Sorge

Als Meta­po­li­ti­ker sorgen wir uns um die Erzäh­lun­gen und die Nar­ra­ti­ve. Der Wille zur Macht läßt uns, im Stre­ben nach einer Gegen­auf­klä­rung, um Wahr­heit ringen. Alex Kur­ta­gic hat uns gezeigt, dass Wahr­heit nie­man­den über­zeugt, die gute Geschich­te und die coolen Typen, die daran glau­ben hin­ge­gen, tun es. Ich benut­ze den Begriff (Gegen-) Auf­klä­rung hier in seinem mili­tä­risch-tech­ni­schen Sinn, ohne his­to­ri­schen Bal­last.

Vorbild

Jemand der das erkannt hat ist der Ame­ri­ka­ner Daniel Liszt, auch bekannt als Dark Jour­na­list. Er unter­hält einen You­tube­ka­nal unter diesem Namen. Zufäl­lig ist er gelern­ter Jour­na­list, und war irgend­wann unzu­frie­den mit, tja — mit der Lügen­pres­se. Daher begann er, wie so viele, seine You­tuber­kar­rie­re. Damit die Ver­brei­tung seiner Gegen­erzäh­lung auch funk­tio­niert, hat er sich ein paar grund­le­gen­de Gedan­ken gemacht, wie denn der “dark jour­na­lism”, der dunkle Jour­na­lis­mus, ablau­fen kann, und meint damit inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus jen­seits der Auf­de­ckung von simp­len Skan­da­len. Es geht mir hier nicht so sehr um seine Themen, denn um seine Metho­de.

Begriffe

Er spricht von deep events, einem Begriff von Peter Dale Scott, wört­lich tiefes Ereig­nis, im Sinne von “bedeu­ten­des Ereig­nis”. Letzt­lich ein Moment, an dem die tiefe Poli­tik (deep poli­tics) für einen Augen­blick in Erschei­nung tritt. Liszt pos­tu­liert, dass so einem bedeu­tungs­schwe­ren Ereig­nis jeweils drei Erzäh­lun­gen folgen,
1. die offi­zi­el­le Geschich­te, welche zumeist lücken­haft ist.
2. die Gegen­erzäh­lung, die zumeist besser recher­chiert ist, und wel­cher der Vor­wurf der Ver­schwö­rungs­theo­rie gemacht wird, um sie zu schwä­chen.
3. Junk con­spi­ra­cy, Ver­schwö­rungs­müll, absur­de Geschich­ten, die so unglaub­wür­dig sind, dass jeder, der sie hört, lieber zur Option 1, der offi­zi­el­len Geschich­te, zurück­kehrt. Des­halb werden sie auch ver­brei­tet. Hier gilt es den Über­blick zu behal­ten.

Methode

Es lohnt sich die drei Kate­go­ri­en des dunk­len Jour­na­lis­mus in Betracht zu ziehen, sobald, wie der Volks­mund sagt „eine Sau durch‘s Dorf getrie­ben“ wird. Dies scheint mir näm­lich die volks­tüm­li­che Bezeich­nung für ein bedeu­tungs­schwe­res, oder tiefes Ereig­nis zu sein. Es geht hier mehr um die eigene Posi­ti­ons­be­stim­mung, denn um Öffent­lich­keits­ar­beit. Wenn ein tiefes Ereig­niss statt­fin­det, wird es instru­men­ta­li­siert. Wenn wir davon pro­fi­tie­ren wollen, müssen wir es als sol­ches erken­nen, und seine Mög­lich­kei­ten aus­wer­ten.
Robert Shea und Robert Anton Wilson haben aus diesem Phä­no­men ihren sati­ri­schen Best­sel­ler „Illu­mi­na­tus!“ gemacht, und erklä­ren drall und aus­führ­lich das Ringen um das Bewußt­sein des Ein­zel­nen und der Masse. Iden­ti­tä­re sind hin­ge­gen ernst­haf­te junge Leute, und geben sich nicht mit Witzen ab. Daher dieser nüch­ter­ne Hin­weis.

Weiterungen

Indes sind noch ein paar Klei­nig­kei­ten zu ergän­zen. Zu einem bedeu­tungs­schwe­ren, tiefen Ereig­nis gehört auch ein Über­ra­schungs­ele­ment, es muss „uner­war­tet“ kommen, jeden­falls für die offi­zi­el­le Geschichte/Erzählung. Wei­ter­hin muss es Kon­se­quen­zen für die All­ge­mein­heit haben. Oben­drein ist es für die Instru­men­ta­li­sie­rung eines  tiefen Ereig­nis­ses unwich­tig, ob es heim­lich geplant war, oder ob es ledig­lich aus­ge­nutzt wird. Es ist auch nur von bei­läu­fi­gem Inter­es­se, ob es über­haupt statt­ge­fun­den hat, solan­ge die Leute nur glau­ben, es habe statt­ge­fun­den.