Erster Teil einer Kritik des Info­kriegs und der Info­krie­ger

Der „Info­krieg“ ist seit eini­gen Jahren in aller Munde. In der Spät­pha­se des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs boomt, wäh­rend sowohl rechte Par­tei­en als auch rech­ter Akti­vis­mus sta­gnie­ren, das Gewer­be rech­ter Medi­en­ma­cher. Auf You­Tube, Twit­ter, TikTok, Face­book, V-Kon­tak­te, Tele­gram und zahl­lo­sen Blogs und Info­sei­ten stel­len tau­sen­de, mehr oder weni­ger Intel­li­gen­te mehr oder weni­ger Intel­li­gen­tes ins Netz, und nennen das „Info­krieg“. Im Ver­gleich zu besag­ten patrio­ti­schen Par­tei­en und Bewe­gun­gen herrscht in diesem Sektor eine regel­rech­te Auf­bruchs- und Gold­grä­ber­stim­mung. Teil­wei­se geschieht das zulas­ten des Akti­vis­mus. Der Trend geht vom Akti­vis­ten zum Influ­en­cer und vom Leiter einer Bewe­gung zum „Opi­ni­on Leader“. Auch die Zuse­her schei­nen (noch) begeis­tert zu sein, jubeln ihren Idolen zu, sehen in ihnen Hoff­nungs­trä­ger. Doch worauf rich­tet sich dieses Hoffen? Kaum jemand fragt, was eigent­lich das stra­te­gi­sches Ziel des „Info­kriegs“ ist und ob es ver­tret­bar ist, so viel Zeit und Ener­gie an die „Front“ zu ver­la­gern. Genau das wollen wir in diesem Text tun, indem wir eine (ernüch­tern­de) stra­te­gi­sche Ana­ly­se der Gegen­öf­fent­lich­keit vor­neh­men, die ihre Gren­zen, ebenso wie ihre Ver­lo­ckung erklärt.

Info­krieg und Terror

Die Öffent­lich­keit nimmt in unse­rem System eine beherr­schen­de Stel­lung ein. Mehr noch als zu Gram­scis Leb­zei­ten domi­niert die Meta­po­li­tik die poli­ti­sche Sphäre. Lagen Anfang des 20. Jahr­hun­derts in Europa noch echte poli­ti­sche Macht­po­ten­tia­le in Armee und Poli­zei, so hat sich das Zen­trum des Ein­flus­ses heute kom­plett in die „ide­el­len Macht­mit­tel“ ver­la­gert. Wer diese, ob in ihrer feinen kon­zen­trier­ten Form als aka­de­mi­sche Arbei­ten, Exper­ten­dos­siers, etc. oder in Grob­form als mas­sen­me­dia­le Pro­pa­gan­da, unters Volk bringt, kon­trol­liert die Debat­te, das Mei­nungs­kli­ma und damit die Poli­tik.

War es im alten Rom noch mög­lich, dass ein erfolg­rei­cher Feld­herr mit seiner Legion in der Urbs ein­mar­schier­te und die Macht an sich riss, auch in machen „Failed States“ heute noch kann ein erfolg­rei­cher War­lord Par­la­men­te belie­big abset­zen, so ist das in West­eu­ro­pa aus meh­re­ren Grün­den undenk­bar. Ers­tens befin­den wir uns im Vasal­len­stand und sind unter dem geo­po­li­ti­schen Rake­ten­schirm der USA quasi ent­mi­li­ta­ri­siert. Zwei­tens ist die herr­schen­de Gesell­schafts- und Regie­rungs­form und ihre Legi­ti­mi­tät derart in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen, dass kein Putsch an die Macht jemals von der Gesell­schaft oder umlie­gen­den Staa­ten aner­kannt werden würde. Vor dem 2. Welt­krieg waren breite Schich­ten der linken und rech­ten Oppo­si­ti­on bereit zum Putsch. Er war auch in Europa damals nichts unüb­li­ches. Wären Teile der radi­ka­len Linken auch wäh­rend des kalten Kriegs noch zu einem gewalt­sa­men Putsch bereit gewe­sen um eine andere Staats- und Regie­rungs­form ein­zu­füh­ren, so ist das heute nicht mehr der Fall. (All das kann sich durch unvor­her­seh­ba­re Ereig­nis­se natür­lich ändern. Doch über diese zu spe­ku­lie­ren ist hier unan­ge­bracht. Es gilt den Status quo, wie er heute ist, zu ana­ly­sie­ren.) Letzte alt­rech­te Träume von einem Armee­putsch schei­ter­ten im mili­tan­ten Akti­vis­mus der OAS. Der pein­li­che Mili­tanz-Fetisch vieler Alt­rech­ter, die Ver­wechs­lung von Macht und Gewalt, ver­schwand den­noch nicht und hielt sich in Wehr­sport­übun­gen und Träu­men vom Auf­stand. Das abso­lu­te Mono­pol der Meta­po­litk, dem Spiel um poli­ti­sche Macht wel­ches der­zeit in West­eu­ro­pa vor­herrscht, ist ein eiser­ner Fakt. Jeder Rechte der ver­sucht mili­tan­ten Grup­pen auf­zu­bau­en oder die Armee zu unter­wan­dern lebt in einer Traum­welt. Wenn er erfolg­reich ist, wird er ent­we­der sofort ver­haf­tet oder als nütz­li­cher Idiot für die Stra­te­gie der Span­nung miss­braucht und danach ver­haf­tet. Im Ter­ro­ris­mus, der auch schon den Traum von Putsch und gewalt­sa­mer Über­nah­me auf­ge­ge­ben hat, zeigt sich der end­gül­ti­ge stra­te­gi­sche Bank­rott und die psy­cho­pa­tho­lo­gi­sche Wurzel dieser mör­de­ri­schen Ver­zweif­lungs­ta­ten. Sie sollen zual­ler­erst dem Täter ein „gutes Gefühl“ ver­mit­teln indem er sich damit ver­ge­wis­sert „zum Äußers­ten gegan­gen“ zu sein und, bestä­tigt durch die media­le Bericht­erstat­tung, „einen Effekt“ bewirkt zu haben. Und das trifft auch zu: der Ter­ro­rist hat das äußerst mög­li­che Idio­ti­sche und Inhu­ma­ne getan, um seinen ideo­lo­gi­schen Grö­ßen­wahn zu befrie­di­gen, sowie seine poli­ti­schen Plan­lo­sig­keit und stra­te­gi­sche Impo­tenz zu kom­pen­sie­ren. Der „Effekt“ den er erzielt ist auch durch­haus groß, nur nützt und beschleu­nigt er genau den Pro­zess, den er zu bekämp­fen vorgab.
Der digi­ta­le Info­krie­ger würde bis jetzt wohl zustim­mend nicken. Er hat mit Terror nichts am Hut und teilt die Ana­ly­se der tota­len Macht­ver­la­ge­rung ins Meta­po­li­ti­sche. Ja, er sieht seine Tätig­keit als die rich­ti­ge Stra­te­gie in dieser Lage. Dum­mer­wei­se ist sie das nicht. Im schlimms­ten Fall ist ein ziel- und aus­sichts­lo­ser Info­krieg sogar Mit­schuld an Ohn­macht und Ver­zweif­lung, die oben beschrie­be­ne Taten her­vor­bringt.

Wo ist das Mani­fest des Info­kriegs?

Wagen wir eine stra­te­gi­sche Ana­ly­se der Gegen­öf­fent­lich­keit. Wenn das pri­mä­re Ziel rech­ter Anstren­gun­gen einen poli­ti­schen Macht­wech­sel bedeu­tet, muss jeder Ansatz sich genau danach recht­fer­ti­gen. Wenn deine Tätig­keit nicht im Rahmen einer sinn­vol­len Stra­te­gie zur Erlan­gung poli­ti­scher Macht bei­trägt, ist sie wert­los und allen­falls poli­ti­sche Selbst­be­frie­di­gung. In dem Fall lautet die Frage nur noch, ob du damit ande­ren, welche sinn­vol­le Stra­te­gi­en ver­fol­gen, scha­dest. Wenn ja dann soll­test du am besten gar nichts tun. Neben dem par­tei­po­li­ti­schen Ansatz und einer mili­tant-ter­ro­ris­ti­schen Stra­te­gie, (die wir hier näher ana­ly­siert haben), bestehen im patrio­ti­sche Lager akti­vis­ti­sche Ansät­ze und die Gegen­öf­fent­lich­keit. Der­zeit gibt es, bezeich­nend und typisch für das rechte Lager, kaum revo­lu­ti­ons­theo­re­ti­sche Texte, geschwei­ge denn Mani­fes­te zu einer Stra­te­gie des Info­kriegs. Wir wollen den viel­be­schäf­tig­ten Vlog­gern und Blog­gern daher diese Arbeit abneh­men. Der Info­krieg erkennt zurecht die Sphäre der Meta­po­li­tik als die ent­schei­den­de und die Mas­sen­me­di­en als die zen­tra­le Säule der poli­ti­schen Macht. Zurecht ver­mu­ten die Ver­tre­ter des Info­kriegs, dass, hätte man die Maschi­nen zur Mei­nungs­ma­che in der Hand (quasi das Eigen­tum an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln der Kul­tur­in­dus­trie), dann wäre man in der Lage die­sel­be sozia­le Kon­trol­le über Gesell­schaft, Wirt­schaft und Par­tei­en aus­zu­üben, wie es die der­zei­ti­gen Macht­ha­ber tun. Träum­ten Rechte vor Jahren noch vom „Tag X”, an dem man die Radio­sta­tio­nen beset­zen und die NPD-Schul­hof-CD auf allen Kanä­len abspie­len würde, sind Info­krie­ger etwas schlau­er gewor­den. Ihr Ziel ist es, als Medi­en­gue­ril­la unter Aus­nut­zung moder­ner bil­li­ger Pro­duk­ti­ons­mit­tel und neuer Mög­lich­kei­ten der Ver­brei­tung eine Gegen­öf­fent­lich­keit zu schaf­fen, welche, kraft ihrer Authen­ti­zi­tät und Wahr­heit, die herr­schen­de Öffent­lich­keit erst ver­drän­gen und später erset­zen soll. Auf den ersten Blick scheint diese Stra­te­gie erfolg­reich zu sein. In den letz­ten 10 Jahren konnte im links­li­be­ra­len Westen ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum von eta­blier­ten, sys­tem­treu­en und -höri­gen Medien abge­zo­gen, und in eine wach­sen­de alter­na­ti­ve Medi­en­land­schaft ein­ge­bun­den werden. Diese ist so groß und divers, dass sie bereits einen eige­nen klei­nen Kosmos dar­stellt. Die Hoff­nung der Info­krie­ger ist, dass dieser Trend weiter geht und über die virale Ver­brei­tung ihrer Inhal­te immer mehr Leute den geis­ti­gen „Opt-Out“ wählen, und zu einer wach­sen­den Masse an kri­tisch Den­ken­den werden. So weit so gut. Leider gerät es hier ins Sto­cken.
Wie es wei­ter­ge­hen soll, was diese kri­ti­sche Masse tun und bewir­ken soll, bleibt im Dunk­len. Wir haben jedoch eine Ver­mu­tung: like, teilen, sub­scri­ben und bei Patre­on unter­stüt­zen. Die Stra­te­gie der Info­krie­ger wurde nie ver­schrift­licht, weil jeder, der sich die Mühe macht, die höhere Ziel­lo­sig­keit dieses Tuns ein­se­hen müsste. Das dif­fu­se Gefühl mit dem hun­derts­ten patrio­ti­schen Blog, den Reka­ti­ons­vi­de­os auf Bild­schlag­zei­len, den Nischen­pod­casts, Ein­zel­fall­maps, oder Fak­ten­da­ten­ban­ken „irgend­wie“ an einem großen Plan mit­zu­ar­bei­ten, will man sich mit einer stra­te­gi­schen Ana­ly­se nicht zer­stö­ren. Außer­dem hat man sowie­so heute Abend keine Zeit dazu, da man noch vor der patrio­ti­schen Kon­kur­renz den neus­ten Tweet von Chebli mit einem Video kom­men­tie­ren muss — vor­zugs­wei­se live.
Im Fol­gen­den wollen wir in meh­re­re Punk­ten die Pseu­dostra­te­gie des Info­kriegs sezie­ren und wider­le­gen.

Die Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge

Die Öffent­lich­keit ist des­we­gen das Zen­trum der poli­ti­schen Macht, weil diese heute durch gesell­schaft­li­che Stim­mun­gen und Debat­ten zustan­de kommt. Poli­ti­sche Wahlen sind nichts ande­res als ein Stim­mungs­test. Sie frie­ren die emo­tio­na­le Gemenge­la­ge der Gesell­schaft kurz ein und ent­neh­men eine poli­ti­sche Gewe­be­pro­be, die dann für eine Zeit lang die Zusam­men­set­zung der Par­la­men­te bestimmt. Diese emo­tio­na­le Gemenge­la­ge wird natür­lich von realen Fak­to­ren, wie etwa der jungen Maria Laden­bur­ger, die von einem Migran­ten ver­ge­wal­tigt, bis zur Bewusst­lo­sig­keit vagi­nal gefol­tert und dann ertränkt wird, beein­flusst. Diese realen Fak­to­ren drin­gen jedoch fast nur mehr über ihre digi­ta­le Reprä­sen­ta­ti­on, welche mit emo­tio­na­lem und ideo­lo­gi­schen Framing ver­se­hen ist, ans Bewusst­sein der Bevöl­ke­rung. Es gibt einmal die gesell­schafts­po­li­ti­sche Wirk­lich­keit und es gibt auch die­je­ni­gen, die sich zwi­schen die Wirk­lich­keit und ihre Emp­fän­ger schal­ten und über sie Bericht erstat­ten. Ein Bild, wel­ches die Lage ver­deut­li­chen könnte, ist ein Mensch, der in einem Atom­bun­ker ein­ge­schlos­sen ist. Über Kame­ras und Mikro­fo­ne sieht er was an der Ober­flä­che von­stat­ten geht. Zwi­schen diese Kame­ras und seine Bild­schir­me ist jedoch eine „Redak­ti­on“ geschal­tet, die das was er sieht redi­giert, mit Musik und Kom­men­ta­ren unter­legt und pas­send zusam­men­schnei­det.
Mit dieser Bericht­erstat­tung kon­trol­liert und domi­niert die Öffent­lich­keit die Massen, indem sie eine „Norm-Mei­nung“ zu Themen wie Migra­ti­on und „Fücht­lin­gen“ sowie zu Per­so­nen wie Björn Höcke oder Angela Merkel und Orga­ni­sa­tio­nen wie IB und AfD kon­stru­iert. Zitier­kar­tel­le und gegen­sei­ti­ge Kon­trol­le erzeu­gen einen engen Mei­nungs­kor­ri­dor, der dem berühm­ten Over­ton-Fens­ter ent­spricht. Über die Kon­trol­le dieses Fens­ters kon­trol­liert die Öffent­lich­keit die Debat­te, das Mei­nungs­kli­ma und damit lang­fris­tig auch die Wahlen. Des­we­gen ent­wi­ckel­ten sich alle west­li­chen „Demo­kra­ti­en“ in den letz­ten Jahr­zehn­ten fast haar­ge­nau in die glei­che Rich­tung. Eigent­lich sollte man ver­mu­ten, dass eine Viel­zahl an demo­kra­ti­schen Staa­ten auch eine Viel­zahl an Gesell­schafts­for­men, poli­ti­schen Expe­ri­men­ten und wirt­schaft­li­chen Sys­te­men her­vor­bräch­te. Doch das genau Gegen­teil ist der Fall. Auto­ri­tä­re Staa­ten sind sogar wesent­lich viel­fäl­ti­ger und vari­an­ten­rei­cher als der Ein­heits­block mul­ti­kul­tu­rel­ler, welt­of­fe­ner, links­li­be­ra­ler „freier“, west­li­cher Staa­ten.

Eine wei­te­re Meta­pher: Nimmt man das „Mei­nungs­kli­ma“ beim Wort und ver­gleicht die Öffent­lich­keit mit einer Kli­ma­an­la­ge, so stel­len die Wahlen eine regel­mä­ßi­gen Tem­pe­ra­tur­mes­sung dar. Das „Außen­kli­ma“, also die poli­ti­sche Lage, bein­flusst das Raum­kli­ma und ver­ur­sacht Schwan­kun­gen, aber ins­ge­samt folgt das Raum­kli­ma der Kli­ma­an­la­ge. „Hit­ze­wel­len“, wie die Migra­ti­ons­kri­se 2015, können die Raum­tem­pe­ra­tur kurz­fris­tig ändern und eine „heiße“ Partei an die Macht brin­gen. Doch da die Kon­trol­le über die Kli­ma­an­la­ge dabei unan­ge­tas­tet bleibt, kühlt sich alles bald auf die Tem­pe­ra­tur ab, die linke Par­tei­en bevor­zugt und Cuck­ser­va­ti­ve zwingt sich anzu­pas­sen und deren Ideen zu über­neh­men. (Eine Krise kann das Haus zum Ein­sturz brin­gen, der Anlage den Saft abdre­hen oder eine neue Hit­ze­wel­le ver­ur­sa­chen. Das ist aber nicht Gegen­stand dieser stra­te­gi­schen Lage­ana­ly­se.)

Von Over­ton­fens­ter zu Kli­ma­an­la­ge und Info-Bunker — wer nach dieser Meta­pher­n­ar­ma­da noch immer nicht die Domi­nanz und Wir­kung der Öffent­lich­keit ver­stan­den hat, muss nicht wei­ter­le­sen. Alle ande­ren ver­ste­hen poli­ti­sche Wahlen nun hof­fent­lich nicht mehr als etwas „Mys­ti­sches“ und „Über­ra­schen­des“ son­dern als regu­lä­re Grad­mes­sung in einem System, das vom Gegner tem­pe­riert wird.

Big Other — die Norm­set­zen­de Kraft der Medien

Die Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge der Medien übt auch zwi­schen den Wahlen stän­di­ge sozia­le Kon­trol­le aus. Sie lotet alle Schi­ka­ne­mög­lich­kei­ten im rechts­staat­li­chen Rahmen aus und beugt ihn, wo es für ihre Agenda nötig ist. Von der de facto Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung bis zur Aus­set­zung des Frem­den­rechts 2015, von der sys­te­ma­ti­schen Nicht­ver­fol­gung links­ter­ro­ris­ti­scher Gewalt bis zur ebenso sys­te­ma­ti­schen Ver­fol­gung rech­ter Mei­nungs­äu­ße­run­gen — dahin­ter steht als trei­ben­de Kraft die feind­li­che Öffent­lich­keit. Neben der Beu­gung und Aus­he­bung des Rechts­staats schafft die Öffent­lich­keit exakt den Zustand, den Alexis de Toc­que­vil­le über die Demo­kra­tie in den USA schrieb:
„Unter der unum­schränk­ten Allein­herr­schaft schlug der Des­po­tis­mus in roher Weise den Körper, um die Seele zu tref­fen; und die Seele, die diesen Schlä­gen ent­wich, schwang sich glor­reich über ihn hinaus; in den demo­kra­ti­schen Repu­bli­ken jedoch geht die Tyran­nei nicht so vor; sie über­geht den Körper und zielt gleich auf die Seele. Der Herr­scher sagt nicht mehr: ent­we­der du denkst wie ich oder du bist des Todes; er sagt: du bist frei, nicht so zu denken wie ich; du behältst dein Leben, deinen Besitz, alles; aber von dem Tag an bist du unter uns ein Fremd­ling. Du behältst deine Vor­rech­te in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft, aber sie nützen dir nichts mehr; denn bewirbst du dich um die Stimme deiner Mit­bür­ger, so werden sie dir diese nicht geben, und begehrst du bloß ihre Ach­tung, so werden sie tun, als ob sie dir auch diese ver­wei­ger­ten. Du bleibst unter den Men­schen, aber du büßest deine Ansprü­che auf Mensch­lich­keit ein. Näherst du dich deinen Mit­men­schen, werden sie dich wie ein unrei­nes Wesen flie­hen; und selbst die, die an deine Unschuld glau­ben, werden dich ver­las­sen, denn auch sie würden gemie­den. Ziehe hin in Frie­den, ich lasse dir das Leben, es wird aber für dich schlim­mer sein als der Tod.“

Die Dik­ta­tur der Öffent­lich­keit kann jeden Beam­ten und Ange­stell­ten in die Ent­las­sung, und jeden Betrieb und Unter­neh­mer in den Ruin trei­ben. Sie kann jeden Ver­an­stal­ter dazu brin­gen, dir seine Räume zu ver­wei­gern und jede Bank dazu, dir deine Konten zu kün­di­gen. Die sozial ver­nich­ten­de Wir­kung der Öffent­lich­keit ermög­licht ihr eine sozia­len Kon­trol­le, die Dis­si­den­ten, Par­tei­en und Bewe­gun­gen zu Getrie­ben macht, und Sym­pa­thi­san­ten mit dra­ko­ni­schen Exem­peln abschreckt. Ent­schei­dend ist: für diese Wir­kung ist es egal, ob die Betei­lig­ten dem media­len Ver­dikt glau­ben. Zur Ver­an­schau­li­chung dient hier ein Bei­spiel: In einem klei­nen Dorf in West­deutsch­land gibt es einen Gast­wirt, über den eine lokale Anti­fa­grup­pe mit ille­gal beschaff­ten Infor­ma­tio­nen bekannt macht, dass er in seiner Jugend in radi­ka­len rech­ten Grup­pen unter­wegs war, und heute Teil der AfD ist. Die Presse greift das auf und schreibt über den „Nazi­wirt“. Der CDU-Bür­ger­meis­ter distan­ziert sich. Alle Kunden, die bisher ihre Feiern und Ver­an­stal­tun­gen dort abhiel­ten, von der Feu­er­wehr bis zur Gewerk­schaft, sagen ab. Sie mögen sogar selbst AfD Wähler oder Sym­pa­thi­san­ten sein, doch sie können das nicht vor ihrem Verein oder Betrieb ver­ant­wor­ten. Das Kains­mal der Dif­fa­mie­rung wirkt über den Effekt des „Big Other“, den Jean Ras­pail tref­fen beschrie­ben hat. Auch wenn man weiß, dass es eine Lüge ist, weiß man, dass jeder sie lesen, und wenn er nicht bereits teil der Oppo­si­ti­on ist, glau­ben wird. Da man aber nie weiß wer Teil der Oppo­si­ti­on ist, muss man bei jedem Gegen­über davon aus­ge­hen, dass er die Lüge glaubt. So erhält die Öffent­lich­keit eine norm­set­zen­de Kraft.
Nicht die weni­gen radi­ka­len Anti­fas, son­dern die vielen des­in­ter­es­sier­ten Nor­ma­los, die am Rande etwas von dem „Nazi-Wirt“ lesen oder hören und ihn fortan meiden, sind das Pro­blem. Die norm­set­zen­de Kraft der Öffent­lich­keit kon­trol­liert und pro­gram­miert diese NPCs in täg­li­chen Mei­nungs­up­dates und diri­giert ihr Sozial- und Kon­su­mer­hal­ten. Ihr Kains­mal bedeu­tet daher den sozia­len und wirt­schaft­li­chen Tod. Dem Betrof­fe­nen, der sein bür­ger­li­ches Leben wei­ter­füh­ren will, bleibt nur:
a) die totale Ernied­ri­gen und ideo­lo­gi­sche Selbst­ent­lei­bung in der Hoff­nung auf Reha­bi­li­tie­rung, 
b) der Umzug und Rück­zug aus der Öffent­lich­keit und die Hoff­nung auf ein gnä­di­ges Ver­ges­sen
c) oder in ganz kras­sen Fällen das Exil.

Um es klar zu machen: die Gegen­öf­fent­lich­keit kann und wird nie­mals eine solche norm­set­zen­de Kraft für die Gesell­schaft aus­üben, wenn sie nicht ein Zufall an die Macht spült. Sie ist weit davon ent­fernt und nimmt schon per defi­ni­tio­nem die Rolle des Außen­sei­ters ein. Wenn die Gegen­öf­fent­lich­keit eine Person atta­ckiert eilt ihr die Gesell­schaft in der Regel zur Hilfe und sie pro­fi­tiert davon.
Nur im inter­nen Kosmos der Dis­si­den­ten (böse Zungen könn­ten ihn „Blase“ nennen“) hat die Gegen­öf­fent­lich­keit diese norm­set­zen­de Kraft. Man kann inter­ne Debat­ten der AfD beein­flus­sen und beflü­geln. Man kann ideo­lo­gi­sche Lager­krie­ge zwi­schen Heiden und Chris­ten, Liber­tä­ten und Sozia­lis­ten, eGirls und Incels, etc. mit­ent­schei­den. Man kann Ein­zel­per­so­nen aus dem eige­nen Lager ver­nich­ten, öffent­lich kri­ti­sie­ren. Kurz, die Gegen­öf­fent­lich­keit ent­fal­tet nur eine „inter­ne norm­set­zen­de Kraft“, die im besten Fall Oppor­tu­nis­ten und Extre­mis­ten aus­schei­det, im schlimms­ten Fall aber soge­nann­ten „Rein­heits­spi­ra­len“  in Gang setzen kann. Abge­se­hen von dieser inter­nen Wir­kung bleibt die Gegen­öf­fent­lich­keit auf ihre Under­dog-Rolle beschränkt.
Wir betrach­ten in der Folge zwei ent­schei­den­de Gründe warum die Gegen­öf­fent­lich­keit an eine glä­ser­ne Decke stößt und nie­mals die Öffent­lich­keit ablö­sen, sowie ihre norm­set­zen­de Sozial- und Mei­nungs­kon­trol­le ein­neh­men kann. Der erste Grund liegt in ihrer ideo­lo­gie­be­frei­ten Ober­fläch­lich­keit und der zweite ist das liebe Geld, mit dem wir anfan­gen wollen:

Die glä­ser­ne­re Decke

Redak­tio­nen sind in der Regel ein mil­lio­nen­schwe­res Ver­lust­ge­schäft. Spä­tes­tens seit der Digi­ta­li­sie­rung der Medi­en­welt und der Copy-Paste-Kultur sind Kon­su­men­ten an kos­ten­lo­se Nach­rich­ten gewöhnt. Paywalls ändern daran bisher wenig und funk­tio­nie­ren nur für aus­ge­wähl­te Nischen­an­ge­bo­te zah­lungs­wil­li­ger Ziel­grup­pen. Daraus ergibt sich, dass Ein­nah­men fast nur mehr über Wer­bung mög­lich sind, was sich nur bei großen Klick­zah­len rech­net. Das zwingt Medi­en­pro­du­zen­ten ihren Inhalt auf Vira­li­tät und ein­fa­che Zun­gäng­lich­keit hin zu adap­tie­ren. Das führte zuletzt auch die kon­ser­va­tivs­ten Medi­en­häu­ser auf die großen digi­ta­len Platt­for­men, die dank des Netz­werk­ef­fekts Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­no­po­le auf­ge­baut haben. Da in der Regel die Ein­nah­men immer noch nicht aus­rei­chen um die Mil­lio­nen­kos­ten für Büros, Tech­nik und Ange­stell­te zu tragen, über­le­ben die meis­ten Medien der herr­schen­den Öffent­lich­keit ohne Pres­se­för­de­rung der Poli­tik nicht. Was beu­te­tet das für die Gegen­öf­fent­lich­keit und den Info­krieg?
Rele­van­te Wer­be­ein­nah­men sind für sie bis auf wei­te­res unmög­lich. Die norm­set­zen­de Macht der Öffent­lich­keit und ihre sozia­le Kon­trol­le lassen das nicht zu und atta­ckie­ren ent­we­der die Wer­be­trei­ben­den oder die wer­be­ver­mit­teln­den Netz­wer­ke (You­Tube, Google ads), bis sie Info­krie­ger aus ihren Sys­te­men bannen. Poli­ti­sche För­de­run­gen bekom­men die Dis­si­den­ten, welche die herr­schen­de Macht­eli­te her­aus­for­dern, erst recht nicht. Das ist rea­lis­ti­scher­wei­se lang­fris­tig und im aus­rei­chen­den Umfang erst dann mög­lich, wenn sie bereits am Ziel und damit in ihrer revo­lu­tio­nä­ren Funk­ti­on unnö­tig gewor­den sind.


Die ein­zi­ge Finan­zie­rungs­mög­lich­keit die bleibt ist Crowd­fun­ding. Doch auch hier bannen alle Zah­lungs­netz­wer­ke (Paypal, Patro­en, etc.) immer häu­fi­ger große Kanäle und Medi­en­ma­cher, was auf Grund der Gewöh­nung der Kon­su­men­ten mit ein paar Klicks zu bezah­len mas­si­ve Ein­bus­se für die Betrof­fe­nen ver­ur­sacht. Dubio­se Bank­kon­ten in Über­see und Cryp­towäh­run­gen, die den meis­ten als letzte Zuflucht blei­ben, bedeu­ten eine mas­si­ve Hürde für Crowd­fun­ding, das auf vielen klei­nen frei­wil­li­gen Spen­den basiert. Diese werden von einer Masse an Ange­spro­che­nen in einem flüch­ti­gen Augen­blick der Spen­den­be­reit­schaft, in der Regel nach einem emo­tio­na­len Appell am Ende eines Videos, getä­tigt. Dieser Moment ist meist ver­flo­gen, wenn der so Beweg­te sich vorher ein Cryp­towal­let anle­gen oder irgend­wo einen IBAN ein­tip­pen muss. Eine wei­te­re Grund­la­ge des Crowd­fun­dings, die Reich­wei­te, kann durch das Deplat­for­ming ebenso jeder­zeit weg­ge­zo­gen werden. Der Platt­form­ef­fekt macht die Vor­tei­le, die das Inter­net für den rech­ten Info­krieg brach­te, somit teil­wei­se wieder wett. Aber warum soll das Geld über­haupt ein Pro­blem sein? Es geht doch um ein idea­lis­ti­sches Ziel! Das stimmt, doch um die feind­li­che Öffent­lich­keit an Reich­wei­te und Qua­li­tät ein­zu­ho­len oder gar zu über­tref­fen ist Pro­fes­sio­na­li­tät, also haupt­be­ruf­li­che und arbeits­tei­li­ge, kon­ti­nu­ier­li­che Arbeit, nötig. Das ist ohne teure Anstel­lungs­ver­hält­nis­se und räum­li­che Nähe in teuren Büros und nicht mög­lich. Kein ein­zi­ges alter­na­ti­ves Medium hat eine der­ar­ti­ge Größe erreicht. Mata­do­ren wie „Info­wars“ wurden deplat­for­med und ent­mone­ta­ri­siert. Ange­hen­de Medi­en­im­pe­ri­en wie „Rebel Media“ oder Tommy Robin­sons Platt­form ging es ebenso. Somit ist es für das Groß der Gegen­öf­fent­lich­keit finan­zi­ell nicht lang­fris­tig betrieb­lich plan­bar, Redak­ti­ons­ge­bäu­de anzu­mie­ten, echte Talen­te anzu­stel­len und halten zu können. Die Unsi­cher­heit und Vola­ti­li­tät in diesem Bereich führt not­wen­dig zu zahl­rei­chen Ein-Mann-Betrie­ben. Auto­di­dak­ti­sche Tau­send­sas­sas, die meist nur zeit­wei­se mit wech­seln­den, tem­po­rä­ren Mit­ar­bei­tern arbei­ten und nie lang­fris­tig planen können.  Das funk­tio­niert auf einem nied­ri­gem Niveau, wird aber nie­mals in der Lage sein die Öffent­lich­keit zu über­tref­fen. Eini­ges könnte durch eine bes­se­re Orga­ni­sa­ti­on des Bestehen­den über Syn­er­gie­ef­fek­te wett gemacht werden. Doch mit den Gigan­ten gleich­zu­zie­hen wird durch diese struk­tu­rel­le Benach­teil­gung ver­hin­dert.


Wer diesen Fakt als raf­fi­nier­ten Spen­den­auf­ruf nutzt, und mit Ver­weis auf die Rund­funk­ge­büh­ren oder das Budget dieser Gigan­ten um Unter­stüt­zung weibt um „mit­hal­ten zu können“, gau­kelt dem Zuse­her und Unter­stüt­zer eine Utopie vor. Alle Ver­su­che alter­na­ti­ve Fin­Tech auf­zu­bau­en, die eine nach­hal­ti­ge Finan­zie­rung und den orga­ni­schen Aufbau großer Unter­neh­men, Arbeits­tei­lung und die Anstel­lung talen­tier­ter Ange­stell­ter ermög­li­chen könn­ten, wurden bisher durch­kreuzt. Denn letzt­lich ist die Basis aller hüb­schen Bezahl­sei­ten immer ein Ver­trag mit Paypal, Stripe, einem Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men, oder einer Bank. All diese sind aber in ein glo­ba­les Finanz­sys­tem ein­ge­bun­den, dass kon­gru­ent mit der poli­ti­schen Agenda unse­res Geg­ners ist. Ein­zel­ne mil­li­ar­den­schwe­re Mäzene „leis­ten“ sich hin und wieder Groß­spen­den, wie im Falle Kra­win­kel. Der­sel­be Fall zeigt aber, welche Macht die sozia­le Kon­trol­le der Öffent­lich­keit sogar auf diesen altern­de Mil­li­ar­där hat, dem schon wirk­lich alles egal sein könnte. Wenn einem aber dann etwa die eige­nen Kinder den Kon­takt zu den Enkeln ver­weh­ren, trifft das auch den grei­sen Geld­ge­ber. Einer ande­rer Fall in Öster­reich; das rechte Maga­zin „Alles Roger“ des ver­mut­lich patrio­ti­schen Mil­lio­närs Ronny Seunig wurde eben­falls ein­ge­stellt. In diesem Inter­view spricht der Mana­ger über seine Ent­schei­dung. Ein Gerücht das die Runde macht ver­weist auf einen unaus­ge­spro­che­nen Grund. Angeb­lich hat ein mäch­ti­ger linker Unter­neh­mer poli­ti­schen Druck auf Seunigs Ein­nah­me­quel­len aus­ge­übt, damit er das Pro­jekt, das zeit­wei­se einige rechte Jour­na­lis­ten bezah­len konnte, abdreht. Einige ent­fernt patrio­ti­sche, pri­vat­fi­nan­zier­te Pro­jek­te wie „Servus TV“ lässt man wider­wil­lig gewäh­ren, neu­rech­te oder liber­tä­re Fach­ma­ga­zi­ne schaf­fen es finan­zi­ell zu über­le­ben und Redak­tio­nen zu betrei­ben, doch es ver­steht sich von selbst, dass sie keine Revo­lu­ti­on der Gegen­öf­fent­lich­keit bewir­ken werden. Unsere These ist: jedes große Pro­jekt der Gegen­öf­fent­lich­keit, das gefähr­lich werden könnte, würde über die Kon­troll­mit­tel der Öffent­lich­keit finan­zi­ell ver­nich­tet, indem ihre Geld­ge­ber, Geld­quel­len und koope­rie­ren­den Banken ver­nich­ten werden. Es gibt keine Ver­trags-, Erwerbs- und Gewer­be­frei­heit für „rech­ten Hass“.


Die Mas­sen­me­di­en der feind­li­chen Öffent­lich­keit sind daher, so ernüch­ternd das klingt, durch einen schier unüber­wind­li­chen, sys­te­mi­schen „Paywall“ vor jeder schlei­chen­den Erset­zung durch die Gegen­öf­fent­lich­keit geschützt. Durch ihre norm­set­zen­de Macht des „Big Other“ und ihre Kon­trol­le über die Poli­tik siche­ren sie sich das Mono­pol auf öffent­li­che För­de­run­gen. Mit den­sel­ben Mit­teln stel­len sie sicher, dass die Gegen­öf­fent­lich­keit nie­mals durch Wer­bung außer­halb ihres alter­na­ti­ven Kosmos finan­ziert werden kann. Dass dieser jemals so groß werden könnte, dass er die gesam­te Gesell­schaft umfasst und zur neuen Nor­ma­li­tät wird, ver­hin­dern nicht zuletzt staat­li­che Organe wie Ver­fas­sungs­schutz mit stei­gen­der, will­kür­li­cher Repres­si­on, die von der herr­schen­den Öffent­lich­keit ange­heizt und legi­ti­miert wird. In diesem Teu­fels­kreis befin­den sich die Info­krie­ger in einer, oft müh­sa­men, manch­mal loh­nens­wer­ten, meist ver­dienst­vol­len, aber stra­te­gisch letzt­lich frucht­lo­sen Arbeit.