Dieser Arti­kel erschien erst­mals 2012.

Der Film, das nach wie vor belieb­tes­te Medium der Gegen­wart, spielt eine wich­ti­ge Rolle in der Ver­mitt­lung poli­ti­scher Bot­schaf­ten. Nicht nur das: In einer gesun­de­ten Gesell­schaft, die neu­es­te Tech­nik nicht archäo­fu­tu­ris­tisch ver­wirft, son­dern tra­di­tio­nel­len Werten gemäß kul­ti­viert, könnte die moder­ne Film­tech­nik ein Werk­zeug für eine völlig neue, mit­rei­ßen­de und erhe­ben­de Art von Kunst sein. Anders gesagt; wenn Richard Wagner heute Regis­seur wäre, würde uns im Kino etwas ande­res prä­sen­tiert, als dieses grell­bun­te Unter­hal­tungs­ei­n­er­lei. Dass es im Meer aus seich­ten Komö­di­en, Block­bus­tern nach Schema F und offen­sicht­li­chen Pro­pa­gan­da­fil­men auch posi­ti­ve Aus­nah­men gibt, die nicht dem Art­house­ki­no zuzu­rech­nen sind, son­dern immer noch den Mas­sen­ge­schmack tref­fen, ist erfreu­lich. Dass alle aus Ame­ri­ka kommen, gereicht der euro­päi­schen Film­kunst zur Schan­de. 

Filme wie Herr der Ringe, Bra­vehe­art, Fight Club, 300, u.a. sind, auch wenn sie von eini­gen nur so wahr­ge­nom­men werden, nicht bloße Action/Abenteuerstreifen, die dem Kosum der Massen als beson­de­rer Happen dienen. Sie bergen eine tiefe Bot­schaft, die den Homo oeco­no­mi­c­us der heu­ti­gen Zeit in seinem Kern anspricht und mit­reißt. Sie künden von der Mög­lich­keit einer ande­ren Welt, die des­halb so anders ist, weil in ihr nicht die moder­nen, uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gi­en herr­schen. In diesen Filmen lebt die Ahnung einer Welt­sicht, die von Iden­ti­tät, Ehre, Frei­heit und Kampf bestimmt ist. Eine aben­teu­er­li­che, gefähr­li­che, viel­fäl­ti­ge und span­nen­de Welt, die den geis­ti­gen Wär­me­tod des Wes­tens, der in über­heiz­ten Räumen an Ver­fet­tung stirbt, umso lang­wei­li­ger und dröger erschei­nen lässt.

Gerade im Film Herr der Ringe kommt zu dieser anti­uni­ver­sa­lis­tisch- anti­mo­der­nis­ti­schen Phi­lo­so­phie noch eine Viel­zahl an Anlei­hen aus indo­ger­ma­ni­schen Alter­tü­mern in Spra­che und Kultur hinzu. Gerade die Tat­sa­che, dass Tol­ki­en hier, in urei­ge­ner Krea­ti­vi­tät, euro­päi­sche Spra­chen, Sym­bo­le und Kul­tu­ren zu einem neuen Muster zusam­men­füg­te, das uns allen aber eigen­tüm­lich ver­traut und hei­mat­lich erscheint, zeigt den gemein­sa­men eth­no­kul­tu­rel­len Kern der euro­päi­schen Iden­ti­tä­ten, um dessen Ver­tei­di­gung sein Epos kreist. 

Man muss hier gar keine plum­pen Ana­lo­gi­en zwi­schen his­to­ri­schen Vor­gän­gen und der Geschich­te der Bücher ziehen: Die Viel­falt der Völker Mit­tel­er­des kann nur erhal­ten blei­ben, wenn sie sich gemein­sam gegen die dro­hen­den Horden aus der Fremde, die in ihrer Fremd­heit mons­trös und inkom­men­sura­bel auf­schei­nen, wehren. Dazu muss jeder Ein­zel­ne und jede Kultur ihre innere Schwä­che und ihre inne­ren Zer­würf­nis­se über­win­den, ihren Iden­ti­täts­kern wie­der­be­le­ben, eine alte Ord­nung wie­der­her­stel­len und zu ihrer je eige­nen Exzel­lenz finden. Die kul­tu­rel­le Viel­falt soll nicht einer tota­li­tä­ren Prag­ma­tik zum Opfer fallen — die tech­no­kra­ti­sche Hybris Sar­umans etwa, ein per­fek­tes, ega­li­tä­res Söld­ner­kol­lek­tiv aus dem Boden zu stamp­fen, das unter grel­len Ban­nern über die gewach­se­nen Kul­tu­ren her­zieht, wird als gefähr­li­che Ver­füh­rung ver­wor­fen. Die Natur selbst ermäch­tigt sich in Form der Ents und der ent­fes­sel­ten Sturm­flut, die den künst­li­chen Damm bricht und das ganze wider­na­tür­li­che Werk ver­schlingt.
Nur durch das har­mo­ni­sche Zusam­men­spiel der jeweils spe­zi­fi­schen Fähig­kei­ten und Eigen­schaf­ten der ein­zel­nen Kul­tu­ren und Per­so­nen können die ein­fal­len­den Horden, die alles (dem Erd­bo­den) gleich machen wollen, geschla­gen werden. All dies geschieht zur Ver­tei­di­gung, also aus unideo­lo­gi­schem, kon­ser­va­tiv-tra­di­tio­nel­len Antrieb, wäh­rend das unstill­ba­re, uni­ver­sa­le Macht­stre­ben Sau­rons einer ideo­lo­gi­schen Mis­si­on gleicht.

Diese Bot­schaft wird mit tau­send herr­li­chen Anlei­hen und Zita­ten aus kel­ti­scher und ger­ma­ni­scher Mystik prä­sen­tiert. Die typisch kel­ti­schen magi­schen Gege­stän­de und Waffen, die Abrei­se der Elben in eine Art Avalon, der ans Nibe­lun­gen­lied erin­nern­de Treu­e­kon­flikt Boro­mirs, das wilde Heer der Toten, der ver­lo­re­ne König; all das wur­zelt als Arche­typ tief im kol­lek­ti­ven Unter­be­wusst­sein der Völker Euro­pas.
Es ist wie gesagt eine Schan­de, dass eben solche Filme über unser eige­nes kul­tu­rel­les Erbe von Ame­ri­ka­nern gedreht werden müssen, wäh­rend die euro­päi­schen Regis­seu­re sich in seich­ten Unter­hal­tungs­fil­men üben, oder lang­at­mi­ge schwarz-weiß Schin­ken über das neu­ro­ti­sche Sub­jekt der Moder­ne drehen. 

Dass ein echtes Poten­ti­al für iden­ti­tär-euro­päi­sche Film­kunst vor­han­den wäre, beweist der über­wäl­ti­gen­de Erfolg von Filmen wie Herr der Ringe, sowie ein wach­sen­des Ver­lan­gen nach poli­ti­scher Behaup­tung unse­rer Iden­ti­tät. Wie nahe hier die heu­ti­ge Lage dem Stoff aus Herr der Ringe kommt, fiel keinem ande­ren als John Rhys-Davies, dem wali­si­schen Schau­spie­ler von Gimli auf. In einem Inter­view aus dem Jahr 2004 bemerk­te er, dass Europa auf eine „demo­gra­phi­sche Kata­stro­phe“ zusteue­re. Seine klaren Belege zeigen, wie ein­dring­lich er sich mit dem Thema beschäf­tigt hat. Er sagte: „Es geschieht gerade eine demo­gra­pi­sche Kata­stro­phe in Europa, über die keiner reden will. Keiner wagt es, das anzu­spre­chen, weil alle so darauf bedacht sind, nicht ras­sis­tisch zu sein. Und das ist gut so. Es geht hier aber auch um die Kultur.“

Um 2020 werden 50% der hol­län­di­schen Kinder unter 18 mus­li­mi­scher Abstam­mung sein. West­eu­ro­pä­er haben keinen Nach­wuchs. Die Bevöl­ke­rung Deutsch­lands wird am Ende dieses Jahr­hun­derts nur mehr 56% des der­zei­ti­gen Stan­des sein. Die Bevöl­ke­rung Frank­reichs 52%. Hier findet eine Ver­än­de­rung statt, die an die Sub­stanz der west­li­chen Kultur in Europa geht, über die wir zumin­dest reden soll­ten.“ Er fährt weiter fort: „Nennt mich keinen Ras­sis­ten, das bin ich sicher­lich nicht. Aber ich bleibe dabei: das west­li­che, christ­li­che Europa hat Werte und Erfah­run­gen, die es wert sind, für sie zu kämp­fen. „Es gibt eine radi­ka­le Bedro­hung der indi­ge­nen Völker, wie es sie seit der Pest nicht mehr gab. Die Baby­boo­mer sind in die Jahre gekom­men, und die Fami­li­en haben nicht genug Kinder. Die Ein­wan­de­rer sind jünger und fami­li­en­freund­li­cher. Sie pflan­zen sich häu­fi­ger fort. Wenn man das für die Zukunft hoch­rech­net, dann haben wir in den nächs­ten zwei bis drei Deka­den ein Europa, das mehr­heit­lich mus­li­misch sein wird.“

Rhys-Davies schloss mit dem Bezug auf Herr der Ringe: „Ich glaube, dass Tol­ki­en uns sagen will, dass gewis­se Gene­ra­tio­nen große Her­aus­for­de­run­gen bestehen müssen und wenn sie nicht auf­ste­hen und diese meis­tern, dann werden sie ihre Kultur ver­lie­ren.“

Es ist beein­dru­ckend, wie offen und klar ein Profi-Schau­spie­ler sich zu diesem Thema äußert. Seine Worte werfen ein noch kla­re­res Licht auf  Tol­ki­ens Epos. Auch dem Regis­seur ist dafür zu danken, dass er ihn nicht „poli­tisch kor­rekt“ ver­ge­wal­tig­te. Rhys-Davies und Tol­ki­en zeigen sich hier als Ver­tre­ter einer aus­nahms­wei­se sym­pa­ti­schen Strö­mung aus Eng­land. Eine kel­tisch-roman­ti­sche Tra­di­ti­on, die ihre Wur­zeln auf einen Carlyl oder einen Ches­ter­ton zurück­füh­ren kann und mit dem angel­säch­si­schen, mate­ria­lis­ti­schen Krä­mer­geist wenig gemein hat. Seine Bezug­nah­men auf „Zivil­sa­ti­on“ und den „Westen“ lassen wir — dem Mut zu Ehren — hier unkri­ti­siert.

Einmal mehr machen uns diese Worte klar, dass wir breits mitten in einem Kon­flikt, dem ent­schei­den­den Kampf um Euro­pas Zukunft, sind. Wir sind denk­bar schlecht darauf vor­be­rei­tet. Zerüt­te­te, ato­mi­sier­te Gemein­schaf­ten, die diesen Namen kaum mehr ver­die­nen, und moder­ne Kon­sum­droh­nen, die in ihrer Neon­asphalt­welt von den kul­tu­rel­len Wur­zeln der Iden­ti­tät abge­schnit­ten sind — das ist heute Europa. Nur wenn wir es schaf­fen, diesen Arche­ty­pus der Ver­tei­di­gung unse­res Kon­ti­nents neu zu erwe­cken und zum all­ge­mei­nen Leit­mo­tiv zu machen, wird die lose Masse der Indi­vi­du­en auch zu seiner Ver­tei­di­gung auf­ste­hen, wie es Rhys-Davies sagte.
Uns muss bewusst werden, dass die Geschich­te kein bloß linea­rer Ablauf von Ereig­nis­sen ist, dass die Tages­po­li­tik und das Reich der Mythen und Mär­chen keine strikt getrenn­ten Berei­che sind. In gewis­sen his­to­ri­schen Auge­bli­cken, wenn das Dasein einer ganzen Völ­ker­fa­mi­lie bedroht ist, ver­schwin­den diese Gren­zen. Es bre­chen in Kunst und Geschich­ten bewahr­te, kol­lek­ti­ve Erin­ne­run­gen an über­stan­de­ne Bedro­hun­gen und Bela­ge­run­gen urplötz­lich in den betrieb­sa­men Alltag herein. Sie bre­chen herein, wenn man sie nur lässt, wenn man ihnen den Weg berei­tet und über­all Idea­lis­ten bereit sind, sich von ihnen begeis­tern zu lassen und in ihrem Sinne zu wirken. Denn wirk­lich wird was wirk­lich wirkt. Der Rea­li­tät der isla­mi­schen Bedro­hung und der Rea­li­tät des demo­gra­phi­schen und kul­tu­rel­len Ver­falls müssen wir einen, sich zur Rea­li­tät ermäch­ti­gen­den, Boll­werks­my­thos der Ver­tei­di­gung Euro­pas gegen­über­stel­len. Herr der Ringe wird uns hier als immer­wäh­ren­de Inspi­ra­ti­on dienen.