Dieser selt­sa­me Bei­trag eines Autors erschien im Jahr 2013

Ob sich dieses fol­gen­de Gespräch tat­säch­lich so, oder so ähn­lich zuge­tra­gen hat, ob es dem anony­men Autor selbst wider­fah­ren ist, oder ihm zuge­tra­gen wurde, oder ob es ein­fach nur aus seiner Phan­ta­sie stammt- das soll im Ver­bor­ge­nen blei­ben. Wir laden den Leser ein, es ein­fach auf sich wirken zu lassen, als wäre es echt, es mit zu erle­ben, als wäre er dabei.

Es war an einem kühlen Novem­ber­mor­gen des ver­gan­ge­nen Jahres. Die Natur hatte längst alle Fri­sche und Leben­dig­keit ver­lo­ren, es lag kein Schnee und kalte Winde stri­chen um blatt­lo­se Bäume und kahle Sträu­cher. Schnee  lag keiner, und alles war in tris­tes Grau getaucht. Ich war auf dem Weg zur Poli­zei­sta­ti­on meines Ortes. Einer Vor­la­dung fol­gend wollte ich wie immer pünkt­lich zu meinem Termin erschei­nen. Es ging um eine Lap­pa­lie, reine Rou­ti­ne, eine Situa­ti­on wie ich sie schon oft erlebt hatte und sie viel­leicht viele Leser selbst gut kennen.
Wie auto­ma­tisch grüßte ich die ört­li­chen Beam­ten und ging den alt­be­kann­ten Weg durch die Gänge und Kor­ri­do­re, zu den Ver­hör­zim­mern in denen, dachte ich, schon die poli­ti­sche Poli­zei auf mich war­te­te. Doch dies­mal sollte alles anders kommen. Das Gespräch spreng­te alles was ich bisher erlebt hatte und stell­te alle meine bis­he­ri­gen Ansich­ten infra­ge. Es begann ganz gewöhn­lich und typisch mit der übli­chen Liste däm­li­cher Fragen, dem Dik­tie­ren und Aus­for­mu­lie­ren der Ant­wor­ten, der plum­pen Ver­su­che mir mehr Infor­ma­tio­nen, oder gar Selbst­be­las­tun­gen zu ent­lo­cken. Ich, ganz im übli­chen Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rungs­mo­dus, den ich seit jeher mit über­freund­li­cher Jovia­li­tät und weit­schwei­fi­gen welt­an­schau­li­chen Aus­füh­rung gar­nie­re, wel­chen die Beam­ten in der ver­geb­li­chen Hoff­nung auf einen belas­ten­den Ver­spre­cher andäch­tig zu lau­schen pfle­gen, war geis­tig schon im Auf­bruch begrif­fen, da betrat über die Sei­ten­tür auf einmal ein drit­ter Beam­ter den Raum.

Gleich  beim ersten Blick fiel mir ein Unter­schied  zwi­schen ihm und den ande­ren beiden auf.  Er war mit­tel­groß, hatte wache, inter­es­sier­te Augen, ein leich­tes Lächeln umspiel­te seinen schma­len Mund und sein läng­li­ches, scharf­kan­ti­ges Gesicht ver­riet einen schnei­den­den Intel­lekt. Er war geschmack­voll geklei­det und hätte eher in eine Nes­pres­so-Wer­bung, oder als Junior-Part­ner in eine Invest­ment­bank gepasst als in diese karge Amts­stu­be. 

Mit einem gewin­nen­den, leicht mit­lei­di­gen Lächeln fixier­te er mich und setzte sich neben uns. Hin und wieder warf er eine intel­li­gen­te, spöt­ti­sche Bemer­kung ein, sonst lausch­te er still dem Abschluss des Ver­hörs. Wäh­rend die beiden ande­ren Beam­ten auf  mich wie immer den Ein­druck von plum­pen Spür­hun­den mach­ten, die blind­lings jeder ver­meint­li­chen Fährte folg­ten, und ohne jedes echte Inter­es­se an der Mate­rie Ermitt­lungs­er­fol­ge prä­sen­tie­ren wollen, wirkte der andere eher wie ein Falke, der stun­den­lang um seine Beute kreist, um dann pfeil­schnell und über­ra­schend zuzu­sto­ßen.

Als das lei­di­ge Verhör been­det, alle Unter­schrif­ten ver­wei­gert und Blät­ter kopiert waren, schal­te­te der Dritte sich ein: „Herr F, jetzt hätte ich nur noch ein paar Fragen an Sie.“
Meinen reflex­ar­ti­gen Ein­wand, ob das nun noch Teil des selben Ver­hörs sei, wisch­te er mit einer weg­wer­fen­den Geste bei­sei­te.  Unter nor­ma­len Umstän­de wäre ich auf­stan­den und gegan­gen, aber irgend­was an diesem Mann inter­es­sier­te mich. Seine sonore Stimme und sein ange­neh­mes Äuße­res taten ihr übri­ges. Ich blieb und nach­dem die ande­ren beiden Beam­ten, von ihm her­ab­las­send weg­ge­schickt, den Raum ver­las­sen hatten, ent­wi­ckel­te sich ein fas­zi­nie­ren­des, Gespräch, das ich, in Form eines gekürz­ten Gedächt­nis­pro­to­kolls nun wie­der­ge­ben will. 

Ich: So gut ich bleibe, aber lange habe ich nicht mehr Zeit. Ich habe heute noch Ter­mi­ne. Also warum geht’s es denn. Ich habe alles gesagt.

Er (lacht): Naja wohl eher zu allem die Aus­sa­ge ver­wei­gert. Lernt man das bei euren „Schu­lun­gen“ so?

Ich: Es ist ein Recht das ich in Anspruch nehme — mehr nicht. Worum geht es hier jetzt?

Er: Nun, ich will mit ihnen nicht über das Thema das Ver­hörs reden. Wie Sie schon ganz rich­tig sagten, wird die Sache ohne­hin im Sand ver­lau­fen. Ich bin von einer ande­ren Stelle als meine beiden Kol­le­gen.

Ich (grin­send): Von ganz oben?

Er (das Grin­sen erwi­dernd): Sagen wir, wir beschäf­ti­gen uns nicht mit Lap­pa­li­en–  Nein uns geht es ganz all­ge­mein um die poli­ti­sche Land­schaft und ihre Ver­tre­ter und hin und wieder, wenn wir der Ansicht sind, dass es hier jeman­den gibt, der kein ver­na­gel­ter Idiot ist, wollen wir mit ihm eine frucht­ba­re Kom­mu­ni­ka­ti­on eröff­nen um sinn­lo­se Kon­flik­te zu ver­mei­den.
Sehen Sie, wir sind uns dar­über im Klaren, dass sie nie­mals ihre Ansich­ten ändern werden und wir ver­ste­hen das. Ich per­sön­lich habe davor sogar einen gewis­sen Respekt, auch wenn ich sie nicht teile. Ich schät­ze Idea­lis­mus, gerade weil ich aus per­sön­li­cher Erfah­rung den Typus des Poli­ti­kers gut kenne – grau­en­haf­te Oppor­tu­nis­ten – und ich ver­ste­he, anders als meine Kol­le­gen von vorhin auch in gewis­sen Maßen ihre Ideen. Ich kann sie nach­voll­zie­hen, weil gerade in meiner Jugend war ich selber auch mal etwas extre­mer. (Dabei zwin­ker­te er mir freund­lich zu)

Mir war nun alles klar. Ein Anquatsch­ver­such nach Schema F. „Ich war in meiner Jugend ja auch…“, ist die klas­si­sche Ein­lei­tung. Aber anstatt abzu­blo­cken und zu gehen, viel­leicht weil mir der Mann sym­pa­thisch war, viel­leicht auch weil ich seine Fas­sa­de etwas abklop­fen und wissen wollte, wie weit er in seinem gespiel­ten Ver­ständ­nis für meine Welt­an­schau­ung gehen würde, blieb ich und sagte fol­gen­des:

Ich: Nun ich fühle mich ja sehr geschmei­chelt, aber ich glaube nicht, dass eine der­ar­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on etwas bringt. Im Gegen­teil, ich selbst bewege mich nicht in den Krei­sen und Zir­keln die sie laut ihrem Ver­fas­sungs­auf­trag beob­ach­ten müssen. Ich wäre also eine denk­bar schlech­te Infor­ma­ti­ons­quel­le. Infos über irgend­wel­che Per­so­nen und Ver­bin­dun­gen kann ich Ihnen daher nicht geben. Wenn ich sie hätte würde ich sie auch nicht wei­ter­ge­ben. Wenn Sie aller­dings inter­es­siert wie man dort denkt und welche innere Über­zeu­gung einen dort zum Akti­vis­mus treibt, kann ich Ihnen das even­tu­ell ver­mit­teln.

Wieder trieb ich das Gespräch, teils aus Leicht­sinn, teils ange­regt durch den inter­es­san­ten Gesprächs­part­ner auf eine all­ge­mein, welt­an­schau­li­che Ebene. Mich inter­es­sier­te wie weit und gut sich mein Gegen­über mit jener Szene beschäf­tigt hatte, die für mich selbst seit gerau­mer Zeit Gegen­stand der kri­ti­schen Betrach­tung war. Er, sicht­lich erregt und inter­es­siert und ließ seinen ganzen Charme spie­len.

Er: Ja das fände ich unend­lich inter­es­sant, wissen Sie es geht mir gar nicht um kon­kre­te Infor­ma­tio­nen. Dafür gibt es andere Stel­len und -glau­ben sie mir–  seit Face­book, Whats­app und Co wissen wir ohne­hin alles, was Per­so­nen, Ver­bin­dun­gen, Tref­fen, etc. betrifft. Mich inter­es­siert das ganz per­sön­lich sehr. Was treibt diese Leute an?  Was treibt sie an ihr Leben zu zer­stö­ren, und für eine der­ar­ti­ge Sache zu kämp­fen, die von 90% der Men­schen gehasst wird?

Ich: Es ist eine Art Reli­gi­on, ein sek­ten­ar­ti­ges Bewusst­sein, das genau durch diesen Hass und vor allem durch Ihre Repres­si­on nur gestärkt wird. Wissen Sie, ich habe meinen Idea­lis­mus nicht in dieser Szene gelas­sen. Meine Ideale habe ich nach wie vor behal­ten. Aber ich habe erkannt, dass genau diese Ideale in der Szene eben nicht geför­dert und ver­tre­ten son­dern in Miss­kre­dit gebracht werden. Und ich habe eines erkannt.


Ich machte Kunst­pau­se in der er sich inter­es­siert nach vorne lehnte.

Schuld am sog. Rechts­ex­tre­mis­mus sind vor allem Sie und Ihre Kol­le­gen! Sie haben viel­leicht gar keine Ahnung davon, aber sie sind ein Werk­zeug gewis­ser Kreise, die ein Inter­es­se an einer laut­star­ken rech­ten Szene haben.

Er: Was soll das heißen? Wir kämp­fen Tag und Nacht gegen den gesell­schaft­li­chen Extre­mis­mus. Wir ver­su­chen zu ver­hin­dern, dass er in Gewalt und Terror aus­bricht, wie auf Utoya, oder bei der RAF. Wir wollen dass die poli­ti­schen Kon­flik­te sich im gewalt­frei­en Rahmen der Demo­kra­tie abspie­len!

Ich: Ganz im Ernst wann ging vom Rechts­ex­tre­mis­mus je eine echte Gefahr für unsere Staat aus? Wann stand er  jemals davor „mehr­heits­fä­hig“ zu werden oder über eine Partei oder eine Putsch an die Macht zu kommen?

Er: Nie natür­lich, aber sie schaf­fen ein Milieu aus dem Terror und Gewalt wach­sen können

Ich: Ja genau darum geht’s mir ja! Das stimmt auch und genau das stellt doch eine Bedro­hung für die Sicher­heit und Ord­nung dar — aus eurer Sicht! Die Szene hat null Macht­po­ten­ti­al, weder „para­mi­li­tä­risch“ noch über eine „Mobi­li­sie­rung der Massen“. Keiner von Außen inter­es­siert sich in Wirk­lich­keit für sie, oder weint eine Träne um sie, wenn es Repres­si­on setzt. Sie hat keine Lobby und keinen Reso­nanz­raum. Gleich­zei­tig bildet sie aber für den Staat einen Unord­nungs­fak­tor. Eine ideo­lo­gi­sche Gewalt­be­reit­schaft und ein Biotop für „Terror“, kann man nicht leug­nen, auch wenn diese NSU-Sache natür­lich zum Himmel stinkt. We Punkt ist: ihr mögt diese Szene nicht, ihr hasst sei, und ihr könn­tet sie von heute auf morgen ver­bie­ten, aus­trock­nen und mit der Wurzel aus­rei­ßen! Warum tut ihr das nicht?

Er: Es gibt Mei­nungs­frei­heit und..

Ich: Achwas, es gibt genug poli­ti­sche Mei­nungs­de­lik­te um die ganze Szene in einer Nacht und Nel­bel­ak­ti­on hoch­zu­neh­men. Jeder hat was zuhau­se am PC. Dazu ein paar „Beu­te­fo­tos“ mit Haken­kreuz­fah­nen und das übli­che Medi­en­ge­du­del und kein Hahn kräht mehr nach „Grund­rech­ten“. Das pas­siert eh immer dann wenn man medial „Maß­nah­men gegen Rechts“ setzen muss. Macht das 3 Mona­ten hin­durch jedes Wochen­en­de und am Ende ist fast nichts mehr da. Diese Szene ist doch nichts ande­res als ein paar Giga­byte an Text und Musik­da­tei­en, die durch das Inter­net kur­sie­ren und junge Patrio­ten zu Neo­na­zis werden lassen.

Ich hatte mich in Rage gere­det.

Es gibt auf den ersten Blick ein­fach keinen logi­schen und ideo­lo­gi­schen Grund warum ihr diese Szene nicht ein für alle mal weg­räumt. Poli­ti­sche, extre­me Rand­grup­pen, die man gesetz­lich und vom Mehr­heits­wil­len getra­gen zer­schla­gen könnte, werden von Staa­ten nor­ma­ler­wei­se immer zer­schla­gen. Bei der Antifa geht das nicht, weil sie, dank guter Con­nec­tions in ver­schie­dens­te Par­tei­en, die Justiz und die Presse, nicht so dämo­ni­siert ist, außer­dem braucht ihr sie. Da gäbs dann nen Riesen-Auf­schrei von wegen Poli­zei­staat und so. Aber beim NW und der NS-Szene? Kein Pro­blem das wäre locker mög­lich. Wissen Sie warum in Ita­li­en die Casa Pound z.B. jah­re­lang nicht aus ihrem besetz­ten Haus ver­trie­ben wurde? Kennen Sie die über­haupt

Er: (nickte)

Ich: Weil die ein großes Mobi­li­sie­rungs­po­ten­ti­al hat. Das ist keine alt­rech­te Sub­kul­tur. Wenn man die aus dem einen Haus ver­jagt sind in der nächs­ten Woche hun­der­te Anhän­ger auf der Straße und beset­zen 10 andere Häuser. Das ist ne ein­fa­che Abwä­gung was mehr Ärger und Unord­nung bringt. Außer­dem hat die CP vor allem in Rom eine gewis­se Unter­stüt­zer­ba­sis im Volk. Der NW hat aber diese Macht in keiner Hin­sicht. Man könnte ihn locker mit Stumpf und Stiel aus­mer­zen und genau das wäre auch die logi­sche Ent­schei­dung im Rahmen ihrer Geset­ze und der öffent­li­chen Mei­nung. Wissen Sie warum man es nicht macht?

Er: (hörte mir mit ver­stei­ner­ter Mine zu und verzog keine Miene.)

Ich: Weil diese Szene Werk­zeug in einem gehei­men ideo­lo­gi­schen Krieg ist, für den Sie nur ein blin­des Werk­zeug sind. Die Szene ist der abschre­cken­de Fetisch, mit dem Patrio­tis­mus in Deutsch­land auf ewig ver­dammt und aus­ge­schlos­sen werden soll. Sie ist das leben­di­ge Denk­mal für den Schuld­kult, der ewige „Hitler-Wie­der­gän­ger“ der von den fana­ti­schen Nazi-Exor­zis­ten immer wieder neu aus­ge­trie­ben werden kann. Das System mit seiner Selbst­hass-Ideo­lo­gie und die NS-Szene nehmen das Volk in die Zange und halten es in einer geis­ti­gen Lager­haft. Das System braucht den NS und diese Szene, des­we­gen wird sie künst­lich am Leben gehal­ten und hin und wieder als Prü­gel­kna­be her­vor­ge­holt. Es könnte, wenn es wollte, jeder­zeit voll damit auf­räu­men und hart durch­grei­fen. Gerade die ganze Musik­sze­ne könnte man extrem ein­fach abdre­hen. Warum tut man das nicht? Warum gibt es jedes Jahr Rechts­rock­kon­zer­te? Weil der NW für euch leben­dig mehr wert ist als tot.

Er: (blick­te mich weiter stumm und aus­drucks­los an)

Ich: Und Sie sind nur ein unwis­sen­des Werk­zeug. Ihnen wird vor­ge­gau­kelt, dass diese Szene eine Gefahr dar­stellt. Sie haben keine Ahnung von den echten Zusam­men­hän­gen und worum es wirk­lich geht. Sie sind genau­so ver­peilt wie die NW-Insas­sen die glau­ben sie wären revo­lu­tio­när und der „Sta­chel im Fleisch des Sys­tems“. Ein nütz­li­cher Idiot der BRD

Er: Aber du weißt natür­lich über alles Bescheid? Du bist Idea­list ja?

Ich: Ja ich habe das Spiel durch­schaut und bin aus der Szene aus­ge­stie­gen ohne in die BRD ein­zu­stei­gen. Sie sind nur eine Schach­fi­gur in einem großen Sze­na­rio, dass Sie nicht ver­ste­hen.


Mein Rede­schwall flaute ab und ich sah ihn her­aus­for­dernd an.

Auf einmal wech­sel­te seine ver­stei­ner­te Miene über­ra­schend schnell zu in ein sar­do­ni­sches Grin­sen.

Er:  So und jetzt hälts du mal den Rand und hörst zu du arro­gan­ter, klei­ner Klug­scheis­ser. Du kapierst gar nichts, du hast keine Ahnung und glaubst, weil du ein klei­nes Puz­zle­teil ver­stan­den hast, hast du das ganze Bild in der Hand — nichts hast du! Ich diene gar nicht „deinem Staat“. Als ob es noch um Staa­ten ginge. Du hast erkannt, dass der NW bewusst am Leben gelas­sen wird. Bravo! Aber du hast keine Ahnung warum all das getan wird! Du ver­stehst nicht die große Auf­ga­be für die wir arbei­ten und mit der wir fast am Ende sind! Ich werde dir mal ein paar Dinge erzäh­len, weil du sowie so nichts mehr daran ändern kannst. Weißt du was die gefähr­lichs­te Waffe der Welt ist?

Ich: Nein.

Er: Junge Männer. Junge, arro­gan­te, „idea­lis­ti­sche“ Männer, wie du einer bist. Junge Männer die in kein System hin­ein­pas­sen, die eine Sucht nach Eksta­se, nach Kampf, nach „Idea­len“ haben, die mehr sind als ein ein­fa­ches und nor­ma­les Leben. Diese Art von Mensch ver­pes­tet seit Jahr­hun­der­ten unsere Welt. Sie sind für alle Kriege ver­ant­wort­lich. Es sind die „Extrem-Men­schen“, die ein Zuviel an Ener­gie, Wille, Kraft und Bega­bung, oder meist nur Arro­ganz haben. Sie können nicht an sich halten. Sie hält nichts in einer nor­ma­len Kar­rie­re, sie halten es nie lange in irgend­wel­chen Freun­des­krei­sen, oder Sub­kul­tu­ren aus. Sie kochen über, sie brau­chen Ablei­ter und müssen sich abre­agie­ren. Daher stif­ten sie immer Auf­stän­de und Kriege an. Sie grün­den Sekten und Unter­grund­be­we­gun­gen. Sie sind der eigent­li­che Grund für alle großen „Ideen“, für die „großen Fragen“ und die „große Suche“, die mitten im tiefs­ten Frie­den immer rebel­lie­ren und auf­be­geh­ren muss.

Jeder große Krieg, jede große Rebel­li­on, jede große reli­giö­se Bewe­gung, jeder Impe­ria­lis­mus, jede Völ­ker­wan­de­rung – all das geschah immer wegen einem Über­schuss junger Männer- dem größ­ten Gift für die Gesell­schaft und die Wei­ter­ent­wick­lung der Meschheit.
Heute haben sind wir aber fast damit fertig gewor­den. In unse­rer neuen Welt gibt es tau­sen­de Sub­kul­tu­ren, Sport­plät­ze, Lauf­bah­nen, Bungee-Jum­ping Spots, Paint­ball-Areas, Discos, Clubs Fint­ness-Center und Fes­ti­vals, wo die meis­ten jungen Männer ihre Aggres­sio­nen los­wer­den können. Sich zer­streu­en können. Für jede Abart und Per­ver­si­on gibt es eine Szene, ein Forum, einen Mode und einen Musik­stil, die das ganze in unse­ren Markt und unsere Gesell­schaft ein­fü­gen. Nur ein paar wenige Jugend­li­che, die letz­ten Reste einer aus­ster­ben­den Art, können wir damit nicht ent­schär­fen.
Ihr seid mit einer Art poli­ti­schen Gen auf die Welt gekom­men. Exper­ten ver­su­chen der­zeit es zu ent­schlüs­seln und wir werden es dann mit­tels PND fest­stel­len und schon früh diese Leute ins Auge fassen können. Ihr seid das wahre Pro­blem, ihr kre­iert immer Pro­ble­me und seht über­all den „großen Ver­fall“ und das „große Böse“, „große Fragen“. Euch fehlt jede Kom­pro­miss­be­reit­schaft und einer von euch reißt hun­der­te andere Jugend­li­che mit aus ihren nor­ma­len Leben, ver­führt sie, und ver­dirbt ihren Geist! Ihr seid das Hin­der­nis für den mensch­li­chen Fort­schritt. In der Stein­zeit brauch­te man euch viel­leicht noch um Mam­muts zu jagen aber heute seid ihr ein Hin­der­nis der Evo­lu­ti­on. Ihr seid welt­weit die letzte Bar­rie­re für eine kom­men­de Mensch­heit. Das ist die wahre Front und der wahre Kampf der von uns global gegen euch geführt wird und schon bald gewon­nen wird. Ihr passt nicht in die neue Gesell­schaft, ihr findet in ihr keine Recht­fer­ti­gung mehr für die Gewalt und die Grau­sam­keit die in euch lebt und nach Aus­druck sucht.
Die bei denen das Gen weni­ger aus­ge­prägt ist, gehen eben in irgend­wel­che Sub­kul­tu­ren, von LARP, bis BDSM, von Metalheads bis Hoo­li­gans. Ihre Agres­si­on rich­tet sich gegen sich selbst, gegen Dinge, oder gegen die „Mensch­heit“ und „die Gesell­schaft“ als harm­lo­ser mis­an­thro­pi­scher Fetisch. Aber bei euch ist es ganz schlimm. Euch genügt es nicht einmal destil­lier­te, abs­trak­te Grau­sam­keit um den Ener­gie-Über­schuss los­zu­wer­den, in irgend einer schall­dich­ten, aus­ge­pols­ter­ten Nische, die wir euch sofort im System ein­rich­ten würden. Ihr wollt eurer Grau­sam­keit einen Grund geben. Ihr wollt andere zwin­gen an euren Wahn zu glau­ben. Ihr wollt Domi­nanz, Herr­schaft, Unter­drü­ckung, eine dau­er­haf­te, unhin­ter­frag­be­re Gewalt über andere und zwar ALLE ande­ren. Ihr wollt die poli­ti­sche Macht und erfin­det euch dafür irgend­wel­che Ideale, denen ihr euch maso­chis­tisch unter­werft, um umso sadis­ti­scher andere damit zu regieren.„Volk, Heimat, Rasse, Kultur, Klasse, Sozia­lis­mus, Tier­lei, Gerech­tig­keit, usw“, alles nur Phra­sen und Vor­wän­de für Extre­mis­mus und Gewalt. Euch reicht eine fried­li­che, gemein­schaft­li­che Mensch­heit, auf einer gesun­den, gerech­ten Welt nicht. Euch reicht ein­fach das nicht, was 99% aller Men­schen wollen: eine erfüll­tes Sexu­al­le­ben, ein Hobbie, einen Job, ein Haus, even­tu­ell ein Kind, genug zum Essen, genug Frei­zeit… Das befrie­digt nicht euren kran­ken Drang, des­we­gen redet ihr es auch allen ande­ren schlecht.
Der neue Mensch der neuen Welt ist das Mit­tel­maß, nicht das Extrem. Er quillt nicht über vor Hass und Liebe wie ihr son­dern alles spielt sich im Klei­nen, im Kon­trol­lier­ten ab. Er ist heiter und zufrie­den, er ist harm­los und nett, er ist ent­spannt und kon­sens­ori­en­tiert. Er ist freund­lich und gesprä­chig, kri­tik­fä­hig und Feind jeg­li­cher abso­lu­ten Behaup­tun­gen.
Das ist der Mensch der sich aus der Auf­klä­rung ent­wi­ckelt hat und der das Raub­tier­haf­te, Bar­ba­ri­sche los­ge­wor­den ist, das früher regier­te. Heute sind nicht mehr Sol­da­ten, Gene­rä­le,  revo­lu­tio­nä­re Denker und „Frei­heits­kämp­fer“ die Helden. Heute sind es Film­stars, Sport­ler, krea­ti­ve, lus­ti­ge, harm­lo­se Selbst­dar­stel­ler, und freund­li­che Freaks. Eure Zeit ist vorbei.

Ich: (hatte mich nach diesem aggres­si­vem Rede­schwall lang­sam gefasst und frage zag­haft)  Und NW und Antifa, was ist m…

Er: (unter­brach mich unge­dul­dig) Der NW, die Antifa, und alle ande­ren Radi­ka­len diese ganzen Szenen sind 100% unter unse­rer Kon­trol­le. Sie sind aus­ge­leuch­tet wie Rönt­gen­bil­der. Kein Wunder diese Idio­ten ver­wen­den heute genau­so Face­book und Twit­ter, Handys, etc. Sie sind revo­lu­tio­när und mili­tant, aber haben von Kon­spi­ra­ti­vi­tät keine Ahnung. Wir sind ihnen immer 2 Schrit­te voraus und lassen ihnen ihre Tru­em­an­show. Wie wir den NW nutzen hast du ja selbst schon aus­ge­führt. Auch die Antifa hat einen Nutzen für unser Ziel, Gene­ra­ti­on für Gene­ra­ti­on ver­schwin­det der revo­lu­tio­nä­re Ungeist mehr und mehr. Er wird plum­per, vor­der­grün­di­ger, unstra­te­gi­scher. Er wird selbst zun Life­style, zum Label. Nur ein klei­ner Schritt vor der Ver­mark­tung. Einen Lenin, oder einen Mishi­ma hatten wir lange nicht mehr. Ihr werdet vor­her­seh­ba­rer, weni­ger und schwä­cher. Die meis­ten von euch sind schlech­te Kar­ri­ka­tu­ren. Alles Maske und Posen. Große Helden, bis man ihre Brow­ser­ver­läu­fe sieht. Die posi­ti­ven gesell­schaft­li­che Aus­le­se wirkt all­mäh­lich. Schlech­te Zeiten für euch „Idea­lis­ten“, oder „Mani­ker“ wie wir euch nennen. Gute Zeiten für die Mensch­heit!

Ich: Aber Antifa und NW kämp­fen für ent­ge­gen­ge­setz­te Ziele, auch wenn beide Ideo­lo­gi­en Teil der Moder­ne sind wie..

Er: Links­ex­tre­men Zirkel sind für Mani­ker 1. Ord­nung. Bei denen ist das Ganze eher eine Sache das Bauch­ge­fühls und der Emo­ti­on. Sie wollen ja eigent­lich das­sel­be wie wir. Der Traum für den sie zu kämp­fen vor­ge­ben ist der unsere: die eine Welt und der große Friede. Aber in Wirk­lich­keit ist es ihr Traum für diesen Traum zu kämp­fen. Sie brau­chen die Gewalt, den Hass, die Aktion, den Geruch von Trä­nen­gas und das Geräusch von klir­ren­den Schei­ben. Sie sind Mani­ker des Gefühls, nicht des Ver­stan­des. Alle Jugend­li­chen, deren Hirne in dem Takt denken, den wir vor­ge­ben, aber deren Herz sich nicht ans ruhige Leben gewöh­nen kann, trei­ben wir in diese Szene, wo ihr Zorn keinen poli­ti­schen Scha­den anrich­ten kann. Für die Mani­ker 2. Ord­nung, welche unsere fried­li­che Welt auch bewusst geis­tig und nicht nur emo­tio­nal ableh­nen und damit not­wen­dig in den Irra­tio­na­lis­mus kippen, also in reli­giö­se oder völ­ki­sche Mythen, für die haben wir was ganz beson­de­res ent­wi­ckelt. Oder sagen wir besser: es sich ent­wi­ckeln lassen.  Der NW und die ganze Szene die sich um den NS-Mythos schart ist eine Art „Desi­gner-Droge“ für diese Mani­ker. Sie flie­gen darauf wie die Motten zum Licht. Es ist eine ein­zig­ar­ti­ge Mischung aus offen aus­leb­ba­rem Hass, Kult der Gewalt und Tat, Natio­na­lis­mus, Männ­lich­keit, Opfer und Opfe­run­gen, Leiden und Gewalt­phan­ta­si­en, Herr­schaft und Unter­wer­fung. Die Nach­wuchs-Himm­lers und Dir­lewan­gers sind hier treu ver­eint. Es ist für jeden was dabei: eso­te­ri­sche Wahn­ge­dan­ken und eli­tä­re Pseu­do­re­li­gio­nen, Ban­den­ro­man­tik, bru­ta­ler evo­lu­tio­nä­rer Posi­ti­vis­mus, und roman­ti­sche Lager­feu­er-Schwär­me­rei — ein­fach jeder echte Mani­ker findet sich darin wieder. Du siehst ja selbst wie die radi­kals­ten Ver­tre­ter aller bereits radi­ka­ler Sub­kul­tu­ren immer mit der NS-Ästhe­tik spie­len. Das Extre­me zieht sie alle an. Nicht der NS infil­triert die radi­ka­len Jugend­sub­kul­tu­ren. Ihre „Mani­schen Spit­zen“ werden von dieser Desi­gner-Droge magisch ange­zo­gen, damit gebun­den und poli­tisch aus­ge­schal­tet.
Diese Szene ist unser Flie­gen­pa­pier. Wir lassen sie ein­fach abhän­gen. Hin und wieder kommen wir vorbei scha­ben einen Teil der Flie­gen ab und warten bis sich neue Sam­meln. Es ist ein Filter der die Mani­ker aus der Gesell­schaft fil­tert und sie damit säu­bert.

Ich: Des­we­gen schal­tet ihr auch die Szene nie ganz aus und lasst bei jeder Repres­si­on einen Rumpf bestehen!

Er: Dumm wären wir, wenn wir das nicht täten! Der NS ist eine Gold­gru­be, oder sagen wir besser eine Falle für die ganzen mani­schen Gold­su­cher, die nicht in unsere neue Welt passen. Alles was radi­kal, elitär, mar­tia­lisch, hier­ar­chisch, usw. ist, schie­ben wir in dieses Lager, das für die nor­ma­len Bürger den 7. Kreis der Hölle dar­stellt. So zieht der NS wie ein Kräu­ter­wi­ckel euer Gift, alle extre­mis­ti­schen, mani­schen Ideen aus der Gesell­schaft und saugt damit auch alle Viren und Schäd­lin­ge an. Die Gesell­schaft und die Men­schen werden dadurch immer mit­tel­mä­ßi­ger, ver­träg­li­cher, ruhi­ger und regier­ba­rer.

Ich: Ihr ver­plant euch da! Genau das macht die Masse nur abhän­gi­ger, berei­ter und reifer für cha­ris­ma­ti­sche und idea­lis­ti­sche Führer, die genau in dieser Szene ja destil­liert werden! Das Ganze kann jeder­zeit kippen.

Er: Ja ja, Plato,Nietzsche.. Kennen wir alles.

aus dem Gedächt­nis zitier­te er, fast exakt wie ich später sah, fol­gen­de Stelle die ich nun im Ori­gi­nal wie­der­ge­be:

So kommt denn wahr­schein­lich die Tyran­nei aus keiner andern Staats­ver­fas­sung zu Stande als aus der Demo­kra­tie, aus der über­trie­bens­ten Frei­heit die strengs­te und wil­des­te Knecht­schaft.“

Er fuhr fort.

Das wird aber nicht pas­sie­ren. Das ist ja das Genia­le. Ganz bewusst ist das System so ein­ge­rich­tet, dass nur blasse, farb­lo­se Cha­rak­ter­mas­ken an der Macht sind, für die nie­mand Etwas opfern, geschwei­ge sich selbst opfern würde. Klar, dass dadurch alles immer chao­tisch wirkt, eine Krise und ein Kor­rup­ti­ons­skan­dal den nächs­ten jagt. Aber das System wird nicht zusam­men­bre­chen, dafür sorgen wir schon. Die Krisen sind ja keine Pro­duk­ti­ons­kri­sen, son­dern Ver­wer­tungs­kri­sen. Das ist alles harm­los. Die Pro­duk­ti­vi­tät steigt unwei­ger­lich und wird weiter stei­gen und damit die „Base­li­ne“ des Lebens­stan­dards anhe­ben. Unter­schie­de kann und wird es geben. Armut und Reich­tum sind die ein­zi­gen Unter­schie­de, die bestehen blei­ben müssen, und im wirt­schaft­li­chen Kampf ein Ventil für die Ago­na­li­tät des Men­schen bieten. Wich­tig ist nur, dass es keine auto­ri­tä­re Füh­rung gibt, die die Frei­heit der Leute ein­schränkt. Auto­ri­tä­re Füh­rung ist ein Biotop für revo­lu­tio­nä­re Mani­ker und treibt nur das alte krie­ge­ri­sche Hin und Her, das sinn­lo­se Leiden und Schlach­ten wieder an! Es zahlt sich heute gar nicht mehr aus Dik­ta­tor zu werden. Man kann solche Gelüs­te doch ebenso gut als CEO eines glo­ba­len Kon­zerns aus­le­ben. Der Lei­dens­druck ist nicht hoch genug, dass Mani­ker genug Dumme für eine Revol­te und ein auto­ri­tä­tes Expe­ri­ment finden. Und die Ideo­lo­gi­sche Basis für diesen Blöd­sinn wird von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on dünner und brü­chi­ger. Vom rech­ten Lager, unse­rer, er grins­te, „Iso­lie­rungs­kam­mer“ für Mani­ker 2. Stufe droht keine Gefahr. Der neue Mensch der Mitte ist darauf kon­di­tio­niert sie zu ver­ab­scheu­en. Es liegt aber auch in der Natur dieses neuen Misch­we­sens, dass es sie mit Schre­cken und Bewun­de­rung ableh­nen muss, diesen kon­zen­trier­ten Gewalt­hau­fen hoch­ra­di­ka­ler Fana­ti­ker, Idea­lis­ten, Welt­ret­ter und Wahn­sin­ni­ger. Er kann sie nicht ver­ste­hen, sie sind wie eine andere Spe­zi­es für ihn. Ihre Wahr­neh­mung der Welt ist eine ganz andere als seine. Dazu kommen unsere rhyt­mi­schen Repres­si­ons­schlä­ge, welche die Mani­ker nur noch weiter ansta­cheln und in ihre revo­lu­tio­nä­re Fan­ta­sie­welt trei­ben. Es ist ein unend­lich tiefer Graben zwi­schen diesem Lager und der Gesell­schaft. Das Lager der Antifa dage­gen ist harm­los, weil sie ja nur im Gemüt nicht im Geiste manisch und krank sind. Die paar abge­fa­ckel­ten Autos und zer­bro­che­ne Glas­schei­ben rauben uns nicht den Schlaf. Die kur­beln sogar die Wirt­schaft an.

Ich: Also Frédé­ric Bas­ti­ats These ist umstrit­ten, aber…

Er: Ja, ja Klug­scheis­ser! Auf jeden Fall machen wir uns gar keine Sorgen. Unsere Füh­rung des Heers der Mit­tel­mä­ßi­gen ist sanft, gesichts­los und gnädig. Wenn die Mani­ker nach Rebel­li­on und von Dik­ta­tur brül­len, tippen sich die Bürger nur an die Stirn und fragen in was für einem Film die leben. Nietz­sche hat die Gefahr der Ent­schär­fung der Gesell­schaft sogar noch genau­er beschrie­ben. (Hier tippte er ein paar mal auf sein Smart­pho­ne und las mir dann fol­gen­den Text vor:)

(..) wäh­rend der Gesamt­ein­druck sol­cher zukünf­ti­gen Euro­pä­er wahr­schein­lich der von viel­fa­chen, geschwät­zi­gen, wil­lens­ar­men und äußerst anstell­ba­ren Arbei­tern sein wird, die des Herrn, des Befeh­len­den­be­dür­fen wie des täg­li­chen Brotes; wäh­rend also die Demo­kra­ti­sie­rung Euro­pas auf die Erzeu­gung eines zur Skla­ve­rei im feins­ten Sinne vor­be­rei­te­ten Typus hin­aus­läuft wird, im Einzel- und Aus­nah­me­fall, der starke Mensch stär­ker und rei­cher gera­ten müssen, als er viel­leicht jemals bisher gera­ten ist — dank der Vor­ur­teils­lo­sig­keit seiner Schu­lung, dank der unge­heu­ren Viel­fäl­tig­keit von Übung, Kunst und Maske. Ich wollte sagen: die Demo­kra­ti­sie­rung Euro­pas ist zugleich eine unfrei­wil­li­ge Ver­an­stal­tung zur Züch­tung von Tyran­nen- das Wort in jedem Sinne ver­stan­den, auch im geis­tigs­ten.

Was Nietz­sche nicht bedach­te, war die Dumm­heit und Vor­her­seh­bar­keit der Mani­ker und unsere gute Pla­nung. Fast jeder von ihnen tappt in die NS-Falle. Die­je­ni­gen die unser System geis­tig ableh­nen, also wie gesagt, geis­tes­kran­ke Sado­ma­so­chis­ten und gewalt­süch­ti­ge Nach­wuchs­ty­ran­nen, kurz Psy­cho­pa­then sind, landen, wenn sie aktiv werden IMMER, tod­si­cher in diesem tota­len Extrem­pol, den wir in der Pop­kul­tur am Leben halten. Das ist ein logi­scher und emo­tio­na­ler Zwang. Keiner kann diesem mythisch-radi­ka­len Aroma wider­ste­hen. Dane­ben gibt es für die Mani­ker denen Mut und Wille zur Tat fehlt, die Quatsch­bu­den, die Semi­nar, Lese- und Schrei­beni­schen der Kon­ser­va­ti­ven, Neu­rech­ten und Tra­di­tio­na­lis­ten. Sie können noch so bele­sen sein, wenn sie auf einmal in die Poli­tik ein­grei­fen wollen, enden sie immer im NS, bei der NPD, oder sons­ti­gen Sekten. Achja die Partei wird natür­lich auch von uns am Leben gelas­sen.
Hin und wieder lassen wir die Szene sogar etwas stär­ker werden um die Gesell­schaft auf Trab zu halten. So wird das Flie­gen­pa­pier zur Peit­sche welche die Herde aus den gefähr­li­chen Regio­nen auf die grüne Weide zurück­treibt.

Ich: Und was ist wenn irgend­wo eine Bewe­gung, jen­seits des NS auf­tau­chen sollte? Was wenn ein Mani­ker eurer Sozi­al­tech­nik ent­kommt?

Er: Er braucht doch aber auch immer ein Symbol, eine Parole und eine Ideo­lo­gie, oder nicht? Wenn er all das nicht hat- kein Pro­blem. Dann trom­melt er als „Rechts­po­pu­list“, oder Führer einer ande­ren Volks­be­we­gung die Volks­mas­sen für irgend­ein unwich­ti­ges Pro­test­the­ma, mei­net­we­gen sogar gegen Ein­wan­de­rung zusam­men. Geis­ti­ge Mas­tur­ba­ti­on. Er schafft sich ein Publi­kum für ein Schau­spiel, das er für Revo­lu­ti­on hält. Er ändert damit nichts an unse­rem großen Plan, an unse­rer Vision: der Aus­schal­tung aller Psy­cho­pa­then und Mani­ker für eine bes­se­re Welt. Wenn er beginnt nach­zu­den­ken, das System zu Ana­ly­sie­ren, eine Welt­an­schau­ung, eine Ideo­lo­gie die sich gegen den Welt­geist rich­tet, die sich in Paro­len und Sym­bo­le nie­der­schlägt, lan­de­te er bisher immer noch im NS oder Neo­fa­schis­mus. Manche Mani­ker, denen der Drang zur All­ge­mein­heit und damit all­ge­mei­nen Herr­schaft fehlt, oder die zuwe­nig Distanz zwi­schen ihren Ideen und sich selbst haben, werden zu Sek­ten­grün­dern. Den Mani­kern, die gar nichts tun wollen, reicht in der Regel die Ver­schwö­rugns­theo­rie als geis­ti­ges Aben­ter, angeb­li­ches Exklu­siv­wis­sen und „Initia­ti­ons­er­fah­rung“. Auch in der Wirt­schaft finden viele Mani­ker Platz und Aus­lauf in einem schein­bar unend­li­chen, krie­ge­ri­schen aber rein apo­li­ti­schen Gehege. Die Wis­sen­schaft ist auch ein schö­nes Feld. Viel­leicht endest du ja auch einmal, über irgend­ei­nem ver­stie­ge­nen, hoch inter­es­san­ten For­schungs­feld, in der Wis­sen­schaft, oder als Mana­ger und Unter­neh­mens­grün­der.

Ich: Sie reden und reden, aber der Westen und Europa stirbt. Dieses ganze System, diese libe­ra­lis­ti­sche Erzie­hungs­dik­ta­tur, das ganze wird mit unsern Völ­kern demo­gra­phisch unter­ge­hen. Die Isla­mi­sie­rung ist das bit­te­re Erwa­chen. Der Libe­ra­lis­mus ist nicht lebens­fä­hig genau wie eure Ideo­lo­gie. Der Wille zur Macht ist das einzig Lebens­er­hal­ten­de­ne! Und der besei­tigt heute in der Form der Isla­mi­sie­rung in einem wei­te­ren jugend­li­chen Sturm die Deka­denz und den Nihlis­mus.

Er: Das hät­test du wohl gerne! Feuch­ter Traum von dir und dei­nes­glei­chen. „300“ in den Stra­ßen Ber­lins. Nichts da! Wir haben alles berech­net und durch die Algo­rith­men gejagt. Die Isla­mi­sie­rung ist doch ein Witz. Welt­weit sinkt die Gebur­ten­ra­te bereits. Der Bevöl­ke­rungs­boom des nahen Ostens und der ara­bi­schen Welt ist vorbei. Die über­schüs­si­gen jungen Männer werden über regel­mä­ßi­ge Bür­ger­krie­ge ent­fernt, der Rest kommt nach Europa und füllt hier die demo­gra­phi­schen Lücken. Dabei werden die Natio­nal­staa­ten unter­mi­niert, was uns auch sehr wei­ter­bringt. Natio­na­le Iden­ti­tät, etc. das alles ist Geschich­te.  Eine Lüge der Mani­ker, die die Men­schen vom gesun­den Mit­tel­maß und vom fried­li­chen Mit­ein­an­der abhält! Geh doch in die hie­si­ge Disko und schau wie nett die alle mit­ein­an­der feiern. Alle essen sie das glei­che Fast­food, hören die glei­che Musik, lachen zu den glei­chen Kat­zen­me­mes im glei­chen Social Net­work und mas­tur­bie­ren zu den glei­chen Por­no­stars. Auch wenn das euch Mani­kern nicht passt. Der Islam in Europa wird mit der Zeit assi­mi­liert, der ame­ri­can way ist stär­ker als jeder Rama­dan. In ara­bi­schen Län­dern ist der gehei­me Por­no­kon­sum übri­gens gigan­tisch! Die paar Sala­fis­ten hier werden har­mo­nisch ein­ge­hegt. Ein paar Ter­ror­an­schlä­ge hin und wieder desta­bi­li­sie­ren doch nicht unser System. Im Gegen­teil, sie helfen bei der Durch­set­zung von Über­wa­chungs­maß­nah­men über die Mani­ker! Wie in den USA, die ver­schide­nen Gangs und Cli­quen werden in Europa die Migran­ten ins System ein­ge­wo­ben und im Fall des Falls gegen­ein­an­der auf­ge­hetzt. Türken gegen Kurden, etc. Da zer­bricht auch jede isla­mi­sche Front, die so ein Mani­ker wie Pierre Vogel anfüh­ren könnte, rasch im Staub. Die Retri­ba­li­sie­rung des Kon­ti­ents durch den eht­h­ni­schen Schock der Ein­wan­de­rung macht alles viel leich­ter. Es wird in Europa „nie­mand“ die Macht über die Gesell­schaft an sich reißen, denn Gesell­schaft im her­kömm­li­chen Sinne gibt es bald nicht mehr. Wenn die Wirt­schaft ihre zykli­schen Krisen erlebt, dämmen wir eben ein wenig die Ein­wan­de­rung und drehen ein biss­chen am Law-and-Order-Ventil. Die Mani­ker von 1. und 2. Grades dürfen dann bei ein paar Riots etwas Tag X und Anar­chie spie­len und nach ein paar Wochen ist alles vorbei. Euch fehlt die Masse, denn die Masse gehört uns und will uns.

Ich: Eine Herde ohne Hirt. Der letzte Mensch..

Er: Der wahre Mensch. Der keine Hin­ter­welt braucht und die Gesell­schaft und die Welt nicht irgend­wel­chen kran­ken Formen anpas­sen will. Euch Mani­ker sind aber die Ideale letzt­lich egal. Euch inter­es­siert nur der Unfrie­den und das Chaos, das ihr damit stif­ten könnt. Die Herr­schaft und Tyran­nei die ihr mit ihnen erschaf­fen könnt. Wir bauen eine andere Herr­schaft, eine neue Welt, ohne euch. Ihr seid die letz­ten einer aus­ster­ben­den Art. Jener Art die Ent­de­cker und For­scher, Hei­li­ge, Helden und Mär­ty­rer her­vor­ge­bracht hat. Ja ihr habt die Kathe­dra­len gebaut, die Kon­ti­nen­te ent­deckt und die Opern geschrie­ben und die Bilder gemalt. Aber ihr habt auch die Men­schen gequält, gefol­tert, die Kriege geschaf­fen, die Skla­ve­rei erhal­ten, die Herr­schaft ver­ewigt. Ihr habt das Leiden und den Hunger nach Macht, die über­bor­den­de Ener­gie sub­li­miert oder aus­ge­lebt. Aber mit der Tech­nik und dem Fort­schritt habt ihr einen Ausweg aus diesem Teu­fels­kreis geschaf­fen, der euch hin­fäl­lig macht. Es ist vorbei, eure Auf­ga­be für die Ent­wick­lung der Mensch­heit ist zuende. Auch der Faschis­mus war, so gese­hen, eine List der Ver­nunft. Er ist unser end­gül­ti­ges Werk­zeug um euch anzu­lo­cken, ein­zu­fan­gen, ein­zu­sam­meln und aus­zu­schal­ten.

Ich: Ein Ring sie zu knech­ten…

Er: Haha, immer einen Spruch auf den Lippen. Jaja ein­fall­reich seid ihr ja. Und arro­gant. Aber wie gesagt. Deine Prä­po­tenz und Selbst­über­schät­zung mit der du alles „durch­schaut“ haben woll­test, ist typisch für deine Art. Ihr seid letzt­lich Zwerge auf den Rücken von Riesen und ein bil­li­ge Abglanz eurer Mani­ker-Vor­fah­ren.

Ich: Du bist ein „Mani­ker.“

Als er das hörte zuckte er kurz zusam­men. Für einen Moment blitz­ten mich seine Augen hass­erfüllt an. Dann fasste er sich und zisch­te:

Er: Ganz ein Schlau­er. Ja, du hast nur vor­weg­ge­nom­men, was ich dir am Ende ent­hül­len wollte. Ich habe nicht gelo­gen, als ich sagte, dass ich auch einmal in meiner Jugend extrem unter­wegs war. Aber eines Tages hatte ich ein ähn­li­ches Gespräch wie wir jetzt. Eigent­lich wollte ich dich nur mal ken­nen­ler­nen, aber ich sage es dir ein­fach gleich: der ein­zi­ge Platz, den es für uns heute in dieser Gesell­schaft, zum Wohl dieser Gesell­schaft gibt, ist hier. Hier bei uns. Wir sind Idea­lis­ten. Wir fühlen den Drang zum Kampf, zur Über­win­dung, Macht­wol­len, Kunst­wol­len und Ver­nich­tungs­wil­len. Aber wir lenken all das gegen sich selbst. In uns wird die Bar­ba­rei gegen die Bar­ba­rei ein­ge­setzt und hebt sich auf. Das Gesetz des Dschun­gels wird gegen den Dschun­gel ein­ge­setzt.


Ich: Kagan

Er: Ja die neo­kon­ser­va­ti­ve Denk­schu­le hat uns geprägt. Aber auch Popper, Hegel, Wiener, Macy, ..


Ich: Adorno

Er: Ja aber auch Nietz­sche. Ich ver­ra­te dir mal was: ich selbst lese manch­mal sogar gerne Evola, Schmitt, Speng­ler, Davila, Gueon, Kal­er­gi. Du wür­dest dich bei uns wohl fühlen. Wir sind eine Art Aris­to­kra­tie. Der letzte gute Ort für die Spe­zi­el­len, Exal­tier­ten, die Weni­gen, und Idea­lis­ten. Es ist womög­lich deine letzte Chance etwas Sinn­vol­les aus deinem Leben zu machen. Sonst endest du in Depres­si­on oder Suff, oder du sinkst zurück in die NS-Szene. Denn was ich dir gesagt habe, ist dir ja bewusst. Du weißt selbst am besten, dass dieser ganze Zirkus von uns so gewollt ist. Du weißt wie lächer­lich und unzu­läng­lich das alles ist, diese Black Box des „Wider­stands“, der „Ver­net­zung“, der „Bewe­gung“, die ganzen leeren Phra­sen dieser ent­leer­ten Men­schen.
Die Empö­rung und der Hass, gegen euch ist natür­lich echt und auf­rich­tig. Genau dafür wollen wir dem Laden ja am Leben halten! Das hat unglaub­li­che psy­cho­lo­gi­sche Effek­te, die all unsere Hoff­nun­gen und Erwar­tun­gen über­tra­fen. Du weißt also, dass du nur eine Komö­die spie­len wür­dest wenn du dich zurück in diese Szene, an die Bier­ti­sche, in die Demo­blocks, zu den Lager­feu­ern und Lese­krei­sen bege­ben wür­dest. Es ist eine Komö­die die uns nützt, die alle Mani­ker aus der Gesell­schaft fil­tert, ihnen den letz­ten Rest stra­te­gi­schen Den­kens raubt und sie poli­tisch neu­tra­li­siert. Du müss­test dich selber täu­schen. Deine Texte und Reden müss­test du vor allem für dich selber halten. Inner­lich wärst du tot. Denk dar­über nach und du siehst ein, dass unsere Sache die rich­ti­ge ist! Wir sind die wahren „Über­men­schen“, die wahren Visio­nä­re, wir schaf­fen etwas was noch nie zuvor jemand geschaf­fen hat. Wir bre­chen aus aus dem Rad der Gewalt und der Krisen. Wir schla­gen ein neues Kapi­tel der Mensch­heit auf. Wir schaf­fen einen neuen, echten, wahren und gesun­den Men­schen, der seine kran­ken Extre­me los­wird und sich har­mo­nisch in die Natur ein­fü­gen kann. Wir schaf­fen das durch unser Geschick, unsere Über­le­gung und die plan­vol­le Ein­rich­tung der Welt. Es ist eine vol­un­ta­ris­tisch-idea­lis­ti­sche Schöp­fung, die Gottes Werk voll­endet, und die gigan­ti­schen Macht­auf­bal­lun­gen der Ideo­lo­gi­en, Reli­gio­nen und Ideen im letz­ten Moment zu ihrem wahren und glück­li­chem Ende — ihrem eigent­li­chen Telos — bringt. Die Erlö­sung des gequäl­ten Leibs; Wir sind an der Schwel­le eines evo­lu­tio­nä­ren Wan­dels. Ich weiß, dass du auch schon daran gedacht hast ..

er hielt inne

und ich weiß, dass ich ein Risiko ein­ge­he, indem ich dir all das sage. Nicht weil du es ver­ra­ten könn­test. Das würde eh nie­mand glau­ben und nie­man­den inter­es­sie­ren. Nein: So ange­spro­chen zu werden, wie in einem dieser roman­ti­schen Geheim­bund­ro­ma­ne, das ist genau das, was einen nar­ziss­ti­schen Mani­ker wieder ansta­cheln könnte. Die Para­noia ist ja das gehei­me Opium des Mani­kers, der nichts ande­res als Beach­tung und Aner­ken­nung will. Eine sol­ches Gespräch müsste er sich ja sonst fast schon erfin­den, wenn es nicht gerade statt­fin­den würde…


Aber ich sage dir das weil ich weiß, dass du keine Wahl hast. Weil ich weiß, dass dich eben genau diese Suche, diese innere Hin­ter­fra­gung und Über­stei­gung des plum­pen Willen-zur-Macht-Den­kens und all der Faschis­men zu uns führen wird.  Oder du endest als geis­ti­ges Wrack in einer Szene an die du nicht mehr glaubst. Oder säufst dich um dein Leben, sinkst in Depres­si­on, Antriebs­lo­sig­keit und Apa­thie. Eine andere Nische gibt es für diese Kon­stel­la­ti­on des Mani­schen nicht. Hör auf dich an Formen der Ideale zu klam­mern. Gesteht dir ein, dass es ein Wille zu Macht und Herr­schaft ist, der dich antreibt. Es gibt nur diesen Willen. Die ande­ren Mythen und Ideale haben andere daraus geschaf­fen! Wir sind die Per­fek­ti­on dieses Wil­lens. Wir und unser System sind die totale Macht und wahre Herr­schaft über den neuen Mensch des Mit­tel­ma­ßes. Denn wir sind endlos und unüber­biet­bar. Alle even­tu­el­len Revo­lu­tio­nä­re werden sich im Irr­gar­ten unse­ren tau­sen­den Nischen und Gänge ver­lau­fen. Wir lassen die Rebel­len rei­hen­wei­se offene Türen ein­ren­nen. Für jede Lust haben wir ein Gehege. Wir allein haben die Macht, aber wir wenden sie für Gutes an, um einen neuen Men­schen zu schaf­fen. Es ist ein Ja zum Leben. Würden wir das nicht tun, würden wir nur wieder zurück­fal­len, würde alles zer­fal­len und nach ein paar Dia­do­chen­krie­gen wäre der alte Wahn wieder Welt­herr­scher. Oder die Mensch­heit würde sich selbst aus­rot­ten, mit dem tech­ni­schen Poten­ti­al das sie geschaf­fen hat. Wir sind der wahre Fort­schritt, das wahre Neue und wahre Andere gegen das ewige Hin und Her der Mani­ker.  

Plötz­lich, und mit leuch­ten­den Augen, begann er zu zitie­ren

Soll’s denn ewig von Gewit­tern
Am umwölk­ten Himmel braun?
Soll denn stets der Boden zit­tern,
Drauf wir unsre Hütten baun?
Oder wollt ihr mit den Waffen
End­lich Rast und Frie­den schaf­fen?

Dass die Welt nicht mehr, in Sorgen
Um ihr leicht erschüt­tert Glück,
Täg­lich bebe vor dem Morgen,
Gebt ihr ihren Kern zurück!
Macht Euro­pas Herz gesun­den,
Und das Heil ist euch gefun­den.

Einen Hort geht auf­zu­rich­ten,
Einen Hort im deut­schen Land!
Sucht zum Lenken und zum Schlich­ten
Eine schwer­ter­prob­te Hand,
Die den güld­nen Apfel halte
Und des Reichs in Treuen walte.

Ich: „Am deut­schen Wesen soll die Welt gene­sen“, von Geibel oder?

Er: Ja, Ja das ist unser Auf­trag. Du wirst es nicht glau­ben aber in unse­ren Reihen sind über­pro­por­tio­nal viele Deut­sche. Es ist uns natür­lich egal aber gibt Anlass zu witzen.

Ich: Wenn ich auch was zitie­ren darf, dann Adorno: „Ein Deut­scher kann keine Lüge aus­spre­chen, ohne sie selbst zu glau­ben.“

Er: (lachend) Ja ja. Ein belieb­ter Scherz bei uns. Doch ich glaube es ist die wahre Auf­ga­be, die wahre Schi­ckung unse­res Geis­tes. Es ist die wahre Idee eines sakra­len Impe­ri­ums, das in uns zur glo­ba­len Tat­sa­che und Wahr­heit wird. Wir sind die Ord­nung und das Gute. Das Chaos wurde mili­tä­risch besiegt und ist im NeoNS und Neo­fa­schis­mus sozial ein­heg­bar und beherrsch­bar. Wir schüt­zen den Men­schen vor dem Chaos. Vor allem vor dem Chaos, das in ihm wohnt und auf eine güns­ti­ge Gele­gen­heit wartet. lauert. Wir schnei­den die kran­ken, extre­men Triebe vom Baum der Mensch­heit ab, damit er lang und hoch wächst. Du kennst das Zitat von Nietz­sche zum Baum der Mensch­heit?

Ich nickte

Dann spare ich es mir. Wir iso­lie­ren und heben uns selbst aus der Masse ab — zum Wohl der Masse. Und dabei leben wir für das Gemein­wohl —  gut und edel wie es sich für einen neuen „Adel“ gehört. Es wäre auch etwas für dich. Die Frage ist nur ob du es schaffst ‚vom Nektar des Wahn­sinns los­zu­kom­men. Das ist für uns auch immer ein Cha­rak­ter­test, eine Art Prü­fung.

Von all dem etwas benom­men ord­ne­te ich meine Gedan­ken. Daher lachte ich etwas bemüht und lenkte erst­mal wieder mit einer lite­ra­ri­schen Anspie­lung ab.

Ich: Das erin­nert mich an den Dialog vom Groß­in­qui­si­tor, in Dos­to­jew­ski. Die Herde die zu ihrem eige­nen besten ver­eint und gehal­ten werden soll.

Er: (lacht schal­lend) Aber das rechts­ex­tre­me Lager ist nicht Gol­ga­tha und du nicht Chris­tus. Ach Gott ihr seid ein­fach alle ver­klemmt und und­er­fu­cked…

Ich: Nein, aber ich will mich nicht zwi­schen euch und einer Sub­kul­tur ent­schei­den. Es stimmt, ich habe keine andere Wahl, als einen Aus­druck für meinen Idea­lis­mus zu suchen. Es stimmt, dass es ein inne­rer Drang ist, ein ange­bo­re­ner Takt des Herz­schlags, der einen vor­an­treibt. Dieser Takt und diese Ener­gie schlägt gegen einen selbst, wenn man sie nicht nach Außen rich­ten kann. Das ver­ur­sacht einen Kurz­schluss, nach dem man, aus­ge­brannt ins Nichts kippt. Aber ich glaube des­we­gen immer noch an die Exis­tenz, und die Wahr­heit von Idea­len. Euer Ideal ist das Nichts, es ist die Abschaf­fung aller Ideale. Es leug­net jedes Ideal nur weil es auch ver­wur­zelt und gebun­den ist, weil es sich im Kampf behaup­ten muss und von bestimm­ten Men­schen, mit einem bestimm­ten Stoff­wech­sel und einer Ver­an­la­gung erfah­ren und ver­tei­digt wird. Das Große muss euch krank erschei­nen. Es darf nur leben, wenn ihr es in den Dienst des Nied­ri­gen stellt. Ihr hasst den Kon­flikt, das Leiden, Tod, Geburt und Wie­der­kehr. Aber damit hasst ihr Leben! Ihr habt Recht mit NS und Faschis­mus, aber ich glaube, dass es auch einen andern Weg gibt, jen­seits vom reinen Nichts und dem reinen Willen um des Wil­lens willen. Ich glaube, dass der NS nur euer Gegen­teil, die schein­ba­re Alter­na­ti­ve ist. Er ist die schwar­ze Seite, eurer Dik­ta­tur des Frie­dens und des „Lichts“. Ich glaube aber nicht an Dicho­to­mi­en. Ich glaube an die Ein­heit der Gegen­sät­ze im leben­di­gen Dasein. Ich glaube, dass in diesem Dasein, in mir selbst, in meiner Fami­lie, in meinem Volk, Macht zu Herr­schaft, Gegen­sät­ze zur Gemein­schaft und die Pflicht­er­fül­lung zur Frei­heit werden kann. Wenn ihr und eure Vision die Ant­wort sein sollt, dann frage ich: Was ist die Frage? Ich glaube ihr zer­stört alles was am Men­schen schön und edel ist. Ihr ver­nich­tet seine besten Formen, seine schöns­ten Geis­ter und schnei­det ihm seine zar­tes­ten Sen­s­o­ri­en ab. Ihr wollt ein Ende der Geschich­te her­bei­füh­ren und nennt das Fort­schritt aus einem sinn­lo­sen Kreis­lauf. Aber ist nicht dieses Ende, das ihr der Geschich­te mit der tota­len Gleich­heit setzen wollt, das was jeden mög­li­chen Fort­schritt ver­nich­tet, was jede Frei­heit zu einem Weiter, zu einem Anders, zu einer Utopie ver­nich­tet? Ich will nicht ins System kippen, ich will nicht zu euch, und den Rück­weg in Sub­kul­tu­ren ver­sperrt mir meine Erkennt­nis. Ich

Seine Augen wei­te­ten sich gelang­weilt, seine ganze Eupho­rie erstarb und mit ihr die sur­rea­le Stim­mung, die das Ver­hör­zim­mer erfüllt hatte. Auf einmal war er wieder Poli­zist und ich Delin­quent.

Er: Na gut Herr F, das hätte ich mir denken können, dass sie unbe­lehr­bar sind. Aber eines sage ich ihnen. Egal was sie ver­su­chen, sie werden damit schei­tern. Wir werden sie zer­quet­schen. Zwi­schen dem NW und der Antifa, den Medien und der Repres­si­on ist kein Platz für etwas Neues, kein Frei­raum für irgend­was. Egal was ihr ver­sucht — ihr werdet zer­rie­ben und zer­fetzt. Ein Teil kul­lert zurück in den NS, der andere rie­selt ins System und Sie selber werden arm, einsam und zer­stört zugrun­de gehen. Sie haben keine Chance. Denn Schöns­te ist: es braucht mich eigent­lich gar nicht. Es braucht gar keinen Plan. Die Kabale und die tota­li­tä­re Unter­drü­ckung, die für all des Ver­ant­wort­lich ist bilden Sie sich nur ein, um der Wahr­heit nicht ins Auge sehen zu müssen. Die Men­schen machen das selbst und wollen das von selbst.

Ich: Dieses Gespräch hat genau das Gegen­teil von dem bewirkt was Sie woll­ten. Es hat mich umso mehr moti­viert. Nur in einem haben Sie recht. Wenn es nicht statt­ge­fun­den hätte würde ich es mir aus­den­ken.


Ich sah ihn kurz an, griff dann zu meinen Handy rief ein Zitat von Eichen­dorf auf dem Bild­schirm. Ich über­leg­te ob ich es vor­le­sen wollte. Als ich aufsah war der Mann ver­schwun­den. Also las ich es halb­laut für mich selbst vor. Dann ver­ließ ich das Komis­sa­ri­at.

Ich lasse mich von Euch nicht irre­ma­chen, es gibt noch sanfte und hohe Emp­fin­dun­gen, die wohl scham­haft sind, aber sich nicht zu schä­men brau­chen, und ein stil­les Glück, das sich vor dem lauten Tag ver­schließt und nur dem Ster­nen­him­mel den Hei­li­gen Kelch öffnet wie eine Blume, in der ein Engel wohnt.“