ISIS, Islam und Universalismus

 

 

ISIS ist brutal, ISIS ist unmensch­lich, ISIS ist ver­dam­mens­wert. Ihre Anhän­ger­schaft in Europa ist brand­ge­fähr­lich. Die Dschi­ha­dis­ten, die als Flücht­lin­ge getarnt Europa infil­trie­ren sollen, sind sogar noch gefähr­li­cher. All das ist wohl jedem, der diese Zeilen liest, längst klar. In diesem Arti­kel soll es daher nicht darum gehen, das Offen­sicht­li­che noch einmal in Worte zu fassen und zu wie­der­ho­len. Wie immer wollen wir hier nicht nur „Buch­hal­ter des Schre­ckens“ sein und bloß Medi­en­mel­dun­gen, iden­ti­tär gefärbt, wie­der­ge­ben. Es geht hier um eine tie­fe­re Ana­ly­se, Kritik und Ver­ständ­nis. Kon­kret geht es uns um die ide­en­ge­schicht­lich-phi­lo­so­phi­sche Seite des ISIS-Phä­no­mens. Es geht dabei auch um eine iden­ti­tä­re Beur­tei­lung des Islams.

 

Islam und Islamismus

 

Wir Iden­ti­tä­re sind ange­tre­ten, um die rech­ten Zusam­men­hän­ge zu revo­lu­tio­nie­ren und wirk­lich: nach zwei Jahren unse­rer Arbeit, unse­res Wir­kens und unse­rer Kritik blieb, um einen Thron­stahl-Song zu zitie­ren: „auch in unse­ren Reihen nicht alles wie es war“. Neben vielen ande­ren Berei­chen wie Ras­sis­mus, Natio­na­lis­mus, Chau­vi­nis­mus, etc. traf unsere Kritik der ver­krus­te­ten Alt­las­ten auch die klas­si­sche „rechte“ Sicht auf die Nahost- und Islam­fra­ge. Aus blin­den Anti­se­mi­tis­mus wurde bis dahin meist ein­fach Partei für isla­mi­sche Staa­ten ergrif­fen, weil sie gegen Israel kämp­fen. Der Islam wurde still­schwei­gend zu einer reinen „Kul­tur­fra­ge“ erklärt, der isla­mi­sche Kampf als Frei­heits­kampf bedroh­ter Völker gegen den west­li­chen US-Impe­ria­lis­mus sti­li­siert.

 

Diese Hal­tung ist, das muss uns heute klar sein, abso­lut falsch. Ebenso falsch ist aber die extre­me Gegen­po­si­ti­on, der weite Kreise der deutsch­spra­chi­gen Rech­ten in den letz­ten zehn Jahren fast panik­ar­tig ver­fal­len sind. Hier wird der Islam als das ulti­mum malum, quasi als End­boss im Kampf des Wes­tens um eine neue Welt­frie­dens­ord­nung der Mensch­heit gese­hen. Als Poli­zist dieses Wes­tens wird die USA abge­fei­ert, wäh­rend Israel in einem völlig irra­tio­na­len Phi­lo­se­mi­tis­mus eine geo­po­li­ti­sche carte blan­che besitzt. Bekannt­lich nehmen wir Iden­ti­tä­re hier die Posi­ti­on der sinn­vol­len Mitte ein, die sich sowohl gegen die genann­te Posi­ti­on als auch gegen den irren Anti­se­mi­tis­mus der Alt­re­chen rich­tet, die über­all das „Welt­ju­den­tum“ wit­tern.

 

Das erfor­dert auch eine Neu­be­wer­tung der isla­mi­schen Frage. Ganz abge­se­hen davon, dass die Isla­mi­sie­rung Euro­pas, die durch Mas­sen­ein­wan­de­rung und Land­nah­me außer­eu­ro­päi­scher „Asy­lan­ten“ und „Fach­kräf­te“ statt­fin­det, ent­schie­den abzu­leh­nen ist — wie ist der Islam an sich aus iden­ti­tä­rer Sicht zu bewer­ten?  Diese Frage können und wollen wir hier natür­lich nicht im Namen aller Iden­ti­tä­ren beant­wor­ten. Statt­des­sen soll wie immer eine Denk­be­we­gung und viel­leicht sogar eine kleine Debat­te ange­sto­ßen werden. Wir wollen also, in der Hoff­nung das Phä­no­men damit etwas zu erhel­len, eine mög­li­che iden­ti­tä­re Sicht des Islams mög­lichst knapp dar­le­gen.

 

 

Islam- Teil der kulturellen Vielfalt?

 

 

Als Iden­ti­tä­re stehen wir für den Erhalt unse­rer eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, die wir, wie der Name sagt, in ihrer eth­ni­schen Ver­wur­ze­lung und kul­tu­rel­len Dyna­mik erken­nen. Wir ver­tei­di­gen sie auf regio­na­ler, natio­na­ler und euro­päi­scher Ebene. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt unse­res Den­kens ist der Eth­nop­lu­ra­lis­mus. Indem wir unsere eigene Iden­ti­tät erken­nen und aner­ken­nen, erken­nen wir auch die Viel­falt der Völker und Kul­tu­ren. Wie man aus der eige­nen Freude und dem eige­nen Schmerz auch die Gefüh­le ande­rer nach­emp­fin­den kann, so beja­hen wir mit unse­rer eige­nen Her­kunft und Kultur auch die Viel­falt der Völker und den Auf­stand der Kul­tu­ren gegen das glo­ba­le System ihrer Ver­nich­tung.

 

Inso­fern ist unsere klare Stel­lung gegen Anti­se­mi­tis­mus ver­ständ­lich. Kein Volk ist einzig aus­er­wählt und allen über­le­gen — weder im Guten noch im Schlech­ten. Auch die Juden, ihre Kultur und ihr Staat haben selbst­ver­ständ­lich ein Lebens- und Exis­tenz­recht. Ebenso trifft das für die ara­bi­schen Völker, ihre Reli­gio­nen und Kul­tu­ren zu. Sie als Aus­ge­burt, als „Achse“ des Bösen zu bezich­ti­gen, in ihnen einen Feind eines „Mensch­heits­fort­schrit­tes“ oder des „Welt­frie­dens­staats“ zu sehen, ist nicht Sache eines Iden­ti­tä­ren — schon weil die beiden letzt­ge­nann­ten Begrif­fe eher Gegen­stand der Kritik denn der Ver­tei­di­gung sind.

 

Das vor­aus­ge­schickt, können wir nun also den Islam etwas näher unter die Lupe nehmen. Klar- in einem Blog­ar­ti­kel eine jahr­hun­der­te­al­te Reli­gi­on umfas­send erklä­ren zu wollen, wäre sogar für unsere Ver­hält­nis­se etwas ver­mes­sen. Aber neben dieser Viel­falt gibt es eben auch ein Wesen, einen Grund­as­pekt des Islams, den man auch in einem Absatz zusam­men­fas­sen kann. Auf die ganzen ara­bi­schen Begrif­fe, von Tauhid bis Biddha, werden wir dabei ver­zich­ten – das vor allem, weil wir sie ein­fach nicht mehr hören können.

 

Der Islam ist eine uni­ver­sa­lis­ti­sche Reli­gi­on. Bei ihm besteht eine radi­ka­le und abso­lu­te Tren­nung zwi­schen Gott und Welt, Schöp­fer und Geschöpf. Er lehrt eine extre­me Form des Mono­the­is­mus (oder „Mono­to­no-the­is­mus“ — Nietz­sche), die auch Juden- und Chris­ten­tum in ihren Schat­ten stellt. Alles, was mit Kultur, poli­ti­scher Auto­ri­tät, Ver­eh­rung von Natur und Zele­brie­rung der Schön­heit zu tun hat, ist ihm ver­däch­tig. Er ver­tritt ein bru­ta­les, iko­no­klas­ti­sches Verbot der Ido­la­trie (Dar­stel­lung Gottes im Bild), dass sich auf die gesam­ten bil­den­den Künste, gegen die Musik und auch gegen die Dar­stel­lung der Schön­heit des mensch­li­chen Kör­pers rich­tet, in dem die Grie­chen, wie man weiß, einen Funken des gött­li­chen Eros erkann­ten. Er ist gegen jede Form der kul­ti­schen Reli­gi­ons­aus­übung grund­sätz­lich feind­lich ein­ge­stellt, da in ihr die Gefahr des „Göt­zen­diens­tes“ auf­kom­me. Eine baro­cke katho­li­sche Kirche samt Got­tes­dienst muss einem Moslem wie ein gefähr­li­cher, heid­ni­scher Kult erschei­nen.

 

Der Islam ist vom Prin­zip her abso­lut inter­na­tio­na­lis­tisch, gleich­gül­tig für eth­no­kul­tu­rel­le Fragen und ten­den­zi­ell staats­feind­lich. (Zur Bezie­hung Islam-Staat könnte man Seiten füllen. Ich denke aber, es spricht eini­ges dafür, das Wesen des Islams mit etwa der cal­vi­nis­ti­schen Staats­feind­lich­keit zu ver­glei­chen). Die Idee eines geweih­ten, poli­ti­schen Amtes, die Ver­ei­ni­gung von poli­ti­scher und sakra­ler Auto­ri­tät, wie sie in Europa noch bei den Ghi­bel­li­nen auf­taucht, ist ihm wesens­fremd. Es gibt nur das Kol­lek­tiv der ega­li­tä­ren Gläu­bi­gen, das nach Koran und Sunna leben soll. Staats­po­li­tik ran­giert unter ferner liefen, soweit diese Schrif­ten es zulas­sen. Der Islam ist damit aber nicht ega­li­ta­ris­tisch. Er hat klare Hier­ar­chi­en, kennt und benennt klare Unter­schie­de zwi­schen Mann und Frau, Völ­kern und Kul­tu­ren, Mus­li­men und Nicht­mus­li­men. Ebenso kennt er mit Mekka ein sakra­les Zen­trum, mit Rama­dan, Gebets­wa­schun­gen, etc. gewis­se Ritua­le. All das speist sich aber nicht aus einer phi­lo­so­phi­schen Erkennt­nis, einem Ver­ständ­nis der Wirk­lich­keit, wie bei ande­ren Reli­gio­nen. Es hängt einzig und allein vom will­kür­li­chen Befehl Allahs im Koran ab.

 

Wäh­rend es im Chris­ten­tum mit der Auf­nah­me heid­ni­scher Bräu­che, mit der Ver­eh­rung von Hei­li­gen, Reli­qui­en und hei­li­gen Plät­zen, reli­giö­se Prak­ti­ken gibt, die sich dyna­misch-geschicht­lich, in Aus­ein­an­der­set­zung mit der Lebens­welt ent­wi­ckeln, besteht im Islam einzig und allein die ewig-gül­ti­ge Will­kür Allahs. Sich ihr allein zu unter­wer­fen und weder in Mekka, noch im Gebet, noch in einer Fahne eine ori­gi­nä­re Kraft zu sehen, macht die Denk­wei­se des Islams wesent­lich aus. Alles ist nur gut, indem es dem Befehl Allahs folgt. Dass in der ara­bi­schen Spra­che die Kopula teil­wei­se weg­ge­las­sen werden kann, unter­stützt sicher­lich diese simple Welt­sicht. „Boko Haram“ setzt „Bil­dung“ direkt mit „Haram“ „Sünde“ gleich – „Bil­dung = Sünde“, ohne dabei das Zeit­wort „ist“ zu ver­wen­den, das stets auch eine Ver­mitt­lung, auf eine Rela­ti­vi­tät von Zeit und Raum ver­weist.

 

Der Waha­bis­mus ver­tritt diese Aspek­te des Islams, die direkt aus seiner Theo­lo­gie folgen, wohl am Reins­ten und Ehr­lichs­ten. Wäh­rend beim Chris­ten­tum die Offen­ba­rung Gottes in einer Person statt­fin­det — Jesus fun­giert damit auch als eine Brücke zwi­schen Gott und Welt, die dem heid­ni­schen Halb­gott und Heros ent­spricht und folg­lich eine christ­li­che Ver­eh­rung der Fami­lie Jesu, der Natur, der Hei­li­gen etc., damit die Kul­tu­ra­li­sie­rung des Chris­ten­tums im Katho­li­zis­mus und seine Ver­bin­dung mit dem heid­ni­schen Ordo- und Kos­mos­den­ken ermög­licht — im Juden­tum in einem Volk erfolgt, so ist sie im Islam rein an ein Buch, einen Geset­zes­text geknüpft, gegen den sogar sein Pro­phet nur ein ein­fa­cher Mensch und Bote ist. Die Ver­eh­rung von Moham­meds Grab und die Feier seines Geburts­ta­ges wird daher von einem authen­ti­schen Islam ebenso ver­bo­ten wie jedes lokale Brauch­tum, jedes tra­di­tio­nel­le Orna­ment an der über­zeit­li­chen „Rein­heit“ des Koran­tex­tes.

 

Der Islam ist wesent­lich mehr als nur eine Kultur. Er will mehr sein als nur eine ara­bisch-kul­tu­rel­le Aus­prä­gung mensch­li­cher Reli­gio­si­tät. Er leug­net und bestrei­tet seine eigene Kul­tu­ra­li­tät und Zeit­lich­keit im Gegen­teil vehe­ment. Er hat einen wesent­li­chen Anspruch, der sich gegen die gesam­te Welt rich­tet und jeder Ein­fü­gung und Ein­tei­lung in einen Plu­ra­lis­mus radi­kal wider­spricht.

 

Der Islam als Universalismus

 

Abge­se­hen von dieser „inhalt­li­chen“ Kritik, in deren Zuge wir den Islam vor allem mit ande­ren mosai­schen Reli­gio­nen ver­gli­chen haben und die an sich noch nicht direkt einem Prin­zip des Eth­nop­lu­ra­lis­mus wider­spricht, muss dieser Aspekt sein ursprüng­li­ches Wesen klar als anti-iden­ti­tär erken­nen. Der Islam hat einen tota­li­tä­ren Anspruch. Damit ist aus­drück­lich kein „Tota­li­ta­ris­mus“ gemeint. Die Rede vom „Isla­mo­fa­schis­mus“ ist selten däm­lich und ent­spricht viel­mehr der west­li­chen Ver­gan­gen­heits­neu­ro­se als der Rea­li­tät. Doch der Anspruch des Islams, seine Umma über die Welt aus­zu­brei­ten, ist nicht anders als tota­li­tär zu nennen.

 

Ich will hier nicht auf Text­ex­ege­sen, auf die Frage nach dem erlaub­ten „Wie“ der glo­ba­len Ver­brei­tung des Islams, wann man Krieg führen, gegen wel­chen Führer man rebel­lie­ren darf, etc. ein­ge­hen. Allein die Tat­sa­che, dass seine Reli­gi­on, in ein paar knap­pen Worten, die gesam­te Viel­falt aller Reli­gio­nen der Welt als Irtü­mer und Wege zur Hölle, als min­der­wer­tig gegen­über dem Islam und dem Koran dar­stellt, spricht für sich. Er reißt damit, klas­sisch uni­ver­sa­lis­tisch, eine abso­lu­te und totale Tren­nung zwi­schen dem Islam als Gottes aus­er­wähl­ter Träger der Offen­ba­rung und dem Rest der Welt auf. Und das ist das wahre Pro­blem, dass wir mit dem Islam haben. Es ist weni­ger der Inhalt seiner Reli­gio­si­tät. Auch wenn diese, gerade in ihren bar­ba­ri­schen Aus­prä­gun­gen, kri­ti­sier­bar ist, so könnte man ihrem radi­ka­len Monis­mus den­noch zuge­ste­hen, einen beach­tens­wer­ten Aspekt der Welt, einen Teil der reli­giö­sen Gott­su­che aus­zu­drü­cken.[1]

 

Inso­fern und indem sie diesen aber tota­li­sie­ren, mit dem Koran dog­ma­ti­sie­ren und letzt­lich poli­tisch zur glo­ba­len Gel­tung ver­hel­fen wollen, werden die Mos­lems zum poten­ti­el­len, glo­ba­len Pro­blem für alle freien Völker und Kul­tu­ren. Der Islam ist als Uni­ver­sa­lis­mus, da wo er die Viel­falt der Völker und Kul­tu­ren seiner tota­len Welt-Umma unter­wer­fen will, ein Feind des Eth­nop­lu­ra­lis­mus, ebenso wie es der west­li­che Glo­ba­lis­mus oder der mar­xis­ti­sche Inter­na­tio­na­lis­mus ist. Dieser glo­ba­le Anspruch ist es, der erst den blu­ti­gen Mes­sia­nis­mus und die apo­ka­lyp­ti­sche Bru­ta­li­tät der ISIS-Jünger erzeugt. Er ist als wahres Pro­blem des Islams wesent­li­cher als jede Kopf­tuch­de­bat­te.

 

 

 

Guter Moslem – Böser Moslem

 

 

Die irren Paro­len des ISIS von der Erobe­rung Roms sind damit nicht nur Wahn­träu­me. Es sind Pro­phe­zei­un­gen des Pro­phe­ten, die ganz not­wen­dig aus der expan­si­ven, uni­ver­sa­lis­ti­schen Struk­tur seines „Dschi­had-Sys­tems“ (Man­fred Kleine Hart­la­ge) folgen. ISIS ist nur bei der Wahl der Mittel bru­ta­ler, in der Offen­ba­rung des Ziels ehr­li­cher. Ange­sichts des isla­mi­schen Uni­ver­sa­lis­mus stellt sich das Säu­seln „fort­schritt­li­cher“ Mus­li­me, bei denen die glo­ba­le Kon­ver­tie­rungs­mis­si­on der Mos­lems meist zum beschei­de­nen Ange­bot am post­mo­der­nen Reli­gio­nen-Wühl­tisch ver­nied­licht wird, als reine Ablen­kung dar. Selbst wenn diese sanft­zün­gi­gen, per­fekt auf den Kar­ne­val der Kul­tu­ren ange­pass­ten Moschee­be­treu­er, Tee­ko­cher und Folk­lo­re­pro­fis ihre Agenda wirk­lich glau­ben und ernst meinen: Im Rahmen des gesam­ten isla­mi­schen Sys­tems und der Isla­mi­sie­rung Euro­pas spie­len sie nur den guten Bullen zum bösen Bullen des Dschi­ha­dis­mus — sie spie­len ihn sogar umso besser, wenn sie es wirk­lich ehr­lich meinen. Mit Ver­weis auf die sons­ti­ge „Gefahr der Radi­ka­li­sie­rung“ schla­gen sie näm­lich Son­der­rech­te, wei­te­re Ein­wan­de­rung, wei­te­re Mosche­en etc. für ihre Com­mu­ni­ty heraus und för­dern die Eta­blie­rung und Ver­grö­ße­rung der­sel­ben.

 

Westlicher Nihilismus und Islam

 

In diesen ghett­hoi­sier­ten Kol­lek­ti­ven wächst, unbe­ein­druckt vom staat­lich ver­ord­ne­ten Euro-Islam, unwei­ger­lich ein Dschi­ha­dis­mus heran, den alle west­li­chen Exper­ten mit ihren plum­pen Milieu-Theo­ri­en der „sozia­len Deklas­sie­rung“ nie­mals erfas­sen. Es ist die Sinn­kri­se der west­li­chen Moder­ne, der deka­den­te Nihi­lis­mus, der auch die Migran­ten­jun­gend­li­chen erfasst und sie in Scha­ren in den Dschi­ha­dis­mus treibt, zu dem der softe Islam eben das uni­ver­sa­lis­ti­sche Fun­da­ment schafft. Er trich­tert ihnen von klein auf ein, dass Allahs Wort die ein­zi­ge, abso­lu­te Wahr­heit sei, dass nur Mos­lems in dieser Gemein­schaft der Wahr­heit leben und sich eigent­lich die gesam­te Welt anglei­chen soll­ten. Im Zuge jugend­li­cher Sinn­kri­sen und Suche, die nicht not­wen­dig einen „schwa­chen Cha­rak­ter“ oder ein „Schei­tern im Leben“ erfor­dern, ange­sichts der immer noch ent­wur­zeln­den und ver­stö­ren­den Moder­ne bietet sich diese bru­ta­le, ein­fa­che und simple Wahr­heit des Islams samt bei­ge­leg­ter tota­ler Lebens­pla­nung ein­fach an. Es wirkt wie eine Desi­gner­dro­ge auf die nihi­lis­tisch aus­ge­hun­ger­te Jugend des Wesens, die auf der Suche nach Iden­ti­tät ist. Auch die Menge nicht­mi­gran­ti­scher Dschi­had-Jun­kies beweist das.

 

Der Westen und der Islam

 

Damit zeigt sich auch ein wei­te­rer inter­es­san­ter Aspekt. Die uni­ver­sa­lis­ti­sche Idee des Islams, seine Aus­rich­tung auf die ganze Mensch­heit, sein klarer Inter­na­tio­na­lis­mus und Anti­ras­sis­mus ver­tra­gen sich per­fekt mit der Metaer­zäh­lung der west­li­chen Welt. Tat­säch­lich ist eines der inter­es­san­tes­ten Phä­no­me­ne des Dschi­had­sis­mus und Waha­bis­mus, dass er dort, wo er auf­tritt, für eine wei­te­re Ent­wur­ze­lung der Betrof­fe­nen aus ihren natio­na­len eth­no­kul­tu­rel­len Gemein­schaf­ten sorgt. Die ISIS-Horden sind eine mul­ti­kul­tu­rel­le „Smarties“-Truppe, wie sie auch in jedem Hol­ly­wood-Action­film vor­kommt. Sie lebt „diver­si­ty“ und impor­tiert lau­fend „Fach­kräf­te“ aus dem Aus­land nach Syrien, die dort das apo­li­ti­sche, akul­tu­rel­le Kon­strukt eines Welt­ka­li­fats auf­bau­en wollen. Wer hier Ähn­lich­kei­ten sieht zum spa­ni­schen Bür­ger­krieg, der das „inter­na­tio­na­le Pro­le­ta­ri­at“ zur Umset­zung des kom­mu­nis­ti­schen Welt­herr­schafts­pro­jekts nach Spa­ni­en rief, sieht die Sache rich­tig.

 

Der Dschi­ha­dis­mus reißt die Jugend­li­chen aus ihrem fami­liä­ren und eth­no­kul­tu­rel­len Umfeld, raubt ihnen diese Teil ihrer Iden­ti­tät und pflanzt ihnen eine neue ein. Sie werden, wie ein uner­fah­re­ner Rekrut aus dem Mili­tär­trans­por­ter, auf das Schlacht­feld des hei­li­gen Krie­ges, gegen die Ungläu­bi­gen geschubst, wo sie ihre neu erlang­te Iden­ti­tät mög­lichst rasch als „Mär­ty­rer“ opfern sollen.

 

Wer in dieser uni­ver­sa­lis­ti­schen Wir­kung des Islams eine „moder­ne“ Aus­prä­gung oder eine von ihr beein­fluss­te Abwehr­be­we­gung zur Moder­ne sieht, irrt sich. Bereits der Ur-Islam hatte genau die­sel­be fami­li­en­spal­ten­de, tra­di­tio­nen-ver­nich­ten­de, anti-iden­ti­tä­re Wir­kung, wie seine Ent­ste­hungs­ge­schich­te zeigt. Der Ein­zi­ge, der in diesem Trau­er­spiel, dass viel­leicht die wahre kul­tu­rel­le Viel­falt und künst­le­ri­sche Schön­heit eines halben Kon­ti­nents für immer ver­schüt­tet hat, wirk­lich sym­pa­thisch erscheint, ist Abu Talib, der Onkel Moham­meds, der bis zu seinem Tod die Kon­ver­si­on ver­wei­ger­te, weil er, gegen den uni­ver­sa­lis­ti­schen Wahr­heits­an­spruch des Islams, den Tra­di­tio­nen seiner Vor­fah­ren treu blei­ben wollte.

 

Der Waha­bis­mus und der Dschi­ha­dis­mus sind eher ein „Neu­aus­bruch“ dieses in kul­tu­rel­len und loka­len Tra­di­tio­nen gleich­sam ein­ge­trock­ne­ten isla­mi­schen Geis­tes. Sie sind heute so „modern“ wie sie es damals vor 1500 Jahren waren. Der Islam und der Dschi­ha­dis­mus knüp­fen direkt an die anti-iden­ti­tä­re Gleich­heits- und Mensch­heits­ideo­lo­gie der Moder­ne und ihrem Deck­wort des „Welt­frie­dens“ an. So ist es kein Bruch, son­dern nur eine Wen­dung des Den­kens, wenn der Dschi­ha­dist aus Wien „Firas Houidi“ in seiner Kind­heit vom „Welt­frie­den“  träum­te und diesen nun mit radi­kal-isla­mi­schen Mit­teln errei­chen will. Der Islam ist tat­säch­lich eine Form von „Frie­den“, von Befrie­dung, Ruhig­stel­lung, Ver­ein­heit­li­chung der Welt unter einem ein­zi­gen Nenner. Er strebt wie der Libe­ra­lis­mus ein „Ende der Geschich­te“ an, eine totale Tötung aller geis­ti­gen Viel­falt und Frei­heit, die not­wen­dig Span­nun­gen und Kon­flik­te erzeu­gen. Der isla­mi­sche Welt­frie­de ist eine Fried­hofs­ru­he.
Der glo­ba­le Dschi­ha­dis­mus hat auch als Kol­lek­tiv starke Ähn­lich­kei­ten mit der „Mensch­heit“ der west­li­chen Welt. Die anti­ras­sis­ti­schen rants isla­mi­scher Wan­der­sala­fis­ten glei­chen den staat­lich finan­zier­ten Anti­ras­sis­mus-Spots fast bis aufs Haar. Der gemein­sa­me Feind aller Uni­ver­sa­lis­ten, reli­giö­ser und ideo­lo­gi­scher Cou­leur sind wie immer die freien Völker, die fami­liä­ren und natio­na­len Tra­di­tio­nen und ihre Bewah­rung. Wenn also der libe­ra­le Westen mit seinem Pro­jekt des Welt­mark­tes und des Welt­frie­dens­staat der einen Mensch­heit gegen den radi­ka­len Islam mit seinem Pro­jekt der Weltum­ma im isla­mi­schen Welt­frie­dens­reich kämpft, so ist das im Grunde eine uni­ver­sa­lis­ti­scher Bin­nen­kon­flikt. Wir Iden­ti­tä­re wählen hier kein Lager, son­dern behaup­ten gegen beide Feinde unser eige­nes Dasein, die Frei­heit und Eigen­stän­dig­keit Euro­pas zwi­schen zwei Blö­cken.

 

Frei­lich haben der Libe­ra­lis­mus und der Isla­mis­mus unter­schied­li­che Wir­kun­gen und es macht in der Tat poli­tisch einen Unter­schied, ob man nach Man­fred Kleine-Hart­la­ge, „in Wasser oder Salz­säu­re“ auf­ge­löst wird. Betrach­tet man aber das Wesen von Islam und Libe­ra­lis­mus, so muss man bezüg­lich ihres Uni­ver­sa­lis­mus eine klare Gemein­sam­keit erken­nen. Ebenso wie die Mos­lems glau­ben, dass alle Kinder eigent­lich als Musel­ma­nen auf die Welt kommen, erst von ihrer heid­ni­schen Umge­bung ver­zo­gen werden und dann unbe­wusst der isla­mi­schen Bot­schaft zur Rück­be­keh­rung harren, so glau­ben die Ame­ri­ka­ner, dass sich alle Men­schen von Natur aus nach dem ame­ri­can way of life sehnen und nur darauf warten, von Droh­nen und Bom­bern von ihren „Tyran­nen“ befreit zu werden. Aus iden­ti­tä­rer Sicht müssen wir Ame­ri­ka­nern und Dschi­ha­dis­ten ent­täu­schen: keiner wartet auf euch. Ihr könnt der Welt gestoh­len blei­ben.

 

Der andere Islam vs. Reislamisierung

 

Wir haben in diesem Text sehr harsch über den Islam geur­teilt. Er wurde in seinem Wesen uni­ver­sa­lis­tisch und damit theo­re­tisch gegen Tra­di­ti­on und Fami­lie und prak­tisch gegen Eth­nop­lu­ra­lis­mus gerich­tet, beschrie­ben. Tat­säch­lich wollen wir an dieser klaren These nichts zurück­neh­men. Nach allem was wir wissen, stellt sich der Islam als ein typisch uni­ver­sa­lis­ti­sches System dar, indem die Viel­falt der Kul­tu­ren einer ein­fäl­ti­gen Schwarz-Weiß-Unter­schei­dung wei­chen muss, die Völker und Fami­li­en zer­reißt und dann aus der „Gemein­schaft der Gläu­bi­gen“ ein neues mord­lüs­ter­nes Kol­lek­tiv bas­telt, indem frei­lich Hier­ar­chie, Fami­lie, Geschlecht, etc. wieder etwas gelten. Ja, sie werden sogar, weil nicht aus einer Tra­di­ti­on gewach­sen, son­dern durch Allahs mono­li­thi­sches Gesetz bedingt, dog­ma­tisch gegen jede Ver­än­de­rung ver­här­tet. Diese star­ren Struk­tu­ren sind gleich­sam eine „Tra­di­ti­on gewor­de­ne Anti­tra­di­ti­on“.

 

Es gibt jedoch auch einen ande­ren Islam. Einen Islam, der seinen uni­ver­sa­lis­ti­schen und dog­ma­ti­schen Ursprung weit­ge­hend auf­ge­ge­ben hat, in Phi­lo­so­phie und Mystik auf­ge­gan­gen ist und durch­aus inter­es­san­te und beach­tens­wer­te lite­ra­ri­sche und kul­tu­rel­le Zeug­nis­se geschaf­fen hat. Man kann diesen Islam, auf den sich Tra­di­tio­na­lis­ten, von Evola, über Schuon bis Dugin, posi­tiv bezie­hen grob im Bereich der Schia und des Sufis­mus ver­or­ten. Es wäre wie­der­um zu umfang­reich, tiefer auf diese Strö­mun­gen ein­zu­ge­hen. Hier reicht es uns, die zwei wesent­li­chen Ele­men­te fest­zu­hal­ten, die dazu führen, dass sie den Uni­ver­sa­lis­mus des Islams gleich­sam „neu­tra­li­sie­ren“. Es sind ers­tens eso­te­ri­sche Mystik und zwei­tes eth­no­kul­tu­rel­le Ver­wur­ze­lung.

 

Im Schii­ten­tum, neben der Sunnah die große zweite Strö­mung im Islam, beginnt sehr früh ein Bruch mit der anti-ido­la­tri­schen, welt­frem­den Linie des otho­do­xen Islams.Es ging in dem uris­la­mi­schen Schis­ma kon­kret um die Frage der Erb­fol­ge Moham­meds. Wäh­rend die Sun­ni­ten, sicher­lich eher dem Wesen und der Idee des Islams ent­spre­chend, eine von bestimm­ten Per­so­nen oder Erbli­ni­en abs­tra­hier­te Lei­tung nach for­mel­len Glau­bens-Prin­zi­pi­en for­der­ten, wollte eine andere Gruppe den Schwie­ger­sohn Moham­meds, Ali, als Führer. Für sie spiel­te die Tat­sa­che, dass er Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger war, eine große Rolle. Es ging ihnen mehr um die cha­ris­ma­ti­sche Auto­ri­tät als um das büro­kra­tisch-dog­ma­ti­sche Kon­zept einer Buch­re­li­gi­on.

 
Als Ali im Dia­do­chen­streit ums Leben kam, ent­spann sich auch um seine Person sofort ein Opfer­kult, der unter ande­rem ein wenig der Chris­to­lo­gie ähnelt. Ali und der Pro­phet wurden in der Schia her­vor­ge­ho­ben, gera­de­zu ver­gött­licht. Aus diesem Grund­den­ken, dass die totale, exklu­si­ve Tren­nung zwi­schen dem ein­zi­gen Gott und der Welt, zwi­schen Schöp­fer und Geschöpf locker­te, spros­sen, wie im katho­li­schen Chris­ten­tum, tau­sen­de lokale Bräu­che und Riten hervor. Die starke natio­na­le per­si­sche Kultur, in der die Schia blühte, tat ihr Übri­ges dazu. Im Schii­ten­tum gibt es einen Plu­ra­lis­mus an hei­li­gen Stät­ten, Bräu­chen, Riten und Schu­len, wäh­rend es im Islam einzig und allein Mekka als „hei­li­ge Stätte“ gibt, die selbst aber nichts Hei­li­ges an sich hat. Einen Stein der Kaaba für wun­der­tä­tig zu halten ist für echte Mos­lems Sünde, ebenso wie zu glau­ben, ein Beten vor dem Grab Moham­meds wäre beson­ders segens­reich.

 

Der Hadsch nach Mekka exis­tiert, ebenso wie der Rama­dan, einzig und allein, weil es als juris­ti­sche Anord­nung Gottes im Koran steht. Heilig wird das nicht aus eige­ner Kraft, son­dern nur weil man damit eine Anwei­sung Allahs befolgt. In der Person Alis ist auch ein Bruch der Shia mit dem anti­staat­li­chen, apo­li­ti­schen Fana­tis­mus des Islams vor­ge­zeich­net. Seine cha­ris­ma­ti­sche, ver­erb­te Herr­scher­wür­de schlug sich in der Tra­di­ti­on der Aya­thol­las, in der Idee hei­li­ger, beson­de­rer, reli­giö­ser und poli­ti­scher Führer nieder, die im klas­si­schen Islam (abge­se­hen von der anders gear­te­ten Rolle des Kali­fen) in dieser Form nicht denk­bar sind. Oft endet das in natio­na­lis­ti­schen Uni­ver­sa­lis­men, die struk­tu­rell teils dem Juda­is­mus nach­emp­fun­den sind. Das macht sie natür­lich immer noch kri­tik­wür­dig aber weni­ger geschichts­wirk­sam. Im Schii­ten­tum fand so, in gewis­ser Weise, eine gesun­de und viel­fäl­ti­ge Kul­tu­ra­li­sie­rung und Ver­wur­ze­lung des rast­lo­sen, expan­sio­nis­ti­schen Islam-Uni­ver­sa­lis­mus statt.

 

Der andere wich­ti­ge Punkt für die gele­gent­li­che Bre­chung seiner uni­ver­sa­lis­ti­schen Stoß­kraft war die Mystik und Eso­te­rik, für welche die Tra­di­ti­on des Sufis­mus steht. Diese sehen im Koran letzt­lich eine eso­te­ri­sche Wahr­heit ver­bor­gen, die meta­pho­risch umschrie­ben ist. In klas­si­scher medi­ta­ti­ver Praxis, in Atem-, Denk- und Sprech­übun­gen ist es ein­ge­weih­ten Orden vor­be­hal­ten, dieser tie­fe­ren, eso­te­ri­schen (von gr. esote­ros- innen) Wahr­heit nach­zu­fra­gen. In seinen höchs­ten Blüten erreicht der Sufis­mus Ähn­lich­kei­ten mit euro­pä­isch-christ­li­cher Mystik, mit dem asia­ti­schen Zen und dem hin­du­is­ti­schen Bud­dhis­mus. Er ist auch und vor allem der Islam, den euro­päi­sche inte­gra­le Tra­di­tio­na­lis­ten wie Schoun, Guenon, Myatt und andere für sich ent­deck­ten. In ihm wird — aus­drück­lich oder impli­zit — auch der Koran nur mehr eine von vielen Emana­tio­nen des Gött­li­chen. Er wird zu einem Zei­chen und Ver­weis auf das Urgött­li­che, dessen Namen und Form, ja die Frage nach seinem Sein in mensch­li­chem Ermes­sen nicht zu beant­wor­ten ist. Dieser Gott „ist“ nicht. Er ist nur in der Eksta­se und Ver­tie­fung, in einem ur-per­sön­li­chen ewigen Augen­blick erleb- und erfahr­bar.

 

Auf diesem Gott mit seinen unzäh­li­gen, unzu­rei­chen­den Namen, den als Frage und Suche im Grunde wenig vom Tatvam asi der Inder, vom hen kai pan der Grie­chen, etc. unter­schei­det, kann man keinen poli­ti­schen Uni­ver­sa­lis­mus auf­bau­en. Das Sufi­tum und die isla­mi­sche Phi­lo­so­phie, sofern und sobald sie mit dem dog­ma­ti­schen und exklu­siv-uni­ver­sa­lis­ti­schen Koran­ver­ständ­nis brach, wurde auch sofort von der moham­me­da­ni­schen Ortho­do­xie als Fremd­kör­per erkannt und teils brutal ver­folgt. Sobald sie erkann­ten, dass, sobald man den Koran und ara­bisch-isla­mi­sche Reli­gio­si­tät mehr als eine Suche und Frage in einem ganzen Reigen ande­rer Tra­di­tio­nen betrach­tet, denn als fer­ti­ge, dog­ma­ti­sche und expor­tier­ba­re Ant­wort, bra­chen die Sufis letzt­lich mit der uni­ver­sa­lis­ti­schen Idee des Islams – ob sie es wahr­ha­ben woll­ten oder nicht.

 

Schia und Sufi­tum, als grob gefass­te Strö­mun­gen, können des­we­gen als ein ande­rer und nicht intrin­sisch anti-iden­ti­tä­rer Islam ver­stan­den werden, weil und inso­fern sie mit dessen uni­ver­sa­lis­ti­schem Urver­ständ­nis gebro­chen, es kul­tu­ra­li­siert und mys­tisch umge­deu­tet haben. Auch der Islam, der in eini­gen Regio­nen Euro­pas, etwa in Bos­ni­en, seit langer Zeit besteht, konnte auf diesem Weg ent­schärft und kul­tu­ra­li­siert werden. Inwie­weit Schia und Sufis­mus hier wirk­lich nach­hal­tig und dau­er­haft eine anti-iden­ti­tä­re, uni­ver­sa­lis­ti­sche Stoß­kraft bre­chen konn­ten, ist im Detail eine andere und kom­ple­xe Frage. Uns geht es hier eher um die Ebene der Theo­rie. Geis­tig ist ein klarer Bruch da.
Heute werden aber selbst diese Gebie­te im Zuge der euro­pa­wei­ten sala­fis­ti­schen Reform und Re-Isla­mi­sie­rung, die eine uni­ver­sa­lis­ti­sches „back to the roots“ aus­ge­ru­fen hat, mit­ge­ris­sen. Über­all erweckt dieser Ruf die schla­fen­den, anti-iden­ti­tä­ren Aspek­te des Islams neu und sprengt erneut, von innen heraus, Fami­li­en, Kul­tu­ren und Tra­di­tio­nen. Den­noch ist die, in diesem Kapi­tel gemach­te Unter­schei­dung, wich­tig.

 

Universalismus als Hauptfeind

 

Es ist wich­tig zu wissen, dass man im Isla­mis­mus, Dschi­ha­dis­mus, Sala­fis­mus (und welche Ablen­kungs­be­grif­fe sich die Medien noch für die Isla­mi­sie­rung Euro­pas ein­fal­len lassen werden) nicht den Islam als Haupt­feind, son­dern als einen reli­giö­sen Ver­tre­ter des Uni­ver­sa­lis­mus bekämpft. Die Idee der Umma, der Wahn der Welt­mis­si­on, der unduld­sa­me Fana­tis­mus, der auch dem letz­ten Winkel der Welt das eigene Denken auf­zwin­gen will, ist der Feind. Der Islam ist nur eine von vielen Cha­rak­ter­mas­ken des Uni­ver­sa­lis­mus. Zum abso­lu­ten und tota­len Feind­bild sti­li­sie­ren ihn immer die­je­ni­gen, die selbst ein uni­ver­sa­lis­ti­schen Pro­jekt ver­fol­gen, für wel­ches Weltum­ma und Glo­bal­ka­li­fat letzt­lich eine Kon­kur­renz am selben Markt sind. Im Islam letzt­lich den Uni­ver­sa­lis­mus zu erken­nen und zu bekämp­fen, ermög­licht auch erst zwi­schen ver­schie­de­nen Formen des Islams zu unter­schei­den, sowie einen Kampf gegen die Isla­mi­sie­rung Euro­pas etwa nicht gegen alle eth­ni­sche Euro­pä­er zu rich­ten, die im Zuge der mos­le­mi­schen Expan­si­ons­krie­ge zwangs­be­kehrt wurden.

 

Primär rich­tet sich die iden­ti­tä­re Idee, als defen­si­ve Reak­ti­on auf Atta­cken und Anma­ßun­gen Ande­rer, gegen die Isla­mi­sie­rung, also das Vor- und Ein­drin­gen des Islams nach Europa, das ein Neben­ef­fekt der Mas­sen­ein­wan­de­rung ist. Aus iden­ti­tä­rer Sicht, deren zen­tra­ler Punkt die Wei­ter­füh­rung der eige­nen eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät ist, wäre selbst­ver­ständ­lich auch eine „Bud­dhi­sie­rung“ durch Mas­sen­ein­wan­de­rung von und Bevöl­ke­rungs­aus­tausch mit Thai­län­dern kom­pro­miss­los abzu­leh­nen. Aus dieser Erkennt­nis, dass es in der Frage der Mas­sen­ein­wan­de­rung und Isla­mi­sie­rung nicht nur um Reli­gi­on geht, aller­dings einen „blin­den Fleck“ in der Uni­ver­sa­lis­mus­kri­tik zuzu­las­sen, wäre eine fal­sche Über­re­ak­ti­on auf neo­kon­ser­va­ti­ve Ver­teu­fe­lung des Islams.

 

Er ist in seinem Wesen und seiner über­wie­gen­den, ortho­do­xen Form uni­ver­sa­lis­tisch und konnte nur stel­len­wei­se in einem inne­ren Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess mys­tisch gezähmt und eth­no­kul­tu­rell ver­wur­zelt werden. Eine iden­ti­tä­re Islam­kri­tik, der es um mehr als nur den reli­giö­sen Neben­ef­fekt zum großen demo­gra­phi­schen „Aus­tausch“ geht, muss also in aller­ers­ter Linie Uni­ver­sa­lis­mus­kri­tik sein. Ihr ist wesens­ge­mäß, dass sie nicht einen „hei­li­gen“ glo­ba­len Krieg gegen einen bestimm­ten Ver­tre­ter des Uni­ver­sa­lis­mus aus­ruft und sich mit all seinen Geg­nern in einer inter­na­tio­na­len Front­li­nie ver­bün­det. Ori­en­ta­li­sche Chris­ten sind nicht Teil der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, die Euro­pä­er erhal­ten wollen — was christ­li­chen Euro­pä­ern nicht ver­bie­tet, sich privat und per­sön­lich mit ihnen soli­da­risch zu erklä­ren und ihnen zu helfen, solan­ge sie daraus kein poli­ti­sches Ziel oder eine iden­ti­tä­re Pflicht Euro­pas machen wollen.

 

Den­noch kann eine echter Kri­ti­ker der Gesamt­heit des Wahn­sinns, den der Uni­ver­sa­lis­mus in all seinen Formen über die Welt gebracht hat, nicht umhin, eine gewis­se, stille Soli­da­ri­tät mit allen tra­di­tio­na­len Kul­tu­ren und Völ­kern zu ver­spü­ren, die ihm zum Opfer fielen und fallen.

 

Im Fall des Islams gilt diese stille Trauer um das unwie­der­bring­lich ver­lo­re­ne, abge­ris­se­ne, aus­ge­merz­te, in erster Linie der unend­li­chen Viel­falt der ara­bi­schen und nord­afri­ka­ni­schen, Reli­gio­si­tät, bevor sie zum ersten Opfer des isla­mi­schen Uni­ver­sa­lis­mus wurde. Nur noch ein paar „sata­ni­sche Verse“ zeugen von ihrer eins­ti­gen Größe. Unser Mit­ge­fühl gilt den alten Göt­tern Mekkas, die gleich­zei­tig einen Reich­tum, eine reli­giö­se Tole­ranz sym­bo­li­sie­ren und in der Kaaba, in ihrer wahren Bedeu­tung, eine gemein­sa­me Fei­er­stät­te des Gött­li­chen, einen semi­ti­schen Par­nass der Stämme und Kul­tu­ren bil­de­te, der ihre Gegen­sät­ze, zumin­dest für einige Tage, zu Tanz und Gesän­gen „froh ver­ein­te“ um mit Schil­ler zu spre­chen. Er steht für eine Gelas­sen­heit, die Gegen­sät­ze ver­söhnt, ohne sie auf­zu­he­ben. Dieser Gelas­sen­heit, die immer auch eine Bewah­rung und Behaup­tung des Eige­nen bedeu­tet, blieb Abu Talib, der hoch geach­te­te Onkel von Moham­med treu, als er, von fana­ti­schen Moham­me­da­nern zur Kon­ver­si­on bedrängt, am Ster­be­bett schon kaum mehr Herr seiner Sinne, in seinen letz­ten Worten die Treue zur Reli­gi­on seiner Ahnen erneu­er­te.

 

Abu Talib war iden­ti­tär. Laut dem Koran schmort er in der Hölle. Wenn der Gott des sala­fis­ti­schen Koran­ver­ständ­nis und des uni­ver­sa­lis­ti­schen Islams der wahre Gott wäre, so würden wir mit Freude einen Platz neben ihm und unse­ren Vor­fah­ren ein­neh­men.

 


1) Tat­säch­lich brach­te der Islam, wie heute die Mos­lems gebets­müh­len­ar­tig beteu­ern, damals eine Ver­än­de­rung in der Stel­lung der Frau, der Skla­ven, etc. Ein gewis­ser Aspekt der jüdi­schen Idee der Hei­lig­keit des Lebens und des uni­ver­sa­lis­ti­schen Ega­li­ta­ris­mus, brach­te, ähn­lich wie die heu­ti­gen Men­schen­rech­te, tat­säch­lich eine inhalt­li­che Ver­än­de­rung für die „kon­ver­tier­ten“ Stam­mes­ge­sell­schaf­ten. Diese Argu­men­ta­ti­on über die Frage, was nun „huma­ner“ oder „grau­sa­mer“ war, ist aber eine reine Ablen­kung von der wesent­li­chen Frage.

 

Ethi­sche Kritik und sozia­le und recht­li­che Ver­än­de­run­gen in der Frage der Stel­lung der Frau, in Lohn/Sklaverei, in sozia­len Hier­ar­chi­en, Folter, etc. gab es auch in nicht­uni­ver­sa­lis­ti­schen, heid­ni­schen Gesell­schaf­ten. Diese Kritik für den ideo­lo­gi­schen und reli­giö­sen Uni­ver­sa­lis­mus zu rekla­mie­ren ist eine Frech­heit. Die uni­ver­sa­lis­ti­sche, mora­lis­ti­sche Kritik an Herr­schafts­ver­hält­nis­sen, die sich aus ihrem uto­pi­schen Wahn tota­ler Gleich­heit speist, hat zwei Schwä­chen gegen­über einer iden­ti­tä­ren Ethik. Sie ist nicht vom Denken und Fragen, Debat­te und Dyna­mik getra­gen, son­dern baut auf dog­ma­ti­sche Set­zun­gen auf, die „self-evi­dent“ sind. Zwei­tes hat sie auf­grund ihres uni­ver­sa­lis­ti­schen-ega­li­tä­ren Wahns auch immer eine expan­si­ve Ziel­set­zung, in der sie REGELMÄSSIG ein aus­er­wähl­tes Kol­lek­tiv for­miert und für die „Ande­ren außer­halb“ die eige­nen mora­li­schen Stan­dards total auf­hebt. Damit fällt sie, in ihrer Feind­be­stim­mung und Grau­sam­keit, dem „Ande­ren“ gegen­über regel­mä­ßig unter jedes, nicht-uni­ver­sa­lis­ti­sche „heid­ni­sche“ Niveau einer Ethik, die man oft auch dem Feind und Anders­gläu­bi­gen gegen­über hatte. Wer für die Mensch­heit und den neuen Über­men­schen kämpft, kämpft auto­ma­tisch gegen Un- und Unter­men­schen. Wer für eine aus­er­wähl­te Gemein­schaft des einen Gottes ficht, ficht auto­ma­tisch gegen die mani­fes­ten Horden Satans.…

 

Recht ver­stan­de­ne Uni­ver­sa­lis­mus­kri­tik bringt also mit­nich­ten einen tota­len ethi­schen Rela­ti­vis­mus oder ein „Recht des Stär­ke­ren“. Sie kri­ti­siert viel­mehr die Heu­che­lei und den Dog­ma­tis­mus der uni­ver­sa­lis­ti­schen Mora­li­tät. Das aber nur solan­ge sie nicht in ein Spie­gel- und Zerr­bild des Uni­ver­sa­lis­mus kippt, wie das die 3PT in ihrem Miss­ver­ständ­nis von Nietz­sche tat.

2 Comments
  1. Severin H.

    April 7, 2018 10:54 am

    Was bedeu­tet cal­vi­nis­ti­sche Staats­feind­lich­keit? Calvin räumt der Obrig­keit, in der Tra­di­ti­on Luthers, eine eigene Wer­tig­keit ein, die sich direkt von Gott ablei­tet. In gera­de­zu eth­nop­lu­ra­lis­ti­scher Weise ruft er dazu auf, bei der Fest­le­gung von Bestra­fun­gen die Tra­di­ti­on der Völker zu berück­sich­ti­gen. Inso­fern spricht er sich expli­zit gegen eine Uni­ver­sa­li­sie­rung des mosai­schen Straf­ge­set­zes aus. Welt­li­che Herr­schaft ist abge­lei­te­te Herr­schaft von der Herr­schaft Gottes. Sie hat von Gott zwar eine eigene Wür­dig­keit emp­fan­gen, ist aber gleich­zei­tig auch unter Gott und diesem somit zu Gehor­sam ver­pflich­tet. Regie­rung ist eine hei­li­ge Pflicht und mit Ver­ant­wor­tung ver­bun­den. Der Mensch ist der Regie­rung zu Ehr­er­bie­tung und Gehor­sam ver­pflich­tet. Da die Regie­run­gen eine eigene Wür­dig­keit haben und durch Gottes Vor­se­hung ein­ge­setzt sind, erstreckt sich die Gehor­sams­pflicht auch auf unge­rech­te Regie­run­gen. Die ein­zi­ge Aus­nah­me bilden Anord­nun­gen, die Gottes Gesetz wider­spre­chen. Dann ist Unge­hor­sam gebo­ten. Als Räche­rin an Gottes Statt hat einzig die Regie­rung die Erlaub­nis, als ultima ratio Gewalt anzu­wen­den. Vgl. Insti­tu­tio IV,20

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