Dieser Arti­kel ent­stand Anfang 2016 unter den Ein­drü­cken der Anschlä­ge in Paris und der “Sil­ves­ter­vor­fäl­le” in Köln.

 

Paris und Köln. Dom­plat­te und Bata­clan. Das sind die Sym­bo­le und Schlag­wor­te für die meta­po­li­ti­sche Gezei­ten­wen­de, in der wir uns gerade befin­den. Das eine Ereig­nis been­de­te das Jahr 2015, das andere eröff­ne­te mit 2016 eines der Ent­schei­dungs­jah­re, in denen sich Europa dem Großen Aus­tausch stel­len muss.
 

Viele erkann­ten bereits im Herbst, dass die Mul­ti­kul­tis im „Refugees-Welcome“-Wahn zu weit gegan­gen sind, dass sie sich in eine Posi­ti­on manö­vriert haben, aus der es für sie kein Zurück mehr gibt. Dafür würden auch die unbe­lehr­ba­ren Links­li­be­ra­len vom Schla­ge eines Jakob Aug­stein sorgen, die sich unrett­bar im eige­nen Wahn­sinn ver­schan­zen. Ihr Wahn­sinn und ihre totale kul­tu­rel­le Hege­mo­nie, in der keine Kritik erlaubt ist, führen zu einer maxi­ma­len Zuspit­zung und Pola­ri­sie­rung der Gesell­schaft, die auf einen tiefen Bruch zuläuft, der das Ende von Mul­ti­kul­ti mar­kie­ren könnte.
 

Der not­wen­di­ge und kom­men­de Kurs­wech­sel der links­li­be­ra­len Kuschel­re­pu­blik in einen här­te­ren Selbst­ver­tei­di­gungs­mo­dus kann, wenn jetzt ent­schei­den­de Schrit­te gesche­hen, die Mul­ti­kul­tis aus ihren poli­ti­schen Ämtern und meta­po­li­ti­schen Macht­zen­tren schleu­dern. Die kom­men­de Ver­än­de­rung sollte über eine geis­ti­ge Ver­schär­fung und klare Pola­ri­sie­rung zur echten umfas­sen­den Wende umge­stal­tet werden. Der­zeit scheint es, als würden diese Pro­gno­sen ein­tre­ten
 

Viele bezwei­fel­ten das Fun­da­ment meiner Über­le­gun­gen, näm­lich dass sich Mer­kels Maschi­ne­rie mit dem „Refugees-Welcome“-Projekt über­nom­men hatte, dass eine Ein­ge­mein­dung, Ver­tei­lung, Abwie­ge­lung, Ver­tu­schung und Ver­dün­nung des Chaos nicht gelin­gen würde. In den teils groß­ar­ti­gen Kom­men­ta­ren, die meine Arti­kel dan­kens­wer­ter­wei­se pro­vo­zier­ten, äußer­te sich jedoch ein gewis­ser „pes­si­mis­ti­scher Opti­mis­mus“ bezüg­lich der geis­ti­gen Ver­schär­fung. Eine Zei­tungs­no­tiz über ein Abflau­en der Migra­ti­ons­strö­me wurde als Anzei­chen für das Ende der Lage­ver­schär­fung, ein Sta­gnie­ren der patrio­ti­schen Pro­test­be­we­gung als Anlass zum Epi­taph inter­pre­tiert.
 

Dieser opti­mis­ti­sche Pes­si­mis­mus bezüg­lich der Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit der BRD hat die Erfah­rung auf seiner Seite. Jeder Mul­ti­kul­ti-Skan­dal, von U-Bahn-Tre­tern bis Sala­fis­ten­pa­trouil­len, ver­sank nach kurzem Auf­leuch­ten ins media­le Nir­wa­na. Jede Pro­test­be­we­gung zer­fiel ohne jede blei­ben­de Wir­kung, ohne einen Höhe­punkt, geschwei­ge denn ein Fanal, erreicht zu haben.
 

Dage­gen stand von meiner Seite eher ein pathe­tisch beschwo­re­nes Gefühl: „Die Welt ist im Wandel.“ Das heißt: Die Welt des west­li­chen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, der gesam­te his­to­ri­sche Block der Wirt­schafts­wun­der-Gene­ra­ti­on, ihre unge­schicht­li­che, post-poli­ti­sche Jovia­li­tät – all das stirbt, nach­dem es die geis­ti­gen und mate­ri­el­len Rest­be­stän­de des Kon­ser­va­ti­vis­mus auf­ge­zehrt hat — und mit ihm ster­ben die ersten „Helden“ dieser Ära, wie Lemmy Kil­mis­ter und David Bowie.
 

Dieses dif­fu­se Gefühl formte sich erst­mals mit dem Terror von Paris zu einer harten Gewiss­heit. Nur wenige Monate nach dem Som­mer­wahn bomb­ten ter­roraf­fi­ne „Refu­gees“ und Migran­ten einen Teil der Bevöl­ke­rung aus dem Will­kom­mens­de­li­ri­um ins Bewusst­sein. Nur in offen­sicht­li­cher Gleich­schal­tung und gegen stum­men Wider­stand konn­ten die Rela­ti­vie­rungs- und Distan­zie­rungs­rou­ti­nen abge­spult werden: „… nichts mit Islam zu tun.“ „… Terror, vor dem die Flücht­lin­ge flie­hen.“

 

Seit Bata­clan ist der Konnex von Terror und Asyl­wahn im Rahmen des Sag­ba­ren. Erst­mals mel­de­te sich die selbst­er­hal­ten­de Ver­nunft aus ihrer ideo­lo­gi­schen Ver­ban­nung zurück. Das Poli­ti­sche, das die Euro­pä­er jahr­zehn­te­lang ver­drängt und in wider­wil­li­ger Vasal­len­hal­tung den Ame­ri­ka­nern über­las­sen hatten, klopf­te wieder an die Tür. Das heißt – wenn eine Tür dage­we­sen wäre. Die hatte man in einem bei­spiel­lo­sen Akt der Sou­ve­rä­ni­täts­auf­ga­be klat­schend aus den Angeln geho­ben. In dieses Vakuum stieß das Poli­ti­sche, in Form einer geball­ten Ladung Tes­to­ste­ron, Mus­kel­mas­se, isla­mi­scher Erzie­hung und auf­ge­stau­ter Kon­sum­wün­sche herein. Die „Welt­meis­ter der Will­kom­mens­kul­tur“ ließen diese Urge­walt wie eine „Quit­tung oder Strafe für die „Schuld“ des Wes­tens oder Deutsch­lands“ (Justus Wert­mül­ler, Baha­mas) wohlig über sich erge­hen.
 

In orwell­schem Zwie­den­ken schwank­ten sie zwi­schen dem Wider­spruch der offi­zi­el­len Jubel­mel­dun­gen über die ren­ten­ret­ten­de Segens­wir­kung der bunten Berei­che­rung und der urdeut­schen Opfer­lust, die sich mit „Wir schaf­fen das“ eine „Jahr­hun­dert­auf­ga­be“ auf­bür­de­te. Will­kom­me­ne Chance, alter­na­tiv­lo­se Not­wen­dig­keit, schuld­til­gen­de Schick­sals­auf­ga­be, Hilfs­be­dürf­ti­ge und Künder des neuen Deutsch­lands – die Flücht­lin­ge waren alles auf einmal. Als oszil­lie­ren­de Pro­jek­ti­ons­flä­chen für die Mut­ter­in­stink­te altern­der, kin­der­lo­ser Mul­ti­kul­ti­jung­fern waren sie aber vor allem eines: neue „Hei­li­ge“.
 

Doch hinter dieser Fas­sa­de gärte es schon. Die Fama ging um. Geschich­ten von Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Plün­de­run­gen und Aggres­sio­nen, das weit­ge­hen­de Fehlen der Frauen und Kinder – fama cres­cit eundum und die Asyl-Lüge wankte bereits vor Bata­clan bedroh­lich. Wer hätte erwar­tet, dass es die Asy­lan­ten selbst sein soll­ten, die ihr einen ent­schei­den­den Stoß ver­set­zen würden?
 

Sie selbst, die umju­bel­ten, beklatsch­ten Ankömm­lin­ge, denen junge Blu­men­mäd­chen Was­ser­fla­schen gereicht, mit denen Merkel Sel­fies gemacht hatte und für die Stu­den­ten einen Sommer lang Cous­cous ange­rührt hatten, zer­stör­ten das Bild, das die Medien mühsam von ihnen kon­stru­iert hatten. Die Refu­gees selbst sind wan­deln­de Wider­le­gun­gen von „Refu­gees-Wel­co­me“. Die deut­schen Behör­den, die mit bemit­lei­dens­wer­tem Fleiß und Aus­dau­er das Chaos hegen, das Merkel ein­ge­la­den hat, befan­den sich in einem ver­zwei­fel­ten Zwei­fron­ten­krieg. Straf­ta­ten und Skan­da­le um die Refu­gees soll­ten kaschiert und aus­ge­dämpft werden, gleich­zei­tig muss­ten sie über ein kom­pli­zier­tes System aus Pres­se­sper­ren und Abspra­chen vor den Deut­schen geheim gehal­ten werden.
 

Ähn­lich wie die „Men in Black“, kämpf­ten die deut­schen Behör­den gegen etwas, das offi­zi­ell eigent­lich gar nicht exis­tier­te: ille­ga­le, gefähr­li­che und sehr unschö­ne „Aliens“. Wir wissen nicht, wie viele Anschlags­ver­su­che, Schlä­ge­rei­en, Plün­de­run­gen und Ver­ge­wal­ti­gungs­skan­da­le bereits unter der Hand beamts­han­delt und aus dem media­len Bewusst­sein gezappt wurden. Es war aber von Anfang an klar, dass einmal ein “Aus­rei­ßer” durch­kom­men musste.
 

#koeln­h­bf ist bereits jetzt einer der wich­tigs­ten Twit­ter-Trends im Jahr 2016. Der Ver­such der Ver­tu­schung, der in den Poli­zei­pro­to­kol­len ein­deu­tig bewie­sen ist, macht die Schan­de von Köln zum „Refu­ge­ega­te“. Die Fakten sind hin­läng­lich bekannt und beschrie­ben. Der weit­ge­hend stumme Schock über Paris schlug nun in eine heu­len­de Wut um, in die auch ein paar Main­stream-Medi­en­ma­cher ein­stimm­ten. Nicht nur Uwe Schmitts „über Jahr­zehn­te aus­ge­bil­de­te“ Tole­ranz lag in Scher­ben. Die meta­po­li­ti­sche Puls­ader pochte. Alle linken Mei­nungs­ma­cher der BRD von Aug­stein bis LeFlo­id wurden teils mit Wut und Häme über­schüt­tet, als sie ihre übli­chen Bewäl­ti­gungs­rou­ti­nen anstimm­ten.
 

Die Demü­ti­gung und geis­ti­ge Kas­trie­rung, wie sie auch im Film „Dis­grace“ mit John Mal­ko­vich gezeigt wird, kennt keine Beschwich­ti­gung mehr. Sie ver­langt das Auf­be­geh­ren oder die völ­li­ge Selbst­auf­ga­be und geis­ti­ge Ent­man­nung. Der Vor­fall auf der Dom­plat­te hat vieles bewegt, eine Tek­to­nik in Gang gesetzt. Der Zusam­men­hang zwi­schen Ein­wan­de­rung und Ver­ge­wal­ti­gung darf nicht mehr nur geflüs­tert werden. Die Zei­tun­gen, in einem für ihr Metier typi­schen „flip-flop“, titel­ten mit knall­har­ten Über­schrif­ten, die sie selbst noch wenige Tage zuvor als „rechte Hetze“ klas­si­fi­ziert hätten. Ab einem Punkt war klar, dass die übli­chen Rou­ti­nen nicht mehr anwend­bar waren, ohne den unab­wend­ba­ren Skan­dal weiter zu ver­grö­ßern.
 

Doch es ist nicht nur reiner Oppor­tu­nis­mus. Ges­tern führte ich eine Unter­hal­tung mit einer Person, die in der Redak­ti­on einer nam­haf­ten Zei­tung sitzt. Sie fügt sich naht­los an andere Gesprä­che. In den Redak­tio­nen ist anschei­nend die Hölle los. Es wird lei­den­schaft­lich und emo­tio­nal debat­tiert und das Lager der Kri­ti­ker wird immer größer. Viele, die schon lange anders woll­ten, als sie durf­ten, sehen jetzt ihre Stunde gekom­men. Das Ganze ist natür­lich keine Kehrt­wen­de. Aber es hat eine grund­le­gen­de Ver­än­de­rung des Sag­ba­ren statt­ge­fun­den. Das Nar­ra­tiv der Asyl­lü­ge ist irrever­si­bel beschä­digt.

 

Wo blieben die Aktionen und Reaktionen nach dem „Fanal von Köln“?
 

Keine Volks­auf­mär­sche vor dem Rat­haus, keine wüten­den Kon­fron­ta­tio­nen mit linken Poli­ti­kern. Hat der deut­sche Mann zwei­mal, im Zulas­sen und in der Reak­ti­on, ver­sagt? Stel­len wir uns einmal vor, das Tau­send deut­sche Fuß­ball­fans ver­schlei­er­te Tür­kin­nen ein­ge­kreist, beläs­tigt und ver­ge­wal­tigt hätten. Noch in der­sel­ben Nacht hätten sich die Ghet­tos wohl erho­ben und wahl­los Hetz­jag­den ver­an­stal­tet. Zu der­ar­ti­gen Reak­tio­nen wären die Deut­schen, unge­ach­tet ihrer mora­li­schen Ver­werf­lich­keit und stra­te­gi­schen Sinn­lo­sig­keit, gar nicht mehr in der Lage. Die „Gewalt über die Straße“ ist demo­gra­phisch längst weit­ge­hend ver­nich­tet.
 

Klei­ne­re Reak­tio­nen, wie eine Kund­ge­bung in Köln (die leider gewis­se Fehler wie­der­hol­te), eine iden­ti­tä­re Demons­tra­ti­on an der Grenze und einige andere gelun­ge­ne Aktio­nen waren sicher­lich keine adäqua­ten Ant­wor­ten auf diesen Skan­dal. Die Bereit­schaft, eine starke patrio­ti­sche Pro­test­ak­ti­on zu unter­stüt­zen, war sicher nie­mals so hoch wie in diesen Wochen. Sie blieb aber aus. Nicht weil das Volk dazu nicht in der Lage wäre, son­dern weil die not­wen­di­ge Initi­al­zün­dung fehlte.
 

Von sich aus“ hat noch nie in der Geschich­te eine Masse poli­ti­sche Aktio­nen gesetzt. In diesem wich­ti­gen Moment hat die deut­sche akti­vis­ti­sche Avant­gar­de ihre Auf­ga­be nicht wahr­ge­nom­men. Das muss man nüch­tern kon­sta­tie­ren. Der akti­vis­ti­sche Muskel der euro­päi­schen Völker und auch der Deut­schen ist auch nach einem Jahr PEGIDA noch nicht stark genug.
 

Man ist im Moment qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv nicht in der Lage, auf einen der­ar­ti­gen Skan­dal adäquat zu reagie­ren. Die Fähig­keit zu spon­ta­nen, orga­ni­sier­ten, stra­te­gisch sinn­vol­len, per­so­nen­star­ken Aktio­nen (die oft auch andere Pläne und Kon­zep­te über den Haufen werfen müssen) lässt sich nicht aus dem Boden stamp­fen oder planen. Sie ent­steht im Ein­satz, in und aus der Erfah­rung, im Herzen einer kri­ti­schen Masse an Taten­durs­ti­gen und „Berufs­ak­ti­vis­ten“ mit einem Gespür für und dem Willen zur poli­ti­schen Macht. Dieses Poten­ti­al ist noch nicht erreicht.
 

Diese Chance auf Aktio­nen, diese Bereit­schaft, wird so nicht wie­der­kom­men, höre ich bereits jetzt die erwähn­ten Kri­ti­ker sagen. Genau das sehe ich anders. Von Baut­zen über Paris bis Köln sehen wir eine stän­di­ge Stei­ge­rung, eine dau­ern­de Über­bie­tung des Chaos. Das impor­tier­te Gewalt­po­ten­ti­al lässt sich weder still und kon­ti­nu­ier­lich rück­füh­ren noch in Deutsch­land ein­he­gen. Der Zustrom reißt nicht ab. Sowohl Aus­gangs­sper­ren als auch „Arm­län­gen­ab­stand“ sind glei­cher­ma­ßen undurch­setz­bar, der Kar­ne­val kommt. Von Merkel und Co kommen, wie Justus Wert­mül­ler in der neuen Baha­mas schreibt,

 

halt­lo­se Beteue­run­gen und Durch­hal­te­pa­ro­len, die dau­ernd wie­der­holt werden müssen, um die berech­tig­ten Zwei­fel nie­der­zu­kämp­fen. In Wahr­heit hat man im Zei­chen der Will­kom­mens­kul­tur mit den Flücht­lin­gen das Lum­pen­pro­le­ta­ri­at von morgen impor­tiert und das, obwohl man nicht einmal mit dem auto­chtho­nen, geschwei­ge denn dem isla­misch gepräg­ten fertig wird.“

 

Die Ver­su­che Mer­kels und Fay­manns, ihren Kurs anzu­pas­sen und den Fall der Asyl-Lüge zu über­ste­hen, können meiner Ansicht nach an zwei Dingen schei­tern:
 

Ers­tens: Die links­li­be­ra­le Kul­tur­he­ge­mo­nie ist zu dieser Reform und Befrie­dung der Lage — also Fes­tung Europa und Remi­gra­ti­on — unfä­hig und unwil­lig. Sie igelt sich in ihrem Wahn­sinn ein. Merkel kann und wird mit dieser Hege­mo­nie schwer­lich bre­chen. Sie trei­ben, gleich­sam als „List der Iden­ti­tät“ in ihrer nütz­li­chen Idio­tie, die Gegen­sät­ze ins Äußers­te. Sie machen weiter und ver­su­chen, mit eiser­ner Faust und Auschwitz­keu­le die Redak­ti­ons­stu­ben und Par­tei­gre­mi­en auf dem Pfad der Selbst­ab­schaf­fung zu halten. Das Feld der faulen Kom­pro­mis­se, der Pro­blem­ver­schlep­pung und Ver­tu­schung wird mehr und mehr zwi­schen den beiden klaren Polen: Recon­quis­ta vs. „Refu­gees wel­co­me“ zer­mürbt. In diesem Span­nungs­feld sind wir die klaren Gewin­ner. Hun­dert­tau­sen­de Bio­gra­phi­en und Denk­we­ge nähern sich – die einen schnell, die ande­ren lang­sam – auf ver­schlun­ge­nen Pfaden unse­rem Lager an. Tag für Tag kommen Neue an. Vor­fäl­le wie Köln wirken hier wie Kata­ly­sa­to­ren. Und Vor­fäl­le wie Köln werden sich wie­der­ho­len, ja, sie werden noch über­bo­ten werden.

 

Zwei­tens: In der eige­nen Partei wächst aus ver­schie­dens­ten Inten­tio­nen eine Bereit­schaft zum „Königs­mord“, der zu wei­te­rem Ver­trau­ens­ver­lust und Dia­do­chen­krie­gen führen kann. Die Oppo­si­ti­on wird jedem Kurs­wech­sel eisern nach­set­zen. Der Gesichts- und Ver­trau­ens­ver­lust schließt sich wie ein eiser­ner Ring um die Wen­de­häl­se der Will­kom­mens­kul­tur. Heinz-Chris­ti­an Stra­che hat in einem aktu­el­len Inter­view das Weg­pro­gramm für einen poli­ti­schen Wech­sel vor­ge­ge­ben:

 

Ich glaube, dass diese Regie­rung unter größ­tem Druck zurück­tre­ten wird. Ich glaube, dass die Bevöl­ke­rung auch bei uns mit Demons­tra­tio­nen auf die Straße gehen und sich in regel­mä­ßi­gen Demos der Druck gegen die Regie­rung so auf­bau­en wird, dass diese Regie­rung zurück­tritt und es Neu­wah­len gibt. Nicht nur Frau Merkel, auch Herr Fay­mann muss weg.“

 

Es geht darum, für einen kom­men­den poli­ti­schen Kurs­wech­sel eine der­ar­ti­ge meta­po­li­ti­sche Span­nung auf­zu­bau­en, dass er in einer kathar­si­schen Wir­kung mit der Hoheit der Mul­ti­kul­tis auf­räumt. Wir dürfen sie ein­fach nicht so leicht davon kommen lassen. Ihre juris­ti­sche und mora­li­sche Schuld muss aus­ge­spro­chen werden und zum Treib­stoff einer Volks­be­we­gung werden. Von Merkel über Maas bis zur Extra3-Redak­ti­on und Jakob Aug­stein – die gesam­te Clique muss in ihrer Ver­ant­wor­tung benannt, iso­liert und mar­kiert werden. Ihr Abtritt muss zur Bedin­gung jedes Wech­sels werden.
 

Unsere Auf­ga­be ist es, mit allen unse­ren Mit­teln und Kanä­len mit­zu­ar­bei­ten und zu „orches­trie­ren“. Die Gegen­sät­ze müssen zuge­spitzt, das mehr­heits­fä­hi­ge Lager der patrio­ti­schen Ver­nünf­ti­gen gegen die Sekte der anti­deut­schen Irren ver­eint werden. Zu all dem, zur geis­ti­gen Ver­schär­fung der mate­ri­el­len Ver­schlim­me­rung ist eine akti­vis­ti­sche Avant­gar­de uner­läss­lich. Eine kri­ti­sche Masse an „freien Radi­ka­len“, die theo­re­tisch geschult und prag­ma­tisch erprobt sind. Sie exis­tiert in der BRD der­zeit nur in Ansät­zen und wird, blickt man auf die bestehen­den patrio­ti­schen Bewe­gun­gen, vor allem in ihrem schmerz­li­chen Fehlen bemerk­bar.
 

In Köln hat ein tie­fen­psy­cho­lo­gi­scher Bruch unge­kann­ten Aus­ma­ßes zwi­schen den Deut­schen und ihrer Regie­rung statt­ge­fun­den. Doch die große Tat, die ange­mes­se­ne poli­ti­sche Reak­ti­on ist aus­ge­blie­ben. Wir haben als poli­ti­sche Wider­stands­kraft noch lange nicht unser Poten­ti­al aus­ge­schöpft. Wir sind an den tau­send Fron­ten, die wir eröff­net haben, teil­wei­se auch an die Gren­zen unse­rer Leis­tungs­fä­hig­keit gesto­ßen. Teil­wei­se ver­schlin­gen bereits die „unsicht­ba­ren Auf­ga­ben“, die Orga­ni­sa­ti­on und der Struk­tur­auf­bau, die für unsere Hand­lungs­fä­hig­keit unum­gäng­lich sind, einen guten Teil der Zeit.
 

Die schwer­wie­gends­te Her­aus­for­de­rung ist dabei der Mangel an Füh­rungs­kräf­ten und Kadern, die den Zustrom an Men­schen und Mate­ri­al bün­deln, struk­tu­rie­ren und orga­ni­sie­ren können. Wir sind alle­samt Teil der letz­ten Gene­ra­ti­on, die eine poli­ti­sche Ände­rung bewir­ken kann. Unsere demo­gra­phi­sche “Nach­schub­li­nie” ist abge­schnit­ten. Das Poten­ti­al an Män­nern, die befä­higt sind, die his­to­ri­sche Chance, die „List der Iden­ti­tät“ aus­zu­nut­zen und Mul­ti­kul­ti zu beer­di­gen, befin­det sich ent­we­der jetzt bereits unter uns – oder es exis­tiert nicht.
 

Es gibt auch Schlach­ten, in denen die mate­ri­el­le Über­le­gen­heit des Geg­ners erdrü­ckend ist, sodass jede Kon­stel­la­ti­on, jede Neu­for­mie­rung des Vor­han­de­nen ver­ge­bens blei­ben. Es gibt Schach­par­ti­en, die, egal wie oft man sie durch­spielt, nur mehr zu ver­lie­ren sind. Keiner soll glau­ben, dass mich diese nüch­ter­ne Über­le­gung, abseits von not­wen­di­gem Berufs­op­ti­mis­mus, nicht regel­mä­ßig beschäf­tigt. Doch ich glaube, dass dieses Poten­ti­al noch vor­han­den ist.
 

In den letz­ten Mona­ten erleb­ten wir eine selt­sa­me und nie dage­we­se­ne Ent­wick­lung. Aus den ver­schie­dens­ten Lagern und Denk­rich­tun­gen, aus den ver­schlun­gens­ten Odys­se­en stran­den nach und nach ver­bor­ge­ne Talen­te in unse­rem Lager, melden sich Wald­gän­ger an unse­rer pre­kä­ren Front­li­nie. Sie brin­gen oft aus ihren bis­he­ri­gen Lebens­läu­fen die pro­fes­sio­nel­le Erfah­rung, den Fleiß und die Gewohn­heit zu Befeh­len mit, die der Typus des Dau­er­ak­ti­vis­ten meist ver­mis­sen lässt. Ich baue auf diese zweite Welle. Die IB hat einen Schritt aus der Sub­kul­tur geschafft und ent­hält alle Grund­ris­se für den Aufbau einer echten Avant­gar­de.
 

Tech­ni­ker, Mar­ke­ting­ex­per­ten, Sozi­al­ar­bei­ter, Lehrer, Wirt­schafts­trei­ben­de, Stu­den­ten, Fach­ar­bei­ter – sie stoßen bereits ver­ein­zelt, aber mit stei­gen­der Geschwin­dig­keit zu jenen Idea­lis­ten, die bereits vor 2015, nicht wegen, son­dern trotz seiner sub­kul­tu­rel­len Ver­fas­sung die Stel­lung im patrio­ti­schen Lager gehal­ten haben. Die Bewe­gung braucht sie, weil sie die Bewe­gung eigent­lich nicht brau­chen. Wir brau­chen vor allem ihre Eigen­in­itia­ti­ve. Es wird keine roten Tep­pi­che oder fer­ti­ge Res­sorts zur Über­nah­me geben.

 

Die Zeit, den Waldgang zu beenden und sich selbst in die Waagschale zu werfen, ist jetzt. 
 

Vieles spricht dafür, dass sie ein ein­ma­li­ges his­to­ri­sches Fens­ter ist. Zur Tat for­dert uns aber vor allem das Wissen, dass es keine Bewe­gung der Enkel geben wird, die diesen Kampf besser aus­fech­ten können. Wir befin­den uns an einem Schei­de­punkt. Ein Brü­cken­kopf ist da. Jetzt kommt es darauf an, ob die brach­lie­gen­den Poten­tia­le, die unser Land noch auf­weist, den Weg in die erste Reihe finden und einen Schnitt in ihre Bio­gra­phie machen. Sie sitzen im Moment noch in ihren Büros und Redak­tio­nen. Sie sitzen viel­leicht sogar gerade an der Lek­tü­re dieses Textes. Sie haben 2015 noch zuge­se­hen. 2016 müssen sie auf­ste­hen, sonst fällt Europa.