Einer der frühs­ten Funke Arti­kel, der noch im Jahr 2011 ver­fasst wurde, wurde unlängst auf YT ver­tont. Grund genug ihn wieder abzu­dru­cken. Die vehe­men­te Kritik am NW, ist heute kaum mehr nach­voll­zieh­bar, da dieser keine Rolle mehr spielt. Der Leser soll selbst urtei­len, ob es den­noch Aspek­te des Textes gibt, die auch heute noch lehr­reich sind.


Da wir in letz­ter Zeit einige Arti­kel zu Fragen der Meta­po­li­tik und poli­ti­schen Stra­te­gie gebracht haben, wollen wir nun anhand eini­ger prak­ti­scher Bei­spie­le, die Rele­vanz dieser Themen dar­stel­len. Wir werden uns dabei, recht will­kür­lich, einige innen­po­li­ti­sche Macht­kämp­fe aus der Geschich­te her­aus­grei­fen und näher ana­ly­sie­ren. Dabei wollen wir, unge­ach­tet der poli­ti­schen Inhal­te, ledig­lich,  Fragen der Taktik und Stra­te­gie erläu­tern. Dieses Mal führt uns dieses Anlie­gen ins Jahr 1931.

Wer hat uns ver­ra­ten?

Es ist ein dunk­ler, kalter Abend im Novem­ber und wir befin­den uns in einem ebenso dunk­len, aber gut beheiz­ten Raum. Es ist schon spät aber am ein­fa­chen Schreib­tisch brennt noch ein Licht, das die groben Züge eines Mannes im mitt­le­ren Alter erleuch­tet. Er starrt auf den Packen Papier der vor ihm auf dem Tisch liegt, und von ihm, fie­ber­haft mit der Füll­fe­der bear­bei­tet wird. Es ist Ernst Thäl­mann, der große Vor­sit­zen­de der KPD. Heute Abend sind die Falten auf seiner flei­schi­gen Stirn noch tiefer als sonst. Er schreibt an einer Rede. Sie muss gut werden, auf­peit­schend, rich­tungs­wei­send und kraft­voll. Denn: Die Lage spitzt sich zu. Thäl­mann, der, als Chef der Partei, ver­su­chen muss seinen Blick­feld über dem grel­len Far­ben­spiel der heißen Stra­ßen­kämp­fe und der fana­ti­schen Pro­pa­gan­da zu halten, ist sich der aktu­el­len Kräf­te­ver­hält­nis­se bewusst. Zwar hat er es geschafft die Wäh­ler­zah­len der KPD auf 13,1% zu stei­gern, doch damit liegt sie immer noch weit hinter der NSDAP, die auf 18,3% hoch­ge­schos­sen ist. Der Griff nach der poli­ti­schen Macht durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten steht unmit­tel­bar bevor- das ist dem mas­si­gen Ham­bur­ger bewusst. Sollte Deutsch­land das ver­wehrt blei­ben, was in Russ­land schon Gestalt annimmt? Soll sein Land, seine Partei, das Hei­mat­land von Marx und Engels zurück­blei­ben, wenn über­all auf der Erde das neue Zeit­al­ter ein­bricht? Wofür sind Lieb­knecht und Luxen­burg gestor­ben? Wütend hält er inne und reibt sich die Narbe über dem rech­ten Auge. “Alles die Schuld dieser ver­damm­ten Sozi­al­de­mo­kra­ten.” Ein alter Hass flammt in ihm hoch. Diese ver­fluch­ten Sys­tem­büt­tel und Demo­kra­ten, haben seit dem 1. Welt­krieg nichts getan als mit dem Zen­trum zu pak­tie­ren, die pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on zu ver­hin­dern, die Arbei­ter abzu­spei­sen und aus der großen Vision von Marx den feigen Refor­mis­mus zu machen. Sie ver­ste­hen die welt­po­li­ti­schen, großen Vor­gän­ge nicht, mit ihrem beschränk­ten Büro­kra­ten­blick. Wider­lich, wie sie sich von der “radi­ka­len” KPD abgren­zen nur um die den Bro­cken von den fürst­li­chen Tafeln der Kapi­ta­lis­ten naschen zu dürfen. “Als nächs­tes pak­tie­ren sie wohl noch mit dem Hitler – nie­mals ein Bünd­nis mit denen“.Thälmann betrach­tet den, eben zu Papier gebrach­ten Aufruf:

Wir sagen den Arbei­tern: der Faschis­mus beginnt nicht, wenn Hitler kommt, er hat längst begon­nen. Wir sagen den Arbei­tern, gegen eine zukünf­ti­ge, noch offe­ne­re und skru­pel­lo­se­re Form der kapi­ta­lis­ti­schen Dik­ta­tur kann man nicht kämp­fen, indem man heute den Kapi­ta­lis­mus schont, tole­riert, unter­stützt, son­dern indem man in jeder Stunde den Haupt­stoß gegen die tat­säch­li­che Dik­ta­tur der Bour­geoi­sie und ihre ent­schei­den­den Stüt­zen rich­tet!“

Ernst Thäl­mann: Reden und Schrif­ten, 1930–1933, Bd. 1, Köln 1975, S. 324–329,  

Ja, das klingt gut, das ist Mar­xis­mus reins­ten Was­sers. Zufrie­den streicht er über das Papier. Er war schon immer stolz auf seine Gabe, theo­re­ti­sche Zusam­men­hän­ge, ein­fasch und grif­fig dar­stel­len zu können. Der Faschis­mus ist ja nur der Kri­sen­mo­dus des Kapi­tals, indem es seine demo­kra­ti­sche Maske fallen lässt. Alle, alle, Zen­trum, NSDAP, SPD und der Rest sind Teil dieses kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems, das ein­zi­ge die KPD, zer­schla­gen will und wird. “Nie­mals”, schwört sich Thäl­mann und beißt die Zähne zusam­men, “nie­mals werde ich eine Ver­wäs­se­rung der wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis zulas­sen, die von den Vor­den­kern des Sozia­lis­mus erkämpft wurde“. Unter seiner Füh­rung bleibt die KPD, radi­kal, welt­an­schau­lich und mar­xis­tisch. Zufrie­den denkt er an die Tal­hei­mer-Affäre. Dieser Lump und seine Spieß­ge­sel­len, woll­ten doch tat­säch­lich eine Ein­heits­front mit der ver­rä­te­ri­schen SPD. Einen Pakt mit dieser Sys­tem­par­tei! Nie­mals. Es war rich­tig sie aus der Partei zu werfen. Er schreibt weiter:

Den Faschis­mus schla­gen, das heißt die Arbei­ter­klas­se aus den Banden der Sozi­al­de­mo­kra­tie und des Refor­mis­mus erlö­sen! Das ist es, was wir der deut­schen Arbei­ter­klas­se uner­müd­lich Tag für Tag, Stunde für Stunde ein­schär­fen müssen!“ 

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Wie sonst soll denn sonst der Faschis­mus geschla­gen werden, außer indem die KPD alle echten und wahren Sozia­lis­ten aus der Sys­tem­par­tei der SPD abzieht und mit ihnen der NSDAP ent­ge­gen­tritt? Denn wie soll eine links­fa­schis­ti­sche Sys­tem­par­tei, wie die SPD, gegen die rechts­fa­schis­ti­sche NSDAP kämp­fen. Beide sind doch nur Mario­net­ten des­sel­ben Pup­pen­spie­lers: des Kapi­tals. Dieser Kapi­tal­fa­schis­mus beherrscht alles- außer die KPD. Die SPD ver­sucht ihre Rolle darin nur mit dem großen Tamtam um die dro­hen­de Hit­ler­re­gie­rung zu ver­schlei­ern. Und sollte die kommen werden sie auch darin ein Plätz­chen finden. “Diese Oppor­tu­nis­ten!” Thäl­mann spuckt die Worte förm­lich aus und ruft sich noch einmal den Satz Sta­lins ins Gedächt­nis:  

Der Faschis­mus ist eine Kampf­or­ga­ni­sa­ti­on der Bour­geoi­sie, die sich auf die aktive Unter­stüt­zung der Sozi­al­de­mo­kra­tie stützt. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie ist objek­tiv der gemä­ßig­te Flügel des Faschis­mus. […] Diese Orga­ni­sa­tio­nen schlie­ßen ein­an­der nicht aus, son­dern ergän­zen ein­an­der. Das sind keine Anti­po­den, son­dern Zwil­lings­brü­der”

 Stalin: Zur inter­na­tio­na­len Lage; Werke, Band 6; S. 251–269, hier S. 253.  

Zufrie­den beschließt er seinen Text:

Wenn die Kom­mu­nis­ti­sche Partei den Haupt­stoß ihres Kamp­fes gegen die ver­rä­te­ri­sche sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rer­schaft, gegen die ver­rä­te­ri­sche ADGB-Büro­kra­tie rich­tet, so des­halb, weil dies der Weg ist, um die Macht des Pro­le­ta­ri­ats im Klas­sen­kampf gegen den Kapi­ta­lis­mus voll und sieg­reich in die Waag­scha­le den Geschich­te werfen zu können.“

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Noch im selben Novem­ber wurde diese Rede von Ernst Thäl­mann, vor seinen begeis­ter­ten Anhän­gern, gehal­ten. Wenige Jahre ppäter waren sowohl die KPD als auch die SPD ver­bo­ten und die NSDAP allein an der Macht. 

Trotz­kis Ant­wort

Der ultra­lin­ke Kampf der KPD gegen die SPD, stell­te genau das Gegen­teil der Taktik der NSDAP dar, die unter allen Umstän­den ver­such­te ideo­lo­gi­sche Gra­ben­kämp­fe in ihrere Front gegen den Bol­sche­wis­mus zu ver­mei­den. Schon damals blieb Thäl­manns puris­ti­scher Kurs nicht unkri­ti­siert. Schon Trotz­ki hatte für Thäl­manns, dog­ma­ti­sche Rden (die frei­lich von Moskau beför­dert worden waren) nur bit­te­ren Tadel übrig. In seinem Brief “Wie wird der Natio­nal­so­zia­lis­mus geschla­gen”, aus dem selben Jahr 1931, stellt er die Lage anders dar. Er glaub­te, dass die NSDAP zwar schnel­ler wachse als die KP, dass ihre Macht­über­nah­me aber noch zu ver­hin­dern sei. Hier kri­ti­sier­te er Thäl­mann, der die Macht­er­grei­fung des NS für unaus­weich­li­che hielt dafür, dass er nicht in der Lage war mit der SPD oder sogar dem Zen­trum eine Front gegen den NS zu bilden. Trotz­ki wie­der­hol­te ein­dring­lich, dass man, über ideo­lo­gi­sche Ana­ly­sen hinweg, die bedroh­lichs­te, aku­tes­te Gefahr immer zuerst mit allen ver­fü­g­ab­ren Mit­teln aus­schal­ten müsse. Die Kom­mu­nis­ten dürf­ten ihren not­wen­di­gen Kampf gegen den Refor­mis­mus der Sozi­al­de­mo­kra­ten jetzt nicht mit einer Ein­heits­front gegen den NS ver­mi­schen oder an beiden Fron­ten gleich­zei­tig kämp­fen. Eins soll nach dem ande­ren von stat­ten gehen und das dring­lichs­te zuerst erle­digt werden. Trotz­ki erkennt klar die psy­cho­lo­gi­sche Schwä­che der “Radi­ka­linskis” in der KPD:

Das Unglück besteht darin, daß es im Zen­tral­ko­mi­tee der Kom­mu­nis­ti­schen Partei viele erschro­cke­ne Oppor­tu­nis­ten gibt. Sie haben gehört, daß der Oppor­tu­nis­mus sich in der Vor­lie­be für Bünd­nis­se zeigt, darum sind sie gegen Blocks. Sie begrei­fen nicht den Unter­schied zwi­schen, sagen wir, par­la­men­ta­ri­schen Abkom­men und einer — selbst noch so beschei­de­nen — Kampf­ver­ein­ba­rung für einen Streik oder Schutz von Arbei­ter­dru­cke­rei­en vor faschis­ti­schen Banden.“

Brief an einen deut­schen Arbei­ter-Kom­mu­nis­ten, Mit­glied der KPD 8. Dezem­ber 1931
Dieser Arti­kel wurde um die Jah­res­wen­de 1931/32 als Bro­schü­re der Linken Oppo­si­ti­on der KPD (Bol­sche­wi­ki-Leni­nis­ten) ver­öf­fent­licht. Aus­zü­ge daraus erschie­nen in der Nr. 1 vom 1. Januar 1932 von deren halb­mo­nat­lich erschei­nen­den Zeit­schrift Per­ma­nen­te Revo­lu­ti­on 

Im Fol­gen­den trifft er eine wich­ti­ge Unter­schei­dung zwi­schen par­la­men­ta­ri­schen Bünd­nis­sen und Akti­ons­bünd­nis­sen. Wäh­rend ers­te­re eine revo­lu­tio­nä­re Kraft immer ein­lul­lu­en und schwä­chen würden, kann sie in zwei­te­ren, auf­trump­fen und sich zum Führer der par­la­men­ta­risch ver­wach­se­nen Gesin­nungs­ge­nos­sen machen. Wäh­rend Thäl­manns Rede von Hass und Wut über den jahr­zehn­te­lan­gen “Verrat” der Sozi­al­de­mo­kra­tie strotzt, jedes Bünd­nis kom­plett aus­schließt und allein als KPD den Kampf gegen die NSDAP gewin­nen will, plä­diert Trotz­ki für ein undog­ma­ti­sches, rein prak­ti­sches Akti­ons­bünd­nis, indem die KPD durch Taten glän­zen soll. Thäl­mann will alle Arbei­ter von der SPD abzie­hen, in der KPD sam­meln und quasi in einem Auf­wasch, diese Partei  über­neh­men und zugleich den NS ver­hin­dern. Diesen stra­te­gi­schen Bank­rott, ver­packt er in zahl­rei­chen Phra­sen, die der Mot­ten­kis­te der mar­xis­ti­schen Erlö­sungs­ideo­lo­gie ent­nom­men sind. Die “geschicht­li­che Auf­ga­be”, “his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit”, “das neue Zeit­al­ter”, usw. Wäh­rend er sich die Berge der pathe­ti­schen Phra­sen auf­türmt stol­pert er über den Maul­wurfs­hü­gel der Prag­ma­tik.

Was können wir daraus lernen?

Wir wir unse­ren erle­se­nen Leser­kreis kennen, wird jeder bereits schmun­zelnd die frap­pan­ten Ähn­lich­kei­ten von Thäl­manns Fehl­ein­schät­zun­gen mit Ansich­ten und Mei­nun­gen im außer­par­la­men­ta­ri­schen rech­ten Lager erkannt haben. Wir wollen sie, der Form halber, noch einmal zusa­men­fas­sen.

a) “Gegen das System”

Thäl­mann ver­trat die These des “Sozi­al­fa­schis­mus”. Nach dieser focht die KPD als ein­zi­ge Strei­te­rin für Kom­mu­nis­mus und Men­schen­recht einen hehren Kampf gegen den faschis­ti­schen Moloch, dem alle Par­tei­en, von rechts bis links, nur als Cha­rak­ter­mas­ken dien­ten. Das System ist abso­lut böse. Man selbst ist abso­lut gut. Je stär­ker man vom System bekämpft wird, desto reiner ist man. Jeder Kom­pro­miss kom­pro­mit­tiert und kor­rum­piert. Die starke anti­bol­sche­wis­ti­sche Agi­ta­ti­on vieler Medien, die damals tat­säch­clih den Kon­sens weiter Bevöl­ke­rungs­tei­le wider­spie­gel­te, zemen­tier­te diese Selbst­be­trach­tung als “ein­sa­mer Strei­ter für das Recht”. Man hielt die “reine Lehre” des Mar­xis­mus hoch und ver­ge­wis­ser­te sich durch Aus­schluss und Abgren­zung über deren Rein­hal­tung. Man ben­ton­te oft sogar die, für den Bürger beson­ders absto­ßen­den, Pas­sa­gen dieser Lehre, um sich in deren Ent­set­zen, genüß­lich als beson­ders radi­kal und sys­tem­fremd erken­nen zu können. Jeder Ver­such sich an die herr­schen­de, poli­ti­sche und media­le Bio­sphä­re des “Sys­tems” anzu­pas­sen wurde als Verrat ange­se­hen, in Auf­tre­ten und Agi­ta­ti­on bestä­tig­te man seine Rolle als “Out­cast”. Mit einem Pathos der „win­zi­gen Dif­fe­renz“, wurde gerade die inhalt­lich ver­wand­te Sozi­al­de­mo­kra­tie als ärgs­ter Feind bekämpft. Diese machte mit “dem System” gemein­sa­me Sache, gab aber sozia­lis­tisch-mar­xis­ti­sche Ziele vor und grub damit das eigene rebel­li­sche Poten­ti­al ab. Diese Abren­zung vom System, seine kol­lek­ti­ve Ver­teu­fe­lung und die rein welt­an­schau­li­che Sicht der Dinge, machte es der KPD unmög­lich, als füh­ren­de Gruppe einer Ein­heits­front gegen den NS zu reus­sie­ren. Sie trieb mög­li­che Ver­bün­de­te durch ihren Radi­ka­lis­mus eher in die Arme des Zen­trums und ver­tief­te mit ihrem Her­um­rei­ten auf ideo­lo­gi­schen Ana­ly­sen, den Graben zur SPD.

Auch die ver­blie­be­nen Kreise des NW sind stark von diesem Denken bein­flusst. Ihnen gilt alles als has­sens­wert und ver­seucht, was “im System” ist. Ein extre­mer Hang zur Ver­schwö­rungs­theo­rie befeu­ert diesen Wahn noch. Das System selbst “ist der Fehler”, “muss weg”, usw. Man kann und darf nicht in ihm arbei­ten, son­dern muss mili­tant und frei blei­ben — und vor allem ande­ren die “reine Lehre” der Welt­an­schau­ung erhal­ten. Man liebt es die “Bun­zel­bür­ger” zu ver­schre­cken. Teil­wei­se scheint man die Schau­er des Abscheus zu genie­ßen, die man beim Bürger her­vor­ruft. Die schein­ba­re mit schein­bar naiv-idea­lis­ti­sche Agi­ta­ti­on, kal­ku­liert bereits mit der tota­len Ableh­nung, die man psy­cho­lo­gisch in Bestä­ti­gung trans­for­miert. Wenn man Paro­len wie “Dein Volk stirbt”, “Die Demo­kra­ten brin­gen uns den Volks­tod”, “Gegen System und Kapi­tal” auf der Lippe führt ist die Reak­ti­on derer, die man “auf­we­cken” will, schon vor­pro­gram­miert. Der Aufruf an die Bürger sich in die jewei­li­ge Demo “ein­zu­rei­hen” ist so lächer­lich illu­so­risch, dass er schon wieder trau­rig ist. Er ver­hallt wir­kungs­los im Kame­ra­den­ghet­to. Solan­ge der Ein­stieg in den NW, den tota­len Aus­stieg aus dem gewöhn­li­chen Leben bedeu­tet, wird er eine mar­gi­na­le Strö­mung blei­ben. Der “Wider­stand” auf diese Art und in diesem Rahmen ist nur eine Selbst­be­stä­ti­gung der eige­nen “Out­cast- Rolle“, mit der man sich abge­fun­den hat. Er bestä­tigt dem noto­ri­schen Sys­tem­geg­ner, seine welt­an­schau­li­chen Güte. Denn was die “Repu­blik der Strol­che” bekämpft muss auto­ma­tisch gut und was von ihr mit Repres­si­on ver­folgt wird, muss für sie gefähr­lich sein. Man will die Schwel­le zum Bewusst­sein, der Mas­sen­be­völ­ke­rung gar nicht mehr über­win­den, weil man am Tor­wäch­ter, der herr­schen­den kul­tu­rel­len Hege­mo­nie nicht vorbei will. Man will ihn in der „offe­nen Feld­schlacht schla­gen. Dieser tritt aber selbst­ver­ständ­lich nicht aus seiner kom­for­ta­blen Stel­lung heraus, befin­den sich doch alle rele­van­ten Insti­tu­tio­nen, Geld und Macht­mit­tel in seinem Bestutz Die Bewusst­seins­schwel­le der Bevöl­ke­rung wird als “Schwel­le zum System” miss­ver­stan­den, in das man nicht ein­tre­ten will. Man müsste die “Rein­heit” der eige­nen Dogmen hinter sich, den heim­li­gen Szene-Schüt­zen­gra­ben des erfolg­lo­sen Bela­ge­rers ver­las­sen, und einen Fuß in “das System” setzen. Eine Übung die ein Hin­ter­fra­gen der his­to­ri­schen Dogmen und eine müh­se­li­ge, lang­wie­ri­ge Arbeit in Lega­li­tät und echter Orga­ni­sa­ti­on erfor­dern würde.

b) Res­sen­ti­ment statt Taktik

Thäl­mann lässt Trotz­kis tak­ti­sches Ver­ständ­nis ver­mis­sen, wenn er die ideo­lo­gi­sche Erb­feind­schaft zur SPD über die Not­wen­dig­keit des Akti­ons­bünd­nis­ses stellt. Dass eine akut exis­tenz­be­dro­hen­de Gefahr, vor dem inne­ren “ideo­lo­gi­schen Haupt­feind” bekämpft werden muss, ver­steht sich von selbst.  Doch auch in NW-Krei­sen lässt man sich nur zu gern von emo­tio­na­len Lieb­lings­feind­schaf­ten leiten, die ers­tens wenig bis gar nichts mit echter (iden­ti­tä­rer) Welt­an­schau­ung zu tun haben und dar­über hinaus heute völlig belang­los sind. Ein Volk hat keine ewigen Feinde, son­dern ewige Inter­es­sen! “Rache” und “Ver­gel­tung” sind schlech­te Rat­ge­ber in Fragen der Taktik und Stra­te­gie. Die Emo­ti­on, soll das innere Feuer sein, das antreibt und die Kraft zur kühl kal­ku­lier­ten Tat gibt. Gerade das Ver­hält­nis des NWs zu rechts­po­pu­lis­ti­schen Kräf­ten, ist allzu oft von diesem emo­tio­na­len “Ver­rä­ter-Res­sen­ti­ment” geprägt. Wer “im System” ist und noch nicht auf der schwar­zen Liste des VS steht ist “gekauft” . Oft werden gerade eta­blier­te Rechte Par­tei­en und Per­so­nen mit grö­ße­rem Hass bedacht als der poli­ti­sche Gegner selbst. Man ima­gi­niert sich in Wahn­ge­bil­de hinein, wonach beim Zer­fall dieser oder jener Partei der “freie Wider­stand” wie von Zau­ber­hand gestärkt werden würden. Sowohl die außer­par­la­men­ta­ri­sche Kräfte als auch die rech­ten Par­tei­en, düm­peln noch unter ferner liefen vor sich hin. Das ist kein Zeit­punkt für res­sen­ti­ment­ge­la­de­ne Gra­ben­kämp­fe, son­dern für tak­ti­sche Zusa­men­ar­beit. Die mög­li­che Ten­denz rechts­po­pu­lis­ti­scher Kräfte, einen rein oppor­tu­nis­ti­schen, west­lich-atlan­ti­schen Weg ein­zu­schla­gen und jede Welt­an­schau­ung zu fürch­ten wie der Teufel das Weih­was­ser, wird durch den hass­erfüll­ten Pathos und das pseu­do­mi­li­tan­te Getöse in ihre Rich­tung sei­tens freier Kräfte gerade beför­dert, nicht ver­hin­dert.

c) Welt­an­schau­li­cher Pathos als Stra­te­gie­er­satz

Thäl­manns Sozi­al­fa­schis­mus­the­se ent­spricht durch­aus der mar­xis­ti­schen Ideo­lo­gie: der kapi­ta­lis­ti­sche Staat als „Klas­sen­staat“ und muss ver­nich­tet werden. Jede Orga­ni­sa­ti­on, jede Hier­ar­chie, jeder Kampf lässt sich im Rahmen des Mar­xis­mus nur recht­fer­ti­gen, wenn das End­ziel, die Umwer­fung aller kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se und die “befrei­te Gesell­schaft” ist, in der dieser Klas­sen­staat ver­schwin­den soll. Wenn die Sozi­al­de­mo­kra­tie bloß eine Reform des herr­schen­den Sys­tems will, und dessen Zer­schla­gung auf „irgend­wan bis nie­mals” ver­schiebt, wird sie zum Gegner des Mar­xis­mus. Sie gräbt ihm das Poten­ti­al ab, indem sie die Unzu­frie­den­heit der Arbei­ter mit Refor­men dämpft. Sie raubt ihm die Themen, indem sie sich diese, heuch­le­risch, selbst an die Fahne heftet, jedoch nicht kon­se­quent ver­folgt. Nach der mar­xis­ti­schen Ideo­lo­gie wäre die Sozi­al­de­mo­kra­tie dann zu zer­schla­gen, oder mit­tels Ent­ris­mus zu unter­wan­dern. Dass man jedoch diese tak­ti­schen Ziele im nicht per­ma­nent, emo­tio­nal aus­plau­dern sollte, wie das Thäl­mann im ideo­lo­gi­schen Furor macht, ist ein Gebot der Stra­te­gie. Dass er damit eine dezi­tiert anti­mar­xis­ti­sches Hal­tung der Sozi­al­de­mo­kra­tie womög­lich erst her­vor­rief, und Unter­stüt­zer des Mar­xis­mus in der Partei ver­schreck­te, blieb ihm ver­bor­gen. Diese Mängel macht er mit einem echt hege­lia­ni­schen Glau­ben an die “Wahr­heit und his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit” der eige­nen Mis­si­on wett. Der Welt­geist wirds schon rich­ten, solan­ge man nur treu und fest bei der reinen Lehre bleibt. Im NW ist es um das Ver­hält­nis von Stra­te­gie und Welt­an­schau­ung ähn­lich schlecht bestellt wie damals in der KPD.  In rech­ten Krei­sen herrscht zumeist leider ein dog­ma­ti­scher,  “welt­an­schau­li­cher Still­stand” vor (der sich dafür umso ver­zwei­fel­ter bemüht sich äußer­lich bunt und “hip” zu gestal­ten).  Es ist kein Wunder, dass es bei der stra­te­gi­schen Umset­zung dieses dog­ma­ti­schen Kon­g­log­me­rats ebenso hapert. Meist beläuft sich die NW-Stra­te­gie auf eine lächer­li­che Pseu­do­mi­li­tanz, die in ihren  Paro­len oft, eine quasi bol­sche­wis­ti­sche “Umwer­fung aller Ver­hält­nis­se”, einen Kampf gegen “das System an sich” auf die Tages­ord­nung hebt. (Das geht Hand in Hand mit den lei­di­gen Tag-X Phan­ta­si­en)  Nichts liegt patrio­ti­schen, natio­na­len, kon­ser­va­ti­ven und tra­di­tio­na­len Ideen ferner. Es geht um die Wie­der­her­stel­lung einer echten Ord­nung, keine ewige Revo­lu­ti­on als Selbst­zweck. Wenn man das so sieht sollte man das auch so kom­mu­ni­zie­ren und sich nicht in die Rolle des Revo­luz­zers und Out­cast ver­lie­ben. Eine ver­steif­te Welt­an­schau­ung voll his­to­ri­schem Bal­last ver­knüpft mit einem stra­te­gi­schen Bank­rott, stel­len das dop­pel­te Ver­sa­gen dieses Lagers dar.  
Not­wen­dig wäre es im Zuge einer iden­ti­tä­ren Kehre, die eige­nen Ansich­ten zu hin­ter­fra­gen, die eigene Rolle und Posi­ti­on im poli­ti­schen Gefüge der BRD zu erken­nen und dann diesen neuen Ansatz in einer prag­ma­ti­schen, echten Stra­te­gie zu ver­fol­gen. Ohne hier näher auf dieses Thema ein­zu­ge­hen, müssen wir kon­sta­tie­ren, dass viele Rechte sich statt­des­sen ebenso in das “Natur­ge­setz”, oder die Not­wen­dig­keit eines “Tag-X” an dem der “Volks­zorn” erwacht, flüch­ten und damit welt­an­schau­li­chen Pathos über die Stra­te­gie stel­len.

Fazit

Wenn auch die his­to­ri­sche Lage, und selbst­ver­ständ­lich das ange­streb­te Ziel völlig ver­schie­den sind – es gibt frap­pan­te Ähn­lich­kei­ten, zwi­schen der Hal­tung der KPD und derer vieler Grup­pen des NW. Es sind die Refle­xe und welt­an­schau­lich-stra­te­gi­schen Ver­falls­er­schei­nun­gen  einer Gruppe, die sich in eine Total­op­po­si­ti­on zu den herr­schen­den Ver­hält­nis­sen begiebt und daran ver­küm­mert. Es ist das Abfei­ern der eige­nen Iso­la­ti­on und der ideo­lo­gi­sche Gra­ben­kampf gegen die eige­nen Gesin­nungs­ge­nos­sen “im System”. Das welt­an­schau­li­che Pathos wird über jede stra­te­gi­sche Frage gestellt. Das ist die ideale Brut­stät­te für absur­de Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, apo­ka­lyp­ti­sche Hoff­nun­gen und Ter­ror­wahn. Auch abseits von der Not­wen­dig­keit, das dog­ma­ti­sche Kon­gol­me­rat des “Natio­na­len Sozia­lis­mus”, kri­tisch zu Hin­ter­fra­gen und am iden­ti­tä­ren Impe­ra­tiv, dem Erhalt unse­rer eht­no­kul­tu­rel­len Sub­stanz, zu messen, sind diese stra­te­gi­schen und tak­ti­schen Gesetz­mä­ßig­kei­ten unhin­ter­geh­bar.
Wenn man Avant­gar­de sein will muss man im “System”, im meta­po­li­ti­schen Raum sein, sonst ist man nicht Vorhut, son­dern ein Haufen Idio­ten der durch die “sys­tem­fer­ne” Wild­nis hirscht und jeden Kon­takt zum Haupt­tross ver­lo­ren hat.
Der erste Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung wäre es, den Mythos vom “System” auf­zu­ge­ben und die herr­schen­den Ver­hält­nis­se in ihrer Hete­ro­ge­ni­tät und neue rechte Strö­mun­gen, wie etwa die Islam­kri­tik, in ihrer iden­ti­tä­ren Bedeu­tung zu ver­ste­hen. Unser Kampf gilt nicht dem Staat, der Poli­zei, der Ord­nung an sich, son­dern der Hege­mo­nie, inter­na­tio­na­lis­ti­scher, uni­ver­sa­lis­ti­scher Ideo­lo­gi­en. Er muss also auf theo­re­ti­scher, welt­an­schau­li­cher Ebene, eisern, ohne pathe­ti­sche Ver­blen­dung und ver­staub­te Nost­al­gie, auf poli­ti­scher Ebene aber im Rahmen der herr­schen­den Ver­hält­nis­se ablau­fen. Eine par­tei­po­li­ti­sche Mas­sen­be­we­gung muss Hand in Hand mit einer meta­po­li­ti­schen, iden­ti­tä­ren Recon­quis­ta von stat­ten gehen, die zu ihrem Erfolg, eine Eini­gung ALLER, kon­ser­va­ti­ven, patrio­ti­schen, tra­di­tio­na­len und natioa­len Kräfte benö­tigt. Alles andere führt zum pseu­do­mi­li­tan­ten, Schein­wi­der­stand, der sich gele­gent­lich in ter­ro­ris­ti­schen Zuckun­gen entläd, oder zum welt­an­schau­ungs­lo­sen Oppor­tu­nis­mus der Rechts­po­pu­lis­ten, wel­cher der Schwer­kraft west­lich, uni­ver­sa­lis­ti­scher Dok­tri­ne folgt. Dieses frucht­ba­re Zusam­men­ar­bei­ten von Partei und meta­po­li­ti­scher Kraft, die Grüne und Linke seit Jahr­zehn­ten prak­ti­zie­ren, muss die rech­ten Zusam­men­hän­ge in Deutsch­land neu for­mie­ren. Auch natio­na­le Kräfte müss­ten darin einen Weg finden, der sie aus ihrer schau­er­li­chen stra­te­gi­schen Ver­ren­kun­gen zwi­schen Szene, (ver­ba­ler) Mili­tanz, Kul­tur­ver­ein und Info­krieg führt. Vorraus­set­zung dafür ist eine Besin­nung auf die wahre Sub­stanz einer rech­ten Welt­an­schau­ung.