Kri­sen­kult — so nennt der Sozio­lo­ge Weston La Barre die völlig ver­zwei­fel­te und irra­tio­na­le Hal­tung eines Volkes im Ange­sicht einer dro­hen­den Kata­stro­phe. Die ver­lo­ren gegan­ge­ne Macht, die bes­se­re Zeit vor dem herr­schen­den Grauen, muss und wird wie­der­keh­ren. Sie muss und wird es allen Umstän­den zum Trotz und mit­hil­fe einer höhe­ren Macht. Auf der Ebene der Poli­tik und der Kriegs­füh­rung sieht man keinen Ausweg mehr. So hofft man auf den „Faktor X“. Dieser ist eine Flucht aus der Wirk­lich­keit in die Eso­te­rik. Eine Flucht aus dem harten Schick­sal in einen schö­nen, aber völlig halt­lo­sen Traum.
 
Dieser Traum hat in den rech­ten Zusam­men­hän­gen Deutsch­lands viele Namen: ob vom „all­ge­mei­nen Auf­wa­chen des Bür­gers“, dem „Zusam­men­bruch des Sys­tems“, einem „Tag X“,  der „Wende“, oder eben „Flug­schei­ben aus Neu­schwa­ben­land“ die Rede ist. Das Denk­mus­ter dahin­ter ist immer das­sel­be. In diesem Text wollen wir diesen Denk­feh­ler der außer­par­la­men­ta­ri­schen rech­ten und natio­na­len Zusam­men­hän­ge in Deutsch­land ana­ly­sie­ren. Dies tun wir, getreu unse­rem Grund­satz, dass wir die Kritik an diesen Krei­sen, zu denen wir uns selbst auch zählen, nicht unse­rem Gegner über­las­sen wollen.
 
So oft ist es in rech­ten Krei­sen fest­ge­stellt worden, dass es schon fast eine bit­te­re Bana­li­tät ist: Der demo­gra­phi­sche Kol­laps findet statt und führt zu unse­rem Ver­schwin­den als eth­ni­sche Gemein­schaft. Alle bekann­ten Zahlen und Daten weisen unbarm­her­zig auf diesen End­punkt hin. Deutsch­land schafft sich ab. Alle Iden­ti­tä­ren, die unsere eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät erhal­ten wollen, kämp­fen gegen diese Ent­wick­lung als zen­tra­les Pro­blem. Ob man sich sein Deutsch­land nun christ­lich, heid­nisch, groß, klein, zen­tra­lis­tisch, föde­ra­lis­tisch, aris­to­kra­tisch, klas­sen­los, par­la­men­ta­risch, stän­disch, demo­kra­tisch, auto­ri­tär, liber­tär, mon­ar­chis­tisch, kapi­ta­lis­tisch oder sozia­lis­tisch wünscht — jede dieser Ideen benö­tigt, als con­di­tio sine qua non, das deut­sche Volk als ihren Bezugs­punkt. Dieses Volk ist das ewige Zen­trum dieser ver­schie­dens­ten staats­po­li­ti­schen Mög­lich­kei­ten.
 
Sie sind mög­li­che Ent­wür­fe für einen ganz spe­zi­el­len deut­schen Zukunfts­weg, der mit dem Ver­schwin­den des deut­schen Volkes, jeder für sich, ver­wor­fen wäre. Dass eine kos­mo­po­li­ti­sche Gesell­schaft mit breit gefä­cher­ten Migra­ti­ons­hin­ter­grün­den nach dem lang­sa­men Aus­ster­ben der ver­greis­ten deut­schen Mehr­heit sich ex post für die deut­sche Geis­tes­ge­schich­te begeis­tert und diese, in einem kol­lek­ti­ven Akt, rück­wir­kend ver­in­ner­li­chen und zumin­dest unsere kul­tu­rel­le Iden­ti­tät eine Zeit lang wei­ter­füh­ren würde, ist äußerst frag­lich. Für uns Iden­ti­tä­re wäre das ohne­hin kein Trost. Die Wei­chen stehen eher in Rich­tung Isla­mi­sie­rung. Uns geht es auch nicht um das Fort­le­ben einer bestimm­ten, abs­trak­ten deut­schen „Zivi­li­sa­ti­on“, son­dern um den Erhalt unse­rer eth­no­kul­tu­rel­len Tra­di­ti­ons­li­nie, welche sich als gemein­sa­me Geschich­te von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­erzählt.
 
Die meis­ten von uns wären heute mit Recht ver­zwei­felt genug, jede Staats­form zu akzep­tie­ren, würde sie nur das Wei­ter­be­stehen unse­rer Iden­ti­tät garan­tie­ren. Allen, die nicht in fana­ti­schen Dogmen neo­kon­ser­va­ti­ver und natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Prä­gung ver­fan­gen sind, ist aber klar, dass die Debat­te um das “Wie” zu schwei­gen hat vor dem “Ob” der deut­schen Zukunft. Dieses Schwei­gen bedeu­tet hier und jetzt, im Rahmen der herr­schen­den Ideo­lo­gie, keine sinn­lo­sen, staats­po­li­ti­schen Schein­fron­ten auf­zu­wer­fen, wie es die Spre­e­lich­ter mit ihrer „Anti­de­mo­kra­ten­kam­pa­gne“ taten und es viele Paläo-/Neo­cons mit ihrem Antieta­tis­mus/-sozia­lis­mus tun, son­dern das eth­no­kul­tu­rel­le Bewusst­sein um Wir und die Ande­ren, im Volk wach­zu­rüt­teln. Die Bereit­schaft dazu ist vor­han­den.
 
Wir sind so weit, uns an jeden Stroh­halm zu klam­mern, der uns Hoff­nung gibt, jedem zu folgen, der uns eine Zukunft ver­spricht. Die große iden­ti­tä­re Ein­heits­front ist psy­cho­lo­gisch bereits geschaf­fen. Sie wartet voll Sehn­sucht auf den meta­po­li­ti­schen Horn­stoß, der die tau­send schei­tern­den Grüpp­chen und Ansät­ze zur Seite fegt und eine gemein­sa­me Bewe­gung schafft. Wo die Hoff­nungs­lo­sig­keit wächst, wächst auch die Bereit­schaft zur Eini­gung und Kon­zen­tra­ti­on.
 
Doch dieser Zustand birgt auch große Gefah­ren. Wo die Ver­zweif­lung wuchert, erstickt sie oft auch jede theo­re­ti­sche und stra­te­gi­sche Über­le­gung.  Seit mehr als sech­zig Jahren sind wirvon unse­rem Ziel immer weiter abge­kom­men. Unser Dasein wird Stück für Stück unwie­der­bring­lich abge­baut. Was unter der Wohl­stands­de­cke der gol­de­nen Nach­kriegs-Baby­boo­mer schon faulig war, bricht nun grin­dig hervor und wird von der glo­ba­len Zug­luft rund um den Globus gebla­sen. Die Kolo­ni­sa­ti­on der Ein­wan­de­rer unter dem Signum des Islams voll­zieht mate­ri­ell das, was geis­tig schon vorher der Libe­ra­lis­mus voll­zo­gen hatte. Deutsch­land schafft sich ab. Seit mehr als sech­zig Jahren stehen wir in einem ver­zwei­fel­ten Rück­zugs­ge­fecht, macht- und sprach­los, vor diesem umfas­sen­den Schau­spiel des Ver­falls.

Es ist das Jahr 1870

 

Wir befin­den uns irgend­wo in Nord­ame­ri­ka. Uns bietet sich ein geheim­nis­vol­les Bild. Im fla­ckern­den Schein eines großen Feuers dreht sich ein Kreis von tau­send jungen India­nern um das flam­men­de Zen­trum. Sie halten sich an den Händen und into­nie­ren einen bedroh­li­chen Hymnus. Weit hallen ihre Stim­men über die Prärie. Sie beschwö­ren die Geis­ter der Ahnen und die Büf­fel­her­den. Sie ver­flu­chen den weißen Mann und seine neue Reli­gi­on. Dazu dröh­nen die Trom­meln. Der Scha­ma­ne hat es vor­her­ge­sagt. Die Ahnen werden wie­der­keh­ren und die Büffel mit ihnen. Sie werden die kraft­los gewor­de­nen Stämme mit neuer Kraft erfül­len und gemein­sam wird man die weißen Ein­dring­lin­ge ver­ja­gen, alles wird wieder wie früher. Die jungen Krie­ger tragen alle ähn­li­che, ver­zier­te Klei­der — magi­sche Hemden. Wenn man mit ihnen tanzt, machen sie unver­wund­bar für Kugeln, sagen die Scha­ma­nen.
 
Die jungen India­ner sind Teil­neh­mer eines Geis­ter­tan­zes. Mit ihnen tanz­ten über­all in Nord­ame­ri­ka tau­sen­de, oft tage­lang bis zur Trance. Ein Scha­ma­ne namens Wod­zi­wob hatte diesen Kult ins Leben geru­fen. In einer Epi­pha­nie hatten ihm die Geis­ter pro­phe­zeit:

 

Wenn die India­ner­stäm­me zu ihrer Lebens­art zurück­keh­ren und die Geis­ter­tän­ze prak­ti­zie­ren, werden sich die Seelen der Toten und die Seele des Landes in Urge­walt gegen die Weißen erhe­ben!“

 

Die jungen Tänzer würden unver­wund­bar und sieg­reich sein…Ende des 19. Jahr­hun­derts war die bio­lo­gi­sche Aus­rot­tung der India­ner und der See­len­mord an ihrer Kultur schon fast zur Gänze voll­zo­gen. Von Alko­ho­lis­mus und Depres­si­on gezeich­net, vege­tier­ten sie, als Schat­ten ihrer selbst, in Reser­va­ten dahin. Sie hatten den zah­len­mä­ßig und tech­nisch über­le­ge­nen Ein­dring­lin­gen nichts ent­ge­gen­zu­set­zen. Wie die letzte Zuckung des Ster­ben­den am Toten­bett erschien nun die Geis­ter­tanz­be­we­gung, die allen ratio­na­len Erkennt­nis­sen zum Trotz einen bal­di­gen Sieg pro­phe­zei­te.
 
Eine Anpas­sung an die neue Situa­ti­on, ein kühler, ver­or­te­ter Über­le­bens­plan — dazu waren die India­ner nicht mehr imstan­de. Ihre Tra­di­tio­nen, ihre Art der Kriegs­füh­rung, ihre Sitten und Gebräu­che waren ihrem Wesen so ver­in­ner­licht, dass ihnen eine Anpas­sung an die neuen Ver­hält­nis­se, zu deren iden­ti­tä­ren Über­win­dung, nicht mög­lich war. Die einzig mög­li­che Reak­ti­on war eine Flucht in die Irra­tio­na­li­tät, die Eso­te­rik, in chi­lias­ti­sche End­zeit­phan­tas­ma­go­ri­en. Wei­te­re Bei­spie­le für dieses Phä­no­men finden sich etwa in den ritu­el­len Mas­sen­rin­der­tö­tun­gen des afri­ka­ni­schen Xhosa-Stam­mes, aber auch bei Wie­der­be­le­bungs­ver­su­chen der heid­ni­schen Reli­gio­nen im alten Rom. Die Geis­ter­tanz­be­we­gung endete mit dem Mas­sa­ker am Woun­ded Knee.

 

Die Rechten tanzen einen Geistertanz

 

Nicht zu Unrecht wird der Eth­no­zid der Völker Euro­pas oft mit dem Ende der India­ner ver­gli­chen, wenn es hier auch klare Unter­schie­de gibt. Die Lage erschien für alle Iden­ti­tä­ren — auch für uns — ähn­lich aus­sichts­los. In den rech­ten und natio­na­len Zusam­men­hän­gen gebun­den, muss­ten wir plan­los mit­an­se­hen, wie unser Kampf ver­lo­ren ging. Wir alle muss­ten mit dem ätzen­den Gedan­ken im Hin­ter­kopf leben, dass die Heimat jeden Tag wieder ein Stück frem­der und unsere Sache ein Stück aus­sichts­lo­ser gewor­den ist, iso­liert von der Gesamt­be­völ­ke­rung, ohne Geld, Ein­fluss und media­le Brei­ten­wir­kung. Aus diesen Gedan­ken und im Schat­ten des tota­len Ver­sa­gens, näm­lich der effek­ti­ven Wir­kungs­lo­sig­keit aller natio­na­len, rech­ten und patrio­ti­schen Bestre­bun­gen seit dem Zwei­ten Welt­krieg, wuchs das klamme Gefühl der tota­len Ohn­macht.

 

Der Krisenkult der rechtsintellektuellen Zusammenhänge

 

In den Theo­rie­or­ga­nen der rech­ten Zusam­men­hän­ge ist man sich der eige­nen Ohn­macht bitter bewusst. Man ist zu intel­li­gent und bedacht, um in Kri­sen­kul­te zu kippen, doch auch hier bleibt eine klare Stra­te­gie zu Über­win­dung unse­rer Lage aus. Es bleibt bei einer abwar­ten­den, vor­sich­ti­gen Hal­tung, die sich aus Angst vor Ent­täu­schun­gen nur noch selten aus der Höhe der Theo­rie in die Nie­de­run­gen der Tat begibt. Aus dieser Hal­tung hat sich fast schon ein eige­nes Lebens­ge­fühl ent­wi­ckelt, dass in seinen schlech­tes­ten Aus­prä­gun­gen den Typus des zyni­schen, okzi­den­ta­len End­zeit-Dandys her­vor­bringt, dem alles egal ist, der jeden Taten­drang weg­lä­chelt, sich in kon­ser­va­ti­ver und tra­di­tio­na­lis­ti­scher Lite­ra­tur ver­gräbt und der nur in — meist alko­hol­ge­schwän­ger­ten — Hass­aus­brü­chen seine Ekel vor sich und vor dieser Zeit abre­agiert.
 
Der beste Typus der rechts­in­tel­lek­tu­el­len Zusam­men­hän­ge hat einen poli­ti­schen Exis­ten­zia­lis­mus kul­ti­viert, der, frei nach Davila, in Würde Schiff­bruch bege­hen will. Ein zutiefst per­sön­li­cher, anti­ker Krie­ge­rethos will ein rich­ti­ges Leben im Fal­schen durch­kämp­fen, das als Geste ins Nichts gesetzt wird. Diese Hal­tung ist ehren­haft und ehr­lich, ihre poli­ti­scher Effekt auf den Zer­fall aller Dinge ver­pufft aber ebenso wie der blinde „Akti­vis­mus“ des NWlers.
 
Hier geht es um eine grund­sätz­li­che Frage des rich­ti­gen Han­delns: Ist die Inten­ti­on oder der Erfolg maß­geb­lich? Klar ist, dass nicht der Erfolg das ehren­haf­te Han­deln defi­niert. Das tra­gi­sche Schei­tern, das ewig stre­bend sich Bemü­hen­de ist der Grund­stein für die bewe­gen­den Mythen aller euro­päi­schen Hel­den­ge­stal­ten. Doch die Inten­ti­on des Han­delns hei­ligt dessen Schei­tern nur dann, wenn sie selbst auf den unbe­ding­ten Erfolg gerich­tet war, und nicht nur eine koket­te Geste, die viel­leicht nur Ruhm und Erfolg im eige­nen erfolg- und ruhm­lo­sen Milieu schaf­fen soll. Es ist dies der bloß for­mel­le regel­mä­ßi­ge, unge­ziel­te Schuss auf die Fes­tungs­mau­er, den der­je­ni­ge Tag für Tag abgibt, der sich mit der Rolle des erfolg­lo­sen Bela­ge­rers abge­fun­den hat.
 
Gerade weil wir nicht mehr im anti­ken Grie­chen­land oder Ger­ma­ni­en leben, in denen eine Nie­der­la­ge, ja selbst die Aus­rot­tung des eige­nen Stammes/der eige­nen Polis nicht das Ende der eige­nen Lebens­welt und des Kosmos bedeu­te­te, greift ein rein per­sön­li­cher Ehr­be­griff, eine reine ästhe­ti­sche Stil­fra­ge zu kurz. Unser Kampf geht eben nicht mehr nur um die per­sön­li­che Behaup­tung auf der Bühne einer kos­mi­schen Ord­nung. Der alte Spruch aus der Edda,

 

Besitz stirbt, Sippen ster­ben, Du selbst stirbst wie sie. Eins weiß ich: dass ewig lebt der Toten Taten­ruhm.

 

gilt heute also nur mehr bedingt. Denn jene alte Ord­nung der Dinge, in denen jene Tugen­den und Werte, die die Welt selbst dem Men­schen ins Herz geschrie­ben hat, wankt heute ins­ge­samt. Die „Ahnen fallen vom Himmel“ und ein großer Bil­der­sturz wirft jahr­tau­sen­de­al­te Bedeu­tungs­ge­flech­te in den Staub.
 
Die Idee der Ehre selbst wird ver­nich­tet. Ehren­haft zu leben kann heute also nicht mehr heißen im Rahmen des per­sön­lich Mög­li­chen, in der fal­schen Mitte einer vom Wege abge­kom­me­nen Gesell­schaft ein „kon­ser­va­ti­ves“ Leben zu führen, dass sich von Zeit zu Zeit in ohn­mäch­ti­gen Gesten äußert. Die l’art pour l’art, deren Gedan­ke auch in der Tat um der Tat willen, der anti­ken Ehre lebt, wird zur gecken­haf­ten Volte, wenn die Idee der Schön­heit selbst die Kunst zer­stört.
 
Heute ehren­haft zu leben, heißt, vor allem für jene die die Zei­chen der Zeit deuten können, gegen den großen Ver­fall, gegen die große Woge zu kämp­fen, die alle Werte, alle Bilder, alle Götter, alle Tempel, Kir­chen, Völker, Schlei­er, Tra­di­tio­nen, Fami­li­en, Gren­zen und Geschlech­ter ver­nich­ten will. Die Inten­ti­on dieser Kali-Yuga-Inti­fa­da muss die Ver­nich­tung der Ver­nich­tung, die Erlö­sung vom Erlö­sungs­wahn und der Hoch­ver­rat gegen die Ver­rä­ter sein.
 
Diese Spreng­ar­beit, wie sie Ernst Jünger nannte, braucht Spreng­meis­ter, die Lunten legen, Pulver mischen und neur­al­gi­sche Punkte, Soll­bruch­stel­len in der herr­schen­den Unord­nung aus­ma­chen können. Sie braucht keine bour­geoi­sen Selbst­dar­stel­ler, die mit effektrei­chen, aber wir­kungs­lo­sen Knall­kör­pern gegen Beton­mau­ern vor­ge­hen. Die Inten­ti­on der Tat darf also nicht nur die Tat selbst sein. Sie muss die herr­schen­den Ideo­lo­gi­en, die Unord­nung, die zur Ord­nung gewor­den ist, zer­stö­ren. Die explo­si­ve Tat muss also von der Refle­xi­on, vom Plan beglei­tet sein, der sie wie den geziel­ten Pfeil ins Herz der kul­tu­rel­len Hege­mo­nie führt.
 
Der Kri­sen­kult in den rechts­in­tel­lek­tu­el­len Zusam­men­hän­gen äußert sich in der Gering­schät­zung der Pläne, in einer instink­ti­ven Scheu vor poli­ti­scher Theo­rie und kon­ti­nu­ier­li­chem, geplan­ten Akti­vis­mus. Er äußert sich in einer Aus­wahl an allzu all­ge­mei­nen poli­ti­schen Wör­ter­bü­chern, Auf­satz­map­pen, Sam­mel­bän­den und kasu­is­ti­schen Mono­gra­phi­en in denen die (meta-)politischen Marsch­be­feh­le Man­gel­wa­re sind. Der Kri­sen­kult der Rechts­in­tel­lek­tu­el­len ist eine Flucht ins künst­le­risch Meta­po­li­ti­sche und in die reine Tat. Damit ver­kennt man Gram­sci, der die Meta­po­li­tik nie als Selbst­zweck, son­dern glas­klar als Mittel zur letzt­lich poli­ti­schen Macht über die Geschich­te, d. h. den his­to­ri­schen Block betrach­te­te. Die Meta­po­li­tik ist der Umweg in den kul­tur­po­li­ti­schen Wald, um den schwe­ren Tross der die Straße der Poli­tik blo­ckiert. Wer den Wald beherrscht, beherrscht die Straße.
 
Doch wer Angst vor der Herr­schaft und Angst vor der Kon­fron­ta­ti­on mit der herr­schen­den Macht hat, wer Angst hat zu schei­tern und das mühsam Auf­ge­bau­te auf die Waag­scha­le zu werfen, der endet als ewiger Wald­gän­ger. Wer nicht dabei ist, im vor­po­li­ti­schen Forst, fern vom tages­po­li­ti­schen Getös der Straße, die Out­laws und Gue­ril­las gegen den Zeit­geist zu sam­meln, um mit ihnen zu gege­be­ner Stunde aus dem Dickicht in die Flanke der kul­tu­rel­len Hege­mo­nie zu fallen, ver­liert seinen Status als Vor­den­ker und Teil der Lösung. Es gehört hierzu eben auch das sacri­fi­ci­um intel­lec­tus, sich mit akti­vis­ti­schem Fuß­volk unter ein Pro­pa­gan­da-Banner zu scha­ren und die eige­nen Pläne und Taten zu Stra­te­gi­en einer Bewe­gung werden zu lassen. Oder um es mit dem Bonmot eines eng­li­schen Mar­xis­ten aus­zu­drü­cken:

 

Wenn eine Avant­gar­de zu weit von der Armee, die sie zu führen meint ent­fernt ist, ist sie keine Avant­gar­de mehr, son­dern ein Haufen Idio­ten, der durchs Unter­holz stol­pert.“

 

Ein Schick­sal, dass viele selbst­er­nann­te Wald­gän­ger heute ereilt.

 

Der Krisenkult der nationalen Zusammenhänge

 

Die natio­na­len Grup­pen in Deutsch­land, deren außer­par­la­men­ta­ri­scher Flügel mit dem Über­be­griff „NW“ beschrie­ben wird, defi­nie­ren sich vor allem über ihren „Akti­vis­mus“. Aktiv zu sein ist die viel beschwo­re­ne Aus­zeich­nung, die man allen ande­ren ver­wehrt. Den Beweis dafür sieht man in den regel­mä­ßi­gen Rück­schlä­gen durch die Repres­si­on. Diese und das totale Aus­blei­ben von erfolg­rei­chen Aus­wir­kun­gen auf den Lauf der Geschich­te schaf­fen die all­ge­mei­ne Kri­sen­stim­mung im NW. Man fühlte sich einem über­mäch­ti­gen Gegner aus­ge­lie­fert, der nicht benenn­bar und greif­bar ist. Hier setzte die Sze­ne­krank­heit der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en um die „ewigen Hin­ter­män­ner“ ein, die sich in einer per­so­na­li­sie­ren­den Libe­ra­lis­mus­kri­tik, meist im plum­pen Anti­se­mi­tis­mus ver­lief. Wider­stand und Akti­vis­mus leis­te­te man vor allem zur Beru­hi­gung des eige­nen Gewis­sens, gleich­sam als poli­ti­sche Selbst­be­frie­di­gung.
 
Es ist eine Art Pflicht­pen­sum, das man zur eige­nen See­len­hy­gie­ne statt des ste­ti­gen, ziel­ge­rich­te­ten Arbei­tens an einem gemein­sa­men Werk, Tag für Tag abhakt. Denn kon­kre­te Bau­plä­ne für eine deut­sche, iden­ti­tä­re Zukunft fehlen. Statt­des­sen herrscht ein abge­klär­ter Zynis­mus, eine resi­gna­ti­ve Depres­si­on, die sich von Zeit zu Zeit in mani­schen Hass­aus­brü­chen abre­agiert. Man blen­det das Große aus und stürzt sich in lokale, tak­tisch über­schau­ba­re Schlacht­fel­der: Demons­tra­tio­nen, Pro­pa­gan­da- und Wer­be­ak­tio­nen, den „Kampf um die eigene Stadt“. Doch man fragt sich nie­mals für welche „Sache“ genau man denn nun Leute anwirbt, demons­triert, Zeit und Geld opfert. Wohin genau führt der eigene Weg? Was ist sein kon­kre­tes Ziel? Wie soll man dort­hin gelan­gen? Wel­chen Ein­fluss hat das eigene Han­deln, ja der eben ange­brach­te Auf­kle­ber, auf das Ver­schwin­den der Völker Euro­pas?
 
Auf diese Frage fest­ge­na­gelt, begin­nen die Ver­tre­ter der natio­na­len Zusam­men­hän­ge in Deutsch­land ihren Geis­ter­tanz. Man errich­tet Wort­kas­ka­den und hüllt alles in den Schlei­er des geheim­nis­voll Dräu­en­den, unsicht­bar Gären­den. Von einer „all­ge­mei­nen Bewe­gung“ (die aber selt­sa­mer­wei­se weder kon­kre­te poli­ti­sche noch meta­po­li­ti­sche Macht hat), deren „loka­ler Ver­tre­ter“ man irgend­wie (meist durch bloße Selbst­be­zeich­nung) sei, wird gere­det. Von Gegen­me­di­en, vom Schaf­fen von Stim­mun­gen, vom Rein­hal­ten der eige­nen Welt­an­schau­ung, von wach­sen­der Wut, den Leuten denen es „irgend­wann einmal reicht“ wird gere­det — und natür­lich: vom Zusam­men­bruch des Sys­tems. All das kann man auf einen stra­te­gi­schen Kern zusam­men­füh­ren, der so erbärm­lich ist, dass einem schlecht werden könnte:

 

Jetzt können wir erst mal gar nichts machen, aber wir erhal­ten, jeder in seiner Stadt, eine dif­fu­se, struk­tur­lo­se „Bewe­gung“ der Repres­si­on zum Trotz, irgend­wie am Laufen, schu­len Kader und repe­tie­ren die dog­ma­ti­sche „reine Lehre“, um „wenn sich die Lage ändert“ auf den Plan zu treten.“

 

Das ist die außer­par­la­men­ta­ri­sche natio­na­le Szene in einem Satz zusam­men­ge­fasst. Der ein­zi­ge Erfolg, den man nach sech­zig Jahren vor­wei­sen kann, ist recht oder schlecht „immer noch irgend­wie da zu sein“ wie es viele szenein­ter­ne Musik­grup­pen stolz zu E-Gitar­ren­klän­gen ver­kün­den. Der eigent­li­che Erfolg ist aber auch in diesen Grup­pen, zumin­dest der Idee nach, das Über­le­ben unse­rer Iden­ti­tät. (Ein guter Teil der NW-Szenein­sas­sen ist im Grunde ohne­hin eth­nop­lu­ra­lis­tisch und iden­ti­tär und hängt nur aus sub­kul­tu­rel­len Grün­den und man­gels alter­na­ti­ver Mythen, am ras­sen­chau­vi­nis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen NS-Dogma.)
 
Diesen Erfolg macht man, dem obigen Grund­satz fol­gend, von Fak­to­ren abhän­gig, die man nicht direkt beein­flus­sen kann. Es ist jene „Wende“ von der der NW aus seiner jet­zi­gen, plan- und struk­tur­lo­sen Phase der „Vor­be­rei­tung“ treten und zum apo­ka­lyp­ti­schen Rache­en­gel werden soll. Diese „Wende“ ist eine psy­cho­lo­gi­sche Sehn­sucht, die der Ohn­macht ent­wächst und deren Inhalt belie­big ist. Mal waren es die Atom­krie­ge, dann die Russen, dann der Mau­er­fall und heute die Wirt­schaft, die „das System“ „für uns stür­zen“ und den NW aus seiner Lage der Ohn­macht retten sollen.
 
Dass ein „madmax-Sze­na­rio“, trotz der Kon­ver­genz der Kata­stro­phen aus­blei­ben wird (das geht an die ver­sam­mel­ten Waf­fen­samm­ler!), dass man in der kom­men­den Krise nicht „aus dem Nichts auf den Plan treten wird können, und dass der Volks­zorn schon seit Jahren von eta­blier­ten Par­tei­en und der jungen Strö­mung der Islam­kri­tik auf­ge­fan­gen wird — all das wird kon­se­quent aus­ge­blen­det. Man will seine letzte Hoff­nung, seinen Geis­ter­tanz, nicht auf­ge­ben und sich der Lage stel­len. Denn Nach­den­ken kann weh tun und deine Szene gefähr­den.
 
Der ehr­lichs­te Aus­druck dieses trau­ri­gen Kri­sen­kul­tes ist wohl das Asphalt­mär­chen von den Flug­schei­ben, die uns retten werden. Axel Stoll ist so die schnar­ren­de Stimme, welche die eigent­li­che Bedeu­tung aller NW-Stra­te­gie­my­then bei seinem Neu­schwa­ben­land-Stamm­tisch aus­plau­dert.

 

Eine Strategie, deren Hauptfaktor eine Unbekannte ist, auf die man keinen Einfluss hat, ist keine.

 

In die töd­li­che Kal­ku­la­ti­on des demo­gra­phi­schen Zer­falls wird die Unbe­kann­te der irra­tio­na­len Hoff­nung künst­lich ein­ge­fügt. Je schlim­mer die tat­säch­li­che Lage, desto blu­mi­ger und herr­li­cher die Fie­ber­träu­me. Im End­ef­fekt läuft, wie gesagt, alles auf einen Punkt hinaus: Aus­har­ren bis zum Tag X, der Stunde Null – an der „es den Leuten reicht“, „das Wirt­schafts­sys­tem kol­la­biert“, „der Bür­ger­krieg los­bricht“ und „sich alles wendet“. Bis dahin heißt es weiter “akti­vis­teln“ zum Sound­track einer ritu­el­len Beschwö­rung eben dieser Hoff­nung. Diese Stra­te­gie ist keine. Sie ist eine Aktion gewor­de­ne Resi­gna­ti­on, die sich immer wahn­haf­ter in eso­te­ri­sche Hoff­nun­gen flüch­ten muss.
 
Deutsch­lands natio­na­le Grup­pen tanzen einen Geis­ter­tanz und alle machen mit. Immer schnel­ler rotiert man um das Feuer. Immer sche­men­haf­ter ver­zerrt sich die Wahr­neh­mung, immer nebel­haf­ter wird das Poli­tik­ver­ständ­nis. Immer wieder finden sich Scha­ma­nen, die den gequäl­ten Geis­tern das Mär­chen vom bal­di­gen „Unter­gang des Sys­tems“ erzäh­len, das sie so gerne hören.
 
Dort wo eine echte Theo­rie not­wen­dig wäre, welche den Natio­nal­so­zia­lis­mus und die ande­ren moder­nen Ideo­lo­gi­en in ihr Jahr­hun­dert ver­weist, herrscht ein blu­mi­ger Pathos vor. Dort, wo eine klare Stra­te­gie zur Errei­chung des Ziels von­nö­ten wäre, wuchern die Kri­sen­kul­te. Dort, wo eine klare Struk­tur und eine ein­heit­li­che Marsch­rich­tung auf­zu­bau­en wäre, lässt man sich kraft­los ins freie Kame­rad­schafts­cha­os plump­sen.

 

Krisenkulte raus aus den Köpfen – sich der Krise stellen

 

Zusam­men­fas­send können wir fol­gen­des fest­hal­ten: Der Kri­sen­kult ist die Flucht in Eso­te­rik und das Hoffen auf eine deus ex machi­na, wel­cher unter­ge­hen­de Kul­tu­ren befällt und ihnen die letz­ten his­to­ri­schen Sekun­den, in denen eine Ret­tung mög­lich wäre, raubt. Er ist Zei­chen einer feh­len­den Anpas­sungs­fä­hig­keit und Stra­te­gie, um das, was man bewah­ren will, unter den geän­der­ten Bedin­gun­gen zu ver­tei­di­gen.
 
Die rechts­in­tel­lek­tu­el­len Theo­re­ti­ker drü­cken sich größ­ten­teils um die geis­ti­ge Füh­rung und den Ent­wurf von bewe­gen­den Ikonen und Stra­te­gi­en. Sie begnü­gen sich, wenn über­haupt, mit exis­ten­zia­lis­ti­schen Gesten und einem „wür­di­gen Schiff­bruch“. Die NW-Akti­vis­ten stür­zen sich in blin­den Akti­vis­mus und igno­rie­ren jede Frage der Stra­te­gie (die nicht selten pathe­tisch als „Feig­heit“ abge­tan wird). Statt im Hier und Jetzt einen Weg zu finden um das Ver­schwin­den der Völker abzu­wen­den, sehnt man einen „Tag X“ herbei, der in tau­send Gesich­tern daher­kommt, aber immer nur eines meint — die eigene Ohn­macht und den Unwillen/die Unfä­hig­keit sich daraus zu befrei­en. Wie kommen wir raus aus dem Kri­sen­kult? Zual­ler­erst muss die Idee der Krise und des „Tag X“ zer­stört werden. Walter Ben­ja­min sagte:

 

Daß es “so weiter” geht, ist die Kata­stro­phe. Sie ist nicht das jeweils Bevor­ste­hen­de, son­dern das jeweils Gege­be­ne.

 

Die Kata­stro­phe ist da, die Krise ist jetzt. Jetzt müssen wir aktiv werden und auf­ste­hen. Es gibt keine zwei Phasen, die man strikt von­ein­an­der tren­nen kann. Eine Krise ist oft eine lang­sa­me Ent­wick­lung, die sich über Jahre streckt. Der Ernst­fall in den sie mündet und über den zu ent­schei­den das Ziel sein muss, ist nicht der Start­schuss für ein geplan­tes Han­deln. Es ist der Moment in dem sich das bestehen­de oppo­si­tio­nel­le Poten­ti­al in seiner ganzen gesam­mel­ten Kraft auf­bäumt, die es nur durch gründ­li­che und lang­fris­ti­ge Pla­nung errei­chen kann.
 
Eine Krise wirkt wie ein Kata­ly­sa­tor auf bereits bestehen­de Strö­mun­gen und Ent­wick­lun­gen. In der Regel geht aus ihr die Gruppe, die die Ord­nung auf­recht­erhal­ten kann und der die Leute die Wie­der­her­stel­lung der Sta­bi­li­tät am ehes­ten zutrau­en, sieg­reich hervor. Zu genau dieser Gruppe muss man bereits vor dem Ernst­fall werden, um über ihn bestim­men zu können. Man muss also so agie­ren, als hätte man eine erlö­sen­de Krise nicht nötig, um sie nutzen zu können. Man muss seinen Plan so gestal­ten, dass eine Krise in ihm allen­falls die Wir­kung eines Kata­ly­sa­tors, eines Auf­win­des hat, nicht aber der Hal­te­griff sein muss, den man am Trapez im Flug erfas­sen muss und bei dessen Fehlen man abstürzt. Es gibt zu dieser Pro­ble­ma­tik eine gute Meta­pher:
 
Stel­len wir uns das poli­ti­sche Ziel als Küste und die poli­ti­schen Grup­pen als Surfer vor. Die Krise betrach­ten wir als Welle. Beide Surfer wollen zum UferEiner pad­delt lang­sa­mer, aber sicher, unter Haus­hal­tung seiner Kräfte auf das Ufer zu, und ist jeder­zeit bereit, sobald die Welle kommt fest auf seinem Brett zu stehen. Der andere hat keine Ahnung wie man pad­delt und zum Ufer kommt. Er hofft nur auf die erlö­sen­de Welle. Er tut so, als wäre jedes kleine Plät­schern die erhoff­te Welle, fällt per­ma­nent von seinem Brett, stram­pelt im Wasser, lässt sich zeit­wei­se depres­siv trei­ben, ist ver­zwei­felt über seinen Nach­sprung, was ihn noch inni­ger auf die Welle hoffen lässt.
 
Er lockt mit seinem Geplät­scher nur die Haie an. Der andere wird lang­sam aber sicher sein Ziel auch ohne Welle errei­chen. Wenn sie kommt, wird er sofort in der Lage sein, geschmei­dig seinen Hand­lungs­mo­dus zu ändern. Er steht sicher am Brett. Der andere aber wird das Ufer nie errei­chen und droht vor Ent­kräf­tung unter­zu­ge­hen. Wenn die Welle kommt, ist er — unge­übt und ent­kräf­tet — nicht recht­zei­tig am Brett und wird von ihr nur wild her­um­ge­spült oder gar zer­malmt werden.
 
Eine revo­lu­tio­nä­re Lage, wie sie sich die NWler erhof­fen, kann man nicht her­bei­zwin­gen. All diese Ver­su­che enden in wahn­haf­tem Ter­ro­ris­mus, dessen Pro­ve­ni­enz (neben anar­chis­ti­schen Zir­keln) in den NS-Krei­sen keine reine Medi­en­er­fin­dung ist. Sobald sich Gegen­sät­ze zuspit­zen und ein Staat sein Gewalt­mo­no­pol ver­liert, treten diese Vor­gän­ge von selbst ein. Bürger bewaff­nen sich, Bür­ger­weh­ren werden gebil­det und nach Ord­nungs­mäch­ten wird geru­fen. Gewalt und Gegen­ge­walt bestim­men dann ein­fach unge­fragt das Feld des Poli­ti­schen. Wer in sol­chen Zeiten nur mit Argu­men­ten auf die Straße geht, ver­liert.
 
Doch von sol­chen Zeiten sind Deutsch­land und der Groß­teil Euro­pas weit ent­fernt. Es mag sein, dass viele ein­fa­che Gemü­ter sie her­bei­seh­nen – so fas­zi­nie­rend und aben­teu­er­lich, wie sie auf uns spät­ge­bo­re­ne, gelang­weil­te Gene­ra­ti­on ohne Schick­sal wirken mögen, werden sie garan­tiert nicht sein. Vor allem ist nicht garan­tiert, ob, wann und wie sie aus­bre­chen werden. Man kann eine Krise auch ver­schlep­pen. So lange, bis man viel­leicht eine Lösung für sie gefun­den hat. Man kann sie auch in vielen klei­nen, unge­fähr­li­chen Zusam­men­brü­chen abbau­en. Kei­nes­falls aber steht fest, dass ein wirt­schaft­li­cher Zusam­men­bruch par­al­lel zum eth­no­kul­tu­rel­len Kol­laps Euro­pas erfol­gen muss. Wenn wir unser eth­no­kul­tu­rel­les Erbe erhal­ten wollen, wäre es also fatal, eine wirt­schaft­li­che Krise zum bestim­men­den Faktor in unse­rer Stra­te­gie zu machen.
 
Der Kri­sen­kult ist eine Flucht vor der Ent­schei­dung, mit der eige­nen Idee ernst zu machen. Sich also hin zu setzen und kon­kret zu über­le­gen, welche Sze­na­ri­en ein Über­le­ben unse­rer Iden­ti­tät ermög­li­chen und wie die eigene Tat kausal für diese werden kann. Im natio­na­len NW-Milieu ist dies eine Flucht ins mar­tia­li­sche, plumpe Ver­ständ­nis von Macht, das nur die Geset­ze der revo­lu­tio­nä­ren, kri­sen­haf­ten Lage kennen will. Nur auf bren­nen­den Bar­ri­ka­den, in Saal­schlach­ten, beim Stür­men von Blo­cka­den und beim Akti­vis­mus auf der Straße fühlt man sich wohl. Aus diesem Grund inter­pre­tiert man alle macht­po­li­ti­schen Fragen aus dieser plum­pen, mili­ta­ris­ti­schen Brille. Dinge die man nicht begreift, wie Meta­po­li­tik, Stra­te­gie, etc. blen­det man aus. Man sehnt sich ein ganz bestimm­tes Klima herbei, indem allein die eigene Vor­ge­hens­wei­se erfolg­reich sein kann. Bis dahin hofft man, dass das akti­vis­ti­sche Auf­be­geh­ren „irgend­wie“, „irgend­wo“, „irgend­was“ bewir­ken könne.
 
Im rechts­in­tel­lek­tu­el­len Milieu findet die Flucht in die Gefil­de der Meta­po­li­tik statt, wie sie Guil­lau­me Faye in seinem Buch „Archeo­fu­tu­rism“ anschau­lich beschrie­ben hat. Man schwingt sich hoch und höher auf die Wolken der Theo­rie und hofft mit publi­zis­ti­scher Tätig­keit, mit Texten und Büchern, irgend­wie eine Stim­mung zu schaf­fen, aus der Wider­stand her­vor­ge­hen könnte. Dass man damit nur ein bestimm­tes Milieu erhält und bedient, dass die­je­ni­gen, die man erreicht und gewinnt, oft nur eine Schrei­ber­kar­rie­re als Milieuer­hal­ter anstre­ben, ist ein Vor­wurf, der leider nicht zu Unrecht auf­kom­men könnte.
 
Beide Frak­tio­nen brau­chen einen neuen Mut zu Wahr­heit, einen Willen zur scho­nungs­lo­sen Ana­ly­se. Wie können wir die poli­ti­sche Macht errei­chen, um den herr­schen­den Ver­fall zu been­den, unser Erbe zu erhal­ten und fort­zu­füh­ren? Der erste Schritt ist hier, die eige­nen Stra­te­gi­en und Pläne einer scho­nungs­lo­sen Kritik zu unter­zie­hen, die jeden Faktor X aus­schließt und das eigene Ziel von Grund auf neu zu defi­nie­ren.
 
Dieser Impuls wird, so hoffen wir, von der iden­ti­tä­ren Welle, die heute durch Europa geht, aus­ge­löst und in den rech­ten Zusam­men­hän­gen Deutsch­lands eini­ges ver­än­dern. Bei einer ernst­haf­ten Durch­set­zung dieses ersten Schrit­tes kann vor allem vom der­zei­ti­gen natio­na­len Lager nicht viel übrig blei­ben. Nimmt man die Idee ernst und defi­niert das iden­ti­tä­re Ziel, die Erhal­tung unse­rer eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, also unse­res Volkes und seiner Kultur in seiner objek­ti­ven, geis­ti­gen und mate­ri­el­len Wirk­lich­keit, so zer­fällt das NS-Dog­men­ge­bäu­de (das Sze­nei­deo­lo­gen und staat­li­che Anti­fa­schis­ten um die eth­no­kul­tu­rel­le Frage auf­ge­baut haben) und treibt zurück in sein ver­flos­se­nes Jahr­hun­dert.
 
Was bleibt von Anti­se­mi­tis­mus, ari­scher Über­le­gen­heit, Ost-Impe­ria­lis­mus, chau­vi­nis­ti­schem Natio­na­lis­mus, Ras­sen­rein­heits­fim­mel und ario­so­phi­scher Iko­no­gra­phie, wenn man hier und jetzt nichts als das Über­le­ben unse­rer jahr­tau­sen­de­al­ten, dyna­mi­schen bio­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät will?
Was bleibt vom „Tag X“, vom „Erwa­chen des Volks­zor­nes“, vom „Zusam­men­bruch des Sys­tems“, von der „Wie­der­kehr der Flug­schei­ben“, wenn man alles, das man nicht direkt selbst beein­flus­sen kann, aus seinen Plänen aus­schei­det?
 
Dies ist ein Aufruf zum Denken und Pläne schmie­den. Zurück ans Reiß­brett mit euch! Der NS muss ver­schwin­den, der NW mit ihm, die Rechts­in­tel­lek­tu­el­len müssen zum akti­vis­ti­schen Stra­ßen­kämp­fer finden (und umge­kehrt) und gemein­sam müssen sie mit einer klaren Theo­rie und einer eiser­nen Stra­te­gie zur Speer­spit­ze einer kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on werden, die aus ihrem Vor­gän­ger gelernt hat. Die Zeit drängt und die Uhren ticken gegen uns. Das beschrie­be­ne Werk scheint unmög­lich und uner­reich­bar.
 
Doch mit dem iden­ti­tä­ren Impuls aus Frank­reich, der jen­seits aller Struk­tur- und Orga­ni­sa­ti­ons­fra­gen, vor allem eine neue Idee und ein neues Symbol für alle patrio­ti­schen, kon­ser­va­ti­ven, natio­na­len Strö­mun­gen bedeu­tet, öffnet sich uns eine Lich­tung im dich­ten Wald. Eine Lich­tung, auf der wir uns unter einem neuen Mythos sam­meln können, der seine Wur­zeln tiefer als sieb­zig Jahre in unsere Ver­gan­gen­heit treibt. Wir sind immer noch die Enkel der Ritter, die 732 die Araber zurück­schlu­gen. Wir sind die Ahnen der Ver­tei­di­ger Wiens und die Erben der Kultur Spar­tas und Athens. In unse­ren Adern fließt das Blut von Helden, Ent­de­ckern, Genies und Köni­gen. Wir leben seit Jahr­tau­sen­den in diesem Land, in diesem Europa. Unsere Vor­fah­ren haben seine Berge und Wälder, seine Küsten und Seen benannt, wir haben es erfüllt mit tau­send Mär­chen, Sagen, Geschich­ten und Erin­ne­run­gen.
 
Es ist das Vater­land der Vater­län­der, dass allen Stür­men von außen und allen Zer­set­zun­gen von innen trotz­te. Mit diesem großen, epi­schen Blick, sehen Iden­ti­tä­re auf das Ges­tern, Heute und Morgen. Jetzt gilt es Ruhe zu bewah­ren, und in der Flut des Zer­falls, in der Bran­dung des Wahn­sinns und im Gewit­ter der tau­send Ideen und Strö­mun­gen, den klaren Blick zu behal­ten. Don’t give up the ship! Auch wenn um uns herum alles jam­mert, tobt und plan­los umher irrt. Wir brau­chen jetzt die Männer, die Wut und Zorn zu eiser­ner Dis­zi­plin schmie­den können, die kühl kal­ku­lie­ren und heiß han­deln können. Sie müssen sich ans Steuer stel­len, die Segel raffen, den ideo­lo­gi­schen Bal­last und alle Kri­sen­kul­te über Bord werfen und unser Schiff auf Kurs brin­gen.

 

Sonst wird der Geis­ter­tanz der Rech­ten bald zu einem Toten­tanz…