Vlas­sis Ras­si­as ist für uns kein Unbe­kann­ter. Er ist ein hel­le­ni­scher Neu­hei­de. Im Unter­schied zu vielen ande­ren Neo­pa­ga­nis­ten ist sein Ansatz durch die phi­lo­so­phi­schen Impli­ka­tio­nen beson­ders inter­es­sant. Schließ­lich beruft er sich nicht nur auf eine ver­schüt­te­te Folk­lo­re, bruch­stück­haft über­lie­fer­te Ritua­le und der­glei­chen.

 

Sein Bezugs­punkt, den er gegen den Mono­the­is­mus in Stel­lung bringt, ist eine der bes­terforsch­tes­ten und meist­kom­men­tier­ten Peri­ode der Geis­tes­ge­schich­te — die grie­chi­sche Phi­lo­so­phie. Da er rela­tiv unbe­kannt und wir leider des Grie­chi­schen nicht mäch­tig sind, müssen wir von einer nähe­ren Ana­ly­se seiner Gedan­ken und Schrif­ten abse­hen. Eine kleine Ein­füh­rung in sein Denken gibt es hier auf Deutsch.

 

Vlas­sis Kritik am Chris­ten­tum ist, trotz seiner popu­lis­ti­schen, wohl etwas rei­ße­ri­schen Werke über die Hei­den­ver­fol­gung der Kirche, phi­lo­so­phisch ernst zu nehmen und trifft in vielen Berei­chen unsere Kritik am Uni­ver­sa­lis­mus. Die Tat­sa­che, dass ein Poly­the­is­mus, der Annah­me und stil­len Ver­eh­rung eines summmum bonum bzw deus abscon­di­tus, eben­so­we­nig im Wege stehen wie eine Volks- und Sprach­ge­mein­schaf­ten über­stei­gen­de Ehr­er­bie­tung und Ver­bun­den­heit, wird durch die vor­christ­li­che Phi­lo­so­phie, ins­be­son­de­re den Pla­to­nis­mus hin­läng­lich bewie­sen.

 

Vlas­sis erkennt auch klar, dass der wahre Unter­schied zwi­schen uni­ver­sa­lis­ti­schem Mono­the­is­mus und eth­nop­lu­ra­lis­ti­schen Poly­the­is­mus weni­ger in der Anzahl der Götter besteht, als in der Bezie­hung Gottes zur Welt. Die Frage, ob eine crea­tio ex nihil den Kosmos auf eine linea­re Zeit­ach­se spannt, die unwei­ger­lich dem Ende der Zeiten/Geschichte ent­ge­gen­schnurrt, die Frage, ob eine Idee des Guten sich als per­sön­li­cher Gott auf der Erde offen­bart, Völker und Men­schen aus­er­wählt — das sind die wahren Unter­schie­de zwi­schen anti­ker und christ­li­cher Reli­gio­si­tät, die moder­ne Athe­is­ten plump über einen Kamm sche­ren.

 

Das Nach­den­ken über diese Fragen ist, wir beto­nen es immer wieder, nicht nur belang­lo­se phi­lo­so­phi­sche Übung, son­dern eine radi­ka­le Her­an­ge­hens­wei­se an die moder­nen Pro­ble­me. Von Nietz­sche bis hin zu Weber ver­wei­sen alle großen Denker auf die Genea­lo­gie moder­ner Ideo­lo­gi­en bis hin zu ihrem reli­giö­sen Ursprung. Diese Genea­lo­gie ist meist den­je­ni­gen am wenigs­ten bewusst, die sich mitten in ihrer Tra­di­ti­ons­li­nie befin­den, von der sie vor allem einen selbst­herr­li­chen Abso­lut­heits­an­spruch über­nom­men haben: Den Mar­xis­ten.

 

Die uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gi­en der Neu­zeit sind ganz klar säku­la­re Ver­sio­nen judäo-christ­li­cher Reli­gion­auf­fas­sung. Ihre linea­re, fort­schritts­ge­präg­te Geschichts­auf­fas­sung, ihr glo­ba­ler Herr­schafts- und Mis­si­ons­an­spruch, ihre ent­hu­ma­ni­sie­ren­de Unter­schei­dung der Mensch­heit in eine gute und eine schlech­te Hälfte und auch ihre ten­den­zi­el­le Feind­schaft gegen orga­nisch gewach­se­ne Gemein­schaf­ten lassen auf eine Erb­ver­wandt­schaft schlie­ßen. Nicht umsonst war, wie Vlas­sis auf­weist, „Eth­ni­kos“ in christ­li­cher Dik­ti­on eine pejo­ra­ti­ve Bezeich­nung für den nicht­mis­sio­nier­ten Igno­ran­ten, der im auf­zu­klä­ren­den Dar al-Harb lebt. Auch die „gen­ti­les“, die Völker, wurden nach jüdi­schem Sprach­ge­brauch mit ver­damm­ten Heiden gleich­ge­setzt.

 

Neo­pa­ga­nis­mus – Hip­pie­hei­den­tum

 

Wir ziehen unsere Haupt­in­spi­ra­ti­on aus den Schrif­ten der nou­vel­le droite, nou­vel­le ecole und nou­vel­le cul­tu­re — auch der nomi­na­lis­ti­sche Kon­ser­va­ti­vis­mus Moh­lers, der heroi­sche Sub­jek­ti­vis­mus Jün­gers, Nietz­sches Hammer-Phi­lo­so­phie und Hei­deg­gers Fragen sind für uns wich­ti­ge Denk­an­stö­ße. Wieder und wieder stoßen unsere krei­sen­den Gedan­ken mit dem Chris­ten­tum zusam­men.

 

Wie unsere Leser wissen, legen wir dabei großen Wert auf die Unter­schei­dung des Urchris­ten­tums und seinen evan­ge­li­ka­len, sek­tie­re­ri­schen Wie­der­gän­gern vom römi­schen Katho­li­zis­mus. Weit ent­fernt von moder­ner, athe­is­ti­scher Retho­rik ist uns auch das gut­mensch­li­che Lamen­tie­ren von Hexen­ver­fol­gun­gen, etc. etc., das Ein­stim­men in den eman­zi­pa­to­ri­schen Chor der Kir­chen­kri­ti­ker, zuwi­der.

 

Auch eine bloß prag­ma­ti­sche Hal­tung dem iden­ti­täts­stif­ten­den Kul­tur­chris­ten­tum gegen­über wider­spricht dem tiefen Ernst, mit dem wir uns dieser Frage nähern — wir sind ja in der glück­li­chen Lage keinen Par­tei­ge­nos­sen oder keiner zah­len­den Leser­schaft eine allzu unbe­hag­li­che Lek­tü­re erspa­ren zu müssen. Wir stoßen gerne allen mög­li­chen Leuten, selbst guten Freun­den, vor den Kopf. Wir lieben sie, aber die Wahr­heit lieben wir mehr.…

 

Abseits von jeder stra­te­gi­schen Nütz­lich­keits­er­wä­gung ist die Frage, wie wir, ein­ge­denk der oben erwähn­ten Lehrer, zum tra­di­tio­nel­len Katho­li­zis­mus ver­hal­ten sollen, keine leich­te. Eine weite Über­ein­stim­mung in vielen Ansich­ten ändert nichts an der Tat­sa­che, dass sie Teil einer geis­ti­gen Tra­di­ti­on sind, die die allei­ni­ge Schuld an unse­rem heu­ti­gen Elend trägt.

 

Denn schwach und brü­chig sind offen­bar die insti­tu­tio­nel­len Gefäße einer uni­ver­sa­lis­ti­schen Religion/Idee. Schnell kann sie in die Kata­kom­ben der Ord­nun­gen gelan­gen, die sie selbst grün­de­te und stützt. Schnell kann sie in ihr Gegen­teil umschla­gen und sich als (schein­ba­re) „Anti­se­lig­prei­sung“ zur Kennt­lich­keit ver­zer­ren.

 

In seiner glo­ba­len Aus­brei­tung hin­ter­ließ das ster­ben­den Chris­ten­tum auch einen glo­ba­len Athe­is­mus und eine glo­ba­le Deka­denz, einen Wahn vom Mensch­heits­fort­schritt und Welt­staat, der zwar ein ande­res Objekt zum Zen­trum seines schwar­zen Mythos machte (Mensch statt Gott), dessen uni­ver­sa­lis­ti­sche Denk­struk­tu­ren aber die­sel­ben des Chris­ten­tums sind.

 

Auch neu­heid­ni­sche Bewe­gun­gen ver­hed­dern sich leicht in dieser Matrix und brach­ten zwei dege­ne­ra­ti­ve Typen hervor, denen wir auf unse­rer geistig/politischen Suche (neben vielen ande­ren ernst­haf­ten Suchern) über den Weg liefen. Eine vor allem in bün­disch-völ­ki­schen Berei­chen ver­or­te­te Gruppe von Athe­is­ten und Mate­ria­lis­ten über­nimmt das Hei­den­tum als reine kul­tu­rel­le Folk­lo­re, der bloß evo­lu­tio­nä­re Vor­tei­le zuge­schrie­ben werden. Der nor­di­sche Mensch wird als ewiger Natur­wis­sen­schaft­ler beschrie­ben, dessen Göt­ter­my­then immer schon nur Meta­phern für moder­ne Tech­nik waren.

 

Bei der ande­ren Gruppe, die vor allem in unpo­li­ti­schen Berei­chen und Sub­kul­tu­ren zu finden ist, han­delt es sich um uner­träg­li­che Hip­pie­hei­den, die eine pein­li­che, main­streamtaug­li­che „Kir­chen­kri­tik“ a la Desch­ner mit einem post­mo­der­nen Tri­ba­lis­mus ver­bin­den. Man bezieht sich meist nur auf die Kelten und reitet auf der lächer­li­chen Eso­te­ri­k­wel­le mit. Urmut­ter­kul­te, Urschrei­the­ra­phi­en, Kom­mu­nen und post­mo­der­ne Belie­big­keit regie­ren diese Szene, die sich her­vor­ra­gend in den mul­ti­kul­tu­rel­len Jahr­markt der Kul­tu­ren ein­fügt.

 

Ist es bei sol­chen Alter­na­ti­ven sinn­voll, eine Kritik der christ­li­chen Ideen zu leis­ten? Nach unse­rer Ansicht ist es unum­gäng­lich, soweit sie eben in den moder­nen Ideo­lo­gi­en fort­le­ben! Dass die Gemein­schaft der tra­di­tio­na­len Katho­li­ken im Kampf um Europa ein Part­ner ist und kein Feind in einem ein­ge­bil­de­ten, neu­heid­ni­schen Black­me­tal-Rach­feld­zug, sollte irgend­wann jedem klar werden. Dass Pro­pa­gan­da in diese Rich­tung kon­tra­pro­duk­tiv ist, ver­steht sich von selbst.

 

Wie aber sollen wir auf theo­re­ti­scher Ebene mit dem Katho­li­zis­mus umge­hen? Wir wissen, wie unend­lich weit der tra­di­tio­na­le Katho­lik vom unge­bil­de­ten Mob der pro­to­kom­mu­nis­ti­schen, anti­tra­di­tio­na­len, wehr­dienst­ver­wei­gern­den, ega­li­ta­ris­ti­schen, pazi­fis­ti­schen Urchris­ten — die wohl auch optisch den heu­ti­gen Sala­fis­ten in Deutsch­land ähnel­ten — ent­fernt ist. Wir wissen, wie sehr sich das Chris­ten­tum von Islam und Juden­tum unter­schei­det und wie viel an pla­to­ni­scher Phi­lo­so­phie und heid­ni­schen Kulten es in sich auf­ge­nom­men hat.

 

Ein tra­di­tio­na­lis­ti­scher Ver­mitt­lungs­ver­such

 

Nie­mals würde also von uns eine Bekämp­fung oder gar ein Verbot der prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken als iden­ti­tä­re Auf­ga­be betrach­tet werden. Auch Guil­lau­me Faye belässt in seiner Zukunfts­vi­si­on in „Archeo­fu­tu­rism“ das Chris­ten­tum als euro­päi­sche Reli­gi­ons­ge­mein­schaft.

 

Die Frage ist, ob eine geis­ti­ge Ver­mitt­lung mög­lich ist. Hier könnte man genau da anset­zen, wo sich das Chris­ten­tum in seinen Wur­zeln vom Juden­tum und Islam unter­schei­det. Also seinem bil­der­ver­eh­ren­den, pla­to­nisch-phi­lo­so­phi­schen, kriegs-, lie­bens- und lebens­be­ja­hen­dem Bereich. Damit unter­schei­den wir uns total von jenen Islam­kri­ti­kern, die gerade die moder­nis­ti­schen Miß­ge­bur­ten des gefal­le­nen Chris­ten­tums, von Indi­vi­dua­lis­mus bis zu Kapi­ta­lis­mus, als seine Recht­fer­ti­gun­gen sehen.

 

Diese Unter­schie­de kommen nicht nur aus der Bei­ga­be heid­ni­scher Sym­bo­lik und grie­chi­scher Phi­lo­so­phie zum christ­li­chen Offen­ba­rungs­my­thos, son­dern ent­sprin­gen dessen Wesen. Anders als in Juden­tum und Islam begrün­det ein Bluts­op­fer die christ­li­che Reli­gi­on. Anders als in beiden Reli­gio­nen ist die Offen­ba­rung kein totes Wort eines unsicht­ba­ren Geis­tes, son­dern ein Wesen aus Fleisch und Blut, dass, wie ein heid­ni­scher Gott, in tau­sen­den Kulten und Abbil­dern Ver­eh­rung findet. Die Ver­eh­rung des Bildes, die Über­nah­me der pla­to­ni­schen Göt­ter­hier­ar­chie als Engels­hier­ar­chie und die Drei­fal­tig­keit als quasi poly­the­is­ti­sche Bei­be­hal­tung pla­to­ni­scher Ideen sind in der christ­li­chen Offen­ba­rung vor­ge­zeich­net. Ein tie­fe­res, sym­bo­li­sches, ja arche­ty­pi­sches Ver­ständ­nis von Jesus, anstatt eine Ver­klä­rung der his­to­ri­schen Person und ihrer reli­giö­sen Rebel­li­on ist ange­bracht. Letz­te­res endet immer unwei­ger­lich in der Befrei­ungs­theo­lo­gie und dem moder­nen Huma­nis­mus.

 

Mit Jesus, Maria und der Heer­schar an Lokal­hei­li­gen wurde das abs­trak­te Bil­der­ver­bot des Judäochris­ten­tums zu Grabe getra­gen und in der Schön­heit einer Venus von Milo und Michel­an­ge­los David, in der Ord­nungs­macht der katho­li­schen Kirche und der impe­ria­len Größe Roms finden Hei­den­tum und Katho­li­zis­mus den Anschein einer Ver­söh­nung. Es ist die Ver­söh­nung mit der Macht, dem Staat und dem Krieg, die das antike Chris­ten­tum unter­nahm.

 

Eine Ver­söh­nung, die in den Augen der Katho­li­ken jedoch immer nur vor­erst, im Rahmen des Katechon, als Soll an die krea­tür­li­che Welt getä­tigt wurde. Nichts­des­to­we­ni­ger erwuchs aus ihr ein quasi-heid­ni­sches Europa, in dem die (gen­ti­sche) Inte­gri­tät der Eth­ni­en nie­mals bedroht war. Die Chris­ten­heit, in deren Rahmen ein gesun­des Neben­ein­an­der der Völker unzwei­fel­haft gege­ben war. Erst mit dem (his­to­risch not­wen­di­gen) Bruch der euro­päi­schen Chris­ten­heit, rächte sich dieser Schein­frie­de in mar­ker­schüt­tern­den Reli­gi­ons­krie­gen, Natio­na­lis­men und Ideo­lo­gi­en nach christ­li­chem Vor­bild.

 

Je weiter jedoch ein tra­di­tio­na­ler Katho­lik diese Ver­söh­nung und beding­te Welt­be­ja­hung voll­zo­gen hat, je mehr seine Reli­gi­on Teil seiner Per­sön­lich­keit und nicht Teil seiner Poli­tik ist, umso mehr ist mit ihm eine Eini­gung auf theo­re­ti­scher Basis mög­lich. Dass beide Seiten hier wohl­wol­lend-arro­gan­te Hin­ter­ge­dan­ken haben (der arme Heide, dem der Glaube an die Offen­ba­rung fehlt — der arme Christ, der nicht merkt dass er eigent­lich schon heid­nisch ist) – solang diese aber Gedan­ken blei­ben, ist ein geis­ti­ger Aus­tausch mög­lich. Dabei müssen aber die Katho­li­ken ihre reli­giö­se Unduld­sam­keit auf­ge­ben und akzep­tie­ren, dass in einem zukünf­ti­gen Europa, so es eine Zukunft hat, auch heid­ni­sche Reli­gio­nen exis­tie­ren werden. Ein wenig tra­di­tio­na­lis­ti­sche Lek­tü­re als Vor­be­rei­tung darauf sei hier jedem Katho­li­ken ans Herz gelegt.

 

Ein Katho­li­zis­mus, der sich als ein, nicht der Weg zu Gott ver­steht, ohne in im Säu­rebad der inter­na­tio­na­len Öku­me­ne auf­zu­ge­hen, der seinen Ikonen und Sym­bo­len treu bleibt, aber damit auch den Plu­ra­lis­mus der Sym­bo­le und Wege, die sie impli­zie­ren, akzep­tiert. Das ist der Glaube aus dem nicht nur stra­te­gi­sche Part­ner, son­dern See­len­ver­wand­te für Iden­ti­tä­re her­vor­ge­hen könn­ten. Diese Ver­ede­lung ist aber ein Schritt, den der Katho­lik in die Rich­tung einer iden­ti­tä­ren- ganz­heit­li­chen Welt­sicht machen muss — nicht umge­kehrt. Wenn man bedenkt, welche Plagen aus den Trüm­mern seiner mit­tel­al­ter­li­chen Ord­nung, aus ihren ent­fes­sel­ten Häre­si­en und ideo­lo­gi­schen Par­o­xys­men her­vor­ge­gan­gen ist, ist diese Bring­schuld nur recht und billig.

 

Wenn Chris­tus tat­säch­lich eine gött­li­che Teo­pha­nie dar­stellt, wird dieser Schritt hin zu einem eth­nop­lu­ra­lis­tisch-kos­mi­schen Welt­bild dem Katho­li­ken gelin­gen. Denn wäre er es, würde er unmög­lich auf Dauer dem Ordo-Gedan­ken der Welt wider­spre­chen. Wenn er hin­ge­gen nur eine Etappe im dia­lek­ti­schen Fie­ber­wahn des uni­ver­sa­lis­ti­schen Mythos dar­stellt, bliebe seinen Jün­gern nur der Kat­zen­jam­mer dar­über, dass nicht mehr sie, son­dern ihre athe­is­ti­schen Erben das uni­ver­sa­lis­ti­sche Gleich­ma­chungs­pro­jekt voll­enden.

 

Anders gesagt: Wenn das Chris­ten­tum tat­säch­lich nur eine abge­hak­te his­to­ri­sche Vor­stu­fe zu den moder­nen uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gi­en ist, ist eine solche Besin­nung in seinem Rahmen nicht mög­lich. Wenn es aber mehr ist, was wir hoffen und glau­ben, so wäre eine solche Besin­nung tat­säch­lich mög­lich. Die Zukunft wird zeigen, ob es ledig­lich eine Aberri­ti­on, ein abge­wor­fe­ner Kokon des anma­ßen­den Aus­er­wählt­heits­wahns der mosai­schen Unter­schei­dung oder Teil des alten, ewig neuen Ordo-Gedan­kens ist.

 

Nur Katho­li­ken, die diesen Gedan­ken in sich tragen und ihrer Lehre zum Trotz eine tiefe Hei­mat­ver­bun­den­heit spüren, wird ebenso klar werden, dass die letzte Front gegen die totale Ver­fla­chung und den end­gül­ti­gen Eth­no­zid die Idee des Vater­lan­des ist. Dass nur mehr ein iden­ti­tä­rer, patrio­ti­scher Mythos in der Lage sein wird, auf den moder­nen Men­schen sinn­stif­tend und mobi­li­sie­rend zu wirken. Er wird erken­nen, dass die faux-amis, die sich heute kreuz­be­wehrt als islam­kri­ti­sche Kul­tur­chris­ten auf­spie­len, nur den unchrist­li­chen, west­li­chen Lebens­stil ver­tei­di­gen, als dessen aus­ge­dien­ten Vor­läu­fer sie seine Reli­gi­on betrach­ten. Er wird gemein­sam mit einer iden­ti­tä­ren Avant­gar­de diesem Westen in den Rücken fallen und für den Erhalt der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät kämp­fen, anstatt die Hände zu falten und sich über das wach­sen­de Chris­ten­tum in Süd­ame­ri­ka zu freuen. Denn er weiß, dass er sich selbst Rechen­schaft schul­det und er, solan­ge seine Paru­sie aus­bleibt, in dieser plu­ra­lis­ti­schen Welt leben und kämp­fen muss!