öf­fent­licht. Hier geht es zum ersten Teil.

Der erste Arti­kel dieser Reihe endete mit einer Über­sicht über einige althus­ser-mar­xis­ti­sche Grund­be­grif­fe. Auf dieser Basis können wir uns dem Fort­gang seiner Theo­rie widmen. Wir erin­nern uns, dass am Anfang der Arbeit die Frage stand, wie die Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft repro­du­ziert werden können. Dafür bemüh­te Althus­ser das klas­si­sche mar­xis­ti­sche Bild von öko­no­mi­scher Basis und Über­bau, wel­chen er in die recht­lich-staat­li­che und die ideo­lo­gi­sche Ebene auf­teil­te. Als zen­tra­le Pro­duk­ti­ons­be­din­gung muss die Unter­wer­fung der Arbei­ter unter die kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schafts­for­ma­ti­on stets repro­du­ziert werden. Hier­bei ist für Althus­ser die Ideo­lo­gie von zen­tra­ler Bedeu­tung. Bevor er jedoch auf diese zu spre­chen kommt – die Ideo­lo­gie im enge­ren Sinne wird Inhalt des drit­ten Teils dieser Reihe sein – ana­ly­siert er auf Basis des zunächst Erar­bei­te­ten den Staat, also die andere Ebene des Über­baus.

Vor­be­mer­kung: Das Vor­po­li­ti­sche und Uni­ver­sa­lis­mus

Analog zum Begriff der Meta­po­li­tik führe ich an dieser Stelle den Begriff des Vor­po­li­ti­schen ein. Wäh­rend die Meta­po­li­tik, wie wir sehen werden, den poli­ti­schen Kampf in den Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­ten bezeich­net, han­delt es sich beim Vor­pi­li­ti­schen jedoch um etwas grund­sätz­li­che­res: Den Bezug zum Eige­nen.

Dafür eine Ana­lo­gie: Es kur­siert unter Linken die Ansicht, Erbe sei unge­recht, weil die eigene Geburt zufäl­lig sei. Es han­delt sich dabei nicht um die berech­tig­te poli­ti­sche Frage, ob und wie stark Erbe ver­steu­ert werden soll; man kann durch­aus der Ansicht sein, dass Erbe auch immer der All­ge­mein­heit, d.h. dem ganzen Volk, zugute kommen muss. Es geht den Erb-Fein­den jedoch nicht um die Abwä­gung zwi­schen Privat- und Volks­ei­gen­tum, son­dern um die Negie­rung des Prin­zips “Erbe”: Man habe sich die Eltern nicht aus­ge­sucht und könne daher auch kein Anrecht auf das eigene Erbe haben.

Wel­ches Men­schen­bild liegt dieser Über­le­gung zugrun­de? Es ist die Vor­stel­lung eines Men­schen, der in letz­ter Instanz nur er selbst ist und dessen Ich völlig los­ge­löst ist von sämt­li­chen geschicht­li­chen Bin­dun­gen. Her­kunft, Eltern­haus, Volks­zu­ge­hö­rig­keit sind “Zufäl­le” und dürfen daher keinen Unter­schied zwi­schen den Men­schen begrün­den. Obacht, es geht hier nicht um die Abwä­gung, wie groß der Unter­schied zwi­schen Men­schen sein darf – also um die Frage, wie ega­li­tär eine Gesell­schaft sein soll – son­dern um die unaus­ge­spro­che­ne Vor­an­nah­me, dass die Men­schen bereits grund­sätz­lich gleich wären, und jede Ungleich­heit ein Ver­bre­chen gegen diesen angeb­li­chen Nor­mal­zu­stand dar­stellt.

Natür­lich ist es aus meiner Per­spek­ti­ve kein Zufall, wer meine Eltern sind. Nicht nur wäre ich ein ande­rer Mensch, wenn mein Vater jemand ande­res gewe­sen wäre: Ich wäre gar nicht. Mein Ich ist das ein­zig­ar­ti­ge Ergeb­nis der Ver­ei­ni­gung zweier bestimm­ter Men­schen zu einem bestimm­ten Zeit­punkt; mein Ich ist wei­ter­hin geformt durch bestimm­te Men­schen, Ereig­nis­se, Zeiten. “Ich” ist der selbst­be­züg­li­che Name eines jeden kon­kre­ten Men­schen, ein­ge­bet­tet in seinen spe­zi­fi­schen Kon­text. Los­ge­löst von diesem jeweils kon­kre­ten Men­schen exis­tiert kein abs­trak­tes Ich, exis­tiert kein Sub­jekt; los­ge­löst vom kon­kre­ten Men­schen ist “ich” nur ein Pro­no­men.

Für den Uni­ver­sa­lis­ten ist der kon­kre­te Mensch jedoch nur Wohn­stät­te für das abs­trak­te Sub­jekt, für “den Men­schen”. Die abs­trak­ten Sub­jek­te sind auto­no­me Seelen, die qua­li­ta­tiv gleich sind und nur zufäl­lig auf die unter­schied­li­chen Men­schen ver­teilt sind. Aus dieser Per­spek­ti­ve ist es zufäl­lig, dass das eine Ich nun einmal seine bestimm­ten Eltern hat und das andere Ich andere; ebenso wie sein Geschlecht oder seine Eth­ni­zi­tät zufäl­lig sind.

Die Frage, ob sich der jeweils Ein­zel­ne als abs­trak­ter Mensch oder als Träger einer kon­kre­ten Iden­ti­tät begreift, ist ideo­lo­gisch umkämpft, d.h. sie hängt zu einem gewis­sen Grad davon ab, ob das herr­schen­de – und z.B. schu­lisch ver­mit­tel­te – Nar­ra­tiv die abs­trak­te Mensch­heit oder den kon­kre­ten Men­schen in den Vor­der­grund stellt. Doch auch in einem glo­ba­lis­ti­schen Mul­ti­kul­ti-Staat orga­ni­sie­ren sich Men­schen nach eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tä­ten, und auch in weit­ge­hend homo­ge­nen und natio­na­lis­ti­schen Län­dern gibt es Uni­ver­sa­lis­ten, die von der Ein­heit aller Men­schen über­zeugt zu sein glau­ben. Die Nei­gung zu Affir­ma­ti­on oder Nega­ti­on der kon­kre­ten Iden­ti­tät, des Eige­nen – wir nennen ihre Träger im Fort­lauf Volk und Glo­ba­lis­ten – beginnt also vor jeder Ideo­lo­gie, im per­sön­li­chen Bereich. Sie ist vor­po­li­tisch.

Um die Glo­ba­lis­ten rich­tig zu ver­ste­hen, müssen wir ein­se­hen, dass sie kei­nes­wegs von sich selbst denken, Nihi­lis­ten zu sein. Ihre vor­po­li­ti­sche Nei­gung zum Uni­ver­sa­lis­mus ist geformt von poli­tisch-öko­no­mi­schen Inter­es­sens­la­gen, ideo­lo­gi­scher Beein­flus­sung und ande­ren Fak­to­ren, doch in ihrer Selbst­wahr­neh­mung ist es schlicht und ergrei­fend selbst­er­klä­rend rich­tig, an die abs­trak­te Wesens­gleich­heit aller Men­schen zu glau­ben. Erst, wenn sie ihr Pro­jekt affir­ma­tiv setzen, die glo­ba­le Mensch­heit wirk­lich her­stel­len wollen, offen­bart sich der Nihi­lis­mus des kleins­ten gemein­sa­men Nen­ners, des ent-kon­kre­ti­sier­ten Men­schen, der keiner mehr ist. Das ist das Gemein­sa­me aller Ideo­lo­gi­en, die vom kon­kre­ten Men­schen in seiner his­to­ri­schen Gewor­den­heit abse­hen und ihn als Gat­tungs­we­sen neu schaf­fen wollen. Wir werden sehen, dass Althus­ser wie bei­na­he die gesam­te west­li­che mar­xis­ti­sche Intel­li­genz zu den Glo­ba­lis­ten gehört, und dass sich diese vor­po­li­ti­sche Ein­stel­lung darin aus­drückt, dass für ihn alle Insti­tu­tio­nen, die den Men­schen situ­ie­ren und ihm eine kon­kre­te Rolle zuschrei­ben, ideo­lo­gisch sind: Fami­lie und Schule, Kirche und Medi­en­kon­zer­ne, Volk und Par­tei­en­sys­tem erfül­len für ihn zwar unter­schied­li­che Funk­tio­nen, doch ist ihnen allen gemein, dass sie “den Men­schen” bzw. “das Indi­vi­du­um” ideo­lo­gisch formen. Dies wird in der Theo­rie der Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­te einige Male zum Vor­schein treten. Hier gilt es für das bes­se­re Ver­ständ­nis jedes Mal, den eige­nen posi­ti­ven Bezug auf die Insti­tu­tio­nen tem­po­rär zu sus­pen­die­ren und sich auf Althussers zyni­sches Welt­bild ein­zu­las­sen.

II — Klas­sen

Althus­ser beginnt seinen Abschnitt zum Staat mit einer Zusam­men­fas­sung der tra­di­tio­nel­len mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Staats­theo­rie: 

Der Staat ist Teil des Über­baus der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on, und als sol­cher ist er “eine ‘Maschi­ne’ der Repres­si­on, welche es den herr­schen­den Klas­sen […] ermög­licht, ihre Herr­schaft über die Arbei­ter­klas­se zu gewähr­leis­ten, um sie dem Pro­zess der Abpres­sung des Mehr­werts (d.h. der kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tung) zu unter­wer­fen.” (S. 47) Herr­schen­de Klas­sen steht hier im Plural, weil Marx in seiner Ana­ly­se vom 19. Jahr­hun­det und seinem Neben­ein­an­der von Kapi­ta­lis­ten und Groß­grund­be­sit­zern aus­ging. Als Antiglo­ba­lis­ten können wir die heute herr­schen­den Glo­ba­lis­ten als Klas­sen­bünd­nis von inter­na­tio­na­lem Finanz- und Han­dels­ka­pi­tal, export­ori­en­tier­tem Indus­trie­ka­pi­tal und poli­tisch-media­len sowie intel­lek­tu­el­len Eliten bezeich­nen. Das beherrsch­te Volk hin­ge­gen besteht aus den Opfern des Glo­ba­lis­mus; hierzu gehö­ren der nicht-export­ori­en­tier­te Mit­tel­stand, sowie das Gros der Selb­stän­di­gen, Ange­stell­ten und Arbei­ter. 

Aller­dings rei­chen solche öko­no­mi­schen Bestim­mun­gen nicht aus; schließ­lich geht es uns nicht wie linken Glo­ba­li­sie­rungs­geg­nern nur um die Befrei­ung der „klei­nen Leute“ vom großen Kapi­tal, son­dern in erster Linie um die Erhal­tung unse­rer eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät und ihrer Träger, unse­ren Lands­leu­ten, auf ihrem ange­stamm­ten Ter­ri­to­ri­um. Aus dieser Per­spek­ti­ve gehört zur Klasse der Glo­ba­lis­ten, wer den Großen Aus­tausch bewusst beför­dert und davon zu pro­fi­tie­ren meint, und zum Volk, wer aus­ge­tauscht wird und dar­un­ter leidet. Diese beiden Kate­go­ri­en über­schnei­den sich zum großen Teil mit den oben dar­ge­stell­ten öko­no­mi­schen Kate­go­ri­en, sind aber nicht mit­ein­an­der iden­tisch – schließ­lich machen nicht­as­si­mi­lier­te Ein­wan­de­rer einen beträcht­li­chen Teil der urba­nen Unter­schich­ten aus.

Zum gege­be­nen Zeit­punkt müssen wir fest­stel­len, dass ein großer Teil der beherrsch­ten Klas­sen den glo­ba­lis­ti­schen Kon­sens teilt. Dies bezeich­nen wir auf unse­rem jet­zi­gen Erkennt­nis­stand noch als meta­po­li­ti­schen Sieg der Glo­ba­lis­ten; wir werden in Kürze erken­nen, dass es sich dabei um ein kon­kre­tes Macht­ver­hält­nis in den Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­ten (ISA) han­delt. Aus dem­sel­ben Grunde ist das Volk poli­tisch zer­split­tert und mit sich uneins: Im Gegen­satz zu den Glo­ba­lis­ten ist das Klas­sen­bünd­nis “Volk” zu diesem Zeit­punkt nur rein poten­ti­ell vor­han­den; ein gemein­sa­mes Klas­sen­be­wusst­sein – wir nennen es affir­ma­tiv “Iden­ti­tät” – des Volkes wäre der aus­schlag­ge­ben­de meta­po­li­ti­sche Sieg im Kampf gegen den Großen Aus­tausch.

Die oben dar­ge­leg­ten Klas­sen­ver­hält­nis­se wirken wei­ter­hin etwas höl­zern und öko­no­misch über­de­ter­mi­niert. Selbst­ver­ständ­lich sind die Gren­zen nicht sta­tisch; es gibt Grenz­gän­ger und Über­läu­fer, und selbst ein glo­ba­lis­ti­scher Banker kann von heute auf morgen seine Liebe zum Deut­schen Volk ent­de­cken. Im leni­nis­ti­schen Dis­kurs bil­de­ten wei­ter­hin die mar­xis­ti­schen Kader die Avant­gar­de des Pro­le­ta­ri­ats, wel­chem sie das Klas­sen­be­wusst­sein sozu­sa­gen aner­zie­hen soll­ten. Diese Rolle fällt heute uns Iden­ti­tä­ren zu; wir sind die Avant­gar­de des Volkes im Kampf gegen die Glo­ba­lis­ten. Daher müssen wir ver­ste­hen, wie ihr Staat funk­tio­niert.

II — Der Staat

Althussers oben zitier­ter Staats­be­griff umfasst folg­lich vor allem die repres­si­ven Kräfte der Judi­ka­ti­ve, Exe­ku­ti­ve und das Mili­tär, sowie in zwei­ter Linie Regie­rung und Admi­nis­tra­ti­on. Als pri­mä­re Funk­ti­on dieses Staats­ap­pa­ra­tes gilt die Absi­che­rung der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen, vor allem die Repres­si­on pro­le­ta­ri­scher Auf­stän­de und der Schutz des Pri­vat­ei­gen­tums. Althus­ser will jedoch über diesen Staats­be­griff hin­aus­schrei­ten und die eigent­li­che Repro­duk­ti­on der Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen – ins­be­son­de­re die ange­spro­che­ne ideo­lo­gi­sche Unter­wer­fung der Arbei­ter­klas­se – in seine Staats­theo­rie mit­ein­be­zie­hen. Dafür macht er zunächst eine grund­sätz­li­che Tren­nung des Staats­be­griffs in Staats­ap­pa­rat und Staats­macht auf:

Die Staats­macht als Herr­schaft über den Staats­ap­pa­rat und damit über die Gesell­schaft ist “Ziel des poli­ti­schen Klas­sen­kamp­fes” (S. 51); sie befin­det sich im Kapi­ta­lis­mus per defi­ni­tio­nem in der Hand der Bour­geoi­sie (der Klasse der Kapi­tal­ei­gen­tü­mer). Wo in einer kapi­ta­lis­ti­schen Nation nicht die Bour­geoi­sie, son­dern bei­spiels­wei­se eine Aris­to­kra­tie die Staats­macht in ihrer Hand hält, begreift Althus­ser, wie wir sehen werden, dies nur als ideo­lo­gi­schen Anschein, der die eigent­li­che Kon­trol­le der Staats­macht durch das Kapi­tal ver­schlei­ert. 

Der Staats­ap­pa­rat, der zunächst noch im mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Sinne primär als repres­si­ver Staats­ap­pa­rat (Poli­zei, Gerich­te, etc.) begrif­fen wird, kann hin­ge­gen auch bei wech­seln­der Staats­macht ganz oder teil­wei­se unver­än­dert intakt blei­ben. Ein sehr anschau­li­ches Bei­spiel hier­für dürf­ten Ver­wal­tungs­in­sti­tu­tio­nen eines im Krieg erober­ten Landes dar­stel­len, welche von den Erobe­rern weit­ge­hend unan­ge­tas­tet gelas­sen werden und ledig­lich ihre aus­zu­füh­ren­den Direk­ti­ven nun von neuen Macht­ha­bern bezie­hen. Althus­ser erwähnt expli­zit, dass selbst nach der Erobe­rung der rus­si­schen Staats­macht durch die Bol­sche­wis­ten, bzw. “durch das Bünd­nis des Pro­le­ta­ri­ats mit der armen Bau­ern­schaft” (S. 52), ein großer Teil des alten Staats­ap­pa­ra­tes zunächst fort­exis­tier­te. Er schreibt dazu, dass das Pro­le­ta­ri­at den bür­ger­li­chen Staats­ap­pa­rat in der von ihm erhoff­ten Revo­lu­ti­on “in einer ersten Phase durch einen völlig ande­ren, pro­le­ta­ri­schen Staats­ap­pa­rat erset­zen und [diesen] dann in spä­te­ren Phasen” auf dem Weg zum Kom­mu­nis­mus selbst zer­stö­ren müsse (ebd.). Sein Uni­ver­sa­lis­mus schim­mert durch: Auf dem Weg zur klas­sen­lo­sen Welt­ge­sell­schaft muss alles Her­ge­brach­te auf­ge­löst werden. Als Iden­ti­tä­re inter­es­siert uns weder die Erset­zung des repres­si­ven Staats­ap­pa­ra­tes durch einen ande­ren, noch dessen Auf­lö­sung; wir halten die Frage nach der Wirt­schafts­form zunächst für zweit­ran­gig und bewer­ten die Rolle des repres­si­ven Staats­ap­pa­ra­tes danach, ob er sich in der Hand der Glo­ba­lis­ten oder in der Hand des Volkes befin­det, d.h. danach, ob er dem Großen Aus­tausch dient oder ihn bekämpft. Die Tat­sa­che, dass selbst die kon­ser­va­tivs­ten unter den Orga­nen des repres­si­ven Staats­ap­pa­ra­tes (Ver­fas­sungs­schutz etc.) dem Großen Aus­tausch dienen, zeigt, wie stark die Macht der Glo­ba­lis­ten zur­zeit ist.

Die ISA

Auf Grund­la­ge seiner Rekon­struk­ti­on der mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Staats­theo­rie führt Althus­ser nun einen neuen Begriff ein: Neben dem einen repres­si­ven Staats­ap­pa­rat, den er als Kon­zept bei Marx und Lenin ange­legt sieht, exis­tie­ren für ihn ver­schie­de­ne Ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­ra­te (ISA). Deren Exis­tenz hätten die Mar­xis­ten zwar in ihrer Praxis berück­sich­tigt, sie aber nie in die mar­xis­ti­sche Theo­rie­tra­di­ti­on inte­griert. Der Sache am nächs­ten sei der ita­lie­ni­sche Kom­mu­nist Anto­nio Gram­sci gekom­men: “Gram­sci ist meines Wis­sens der ein­zi­ge gewe­sen, der jenen Weg began­gen hat, den wir hier ein­schla­gen. Er hatte jenen ‘ein­zig­ar­ti­gen’ Gedan­ken, dass der Staat sich nicht auf den (repres­si­ven) Staats­ap­pa­rat redu­zie­ren lässt, son­dern dass er auch eine Reihe von Insti­tu­tio­nen der ‘Zivil­ge­sell­schaft’ umfas­se” (S. 53.). Doch habe Gram­sci diesen Gedan­ken nie sys­te­ma­tisch aus­for­mu­liert; dies gelte es nun nach­zu­ho­len.

Im Gegen­satz zum repres­si­ven Staats­ap­pa­rat, der “auf der Grund­la­ge von Gewalt funk­tio­niert” (S. 54), funk­tio­nie­ren die Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­te (ISA) “durch den Rück­griff auf Ideo­lo­gie” (S. 56). Althus­ser zählt zu den ISA: Die Kir­chen, das Bil­dungs­sys­tem, die Fami­lie, die Justiz, das poli­ti­sche System samt aller Par­tei­en (inkl. der KP), die Inter­es­sens­ver­bän­de (inkl. der Gewerk­schaf­ten), den Infor­ma­ti­ons­ap­pa­rat und die gesam­te kul­tu­rel­le Sphäre. Dies gilt es betont zu wie­der­ho­len: Für Althus­ser sind solche schein­bar grund­ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen wie die Katho­li­sche Kirche, eine inter­na­tio­na­le Pri­vat­schu­le, die euor­päi­sche Klein-/Rumpf­fa­mi­lie, der migran­ti­sche Fami­li­en­clan, eine Rechts­an­walts­kanz­lei, das Par­la­ment, eine kon­ser­va­ti­ve Partei, eine linke Gewerk­schaft, eine Com­pu­ter­fach­zeit­schrift, ein großer Buch­ver­lag (und heute: Inter­net­me­di­en wie You­tube, Net­flix und Twit­ter) Ideo­lo­gi­sche Staats­ap­par­te und damit Teil des Staa­tes der herr­schen­den Klasse.

Der repres­si­ve Staats­ap­pa­rat ist öffent­lich, wäh­rend die ISA öffent­li­che wie auch pri­va­te Insti­tu­tio­nen umfas­sen. Die Unter­schei­dung zwi­schen Öffent­li­chem und Pri­va­tem trifft jedoch auf die ISA nicht zu, weil sie eine Unter­schei­dung des bür­ger­li­chen Rech­tes ist. Die ISA sind als Staats­ap­pa­ra­te jedoch als Teile des Staa­tes anzu­se­hen, und der Staat, der immer Staat der herr­schen­den Klasse ist, steht über dem bür­ger­li­chen Recht und jener Unter­schei­dung; er selbst “ist viel­mehr die Bedin­gung jeder Unter­schei­dung zwi­schen dem Öffent­li­chen und dem Pri­va­ten.” (ebd.) Als ISA sind schein­bar pri­va­te Insti­tu­tio­nen wie die Fami­lie oder etwa auch ein kom­erzi­el­ler Fern­seh­sen­der für Althus­ser ebenso Teil des Staa­tes der herr­schen­den Klasse wie die Poli­zei oder der Staats­funk.

Die wesent­li­che Unter­schei­dung zwi­schen (öffent­li­chem) repres­si­vem Staats­ap­pa­rat und (öffentlichen/privaten) Ideo­lo­gi­schen Staa­ta­s­ap­pa­ra­ten ist also, dass dieser in letz­ter Instanz auf Gewalt zurück­greift, jene auf Ideo­lo­gie. Dies schließt nicht aus, dass der repres­si­ve Staats­ap­pa­rat ebenso Ideo­lo­gie anwen­det, teils in erheb­li­chem Maße (z.B. inner­halb von Poli­zei und Armee; man beden­ke zudem die staat­li­che Anru­fung natio­na­ler Gefüh­le durch Fahnen und Hymnen, etc.), und es schließt eben­so­we­nig aus, dass auch die ISA Repres­sio­nen anwen­den, etwa durch Bestra­fung in der Schule, Exkom­mu­ni­ka­ti­on in der Kirche oder Zensur in den kul­tu­rel­len bzw. infor­ma­ti­ven ISA. Wäh­rend der repres­si­ve Staats­ap­pa­rat Abwei­chun­gen von der Gesell­schafts­for­ma­ti­on (der Klas­sen­herr­schaft) gewalt­sam unter­bin­det, stel­len die ISA die frei­wil­li­ge Unter­wer­fung der beherrsch­ten unter die herr­schen­de Klasse sicher.

Indem repres­si­ver Staats­ap­part und ISA jedoch auch immer in gerin­ge­rem Maße auf das jeweils andere Herr­schafts­mit­tel (Repression/Ideologie) zurück­grei­fen, ver­zah­nen ihre Funk­tio­nen sich – etwa ruft die Schule die Poli­zei, um Schul­schwän­zer auf­zu­spü­ren – und es bilden sich insti­tu­tio­nel­le und per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen. Gleich­zei­tig ergibt sich somit eine Hier­ar­chie: Die Fami­lie als ISA greift bei­spiels­wei­se unter Umstän­den auf Repres­sio­nen zurück, z.B. in der kör­per­li­chen Züch­ti­gung der Kinder. Das Jugend­amt kann die Kinder jedoch aus der Fami­lie weg­neh­men – wenn nötig, mit­hil­fe der Poli­zei. Als Teil des repres­si­ven Staats­ap­pa­ra­tes besitzt ein Jugend­amt folg­lich höhere repres­si­ve Kraft als die Fami­lie als ISA. Ebenso ver­blasst jedoch die ideo­lo­gi­sche Kraft des repres­si­ven Staats­ap­pa­ra­tes gegen­über der der ISA. Dies vermag für uns ein jün­ge­res Bei­spiel aus der deut­schen Geschich­te zu illus­trie­ren: Der anschwel­len­de ideo­lo­gi­sche Wider­stand in den ISA (Kirche, Bür­ger­initia­ti­ven) der DDR ver­moch­te es, unter­stützt durch ideo­lo­gi­sche Schüt­zen­hil­fe aus dem Westen, die mar­xis­tisch-leni­nis­ti­sche Ideo­lo­gie der repres­si­ven Staats­ap­pa­ra­te (Volks­po­li­zei, Stasi, Ver­wal­tung) zu besie­gen und das Volk schließ­lich mas­sen­wei­se zu fried­li­chen Groß­de­mons­tra­tio­nen auf die Straße zu trei­ben.

Die ISA sind äußerst kom­plex und divers, wider­spre­chen sich in ihren Ideo­lo­gi­en teil­wei­se und ergän­zen sich in ande­ren Aspek­ten. Was ihnen jedoch allen gemein ist, ist das Funk­tio­nie­ren im Diens­te der herr­schen­den Klasse und ihrer – der herr­schen­den – Ideo­lo­gie. Für Althus­ser ist die herr­schen­de Klasse die bür­ger­lich-kapi­ta­lis­ti­sche und ihre Ideo­lo­gie letzt­lich die des west­li­chen Libe­ra­lis­mus, ob in seinen pro­gres­si­ven, sozi­al­de­mo­kra­ti­schen oder kon­ser­va­ti­ven Aus­ge­stal­tun­gen.

Im Kampf zwi­schen der herr­schen­den Klasse (den Glo­ba­lis­ten) und der beherrsch­ten Klasse (dem Volk) dienen die ISA jedoch nicht nur der herr­schen­den Klasse als Waffe zur Durch­set­zung ihrer Ideo­lo­gie, son­dern sie werden auch selbst zum Kampf­platz und poten­ti­el­len Ort des Wider­stands. Zum einen können die vor­mals herr­schen­den Klas­sen sich dort oft bis zu einem gewis­sen Grade halten und ihrer­seits den neuen Herr­schern Kom­pro­mis­se abrin­gen. Man denkt an die ver­blei­ben­den Wert­kon­ser­va­ti­ven in der CDU/CSU und erkennt, dass es sich bei sol­chen Kom­pro­mis­sen stets nur um Rück­zugs­ge­fech­te han­deln kann. Zum ande­ren jedoch kann die eigent­lich beherrsch­te Klasse dort “Kampf­po­si­tio­nen erobern” (S. 59). Althus­ser erweist sich hier als einer der Vor­den­ker des Mar­sches durch die Insti­tu­tio­nen, auch wenn er sicher nicht geahnt hat, dass die von den ‘68ern erober­ten Kampf­po­si­tio­nen sich alle­samt nicht als Kase­mat­ten des Pro­le­ta­ri­ats, son­dern des Glo­ba­lis­mus her­aus­stel­len soll­ten.

Zusam­men­fas­send können wir die ISA als die Gesamt­heit aller Insti­tu­tio­nen bezeich­nen, in denen die Herr­schaft der herr­schen­den Klasse oder des herr­schen­den Klas­sen­bünd­nis­ses durch Rück­griff auf Ideo­lo­gie sicher­ge­stellt wird. Da der anti-iden­ti­tä­re Althus­ser nicht zu unter­schei­den vermag zwi­schen iden­ti­täts­stif­ten­den und iden­ti­täts­zer­stö­ren­den Funk­tio­nen der jewei­li­gen Insti­tu­tio­nen, redu­ziert er sie rest­los auf die Unter­wer­fung unter das Kapi­tal. Im Rahmen dieser Reduk­ti­on stellt er jedoch sehr schön dar, dass die Funk­tio­nen der grund­ver­schie­de­nen ISA tat­säch­lich genau darin mit­ein­an­der über­ein­stim­men sind, dass sie “funk­tio­nie­ren”, d.h., dass sie die Unter­wer­fung der beherrsch­ten unter die herr­schen­de Klasse sicher­stel­len.

Seine nihi­lis­ti­sche Per­spek­ti­ve können wir dabei durch­aus als wahre Ten­denz unse­rer Gesell­schaft unter­stel­len: Alle ISA ent­wi­ckeln sich zuneh­mend zu Orten, an denen ein anti-iden­ti­tä­res nihi­lis­ti­sches Sub­jekt pro­du­ziert wird, für wel­ches “Geschlecht” nur ein Wort im Per­so­nal­aus­weiß, “Fami­lie” nur eine erwei­ter­te WG und “Nation” nur ein zufäl­li­ger Wirt­schafts­stand­ort dar­stel­len soll. Alle poten­ti­ell iden­ti­täts­be­för­dern­den öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen (Bil­dungs­sys­tem, Kir­chen, Ver­bän­de) werden solan­ge sys­te­ma­tisch zer­stört, wie sie noch zumin­dest kon­ser­va­tiv wirk­sam werden, und sie werden geför­dert, sobald sie die glo­ba­lis­ti­sche und uni­ver­sa­lis­ti­sche Agenda pro­pa­gie­ren. Was wir als “Meta­po­li­tik” zu ver­ste­hen gelernt haben, ist der Kampf um die Hege­mo­nie in den Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­ten. Im Fol­gen­den wollen wir uns drei der von Althus­ser auf­ge­zähl­ten ISA genau­er anse­hen: Fami­lie, Kirche und Bil­dungs­sys­tem.

Fami­lie

Um seinen uni­ver­sa­lis­ti­schen, d.h. letzt­lich über­his­to­ri­schen, Vor­an­nah­men gerecht zu werden, muss Althus­ser seine Gegen­warts­be­ob­ach­tun­gen – denen man durch­aus zustim­men kann, auch in Bezug auf den Zustand der Fami­lie – in die Ver­gan­gen­heit pro­ji­zie­ren. In seiner Vor­stel­lung kann es keinen vor­ideo­lo­gi­schen Zustand gege­ben haben; seit den frü­hes­ten Anfän­gen waren mensch­li­che Gesell­schaf­ten für ihn Klas­sen­ge­sell­schaf­ten, alle Bluts- und Glau­bens­ban­de dien­ten aus­schließ­lich der Unter­wer­fung der beherrsch­ten Klasse. Die Fami­lie kann folg­lich nie etwas ande­res gewe­sen sein als eine Ort der “Auf­zucht und Erzie­hung der Kinder, durch die sich der Pro­le­ta­ri­er als Arbeits­skraft repro­du­ziert (in x Exem­pla­ren)” (S. 41), also eine Men­schen­fa­brik und ein ISA. Althus­ser schreibt dazu Fol­gen­des:

Jeder weiß doch, wie stark und auf welche Weise das Kind erwar­tet wird, dessen Geburt bevor­steht. Damit wird, ganz pro­sa­isch, aus­ge­sagt (wenn wir uns darauf ver­stän­di­gen, an dieser Stelle die ‘Gefüh­le’ bei­sei­te zu lassen, d.h. die väter­li­chen, müt­ter­li­chen, ehe­li­chen oder geschwis­ter­li­chen Formen der fami­lia­len Ideo­lo­gie [!], in denen das Kind, dessen Geburt bevor­steht, nach seiner Zeu­gung ‘erwar­tet’ wird): Es steht von vor­ne­her­ein fest, dass es den Namen seines Vaters tragen wird, also eine Iden­ti­tät haben und durch nie­man­den zu erset­zen sein wird. […] Es ist eigent­lich ganz unnö­tig, noch expli­zit zu sagen, dass diese fami­lia­le ideo­lo­gi­sche Kon­fi­gu­ra­ti­on in ihrer Ein­ma­lig­keit doch fest durch­struk­tu­riert ist und dass [das Kind] in dieser uner­bitt­li­chen, mehr oder weni­ger ‘atho­lo­gi­schen’ […] Struk­tur ‘seinen’ Platz ‘finden’ muss, d.h. zu dem sexu­el­len Sub­jekt (Junge oder Mäd­chen) werden muss, dass es bereits im Vor­hin­ein ist.” (S. 90f.)

Der ganze geheim­nis­vol­le und wun­der­schö­ne Pro­zess der Emp­fäng­nis und Geburt, wei­ter­hin das gesam­te Fami­li­en­le­ben, geht für Althus­ser in der Funk­ti­on auf, der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on neue “Sub­jek­te” zuzu­füh­ren. Für ihn gibt es keine natür­li­che Fami­lie, die aus den kapi­ta­lis­ti­schen Zwän­gen befreit werden könnte – wie das die alten Mar­xis­ten noch teil­wei­se ver­tra­ten – son­dern die Fami­lie selbst ist ein Herr­schafts­in­stru­ment. Es ist, als würde die Feu­er­wehr nicht das bren­nen­de Dach löschen, son­dern gleich das ganze Haus abrei­ßen: “Häuser sind ein Pro­blem, denn sie können bren­nen. Lasst uns die Stadt ein­eb­nen.”

Können wir trotz­dem mit Althussers Ana­ly­se mit­ge­hen? Die Ant­wort ist ganz unin­tui­tiv: Ja. Tat­säch­lich müssen auch wir dafür zunächst unsere posi­ti­ven Asso­zia­tio­nen mit der Fami­lie tem­po­rär sus­pen­die­ren, und wir stel­len erschro­cken fest, dass die von Althus­ser behaup­te­te Funk­ti­on der Fami­lie zwar nicht deren über­his­to­ri­sche Wahr­heit, aber mit Sicher­heit den Trend ihrer Ent­wick­lung dar­stellt. Die Fami­lie als neu­tra­ler ‘Ort, an dem Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der über­nom­men wird’, der jede ver­bind­li­che iden­ti­täts­stif­ten­de Rolle ver­lie­ren und ‘selbst­be­stimm­te Indi­vi­du­en’, d.h. Human­ka­pi­tal her­vor­brin­gen soll, ist längst gesell­schaft­li­che Rea­li­tät, sowie expli­zi­tes Ziel der hege­mo­nia­len Fami­li­en­po­li­tik. Wie in Althussers zyni­scher Dar­stel­lung, hat sich auch in der Rea­li­tät die Fami­lie als Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang im kapi­ta­lis­ti­schen Staat (letzt­lich als recht­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen Bür­gern) ver­selb­stän­digt, von ihrem lebens­welt­li­cher und mora­li­schen Tra­di­ti­on gelöst und exis­tiert nur­mehr als reines Sub­sys­tem der glo­ba­lis­ti­schen Matrix fort. Diese ent­weiht, in den Worten des Kom­mu­nis­ti­schen Mani­fests, bestän­dig alles Hei­li­ge, ver­dampft alles Ste­hen­de und Stän­di­sche und redu­ziert die Fami­lie auf einen pri­va­ti­sier­ten Kin­der­hort.

Wir sehen also, dass wir Althussers Betrach­tung bei­na­he kom­plett teilen können, wenn wir unsere intui­ti­ve Abnei­gung gegen seinen schein­ba­ren Zynis­mus über­win­den und unse­ren roman­ti­sche Hoff­nung auf die Mög­lich­keit einer zurück­ge­zo­ge­nen “Arche” (Sell­ner) able­gen. Auch eine kon­ser­va­ti­ve und patrio­ti­sche Fami­lie dient letzt­lich dem glo­ba­lis­ti­schen Staat als Reser­voir an Human­ka­pi­tal und als Abneh­mer für Kon­sum­gü­ter; gerade die gut aus­ge­bil­de­ten und erfolg­rei­chen “kon­ser­va­ti­ven” Maschi­nen­bau­in­ge­nieu­re und Betriebs­wirt­schaft­ler sind in diesem Sinne gern gese­he­ne Bürger, solan­ge und weil sie die Staats­macht in den ande­ren ISA nicht in Frage stel­len. Dies ist gewähr­leis­tet, inso­fern die weni­ger auto­ri­tä­ren unter ihnen der glo­ba­lis­ti­schen Indok­tri­na­ti­on ihrer Kinder nichts ent­ge­gen­set­zen, wäh­rend die auto­ri­tä­re­ren ihre Kinder wie­der­um zu meta­po­li­tisch nutz­lo­sen, aber zah­lungs­kräf­ti­gen Inge­nieu­ren und Betriebs­wirt­schaft­lern erzie­hen.

Als Ort der Fort­pflan­zung und Wei­ter­ga­be von Iden­ti­tät ist die Fami­lie somit in einem bestän­di­gen Rück­zugs­ge­fecht befan­gen, zumal die öko­no­mi­schen Belas­tun­gen und die Selbst­ver­wirk­li­chungs­ideo­lo­gie schon aus­rei­chen, um den meis­ten Gering­ver­die­nern den Wunsch nach Kin­der­reich­tum aus­zu­trei­ben. Somit machen sie die Arbei­ter­vier­tel frei für gebur­ten­stär­ke­re Migran­ten mit gerin­ge­ren Kom­pe­ten­zen und Ansprü­chen. Die bes­ser­ver­die­nen­den auto­chtho­nen Fami­li­en sind ent­we­der fest im Griff der glo­ba­li­si­ti­schen Ideo­lo­gie – dienen also buch­stäb­lich als deren Repro­duk­ti­ons­stät­ten –, haben dieser nichts ent­ge­gen­zu­set­zen (kon­ser­va­ti­ve Eltern, deren Kinder in der Schule mit ‘Refu­gees Wel­co­me’ indok­tri­niert werden), oder ziehen ihrer­seits meta­po­li­tisch macht­lo­se Kon­ser­va­ti­ve heran. Somit ist die Fami­lie in der para­do­xen Situa­ti­on, gleich­sam not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Fort­exis­tenz des Volkes zu sein und, als ISA, einer seiner schärfs­ten Feinde und am här­tes­ten umkämpf­ten Kampf­plät­ze seiner Unter­drü­ckung zu sein.

Kirche

Althus­ser ist sich bewusst, dass die Kirche im Frank­reich von 1970 nur­mehr eine unter­ge­ord­ne­te Rolle spielt. Doch in der vor­ka­pi­ta­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on – „in den Gesell­schafts­for­ma­tio­nen, die auf der ‚Leib­ei­gen­schaft‘ als Pro­duk­ti­ons­wei­se beru­hen (die gewöhn­lich als ‚feudal‘ bezeich­net werden)“ (S. 62f.) – „die Kirche (der reli­giö­se ISA) eine Reihe von For­ma­tio­nen mit­ein­an­der ver­band, die heute meh­re­ren von­ein­an­der unter­schie­de­nen ISA zuge­wie­sen werden, die in dieser Unter­schied­lich­keit gegen­über der von uns ange­spro­che­nen Ver­gan­gen­heit ein­fach neu sind.“ (ebd.) Die Kirche ver­ein­te neben reli­giö­sen auch schu­li­sche und kul­tu­rel­le Funk­tio­nen und stell­te somit war nicht der ein­zi­ge – neben Kirche und Fami­lie spricht Althus­ser auch von proto-inter­es­sen­ver­band­li­chen ISA (z.B. die Frei­mau­rer) und proto-poli­ti­schen ISA – aber doch der mäch­tigs­te und daher der „herr­schen­de ISA“.

Ähn­lich wie bei der Fami­lie können wir als Iden­ti­tä­re Althussers Ana­ly­se struk­tu­rell teilen und gleich­zei­tig fun­da­men­tal wider­spre­chen. Selbst­ver­ständ­lich können wir der Kirche als zen­tra­ler Insti­tu­ti­on der abend­län­di­schen Kul­tur­ge­schich­te eine weit­aus grö­ße­re Rolle zumes­sen als die der bloßen ideo­lo­gi­schen Macht­si­che­rung – und dies unab­hän­gig davon, ob wir gläu­big oder athe­is­tisch sind. Für uns hat sie als his­to­risch for­men­de Kraft des abend­län­di­schen Men­schen­ty­pus objek­tiv iden­ti­täts­stif­ten­de Funk­ti­on. Unbe­nom­men ist aller­dings, dass heute ins­be­son­de­re die großen Kir­chen tat­säch­lich ihren poli­ti­sche und „ideo­lo­gi­sche“ Herr­schafts­an­spruch weit­ge­hend ver­lo­ren haben und ihren schwin­den­den Besu­cher­zah­len die­sel­be uni­ver­sa­lis­ti­sche Agenda auf­schwat­zen wie das Fern­se­hen, wäh­rend sek­ten­haf­te Frei­kir­chen das ver­blei­ben­de Poten­ti­al über­zeug­ter Chris­ten auf­fan­gen.

Im Gegen­satz dazu „ist es abso­lut evi­dent, dass es in der his­to­risch vor­ka­pi­ta­lis­ti­schen Peri­ode […] einen herr­schen­den ISA gege­ben hat, näm­lich die Kirche. […] Wenn der gesam­te ideo­lo­gi­sche Kampf vom 16. bis zum 18. Jahr­hun­dert, von den ersten Erschüt­te­run­gen der Refor­ma­ti­on ange­fan­gen, sich auf einen anti­kle­ri­ka­len und anti­re­li­giö­sen Kampf kon­zen­triert hat, so war das kein Zufall, son­dern es voll­zog sich ent­spre­chend der herr­schen­den Rolle des reli­giö­sen ISA. Die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on hatte vor allem als Ziel und als Ergeb­nis […] dass der ISA Nr. 1 zer­schla­gen wurde: die Kirche.“ (S. 64) Die Durch­set­zung der bür­ger­li­chen, d.h. der kapi­ta­lis­ti­schen Macht konnte nicht erfol­gen, ohne die Kirche weit­ge­hend zu ent­mach­ten und ihrem vor­ma­li­gen Mono­pol auf Bil­dung, Kultur, Infor­ma­ti­on, etc. säku­la­re Insti­tu­tio­nen ent­ge­gen­zu­stel­len. Dies bringt uns zu dem­je­ni­gen ISA, den Althus­ser für den wich­tigs­ten hält: Die Schule.

Bil­dungs­sys­tem

Althus­ser schreibt zu einer Zeit, als in Frank­reich die Mehr­heit der Schü­ler noch im Jugend­al­ter das Bil­dungs­sys­tem ver­lässt und in die Arbeits­welt ent­las­sen wird. Für ihn ist daher die Schule der herr­schen­de ISA. Hin­ge­gen fängt gegen­wär­tig über die Hälfte der jungen Deut­schen eines Jahr­gan­ges ein Hoch­schul­stu­di­um an; zudem wurde das Stu­di­en­ni­veau durch Ein­füh­rung der Bache­lor­stu­di­en­gän­ge wesent­lich her­ab­ge­senkt und ver­schult. Wir können daher Althussers Ein­schät­zung der Schule (wozu er die franz. Vor­schu­le mit­zählt) als herr­schen­dem ISA pro­blem­los auf das ganze Mas­sen­bil­dungs­sys­tem von Kin­der­gar­ten bis Mas­ter­stu­di­um aus­wei­ten.

Aus­ge­hend von der Schil­de­rung, dass die Bour­geoi­sie im Laufe des langen 19. Jahr­hun­derts die Kirche ideo­lo­gisch ent­mach­te­te, sagt Althus­ser Fol­gen­des: „Es ging dabei um die Eta­blie­rung der bür­ger­li­chen Hege­mo­nie über die Funk­tio­nen, die vor­mals die Kirche aus­ge­füllt hatte – und dies voll­zog sich vor allem durch die Schule.“ (S. 64) Indem sie der vor­ma­li­gen Vor­macht der Kirche über das Denken her­an­wach­sen­der Gene­ra­tio­nen an sich riss, konnte die bür­ger­li­che Klasse trotz aller Rück­schlä­ge und Kon­ter­re­vo­lu­tio­nen ihre ideo­lo­gi­sche Hege­mo­nie (syn­onym: ihre meta­po­li­ti­sche Macht) lang­fris­tig sichern. Der poli­ti­sche ISA der Bour­geoi­sie, das Par­la­ment, wurde zwar in der Früh­zeit der Franz. Revo­lu­ti­on und dann mit Unter­bre­chun­gen und Rück­schlä­gen immer wieder zur poli­ti­schen Macht­aus­übung ver­wen­det, der schu­li­sche ISA war hin­ge­gen seit seiner Eta­blie­rung stets in bour­geoi­ser Hand.

Nur „in der ideo­lo­gi­schen Vor­stel­lung, welche die Bour­geoi­sie sich selbst und den Klas­sen, die sie aus­beu­te­te, ver­mit­teln will, [ist] der beherr­schen­de ISA […] nicht die Schule, son­dern der poli­ti­sche ISA, näm­lich das Regime der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie, ergänzt um das freie und all­ge­mei­ne Wahl­recht und die Kämpfe der Par­tei­en.“ (S. 65) Da die Bour­geoi­sie die poli­ti­sche Macht im Staat hat und den herr­schen­den ISA – das Bil­dungs­sys­tem – kon­trol­liert, stel­len Par­la­ment und Par­tei­en­sys­tem viel­mehr ein großes poli­ti­sches Schau­spiel dar, in wel­chem mal die eine und mal die andere Frak­ti­on das Wort und die schein­ba­re Macht erhält, um am Ende doch die Wün­sche der wirt­schaft­lich Mäch­ti­gen aus­zu­füh­ren. Gleich­zei­tig müssen jedoch sowohl Bour­geoi­sie als auch Pro­le­ta­ri­at fest daran glau­ben, dass das poli­ti­sche System eines der Frei­heit und Gleich­heit ist und dort jeder poten­ti­ell zu seinem Recht kommen kann; es ist gewis­ser­ma­ßen die zen­tra­le Funk­ti­on des poli­ti­schen ISA, genau diese Recht­fer­ti­gung für das System auf­recht­zu­er­hal­ten.

Hin­ge­gen konnte die Bour­geoi­sie im Zwei­fels­fall auch immer ohne par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie regie­ren. Althus­ser führt meh­re­re Bei­spie­le aus der fran­zö­si­schen Geschich­te auf, sowie die jahr­hun­der­te­lan­ge Koope­ra­ti­on der eng­li­schen Bour­geoi­sie mit dem Adel und schließ­lich die deut­sche Geschich­te: Die deut­sche Kapi­ta­lis­ten­klas­se herrsch­te im aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­dert durch den preu­ßi­schen Adel (Kai­ser­reich), ging nach dem Ersten Welt­krieg durch eine kurze Phase der par­la­men­ta­ri­schen Repu­blik und herrsch­te dann im Drit­ten Reich durch den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Inso­fern lässt sich mit Althus­ser das Deut­sche Kai­ser­reich als moder­ne Gesell­schaft mit ledig­lich aris­to­kra­ti­schem Anstrich deuten, der NS als völ­kisch-ideo­lo­gisch ver­klei­de­te Herr­schaft der impe­ria­lis­ti­schen Bour­geoi­sie.

Aus dieser Per­spek­ti­ve ist es für den Macht­er­halt der Bour­geoi­sie jedoch letzt­lich egal, durch wel­chen poli­ti­schen ISA sie herrscht – solan­ge sie das Bil­dungs­sys­tem kon­trol­liert, hat sie die Herr­schaft sicher. Eine enorme Masse von Schü­lern aller Schich­ten bekommt täg­lich „in herr­schen­de Ideo­lo­gie ver­klei­de­tes Know-how (Fran­zö­sisch, Rech­nen, Natur­kun­de, Wis­sen­schaf­ten, Lite­ra­tur) oder aber ganz ein­fach die herr­schen­de Ideo­lo­gie im reinen Zustand (Moral, Staats­bür­ger­leh­re, Phi­lo­so­phie).“ (S. 67f.) Je nach Grad der Ver­in­ner­li­chung und Beherr­schung sowohl der Ideo­lo­gie als auch des Know-hows fallen die Schü­ler dann ent­we­der schritt­wei­se aus dem Bil­dungs­sys­tem in die Pro­duk­ti­on oder – heute viel häu­fi­ger – schrei­ten voran in die höhe­ren Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen, wo sie zu „unte­ren und mitt­le­ren Kadern, Ange­stell­ten, unte­ren und mitt­le­ren Beam­ten“ aus­ge­bil­det werden; ein klei­ner Teil erreicht die Gipfel und bildet die nächs­te Gene­ra­ti­on an „Agen­ten der Aus­beu­tung (Kapi­ta­lis­ten, Mana­ger), Agen­ten der Unter­drü­ckung (Mili­tärs, Poli­zis­ten, Poli­ti­ker, Ver­wal­tungs­fach­leu­te usw.) oder Berufs­ideo­lo­gen (Pries­ter aller Art).“ (ebd.) 

Nun kann man diesen Zustand für eine vor-glo­ba­lis­ti­sche Gesell­schaft gut oder schlecht heißen: Man kann die Herr­schaft der Bour­geoi­sie über das Pro­le­ta­ri­at als ver­dien­te und gerecht­fer­tig­te Meri­to­kra­tie ver­ste­hen oder als Unter­drü­ckung und Aus­beu­tung. Man kann die Klas­sen­herr­schaft auch akzep­tie­ren unter der Prä­mis­se, dass sie eine natio­na­le Kultur von großem Wert her­vor­bringt, oder auch schlicht, weil man sozia­lis­ti­sche Pro­jek­te für zum Schei­tern ver­ur­teilt erach­tet. Völlig anders ist die Lage jedoch in unse­rer Situa­ti­on, in der der alte (modern-natio­nal-kapi­ta­lis­ti­sche) Klas­sen­kampf zwi­schen Bour­geoi­sie und Pro­le­ta­ri­at durch einen neuen (post­mo­dern-trans­na­tio­nal-glo­ba­lis­ti­schen) Klas­sen­kampf zwi­schen Glo­ba­lis­ten und Volk ersetzt wird. Auch die schein­bar neu­tra­len Agen­ten von Poli­tik und Wirt­schaft ent­pup­pen sich täg­lich als glo­ba­lis­ti­sche Akteu­re; sie müssen aber zunächst hinter der Betrach­tung des Bil­dungs­sys­tems als herr­schen­dem ISA zurück­tre­ten.

Gene­rell müssen wir Althussers Struk­tur­ka­te­go­ri­en nur auf unsere ver­än­der­ten Ver­hält­nis­se anwen­den, und wir erhal­ten ein glas­kla­res Bild unse­rer Lage: Im Kin­der­gar­ten werden Kinder iden­ti­täts­über­grei­fend auf­ge­nom­men und mit Viel­falt und Gender Main­strea­ming kon­fron­tiert. Dies zieht sich durch die Schul­zeit, in der die uni­ver­sa­lis­ti­sche Ideo­lo­gie sich in “Know-How” ver­klei­det: Im Eng­lisch­un­ter­richt wird das Ende der Apart­heid behan­delt, im Spa­nisch­un­ter­richt die Gräuel Fran­cos beweint, im Geschichts­un­ter­richt die Schand­ta­ten Deutsch­lands bereut, im Poli­tik­un­ter­richt aus den­sel­ben Schand­ta­ten die glo­ba­le Ver­ant­wor­tung Deutsch­lands und der Aus­tausch der Deut­schen gerecht­fer­tigt, usw. Die MINT-Fächer werden zwar von Kon­ser­va­ti­ven oft als Refu­gi­en der Ver­nunft betrach­tet, doch die ange­maß­te Stärke derer, die über die “Laber­fä­cher” läs­tern, ver­deckt nur ihre offen­kun­di­ge Schwä­che, der uni­ver­sa­lis­ti­schen Indok­tri­na­ti­on Eige­nes ent­ge­gen­zu­hal­ten; sie geben sich geschla­gen und ziehen sich ins Pri­va­te zurück, finan­zie­ren später über Steu­ern die Indok­tri­nie­rung ihrer eige­nen Kinder. Der­weil ist ein Groß­teil der bil­dungs­po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger und des „Boden­per­so­nals“ von der glo­ba­lis­ti­schen Ideo­lo­gie voll­ends über­zeugt. Die Oppo­si­ti­on, die es gibt, ist ent­we­der ver­ein­zelt oder mar­gi­na­li­siert und wird schlicht igno­riert oder auch neu­tra­li­siert, wenn sie zu reni­tent wird. 

Im post­schu­li­schen Bil­dungs­sys­tem ist das Wei­ter­kom­men wie­der­um strikt an die Inter­na­li­sie­rung der glo­ba­lis­ti­schen Ideo­lo­gie geknüpft, sowie an ihre vor­po­li­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen (etwa, Kind der glo­ba­lis­ti­schen urba­nen Mit­tel­schicht zu sein): “koste es, was es wolle, kommen sie ein Stück weiter, um dann unter­wegs ‘her­aus­zu­fal­len’ und die Posten der unte­ren und mitt­le­ren Kader […] zu beset­zen. Ein letz­ter Teil erreicht die Gipfel […] Agen­ten der Aus­beu­tung, Agen­ten der Unter­drü­ckung, Berufs­ideo­lo­gen.” (S. 68) Agen­ten der Aus­beu­tung und der Unter­drü­ckung müssen wir iden­ti­tär als Agen­ten des glo­ba­len Kapi­tals und seiner staat­li­chen Repres­siv­or­ga­ne deuten, also etwa lei­ten­de Ange­stell­te in inter­na­tio­na­len Banken und Kon­zer­nen sowie Ver­fas­sungs­schüt­zer, die patrio­ti­sche Oppo­si­ti­on kri­mi­na­li­sie­ren. Die Hohe­pries­ter umfas­sen neben den Pro­fes­so­ren an den unver­sa­lis­ti­schen (d.h. an allen) geis­tes- und gesell­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Lehr­stüh­len inklu­si­ve der neo­li­be­ra­len Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten noch die Akteu­re der deut­schen Erin­nungs­kul­tur­in­dus­trie die glo­ba­lis­ti­schen Kader in den Par­tei­en und Inter­es­sen­ver­bän­den, sowie aller ande­ren ISA mit Bil­dungs­auf­trag.

Wie wir sehen, ist das Bil­dungs­sys­tem tat­säch­lich kom­plett in glo­ba­lis­ti­scher Hand und leis­tet, inso­fern es alle öko­no­mi­schen, poli­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Eliten aus­bil­det, Unglaub­li­ches für die meta­po­li­ti­sche Macht der Glo­ba­lis­ten. Dies liegt daran, dass sie in den kon­kre­ten Insti­tu­tio­nen des Bil­dungs­sys­tems die Ober­hand haben. Wenn wir diese Erkennt­nis ernst­neh­men, lässt sich daraus nur ablei­ten, dass mög­lichst viele Kon­ser­va­ti­ve und Patrio­ten seit Jahr­zehn­ten in den herr­schen­den ISA drän­gen und Sozi­al­päd­ago­gen, Lehrer, Sozio­lo­gen und Päd­ago­gik­pro­fes­so­ren hätten werden müssen. Weil sie dies nicht getan haben und das Bil­dungs­sys­tem den linken Ideo­lo­gen – und damit dem Glo­ba­lis­mus – über­lie­ßen, müssen wir anders Ein­fluss auf die her­an­wach­sen­de Gene­ra­ti­on gewin­nen. Glück­li­cher­wei­se ist dies in unse­rem Milieu bereits bekannt, und es ent­ste­hen fort­lau­fend gegen­kul­tu­rel­le Pro­jek­te. 

Was wir von Althus­ser über das Funk­tio­nie­ren der Ideo­lo­ge an sich lernen können, wird Inhalt des nächs­ten Arti­kels sein. Vorher zwei kurze Exkur­se: 

Exkurs 1: Eine neue Gesell­schafts­for­ma­ti­on

Wir sahen bereits, dass eine ernst­haf­te Anwen­dung der althusserschen Gesell­schafts­theo­rie auf die heu­ti­ge Situa­ti­on einen radi­ka­len Bruch mit seinen mar­xis­ti­schen Grund­an­nah­men erfor­der­lich macht: Wäh­rend eine in sich geschlos­se­ne und rela­tiv homo­ge­ne Indus­trie­ge­sell­schaft durch­aus als kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schafts­for­ma­ti­on betrach­tet und auch kri­ti­siert werden konnte, ver­bie­tet heute allei­ne der Grad der inter­na­tio­na­len Ver­net­zung aller Wirt­schafts­zwei­ge jede kon­zep­tu­el­le Tei­lung einer Nation in Bour­geoi­sie und Pro­le­ta­ri­at. Viel­mehr muss vom Glo­ba­lis­mus als einer neuen Gesell­schafts­for­ma­ti­on gespro­chen werden, in wel­cher sich Glo­ba­lis­ten und Volk gegen­über­ste­hen. Im export­ori­en­tier­ten Deutsch­land hat die glo­ba­lis­ti­sche Klasse ein­deu­tig die Ober­hand; und doch sind es – ob der Exter­ri­to­ria­li­tät der Glo­ba­lis­ten – vor­nehm­lich natio­na­le Eliten, durch die der Große Aus­tausch umge­setzt wird. Ungarn eignet sich als Gegen­bei­spiel: Sind die natio­na­len Eliten gewillt, kann der Aus­tausch ein­fach ange­hal­ten werden.

Dies bietet Raum für zwei Thesen: In der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on ging es um die Akku­mu­la­ti­on von Kapi­tal, wel­ches sich als Kon­zen­tra­ti­on von Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten, ent­spre­chend von Fabri­ken, Arbei­tern und Roh­stoff­quel­len mani­fes­tier­te. Dafür musste zwar im Rahmen tech­ni­scher Ratio­na­li­sie­rung die ideo­lo­gi­sche Macht der Kirche gebro­chen werden, doch dien­ten die eigent­lich vor­mo­der­nen Phä­no­men Volk und Fami­lie, inso­fern sie loyale Arbei­ter pro­du­zier­ten, wei­ter­hin als Macht­ba­sis der Kapi­ta­lis­ten­klas­se und wurden daher in die moder­ne Gesell­schaft hin­über geret­tet. Die bür­ger­li­chen ISA ach­te­ten daher pein­lich genau darauf, Volk und Fami­lie im Rahmen der kapi­ta­lis­ti­schen Nation auf­recht­zu­er­hal­ten, teils zwecks Kri­sen­kon­so­li­die­rung tota­li­tär zu ver­ab­so­lu­tie­ren (NS).

In der glo­ba­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on geht es wei­ter­hin um die Akku­mu­la­ti­on von Kapi­tal, wel­ches sich jedoch als größt­mög­li­che Streu­ung von Eigen­tums­ti­teln und Besitz­an­tei­len, am besten in Form rein abs­trak­ter Finanz­pro­duk­te dar­stellt. Ein natio­nal füh­len­des Pro­le­ta­ri­at ist nur­mehr hin­der­lich, inso­fern es sich der stän­di­gen räum­li­chen Ver­la­ge­rung von Kapi­tal in den Weg stel­len kann. Hin­ge­gen eine ato­mi­sier­te urbane Selbst­ver­wirk­li­chungs­ge­sell­schaft ohne Kinder, aber mit ver­füg­ba­rem Ein­kom­men, dient als fle­xi­bles Reser­voir mobi­ler Arbeits­kräf­te und ste­ti­ger Abneh­mer neuer Pro­duk­te viel eher den Ansprü­chen glo­ba­lis­ti­scher Share­hol­der. Das neu ent­ste­hen­de Dienst­leis­tungs­pro­le­ta­ri­at wird mit Migran­ten gefüllt, deren höhere demo­gra­phi­sche Kraft schritt­wei­se die nach oben und in die Vor­städ­te flie­hen­de auto­chtho­ne Bevöl­ke­rung aus­tauscht. Das akku­mu­lier­te Kapi­tal der glo­ba­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on hat mit dem Kapi­tal der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on nur noch gemein, sich als Geld­sum­me aus­zu­drü­cken. Seine reale Erschei­nung hin­ge­gen ist die eines ster­ben­den Kon­su­men­ten­vol­kes und eines wach­sen­den Migran­ten­pre­ka­ri­ats. 

Exkurs 2: Staats­zer­fall und Antifa

Die Antifa ver­dient ihren eige­nen Arti­kel. Grund­sätz­lich muss sie sowohl als Ideo­lo­gi­scher Staats­ap­pa­rat ver­stan­den werden, der den Glo­ba­lis­mus als erstre­bens­wert und irgend­wie links ver­kauft; gleich­zei­tig geht ihr Akti­vis­mus jedoch weit über das Maß an Repres­si­on hinaus, wel­ches einem ISA zusteht. Daher erfährt sie selbst regel­mä­ßig Repres­sio­nen vom offi­zi­el­len repres­si­ven Staats­ap­pa­rat, wenn sie sich gegen jenen wendet. Wenn sie sich hin­ge­gen gegen Patrio­ten und Iden­ti­tä­re wendet, ihre Feind­be­stim­mung also mit der­je­ni­gen der herr­schen­den Klasse iden­tisch ist, darf sie mit still­schwei­gen­der Zustim­mung aus den media­len ISA und sogar mit staat­li­cher Finan­zie­rung rech­nen. Es han­delt sich also um einen inof­fi­zi­el­len zwei­ten repres­si­ven Staats­ap­pa­rat – eine Art Hilfs­po­li­zei samt Hilfs­ge­heim­dienst – der den radi­ka­len (d.h. den links­ra­di­ka­len) Glo­ba­lis­ten in den ISA direkt unter­steht und zum offi­zi­el­len repres­si­ven Staats­ap­pa­rat in Kon­kur­renz steht. Man muss bei diesem Phä­no­men ein­deu­tig von einem Anzei­chen des Staats­zer­falls, letzt­lich der staats­zer­set­zen­den Wir­kung der glo­ba­lis­ti­schen Ideo­lo­gie spre­chen.