DER NIHILISMUS

Immer wieder wurde in diesem Text von einem „anti­ni­hi­lis­ti­schen Geist/Bewusstsein“ und einer Gemein­schaft gesprochen,die die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Über­win­dung des Nihi­lis­mus bereits vor­weg­neh­men muss. Diesen „Kreis“ haben wir im obigen Kapi­tel in einer meta­po­li­ti­schen, iden­ti­tä­ren Bewe­gung ver­or­tet, welche die zen­tra­le Rolle in der Meta­po­li­tik der rech­ten Zusam­men­hän­ge erlan­gen muss, um den rechts­po­pu­lis­ti­schen Kampf auf seine wahre Bedeu­tung zuzu­spit­zen. Dieser Text will, in all seiner bruch­stück­haf­ten Mit­tel­mä­ßig­keit, in all seiner aus­ufern­den Unbe­stimmt­heit, in seiner Wider­sprüch­lich­keit und Ver­stie­gen­heit, die aus zwei lange aus­ein­an­der­lie­gen­den Arbeits­pha­sen resul­tiert, ein Impuls zum Denken für jene sein, die zu einem der­ar­ti­gen Kreis beru­fen sind.

Eine Rück­schau

Im Ver­lauf dieses Textes, der als fun­ken­ty­pi­scher Wort­schwall als Asso­zia­ti­ons­ket­te ent­stan­den ist, arbei­te­te sich eine gewis­se Grund­li­nie heraus, die wir hier noch einmal zusam­men­fas­sen wollen.

1. Totale Deka­denz
Die Deka­denz hat eine neue Qua­li­tät erreicht, weil sie zur Nor­ma­li­tät gewor­den ist. Die gesell­schaft­li­che Deka­denz drückt damit die geis­tes­ge­schicht­li­che Wahr­heit des Nihi­lis­mus als „Ent­wer­tung der obers­ten Werte“ aus. Die Deka­denz als Samm­lung und Aus­druck der Krank­heit könnte auch eine Gegen­be­we­gung her­vor­ru­fen.
Diese ist aber nicht im Lager der „Spie­ßer-Blooms“ zu finden, die das libe­ra­lis­tisch-nihi­lis­ti­sche Credo der deka­den­ten Avant­gar­de teilen, zu der sie in kon­ser­va­ti­ver Schein­op­po­si­ti­on stehen. Ihre „kon­ser­va­ti­ven Werte“ werden bereits mit hedo­nis­tisch-indi­vi­dua­lis­ti­scher Rhe­to­rik ver­tei­digt.
Zwi­schen ihren Polen ver­läuft über kal­ku­lier­te Tabu­brü­che eine immer wei­te­re Ver­brei­te­rung und Ein­eb­nung der Deka­denz als Main­stream.
Auch die Rechts­po­pu­lis­ten hängen klar in diesem Dilem­ma fest. In einem Sze­na­rio wurde beschrie­ben, dass ihr poli­ti­scher Sieg, wenn er nicht Deka­denz und Nihi­lis­mus über­win­den würde, keinen Erfolg bräch­te.

2. Vision

Eine Über­win­dung des Nihi­lis­mus wurde in Aus­sicht gestellt. Als erster Ansatz wurde die Idee, dass diese im klei­nem Kreis und eige­nen Herzen vor­weg­ge­nom­men als „Etap­pen­sieg“ eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Über­win­dung des Nihi­lis­mus ermög­li­chen könne.

3. Frage nach Sinn und Ziel

Ange­deu­tet wurde, dass eine reine Askese und Selbst­zucht, eine strik­te Moral im alten Stil den Nihi­lis­mus nicht über­win­den kann, da er als neue Qua­li­tät aus dem Nihi­lis­mus und der nicht-beant­wor­te­ten Sinn­fra­ge als Dau­er­zu­stand erwächst.  Aus der ewigen Tat­sa­che der Zeit­lich­keit und Sterb­lich­keit erwächst so ein nihi­lis­ti­scher Schmerz, der in Deka­denz ertränkt wird.
Seine Über­win­dung wurde an eine klare Dia­gno­se geknüpft, die aber auf später ver­scho­ben wurde.

4. Das „anti­ni­hi­lis­ti­sche Bewusst­sein“

Die Frage nach einem der­ar­ti­gen Bewusst­sein, und wie es sich aus einem Kreis über eine Bewe­gung im Volk ver­brei­ten könnte, wurde gestellt. Es wurde argu­men­tiert, dass es sich nicht von selbst aus einer bloßen Weg­nah­me der Spaß­ge­sell­schaft eine Krise bilden könnte. Dafür wurde das Bild eines Krüp­pels, der durch Weg­nah­me seiner Krücke auch nicht gesund wird, ver­wen­det.

Eine echte Wende und ein Schritt „über die Linie“ sei not­wen­dig. Dieser könnte nur ins­ge­samt geis­tes­ge­schicht­lich von einer gesam­ten Kultur voll­zo­gen werden, wes­we­gen ein Kreis ihn nur als „vor­grei­fen­des Bewusst­sein“ in einer nihi­lis­ti­schen Umge­bung voll­zie­hen könnte. Die stumme Sehn­sucht nach einer Über­win­dung des Nihi­lis­mus im Volk wurde vor allem in der herr­schen­den Lang­wei­le und ihren Flucht­be­we­gun­gen geor­tet.

5. Die Bewe­gung und das Bewusst­sein

Noch einmal wurde fest­ge­hal­ten, warum dafür nur das „rechte“, patrio­ti­sche Lager infra­ge kommt und warum die Erhal­tung der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät wesens­ge­mäß den Kampf gegen Nihi­lis­mus und Deka­denz erfor­dert.  Die Frage wurde gestellt, wie und wo sich dieses Bewusst­sein bilden könnte. Sowohl die pri­va­te Kul­tur­er­hal­tung ein­zel­ner Resi­du­en tra­di­tio­nel­ler Werte, als auch die rechts­po­pu­lis­ti­sche Mas­sen­po­li­tik wurden dafür ver­wor­fen. Nur in einer echt oppo­si­tio­nel­len  poli­ti­schen Bewe­gung ist das not­wen­di­ge Bewusst­sein der radi­ka­len Wende ebenso erhal­ten wie die prag­ma­ti­sche Bereit­schaft und der Wille, auf die Masse ein­zu­wir­ken.
Der mas­sen­po­li­ti­sche Pro­pa­gan­da-Kampf wurde als wesen­ge­mäß unfä­hig zur Erkennt­nis und zur Über­win­dung des Nihi­lis­mus erkannt. Das anti­ni­hi­lis­ti­sche Bewusst­sein wird daher nicht aus der Bewe­gung als Bot­schaft nach außen treten, son­dern muss in ihr als Stil und Wesen vor­ge­lebt, erhal­ten und selbst gegen ihre eige­nen prag­ma­ti­schen Mecha­nis­men bewahrt werden. Dazu ist nicht die Bewe­gung selbst, son­dern ein „Kreis“ in der Lage, der in ihr eine ana­lo­ge Rolle ein­nimmt, wie es die Bewe­gung selbst in den rech­ten Zusam­men­hän­gen tun soll.

All diese Punkte zeigen klar den frag­men­ta­ri­schen Cha­rak­ter dieses Textes auf, der sich mehr aus Asso­zia­tio­nen ent­wi­ckelt hat, als nach einem klaren Kon­zept geschrie­ben wurde. Er ist viel­mehr eine Umkrei­sungs- und viel­leicht „Aus­weich­be­we­gung“ um die zen­tra­le Frage.
In diesem Umkreis und dieser Umstel­lung wurden viel­leicht einige inter­es­san­te und wich­ti­ge Punkte zum Wie, Woher und Warum der Über­win­dung des Nihi­lis­mus, seinem Zusam­men­hang mit der Deka­denz uvm auf­ge­bracht.
Als zen­tra­le Kon­klu­sio kann man viel­leicht zusam­men­fas­sen, dass
1. auf poli­ti­scher Ebene: die Über­win­dung des Nihi­lis­mus nicht „von selbst“ gesche­hen kann, eine Krise sie nicht „auto­ma­tisch“ bewir­ken wird, die Frage seiner Über­win­dung untrenn­bar mit einer patrio­tisch-iden­ti­tä­ren Poli­tik zusam­men­hängt. Weiter, dass nur eine radi­ka­le mas­sen­po­li­ti­sche Bewe­gung und in ihr ein idea­lis­ti­scher, wesent­lich nach­fra­gen­der Kreis diese Über­win­dung vor­be­rei­ten könnte.
2. auf geis­ti­ger Ebene: der Nihi­lis­mus eine neue Qua­li­tät ist, die eine ide­en­ge­schicht­li­che Macht­stel­lung ein­ge­nom­men hat und auch die schein­bar „Gesun­den“ und „Kon­ser­va­ti­ven“ befal­len hat, er aus der Nega­ti­on einer daseins­ge­mä­ßen Sinn- und Wahr­heits­fra­ge kommt, deren Dau­er­zu­stand er ist. Ferner, dass die Deka­denz die unwill­kür­li­che Abwehr­be­we­gung und Zer­streu­ung gegen dieses quä­len­de Bewusst­sein ist und die Selbst­zer­stö­rung von Volk und Kultur als mate­ri­el­le Folge der Zer­stö­rung seiner Werte kon­se­quent durch­führt.

Die wesent­li­che Frage wurde aber in all diesen Seite nicht auf den Punkt gebracht:

Wie ist der Nihi­lis­mus zu über­win­den? Was kann so ein „Kreis“ tun? Wel­chen Sinn kann er der all­ge­mei­nen Sinn­lo­sig­keit, wel­chen Lebens­stil der Deka­denz ent­ge­gen­zu­hal­ten? Wie äußert sich ein der­ar­ti­ges „vor­weg­ge­nom­me­nes Bewusst­sein“?

Der Grund, warum diese Fragen bis jetzt unbe­ant­wor­tet blei­ben musste, ist, dass die zen­tra­le Frage nach dem Wesen des Nihi­lis­mus, die „Dia­gno­se“ noch nicht gestellt wurde. Teil­wei­se wurde sie sogar ver­stellt.
Denn in der Begriff­lich­keit, die in diesem „Kampf“ gegen den Nihi­lis­mus gewählt wurde, fand bereits eine gewis­se gehei­me „Vor­ent­schei­dung“ statt. In der For­mu­lie­rung der Frage war bereits eine vor­weg­ge­nom­me­ne Ant­wort ver­steckt. Die Pro­blem­stel­lung selbst ent­puppt sich jetzt als Pro­blem. Wie das?

Es ging darum, dem Nihi­lis­mus und seiner Sinn­lo­sig­keit etwas „ent­ge­gen­zu­set­zen“.  Um Sinn­stif­tung, um ein „anti­ni­hi­lis­ti­sches Bewusst­sein“, seine „Über­win­dung“ solle „vor­weg­ge­nom­men werden. Kon­kret stand an einer Stelle:
„Es ist ein Kampf um Wahr­heit und Werte, eine Revol­te gegen das stäh­ler­ne „Bewusst­seins­ge­fäng­nis“ der Moder­ne, das den Mensch von Tra­di­ti­on und Sinn abge­schnit­ten hat. Es müssen Werte ergrün­det werden, die wich­ti­ger sind als das Leben, die  über den Nihi­lis­mus erhe­ben und in deren Glanz man auf seine Ver­lo­ckun­gen und Ver­füh­run­gen ver­zich­ten kann, ohne in eine bitter Wider­stands-Askese zu ver­fal­len.“
Im „Kampf um Werte“ und der „Ergrün­dung neuer Werte“ wurde in der kämp­fe­ri­schen Bewah­rung bestimm­ter Werte, die sich als taug­lich zur Über­win­dung des Nihi­lis­mus erwie­sen haben, sowie in der Schaf­fung neuer Werte, eine Sinn­stif­tung gegen die Ent­wer­tung ange­deu­tet. Der Nihi­lis­mus wurde nur en pas­sant als „Nega­ti­on“, als „ver­nei­nen­de Ant­wort auf eine bestimm­te Frage und ein bestimm­tes Bedürf­nis des Men­schen“, das als die Sinn­fra­ge des Daseins bestimmt wurde.

Diese Bestim­mung klang aber in einer Frage aus, deren Ant­wort auf später ver­scho­ben wurde.

Warum bleibt die Ant­wort auf die Sinn­fra­ge aus? Warum bleibt sie nicht nur für ein­zel­ne ver­fehl­te, trau­ri­ge Exis­ten­zen, wie z.B. im Mit­tel­al­ter jeder an Gott zwei­feln­de Rela­ti­vist erschei­nen musste, son­dern für eine ganze Zivi­li­sa­ti­on, eine ganze Epoche aus?
Warum hat sich in ihr die Gewiss­heit, dass diese Frage nie­mals „objek­tiv“ zu beant­wor­ten ist, als ein­zi­ge echte objek­ti­ve Wahr­heit und Ant­wort durch­ge­setzt? Warum konnte sich daher gerade in ihr eine Unmo­ral zur Herr­schaft auf­schwin­gen, in der das Regel­bruch zur Norm und das Laster zur Tugend wird? All das sind epo­cha­le Fragen, die poli­ti­schen Inter­es­sens­sphä­ren ein­zel­ner Völker weit über­steigt. Wir wollen uns diesen Fragen erst später stel­len und zuvor aus dem über den Nihi­lis­mus erkann­ten ein Fazit für eine mög­li­che Gegen­be­we­gung ziehen.“

Wir wollen in diesem letz­ten Kapi­tel die Frage nicht beant­wor­ten, schon allein weil eine klare Ant­wort dem kur­so­ri­schen Stil dieses Tex­t­un­ge­tüms gar nicht ent­sprä­che, son­dern ver­su­chen sie klarer auf den Punkt zu brin­gen und am Ende zu über­le­gen, wie ein besag­ter Kreis „expe­ri­men­tell“ auf die Suche nach einer Ant­wort gehen könnte.
Dazu müssen wir zuerst, in einer Selbst­kri­tik, die nicht nur diesen Text, son­dern fast alles am Funken Geschrie­be­ne ein­schließt, erken­nen, wie die wahre und echte Frage, die eine Erkennt­nis und eine Über­win­dung erst ermög­licht, durch eine vor­weg­ge­nom­me­ne Lösung ver­stellt wurde.

Die Frage und die Über­win­dung

Wir haben geschrie­ben, dass in der Wahl der Begrif­fe die Frage nach dem Nihi­lis­mus bereits auf eine gewis­se Weise beant­wor­tet war. Die Deka­denz wurde in ihrem unwei­ger­li­chen gesell­schaft­li­chen Sie­ges­zug auf das libe­ra­lis­ti­sche Credo der „tole­ran­ten“, pri­va­ten Lust­ma­xi­mie­rung als Lebens­zweck zurück­ge­führt.
Schein­ba­rer „kon­ser­va­ti­ver Wider­stand“ wurde als libe­ra­le Schein­kri­tik ent­larvt, die, bereits im Bann­kreis dieses Denken ste­hend, es nicht über­win­den kann.
Als phi­lo­so­phi­sche Grund­la­ge von Deka­denz, Hedo­nis­mus und Libe­ra­lis­mus wurde ein Nihi­lis­mus erkannt, der davon aus­geht, dass eine wahre Ant­wort auf die zen­tra­le Frage nach dem Sinn von Welt und Dasein unmög­lich ist, und es nur sub­jek­ti­ve Ent­wür­fe gäbe, die man dia­lo­gisch zum brü­chi­gen gesell­schaft­li­chen Pro­vi­so­ri­um ver­bin­den könne. Nach diesen solle eben, in gegen­sei­ti­ger Tole­ranz, jeder „nach seiner Facon selig“ werden.

Der Nihi­lis­mus ist also das geis­ti­ge Phä­no­men, das sich in der andau­ern­den Nicht­be­ant­wor­tung dieser Frage bzw. im Ver­weis auf das Sub­jekt als ein­zi­ge auto­no­me Instanz seiner  eige­nen Sinn­ge­bung erwächst. Die Deka­denz ist das gesamt­ge­sell­schaft­li­che Par­al­lel­phä­no­men dazu.

Dass dieser Schmerz der unbe­ant­wor­te­ten Frage, die sich aus der eige­nen End­lich­keit und Sterb­lich­keit Stunde für Stunde als Sinn­fra­ge des Lebens  neu auf­drängt, ganz not­wen­dig mit Hedo­nis­mus und Zer­streu­ung — also Deka­denz beant­wor­te­te wird, war der Schluss dieses Nach­den­kens, das zu einer Absage an die bloße Askese und das bloße Mora­li­sie­ren führte.
Das Sinn­va­ku­um musste gefüllt werden.

Es ging nun darum, ihm etwas „ent­ge­gen­zu­set­zen“, ihn zu „über­win­den“ , einen „Sinn zu stif­ten“, und zum Leben „Ja“ zu sagen. Damit war die Über­win­dung des Nihi­lis­mus als ein Pro­jekt dar­ge­stellt, das wir durch eine gemein­sa­me Tat errei­chen können, und zu der wir uns nur radi­kal genug ent­schei­den müssen. Der Weg war klar und musste nur began­gen werden.

Die Auf­ga­be einer anti­hi­lis­ti­schen Bewe­gung wurde darin gese­hen, einen  neuen lebens­er­hal­ten­den Sinn zu stif­ten, der wie ein Mythos erzählt werden und mit flam­men­den Worten, fas­zi­nie­ren­den Logos und spek­ta­ku­lä­ren Aktio­nen zum Leben erweckt werden soll. Dieser Grün­dungs- und Set­zungs­akt soll, dich­te­risch gestal­tet, irgend­wann selbst im Mythos auf­ge­hen und sich im Ursprungs­dun­kel einer neu geschaf­fe­nen Reli­gi­on ver­lie­ren.

Die nihi­lis­ti­sche Ant­wort auf den Nihi­lis­mus

In all diesem Denken schwingt bereits eine Vor­ent­schei­dung über das Wesen und den Sinn dieses „Sinns“ mit.
Der Sinn, der als Wahr­heit und Wert, als neuer Mythos den Nihi­lis­mus und damit Deka­denz, Eth­no­zid und Libe­ra­lis­mus über­win­den soll, muss „lebens­fä­hig“ machen — er muss funk­tio­nie­ren.
Der Sinn und die Wahr­heit ist hier bereits darauf hin fest­ge­stellt, dass sie eine gesell­schaft­lich-gemein­schaft­li­che Funk­ti­on erfül­len soll. Sie soll, um es mit Nietz­sche, dem Ahn­her­ren dieses Den­kens zu sagen: dem Leben dienen. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Da der Ein­zel­ne in ein Volk, eine Spra­che und Kultur ein­ge­bet­tet ist, ist die Erhal­tung des Lebens ebenso eine gemein­schaft­li­che Sache, wie der Sinn­ver­lust und Nihi­lis­mus die gesam­te Gemein­schaft betrifft.

Damit ist die Wahr­heit dem  Willen und der Lebens­funk­ti­on unter­stellt. Die Frage nach dem Sinn ist bereits beant­wor­tet, der besag­te Kreis muss sie sich gar nicht mehr wirk­lich stel­len, son­dern diese  Ant­wort voll­zie­hen. Der neue Sinn wird zu einer Frage der Pro­pa­gan­da und der Auto­sug­ges­ti­on. Wel­cher selbst­er­fun­de­ne Mythos „lin­dert“ die Erfah­rung der Sinn­lo­sig­keit am stärks­ten?

Der Nihi­lis­mus ist danach also nichts anders als die Unklar­heit dar­über, dass die Sinn­fra­ge bereits beant­wor­tet ist: Sinn ist das bio­lo­gi­sche Über­le­ben im Daseins­kampf. Sinn des Lebens ist das Leben selbst, wel­ches im Men­schen als „nicht fest­ge­stell­tem Tier“, mit „zu groß ent­wi­ckel­tem Gehirn“, zufäl­li­ger­wei­se auch die Kultur und den Staat als „sozia­len Faktor“ nötig hat.
„Wahr­heit“ ist die Illu­si­on, ohne die das Tier Mensch das Leben nicht erträgt. Es geht darum, blumig und mythisch zu dich­ten, seinen Geist und seine Sehn­sucht nach Sinn und Kom­ple­xi­tät mit fas­zi­nie­ren­den Laby­rin­then zu befrie­di­gen, deren wahrer Sinn aber die Selbst­be­schäf­ti­gung des Geis­tes und das Bio­lo­gi­sche am Leben blei­ben, das Nicht­ver­zwei­feln an der „höhe­ren Sinn­lo­sig­keit“ ist. 
Diese schein­ba­re Ant­wort auf den Nihi­lis­mus, die im Gedan­ken, ihm aktiv  einen „Mythos ent­ge­gen­zu­set­zen“, impli­ziert, dass es tat­säch­lich keine „objek­ti­ve Ant­wort“ auf die Sinn­fra­ge gibt, son­dern das Leben je immer sein eige­ner Sinn ist, den es sich in ver­schie­de­nen Ver­klei­dun­gen setzt. Alle alten Götter und Reli­gio­nen, jede Kultur, jeder Mythos waren nur solche Ver­klei­dun­gen des Lebens­trie­bes, die eine „höhere Ver­nunft“ dem zwei­feln­den Men­schen­we­sen unter­be­wusst erschuf, damit es seine kos­mi­sche Leere und Sinn­lo­sig­keit ertra­gen kann. Die mensch­li­che Suche nach „tota­ler Wahr­heit“, die Wahr­haf­tig­keit der west­li­chen Auf­klä­rung hat diese „der Dich­tung zau­be­ri­sche Hülle“, die sich,  um erneut Schil­ler zu zitie­ren, „lieb­lich um die Wahr­heit wandt“ zer­stört und damit die Völker Euro­pas dem offe­nen Nihi­lis­mus preis­ge­ge­ben.
Die Über­win­dung des Nihi­lis­mus ist  so also viel­mehr sein Ertra­gen und seine Ver­hül­lung „für das Volk“. Es müssen die bekämpft werden, die ihn offen pre­di­gen und das Leben als Sinn des Lebens abwer­ten. Die­je­ni­gen, die der freien gewalt­sa­men Stif­tung natio­na­ler Mythen, auf­klä­re­risch-skep­tisch, kri­tisch und höh­nisch im Wege stehen.
Das Leben soll und muss sich wieder selbst genug – es muss „ der Erde treuer“ werden.

Dieses Denken beherrsch­te als unaus­ge­spro­che­ner Sub­text den gesam­ten Auf­satz und brach in Aus­drü­cken wie „Schritt über die Linie“, „Dia­gno­se und The­ra­pie“ voll hervor.

Der Nihi­lis­mus wurde  zwar als unbe­ant­wor­te­te Sinn­fra­ge rich­tig erkannt. Im anklin­gen­den Gedan­ken, diese aber durch eine Tat und die „Stif­tung eines Sinns“ zu über­win­den, war der Sinn bereits als etwas Her­stell­ba­res, Mach­ba­res und in der Ver­fü­gung des Men­schen Ste­hen­des vor­ge­fasst. Damit wird der Sinn ein Aus­druck und eine Set­zung des Lebens und des Wil­lens.  Der Kampf gegen den Nihi­lis­mus und die Deka­denz wäre so letzt­lich nur ein Kampf um die Macht zu dieser gesell­schaft­li­chen Sinn­set­zung, den man meta­po­li­tisch gegen „den Feind“ aus­zu­tra­gen habe. Der Nihi­lis­mus als Fehlen jedes Sinnes wurde gar nicht erst rich­tig ernst genom­men.

Zusam­men­ge­fasst: Der zu stif­ten­den Mythos wird nach seiner effek­ti­ven Funk­ti­on für das bio­lo­gi­sche Über­le­ben vor­grei­fend skiz­ziert und bewer­tet. Sein wahrer Sinn ist das Leben selbst, er geht inso­fern über es hinaus, als er sein Weiter- und Höher­stre­ben ermög­licht, ohne dem es in sich selbst zurück­fällt. Doch er ist vom Leben ins Leben und für das Leben gesetzt. Auf­ga­be einer Bewe­gung gegen den Nihi­lis­mus ist die For­mu­lie­rung eines sol­chen Mythos, die sie allein aus den alten reli­giö­sen und natio­na­len Tra­di­tio­nen destil­lie­ren kann, die sie neu-rechts ästhe­tisch mobil machen muss.
Denn diese hatten bewie­sen, dass sie ganze Epo­chen, jahr­tau­sen­de­lang am Leben erhal­ten hatten.
Diese neue Ver­zau­be­rung der Welt ist eine mög­li­che meta­po­li­ti­sche Tat, die gegen die Ent­zau­be­rer, die Uni­ver­sa­lis­ten, die Vor­kämp­fer der Moder­ne, die heute die meta­po­li­ti­sche Herr­schaft besit­zen, erkämpft werden müsse.

Keine ernst­haf­te Frage

Warum ist diese Ant­wort auf die Frage des Nihi­lis­mus selbst nihi­lis­tisch? Wir haben die Ant­wort bereits gege­ben: Indem der Sinn als aktiv zu stif­ten­der betrach­tet und in seiner Erhal­tungs­funk­ti­on für das Leben vor­ent­wor­fen wird, wird unter der Hand bekräf­tigt, dass es keinen höhe­ren, vom Über­le­ben unab­hän­gi­gen Sinn, keine Wahr­heit jen­seits des vom Sub­jekt Gesetz­ten gibt. Diese Über­win­dung des Nihi­lis­mus ist viel­mehr sein Ertra­gen und das „Sich-Abfin­den“ mit ihm.
Der neue Mythos und Sinn soll den Ein­zel­nen opfer­be­reit machen und über das hedo­nis­ti­sche Credo des Libe­ra­lis­mus erhe­ben, er soll — so viel wurde bereits erkannt — nicht zur bit­te­ren Askese, son­dern zum freu­di­gen Ver­zicht befä­hi­gen. Doch woher kann dieser Mythos und Sinn kommen? Warum war er in ande­ren Epo­chen offen­bar da und fehlt heute. Die nihi­lis­ti­sche Ant­wort auf den Nihi­lis­mus, die direkt aus Nietz­schea­nis­mus und neu­rech­tem Stil­fa­schis­mus stammt, ver­wischt diese Frage, in der der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Wesen des Nihi­lis­mus und in einer adäqua­ten Reak­ti­on liegen könnte.

Indem die Über­win­dung des Nihi­lis­mus zu einem Pro­jekt, einer Auf­ga­be und einer Aktion wird, die  ein mobi­li­sie­ren­des lebens­be­ja­hen­des Ideal schaf­fen und pro­pa­gie­ren soll, liegt und lag sie immer schon im Mög­lich­keits­be­reich des Men­schen.
Die Epoche des Nihi­lis­mus liegt daher vor allem im Ver­sa­gen des Men­schen bzw. in der Sabo­ta­ge bestimm­ter gesell­schaft­li­cher Kräfte, die die Werte zer­setzt, die Tra­di­tio­nen ver­wor­fen und die Welt ent­zau­bert haben. Der Kampf gegen den Nihi­lis­mus ist der poli­ti­sche Kampf gegen diese Kreise.

Hier wird aber letzt­lich der heu­ti­ge Zustand des Nihi­lis­mus, indem sich die obers­ten Werte ent­wer­ten, indem sich die nega­ti­ve Ant­wort auf die Sinn­fra­ge des Daseins jen­seits von Spaß TOTALISIERT.  Was heißt das?

Indem ver­gan­ge­nen „idea­lis­tisch-kon­ser­va­ti­ven“ Epo­chen attes­tiert wird, dass in ihnen höhere Werte galten, die als „unhin­ter­frag­bar“ und heilig, von der Gesell­schaft bewahrt und beschützt wurden, wird im Grunde behaup­tet, dass auch damals bereits ein poten­ti­el­ler Nihi­lis­mus herrsch­te, und bloß die Gesell­schaft aus Lebens­wil­le und Weis­heit diesen Schritt unter­ließ und den „Baum der Erkennt­nis“ nicht antas­te­te.
Die Leute damals waren in Mythos und Dich­tung gebor­gen und so vor der erschüt­tern­den Wahr­heit, dass es keine abso­lu­te Wahr­heit gibt, geschützt. Die Über­win­dung des Nihi­lis­mus muss als „zurück“ als Gegen­be­we­gung zur „Moder­nen Welt“ wieder in diese Unmit­tel­bar­keit zurück, muss ein kind­lich-spie­le­ri­sches Ver­hält­nis zur Wahr­heit gewin­nen.
Damit werden aber letzt­lich die alten Tra­di­tio­nen und Wahr­hei­ten ent­wer­tet, indem sie nur als lebens­er­hal­ten­de Mythen­ge­bil­de über der zen­tra­len Wahr­heit des Dasein­kamp­fes bewer­tet werden.
Der radi­ka­le Bruch, der uns Heu­ti­ge von der Antike trennt, der qua­li­ta­ti­ve Umschwung, die totale Wende, die in der Moder­ne ein­ge­setzt ist, das Epo­cha­le des Nihi­lis­mus, das jeder sub­jek­ti­ven Tat, jedem Gedan­ken­ex­pe­ri­ment Ent­zo­ge­ne wird hier geleug­net.

Tat­säch­lich war die Welt der Antike nicht die­sel­be wie heute plus poli­tisch wirk­mäch­ti­ge Mythen. Die geis­ti­ge, poli­ti­sche und reli­giö­se Rea­li­tät, die vor der jüdisch-christ­li­chen Wende herrsch­te, ist uns gänz­lich unvor­stell­bar. Die dia­lek­ti­sche Selbst­zer­stö­rung, die sich im Rahmen der christ­li­chen Welt­sicht in Gang setzte und über Auf­klä­rung bis zum nihi­lis­ti­schen Heute führte, lässt sich nicht rück­gän­gig machen.
Die größte Gefahr liegt in einer Ver­ken­nung des Wesens des Nihi­lis­mus als etwas, das unse­rem Wollen und Tun ent­zo­gen ist.  Er ist nicht durch Taten und Wille bestimm­ter Men­schen über uns her­ein­ge­bro­chen. Er ist kein Betriebs­un­fall, keine „Umer­zie­hung“, die man „rück­erzie­hen“ kann.

Ein echter Glaube, eine Wahr­heit jen­seits von meta­phy­si­schen und uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gi­en ist etwas, das für uns kaum mehr vor­stell­bar ist. Es ent­zieht sich uns. Die logi­sche Ant­wort des Hedo­nis­mus, dem ein gewis­ser Teil des Volkes ver­fällt, ist ebenso modern und bedingt wie die hero­isch-wider­stän­di­ge Ant­wort, den ein klei­ner Kreis von Idea­lis­ten voll­zieht: der Ver­such, mit den Instru­men­ten der Moder­ne diesen Glau­ben und diese Wahr­heit her­zu­stel­len.

Der Opfer­kult

Er fand seinen his­to­ri­schen Aus­druck in der poli­ti­schen Reli­gi­on des NS, in seinen Fah­nen­mee­ren, in seinem reli­giö­sen Okkul­tis­mus, dessen mys­ti­sches Zen­trum der Krieg, der Tod, die Treue und die Opfer­breit­schaft waren. Der totale Kult der heroi­schen Ent­schei­dung, des Fah­nen­schwurs, der abso­lu­ten Bereit­schaft, sich zu opfern für ein Zei­chen, eine Fahne, die „mehr ist als der Tod“ war und ist jener ver­zwei­fel­te Ver­such, aus dem Nichts des moder­nen Nihi­lis­mus einen Sinn zu schla­gen.

Die Bereit­schaft, den Schmerz zu ertra­gen und über sich hinaus zu schaf­fen bis zur Selb­stop­fe­rung für ein Ideal, ist wie Ernst Jünger in seinem Auf­satz über den Schmerz fest­hält, der „nega­ti­ve Abdruck“ dieses meta­phy­si­schen Ideals. (Hier haben wir ein paar Gedan­ken über diese Todes­breit­schaft nie­der­ge­schrie­ben XXX Hero­is­mus)
Das Blut des Mär­ty­rers hei­ligt das, wofür er gestor­ben ist. Das mil­lio­nen­fa­che Men­schen­op­fer des Ersten Welt­krie­ges musste, so Jünger, einen gehei­men epo­cha­len Sinn haben, einen gehei­men Baum mit Blut begos­sen haben.

Wir sehen im Kult von Schmerz, Tod und Krieg die letzte Wahr­heit der akti­vis­tisch-heroi­schen Über­win­dung des Nihi­lis­mus. Die Bereit­schaft für etwas zu ster­ben, ist der ein­zi­ge Beweis, dass dieses etwas „mehr ist als der Tod“. Und wirk­lich: nichts erschreckt das libe­ra­le Nein zu über­le­bens­gro­ßen Werten mehr als die Todes­be­reit­schaft junger Men­schen — egal ob RAF, Nazis oder Dschi­ha­dis­ten.

Doch ist dieses JA zum Tod und zum Ideal ein Nein zur moder­nen Welt und eine Über­win­dung des Nihi­lis­mus? Wir müssen diese Frage ver­nei­nen. Auch der Tod, auch der Schmerz und das Opfer können Sinn und Wahr­heit nicht aus dem Nichts grei­fen. Keine Gewalt — und sei sie die ulti­ma­ti­ve Todes- und Tötungs­be­reit­schaft — kann aus der sturen grauen Bedeu­tungs­lo­sig­keit der Moder­ne einen Gott her­vor­trei­ben.

Hier herrscht, wie in der „Stif­tung des Wertes“ oder in der von van den Bruck beschrie­be­nen „Schöp­fung erhal­tens­wer­ter Werte“, eine Ver­tau­schung vor. Ein erfun­de­ner Wert wird nicht wahr dadurch, dass der Mär­ty­rer für ihn stirbt, ein Ideal wird nicht erha­ben dadurch, dass jemand in seinem Namen Schmerz erträgt oder zufügt.
Auch wenn es mit der höchs­ten und ulti­ma­ti­ven Wil­lens­an­span­nung und der äußers­ten sub­jek­ti­ven Mög­lich­keit: dem Opfer geschaf­fen wurde, bleibt der Sinn und Wert damit ein geschaf­fe­ner und bestä­tigt die These des libe­ra­len Nihi­lis­mus, die da lautet: es gibt kein Jen­seits des Sub­jek­ti­vis­mus, es gibt keine Wahr­heit, es gibt keine Werte, es gibt nur Erfin­dun­gen und einen gemein­sa­men Kon­sens. Die akti­vis­ti­sche Sinn­stif­tung macht die Wahr­heit zu einer Frage der Pro­pa­gan­da.

Zusam­men­ge­fasst können wir sagen, dass eine sub­jek­ti­vis­tisch-akti­vis­ti­sche Über­win­dung des Nihi­lis­mus dessen epo­cha­les Wesen ver­kennt, weil sie glaubt, er selbst stünde in der Ver­fü­gung des Men­schen. Ihre Werte sind sub­jek­ti­ve Wil­lens­an­stren­gun­gen, die, auch wenn sie noch so hero­isch sind, das libe­ra­le Dogma bestä­ti­gen: „es gibt nichts — nur der Mensch setzt.“ „Es rettet uns kein höhe­res Wesen: der Mensch muss alles selber tun: als Herr seiner Geschich­te“. „Wahr­heit und Sinn kann man nicht finden — nur „erfin­den“. „Die ein­zi­ge Grenze für die Wil­lens- und Schöp­fungs­frei­heit des Sub­jekts ist der Wil­lens­be­reich eines ande­ren Sub­jekts.“

Sie ist letzt­lich ein tota­ler Selbst­wi­der­spruch. Das was den vor­mo­der­nen Wahr­hei­ten ihre Kraft und „Funk­tio­na­li­tät“ für das Leben gab, war gerade, dass sie nicht im Namen des Leben aus dem Leben gesetzt waren – oder nicht derart gese­hen wurden.
Genau indem die akti­vis­ti­sche Über­win­dung des Nihi­lis­mus diese alten Wahr­hei­ten aber als unbe­wuss­te Erfin­dun­gen durch und für das Leben sieht, raubt sie ihnen ihren Wert und die erhoff­te Funk­tio­na­li­tät für das Leben.

Der Wider­spruch vom Leben als Lebens­sinn.

Wir sehen, dass eine Reli­gi­on, also ein Glaube an etwas, das über dem bloßen Leben steht, genau die Fes­tig­keit gibt, die über Gene­ra­tio­nen hinweg den Erhalt der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät ermög­licht. (Die neu­heid­nisch-natio­na­len Grup­pen, die letzt­lich eigent­lich athe­is­tisch sind und als Leben nach dem Tod nur das „bio­lo­gi­sche Fort­le­ben“ betrach­ten, haben es nie­mals geschafft, diese Tra­di­ti­on, geschwei­ge denn eine echte Brei­ten­wir­kung zu errei­chen. Anders bereits der NS/NW, der allein mit der bloß ver­ba­len Beschwö­rung einer Todes­tran­szen­denz „die Fahne ist mehr als der Tod“ Nach­ah­mungs­ef­fek­te einer Reli­gi­on hat.)

Wenn wir weiter zurück­bli­cken, so sehen wir, dass die Völker Euro­pas über ein Jahr­tau­send lang als Ant­wort auf diese Sinn­fra­ge nicht die bloße Erhal­tung der bio­lo­gi­schen Sub­stanz hatten. Der Sinn des Lebens ergab sich für den Ein­zel­nen und für das Volks­gan­ze aus einer Wahr­heit, die über dem Volk stand. (Und die in vielen mono­the­is­ti­schen Tra­di­tio­nen auch gegen das Volk los­ge­löst und außer­halb von Volk und Welt stand, was sie uni­ver­sa­lis­tisch machte. Anders dage­gen eine Reli­gio­si­tät, in der Gott und die Götter über dem Volk stehen, aber man nur „über“ das Volk zu ihnen gelangt.) Auch vor der Chris­tia­ni­sie­rung herrsch­te kein „ago­na­ler“ Lebens­selbst­zweck vor. Die heid­ni­schen Reli­gio­nen Euro­pas waren, anders als es viele Neu­hei­den glau­ben, keine „kühle faus­ti­sche Erkennt­nis­leh­re“, son­dern eine ver­äs­tel­te und tiefe Tra­di­ti­on, die die Frage nach dem Sinn des Daseins nie­mals nur mit „Daseins­er­hal­tung“ beant­wor­te­te.
Unsere gesam­te Geschich­te und auch das Hier und Jetzt zeigen uns also, dass Daseins­er­hal­tung als Sinn des Daseins, „Leben als Selbst­zweck“ nie­mals ein Volk oder auch nur eine Gene­ra­ti­on im Dasein gehal­ten hat. Auch heute tut sie das nicht. Wer den Beweis will, der sehe sich einmal die durch­schnitt­li­che Lebens­füh­rung durch­schnitt­li­cher „Natio­na­ler“ an und ver­glei­che sie mit der von gläu­bi­gen Mus­li­men oder kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken. Der „Volks­tod“ war auch in den Reihen derer, die gegen ihn demons­trier­ten, prä­sent. Hinter dem Wahn der Daseins­er­hal­tung als Lebens­sinn ver­birgt sich letzt­lich auch der Tod, also der Nihi­lis­mus.

Ist der Sinn des mensch­li­chen Daseins sein Dasein selbst, so bemisst sich dieses primär in seiner kör­per­li­chen Exis­tenz. Der Mensch hat aber auch Geist, er denkt und hat Ideen. Der Sinn des Geis­tes  ist, wenn Dasein Sinn des Daseins ist, die kör­per­li­che Exis­tenz zur erhal­ten, sowohl im Ein­zel­le­ben als auch in der Moti­va­ti­on zur Fort­pflan­zung. Alle Ideen, Moral­vor­stel­lun­gen und Wahr­hei­ten, mit denen der Mensch die Sinn­fra­ge beant­wor­tet, werden also daran gemes­sen, ob sie das sicher­stel­len können. Beim Tier erfüllt der Trieb diese Funk­ti­on zuver­läs­sig. Beim Men­schen sollen Kultur, Moral und Reli­gi­on als Insti­tu­tio­nen diese Funk­ti­on ebenso zuver­läs­sig erfül­len.
Damit sie das können, damit sie stabil und uner­schüt­ter­lich sind müssen sie aber geglaubt werden.

Damit der Mensch aber an sie glau­ben kann, muss er sie für wahr und gege­ben halten. Sie müssen also als unab­hän­gig von seiner Will­kür gelten. Sie müssen ihm als Pflich­ten und Auf­ga­ben erschei­nen, nicht als Gestal­tungs- und Wahl­mög­lich­kei­ten.

Macht man diese Werte und Insti­tu­tio­nen aber zu „Erfin­dun­gen“ des Volkes und der Men­schen, die „zu dem Zweck erfun­den wurden“, damit es kul­tu­rel­le Sta­bi­li­tät gibt, weil der Mensch als „Män­gel­we­sen“ not­wen­dig insta­bil ist — dann unter­gräbt man sie gleich­zei­tig.

Man raubt ihnen ihre Wahr­heit, ihre Gel­tung und ihren Anspruch.

Die zahl­rei­chen Ver­su­che alter Rech­ter, die Exis­tenz von Völ­kern gene­tisch zu bewei­sen, über­win­det den Nihi­lis­mus (der erst Ursa­che und Moti­va­ti­on der Lüge über die Inexis­tenz von Völ­kern ist) nicht. Er „beweist“ nur die bio­lo­gi­schen Rand­er­schei­nun­gen des Status Quo. Die geis­ti­ge Tat­sa­che, dass sich die obers­ten Werte ent­wer­tet haben, dass die Trä­ger­völ­ker des Uni­ver­sa­lis­mus, die nach dessen Tod zu Sarg­trä­gern gewor­den sind, heute jeden Lebens­sinn ver­lo­ren haben, kann er mit allen bio­lo­gi­schen „Bewei­sen“ aber nicht wider­le­gen. Ver­zwei­felt pos­tu­liert er, dass Völ­kern einen „ evo­lu­tio­nä­ren Über­le­bens­trieb“ haben und kann nicht erklä­ren, warum die west­li­chen Völker sich heute kon­trär dazu ver­hal­ten.
Dass der Mensch nicht in seiner bio­lo­gi­schen Erklä­rung auf­geht, dass das ewige Her­lei­ern bio­lo­gi­scher Trieb­fi­xiert­heit vulgo „Lebens­ge­setz“ selbst der ver­zwei­fel­te und unbe­wuss­te Ver­such ist, dem ent­wer­te­ten Dasein einen Sinn zu geben, wird ihnen nicht bewusst.
Dieser  Ver­such ist zum Schei­tern ver­dammt. Das Über­le­ben um des Lebens willen, der Daseins­kampf als Lebens­sinn ist kein mobi­li­sie­ren­der Mythos und spricht damit eine Wahr­heit aus:
Der Mythos, als gemein­sa­me Ant­wort eines Volks auf seine Daseins­fra­ge, ist NICHT durch seine „mobi­li­sie­ren­de“ lebens­stei­gern­de Funk­ti­on bedingt.

Ein Mythos „wirkt“, weil er wahr ist und damit geglaubt werden kann. Der geglaub­te Unglau­be eines „mobi­li­sie­ren­den Mythos“, der in seiner lebens­stei­gern­den Funk­ti­on auf­geht, wider­spricht sich inso­fern selbst.
Die Ideo­lo­gie der prag­ma­tischs­ten, kühls­ten, radi­kals­ten Lebens­stei­ge­rung und Wil­lens­be­ja­hung ent­puppt sich in Wirk­lich­keit als tiefs­ter Abgrund der Ver­zweif­lung und des Nihi­lis­mus

Aus der reinen nack­ten Tat­sa­che, dass es Völker gibt,  leitet sich nie­mals ab, dass man sie erhal­ten soll  Es gibt auch Viren, die einen „Lebens­wil­len“ haben — soll man die auch erhal­ten? Es gibt auch Pädo­phi­lie, Mord etc. Der Sinn gibt aber nicht nur vor, was ist, son­dern was sein soll.
Wenn man aus dem Fakt des Volkes ein­fach selbst einen Sinn macht, den sich das Volk ein­fach selbst vor sich hin­ge­setzt hat, damit es sein Selbst erhal­ten kann, hat man nichts ande­res als eine wirre Tau­to­lo­gie. Es ist wie wenn man sich an den eige­nen Haaren aus einem Abgrund ziehen will.
Die Ideo­lo­gie vom Kampf ums Dasein kippt immer wieder und öfter in die libe­ra­lis­ti­sche Ver­si­on der „Orga­ni­sa­ti­on“ dieses Kamp­fes, in eine gere­gel­te Mensch­heits­ge­mein­schaft, in der alle ihr Dasein maxi­mal „aus­le­ben“ können, was als evo­lu­tio­nä­rer Schritt der Mensch­heit dar­ge­stellt wird. Die Argu­men­te bio­lo­gis­ti­scher Natio­na­lis­ten (Viel­falt der Völker ist auch wich­tig für das evo­lu­tio­nä­re Fort­be­stehen der „Mensch­heit“) pral­len gegen diese These letzt­lich ab. Es gibt keinen evo­lu­tio­nä­ren Effekt des Daseins­kampfs (Aus­le­se, Viel­falt, Krea­ti­vi­tät, etc.), den man nicht auch durch „gene­tic engi­nee­ring“ in einer ver­wal­te­ten Welt erzeu­gen könnte. Im Zeit­al­ter der Atom­waf­fen spricht aus „evo­lu­tio­nä­rer“ Über­le­gung für den Fort­be­stand der Spe­zi­es Mensch sogar mehr für diese glo­ba­le Ver­wal­tung, wenn man im Erhalt des Daseins den ein­zi­gen Daseins­zweck sieht.

Zuletzt sehen wir es auch an uns selbst: das bloße „Dahin­ve­ge­tie­ren“, wie man schon sagt, reicht uns nie als Lebens­sinn. Am besten geht es uns, wenn wir uns für „eine Sache“ begeis­tern, wenn wir von etwas ande­rem fas­zi­niert oder gar in einen ande­ren ver­liebt sind — immer führt es über uns selbst hinaus.  Wir wollen es hier mit diesen Andeu­tun­gen bewen­den lassen und unsere Sinn­fra­ge dahin­ge­hen ein­schrän­ken. Der Sinn des Daseins kann nie­mals nur das Dasein selbst sein. Es ist Vor­aus­set­zung, Grund und Boden, Fleisch und Blut, aus dem jede Sinn­fra­ge gestellt wird. Aber es ist nicht die Sinn­fra­ge selbst.

Der Ver­such, den Sinn des Daseins im Dasein selbst zu setz­ten, ent­puppt sich letzt­lich als höchs­ter Nihi­lis­mus. In seinem Gefol­ge kommt die Idee auf, „mobi­li­sie­ren­de, sta­bi­li­sie­ren­de Mythen“ zu setz­ten, die Wahr­heit dem „Leben“ unter­zu­ord­nen und den Nihi­lis­mus aktiv zu über­win­den.
Diese Über­win­dung, die gefal­le­ne Werte und Götter ein­fach neu auf­bau­en will, gibt aber letzt­lich nur den Bil­der­stür­mern recht, die in ihnen poli­tisch-mytho­lo­gi­sche Macht­funk­tio­nen sahen.

Was bedeu­tet als das? Wenn der Nihi­lis­mus als etwas über uns gekom­men ist, das nicht durch bloße Aktion, bloße Opfer und mensch­li­che Taten über­wun­den werden kann, weil dieser Zugang bereits selbst nihi­lis­tisch ist, wie kann man ihm dann sinn­voll begeg­nen?
Wir wollen zuerst ein Miss­ver­ständ­nis aus­räu­men, das bei der Lek­tü­re des Bis­he­ri­gen gewach­sen sein könnte.

Kein Rück­fall in die „Tra­di­ti­on“!

Ist das, was sich in der Kritik von Vol­un­ta­ris­mus und schöp­fe­ri­scher Mythen­bil­dung abzeich­net, gar ein kon­ser­va­ti­ves Zurück zur Reli­gi­on, zur „Tra­di­ti­on“ in ihren ortho­do­xen, katho­li­schen oder gar isla­mi­schen Formen? Ist es ein Zurück zur klas­si­schen Meta­phy­sik, zum Primat des Geis­tes über das Leben, wie sie Evola ver­tritt?
Nein! In all den genann­ten Ideen und Reli­gio­nen ist der Nihi­lis­mus und die Moder­ne bereits ange­legt. Ihr Wider­stand ist groß­teils ein leeres Rück­zugs­ge­fecht. Zuletzt ist es vor allem ihre Behaup­tung, das Gegen­mit­tel bereits zu haben, die rich­ti­ge Hal­tung bereits gefun­den zu haben, die sie wider­legt. Ihre aktu­el­len Ver­tre­ter haben kei­ner­lei poli­ti­sche Spreng­kraft gegen die sozia­len Aus­prä­gun­gen von Deka­denz und Nihi­lis­mus (der Islam ver­bie­tet sich als pri­mi­ti­ver Uni­ver­sa­lis­mus und dog­ma­ti­scher Opfer­kult von selbst als echte Gegen­be­we­gung zu Moder­ne und Nihi­lis­mus.) Nein: eine Über­win­dung und ein echtes Ver­ständ­nis des Nihi­lis­mus liegen noch vor uns. Gäbe es sie, hätte dieses Ereig­nis bereits statt­ge­fun­den oder würde sich bereits irgend­wie ankün­di­gen; müsste es spür­bar, sicht­bar und denk­bar sein. Das ist es nicht.
Ihr Denken kann uns wich­ti­ge Bot­schaf­ten über­mit­teln, wir müssen uns ihm öffnen und bereit sein, von ihnen zu lernen. Doch sie haben, wenn sie dog­ma­tisch an ihren Tra­di­tio­nen fest­hal­ten, den Tod Gottes über­hört und ent­spre­chen nicht dem, was heute Not tut.
In ihren aus­har­ren­den Hal­tun­gen sind sie nur mehr musea­le Mahn­ma­le der been­de­ten „Metaer­zäh­lung“ der abge­half­ter­ten Ära des reli­giö­sen Uni­ver­sa­lis­mus, sowie seiner hero­isch-ideo­lo­gi­schen Phase.
Auch der apo­li­ti­sche, kon­ser­va­ti­ve Tra­di­tio­na­lis­mus, der eine Art Gegen­pol zum akti­vis­tisch-natio­na­lis­ti­schen Bereich der „drit­ten poli­ti­schen Theo­rie“ dar­stellt, ist nicht die Ant­wort auf die Frage nach Deka­denz und Nihi­lis­mus. (Auf ihn kann in diesem Text nicht näher ein­ge­gan­gen werden).
Ihm fehlt die poli­ti­sche Radi­ka­li­tät, das Feuer, er leidet nicht und zu wenig am Entzug der Sinn­fra­ge, indem er sie für sich selbst beant­wor­tet hat. Man lebe nun einmal im „kali yuga“, die Wahr­heit, die in der alten Meta­phy­sik, im Domi­nat des Geis­ti­gen bestün­de, sei not­wen­dig ver­lo­ren gegan­gen und nicht wie­der­her­stell­bar. Eine Dring­lich­keit wird nicht ver­spürt — oder geleug­net. Die radi­ka­le Kritik, die mit Nietz­sche das eigene Denken zer­stört hat, wird aus­ge­blen­det und nicht ernst genom­men.
Wo dem Stil­fa­schis­ten und Natio­na­lis­ten die Treue zur Wahr­heit fehlt, fehlt den Tra­di­tio­na­lis­ten die Wahr­haf­tig­keit der Kritik und der Frage.

Es besteht Grund zur Annah­me, dass dieses Denken, das in einer reinen Pas­si­vi­tät ver­harrt und in einer teil­wei­se rich­ti­gen Kritik am Nietz­schea­nis­mus und Akti­vis­mus seine Sehn­sucht nach Ver­än­de­rung, seine Bereit­schaft zur Tat völlig auf­ge­ge­ben hat und in einen Gärt­ner-Kon­ser­va­ti­vis­mus kippt, selbst ein Aus­druck des Nihi­lis­mus ist, den es zu ana­ly­sie­ren und zu erken­nen glaubt.

Gott ist tot“. Nietz­sches Diktum erkennt den großen Graben, der uns radi­kal von der Wahr­heit und Sin­n­erfah­rung der vor­mo­der­nen Welt schei­det. Viele der tra­di­tio­na­lis­ti­schen Ideen, von Evola bis Eliade, sind letzt­lich Rück­pro­jek­tio­nen in die Moder­ne tra­dier­ter Auf­fas­sun­gen bestimm­ter meta­phy­si­scher Ideen auf eine Vor­zeit, die wir nicht mehr ver­ste­hen können. Die apo­li­ti­sche Her­aus­nah­me aus dem Kampf gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus, der Rück­zug in Eso­te­rik und Okkul­tis­mus ist der poli­ti­sche Aus­druck der geis­ti­ge Kraft­lo­sig­keit dieser Moder­ne­kri­tik.
Ihrem Denken liegt eine bestimm­te Onto­lo­gie und Welt­sicht zugrun­de, die meist unbe­dacht und uner­kannt bleibt. Nietz­sches eksta­ti­sche Erfah­rung und Beschrei­bung der Welt als Wille zur Macht, als reines Werden und Sub­jek­ti­vis­mus, seine Vision des letz­ten Men­schen ist eine Wahr­heit, hinter die wir uns nicht zurück­träu­men können. Wir sind alle Kinder der Post­mo­der­ne, wir atmen ihre Luft, essen ihre Nah­rung und spre­chen ihre Spra­che.
Nur aus einer echten Stel­lung des Nihi­lis­mus in seiner umfas­sen­den Ganz­heit kann eine Gegen­be­we­gung erwach­sen, die poli­ti­sche Tat mit einer echten Ein­sicht in das Wesen des Nihi­lis­mus ver­bin­det.

Exkurs: Das Schei­tern der 3PT an der Frage des Nihi­lis­mus

Man kann das alles als abs­trak­te, sinn­lo­se Gedan­ken­spie­le abtun, doch jeder, der sich ernst­haft und tief um das Über­le­ben unse­res Volkes und seiner Kultur sorgt und in dieser tiefen Sorge das gesam­te Ver­häng­nis der „Moder­ne“ erkennt, wird anhand dieser for­ma­len, abs­trak­ten Fra­ge­stel­lun­gen klar das Schei­tern poli­ti­scher Bewe­gun­gen erken­nen.

Waren Faschis­mus und NS nicht zuletzt als akti­vis­tisch-hero­isch-nihi­lis­ti­sche Stif­tun­gen natio­na­ler Wahr­hei­ten durch Opfer­kult und reinen Stil an sich selbst geschei­tert? Hatten sie nicht lange bevor sie von außen mili­tä­risch zer­schla­gen wurden, in reiner Ver­mass­sung, Moder­ni­sie­rung und Tech­ni­sie­rung sich selbst voll der bekämpf­ten Moder­ne ange­gli­chen?
Und warum ver­fie­len nach dieser Zer­schla­gung von außen alle ehe­mals so fieb­rig-fana­tisch begeis­ter­ten Völker des Faschis­mus und Natio­na­lis­mus sofort in einen wohl­stands­sat­ten Libe­ra­lis­mus. (Was in keinem Ver­gleich zum Abwehr­kampf und Opfer­gang echter reli­giö­ser Heiden oder Chris­ten steht, die nach mili­tä­ri­schen Nie­der­la­gen umer­zo­gen werden soll­ten)
Der Ver­such, aus dem NS eine poli­ti­sche Reli­gi­on zu schaf­fen, die auch ohne der effek­ti­ven Wahr­heit ihres „Erfol­ges“ und ihrer „tech­nisch-poli­ti­schen“ Über­le­gen­heit von einer Gemein­schaft an Gläu­bi­gen durch die Kata­kom­ben des feind­li­chen Staa­tes getra­gen werden könne (wie sie etwa Savi­tri Devi in „Gold im Schmelz­tie­gel“ erhofft“), ist geschei­tert.
Ihre Rea­li­tät ist die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche NS-Szene, die sich, wie hier beschrie­ben wurde XX, sogar gegen die Mög­lich­keit einer Ret­tung der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät aus­wirkt.
Dieses Schei­tern ist auf ide­en­ge­schicht­li­cher Ebene das „Zurück­kip­pen“ des nihi­lis­tisch-akti­vis­ti­schen Ver­suchs, den Tod Gottes durch Pro­pa­gan­da, Auf­mär­sche und Ritua­le zu über­tö­nen. Er voll­zieht sich auf per­sön­li­cher Ebene in tau­sen­den [Tau­sen­den ist viel­leicht über­trie­ben 😉 ] „Polit-Kar­rie­ren“ ehe­ma­li­ger NS-Akti­vis­ten, die „ins System“ kippen und Schwu­len­par­tys oder Mal­lor­ca-Bars betrei­ben.
(Auch der 1. und 2. Welt­krieg in Europa sind teil­wei­se durch diesen radi­ka­len Wahn des Akti­vis­mus und Impe­ria­lis­mus, der Phi­lo­so­phie des Daseins­kamp­fes und des Wil­lens zur Macht geschul­det, der in den faschis­ti­schen Natio­nen (teils aber auch in der UdSSR) lebte. Dass das alt­rech­te Lager diese natio­na­lis­ti­schen Bru­der­krie­ge immer nur als „Mach­werk“ böser jüdi­scher Agen­ten sieht und damit einen not­wen­di­gen Effekt der natio­na­lis­tisch-nietz­schea­ni­schen Idee „aus­la­gert“ ver­hin­dert seit langem hart­nä­ckig eine echte bewuss­te Selbst­kri­tik in gewis­sen Krei­sen. (Die IB hat Gott sei Dank eine gewis­se Kritik am Natio­na­lis­mus, seiner ver­zerr­ten sub­jek­ti­vis­ti­schen Fas­sung des Volks und der drei­stu­fi­gen eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, sowie der kata­stro­pha­len Folgen seines Kurz­schlus­ses von „Moral“ mit „natio­nal- evo­lu­tio­nä­rem Eigen­nut­zen“ für die euro­päi­sche Völ­ker­viel­falt ange­sto­ßen)

Nie­mals wieder hatten es NS oder Faschis­mus geschafft, im real-exis­tie­ren­den Wohl­stands-Libe­ra­lis­mus mit ihrer Taktik und Ideo­lo­gie (hinter der, wie oben beschrie­ben, eine bestimm­te Dia­gno­se von Nihi­lis­mus und eine Sicht von Wahr­heit steht) die Massen zu bewe­gen, die Herzen zu ent­zün­den und eine Revol­te her­bei­zu­füh­ren. (Der aus dieser Ohn­macht resul­tie­ren­de Kri­sen­kult wurde hier XX aus­führ­lich beschrie­ben.)

Das heißt über­setzt nichts ande­res: das gesam­te Gerede von Volk, Heimat, Rasse, Kultur, Iden­ti­tät, Nation, Frei­heit und Leben, das von der moder­nis­ti­schen Ideo­lo­gie des „Lebens um des Lebens wil­lens“ zer­brö­sel­te am Fakt des Libe­ra­lis­mus.

Seit Jahr­zehn­ten ist dieses Schei­tern des rech­ten Lagers auch darauf zurück­zu­füh­ren, dass all seine kon­tem­pla­tiv-theo­re­ti­schen Kräfte einem fal­schen inak­ti­ven Rück­fall in den Tra­di­tio­na­lis­mus und Kon­ser­va­ti­vis­mus anhin­gen, wäh­rend seine akti­vis­tisch-tem­pe­ra­tur­er­höh­ten Kräfte der Ideo­lo­gie des NS an- und nach­hin­gen.
Beides sind fal­sche, nega­ti­ve und not­wen­dig schei­tern­de Hal­tun­gen, die die wahre Frage nach Deka­denz und Nihi­lis­mus, nach einem echten Sinn des Daseins nicht stel­len.

Wie die sub­jek­ti­ve Sinn­stif­tung dem ein­zel­nen nicht über eine Sinn­kri­se hin­weg­hel­fen kann, so kann das auch nicht auf Ebene der Völker gesche­hen.
Wir müssen lernen, im Schei­tern der alten Rech­ten und der ersten Bewe­gung der Nou­vel­le Droite nicht eine reine geschicht­li­che Zufäl­lig­keit, son­dern auch eine gewis­se Not­wen­dig­keit zu sehen, die in einer man­geln­den Samm­lung und Eini­gung auf die zen­tra­le Frage hin liegt.

Was tun?

Was ist aber das wesent­lich „Neue“, das unsere Frage nach dem Nihi­lis­mus brin­gen soll? Auf den ersten Blick ist es viel­leicht das, dass diese Frage zu einer radi­kal „anti-akti­vis­ti­schen“ Erkennt­nis kommt, die die 3PT ver­wirft, dass sie aber den­noch in einem Kreis und einer Bewe­gung auf­kommt, die so aktiv und „stra­te­gisch“ aus­ge­rich­tet ist, wie keine patrio­ti­sche Kraft seit langer Zeit.
In diesem Zwie­spalt liegt ein erster Aspekt des Typus begrün­det, der sich die Frage nach Wahr­heit, Sinn und Nihi­lis­mus erneut stel­len muss.

Die Erkennt­nis, dass er als epo­cha­les Ereig­nis, nicht durch eine mensch­lich-sub­jek­ti­ve Sinn­stif­tung über­wun­den werden kann, bedeu­tet nicht Tat­lo­sig­keit. Das Bewusst­sein, nur eine Wende, die über das mensch­li­che Tun hin­aus­geht, eine echte Ver­än­de­rung brin­gen kann, bedeu­tet nicht, dass man keine kon­kre­ten poli­ti­schen Ziele errei­chen kann. Im Gegen­teil:

Die Ein­sicht in die Unmög­lich­keit, den Nihi­lis­mus durch sub­jek­ti­ve Schaf­fun­gen neuer Wahr­hei­ten zu über­win­den, die Erkennt­nis, dass der meta­po­li­ti­sche Kampf um Begrif­fe seine Herr­schaft nicht berührt und jeder Wil­lens- und Gewalt­akt sein grund­le­gen­des Dogma nicht bre­chen kann, bedeu­tet nicht in eine Hoff­nungs­lo­sig­keit und Taten­lo­sig­keit zu ver­fal­len. Sie gibt im Gegen­teil eine grö­ße­re Frei­heit und Beweg­lich­keit im meta­po­li­ti­schen Bewe­gungs­krieg und in der poli­ti­schen Tat.

Tat­säch­lich liegt in der pas­si­ve Kul­tur­er­hal­tung, der Tra­die­rung von Über­lie­fe­rung, selbst wenn sie heute not­wen­dig ritua­li­sier­te Hüllen gewor­den sind, sowie im rechts­po­pu­lis­ti­schen Kampf, der den poli­ti­schen Mög­lich­keits­raum für diese Bewah­rung schafft, unsere seins­ge­schicht­li­che Auf­ga­be.

Die Bewah­rung unse­rer kul­tu­rel­len Tra­di­ti­on, die zur leeren Folk­lo­re gewor­den ist, die Bewah­rung unse­rer eth­ni­schen Sub­stanz, die zur see­len­lo­sen Bio­mas­se gewor­den ist, ist unsere pro­vi­so­ri­sche Auf­ga­be. In ihr müssen wir, nach allen Regeln der Kunst der Poli­tik, alle idea­lis­ti­schen Ele­men­te sam­meln und in Stel­lung brin­gen.

Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung ver­eint beide Ele­men­te: Erhal­tung der Kultur und mas­sen­po­li­ti­schen Aktio­nis­mus in sich. Doch nur ein Bewusst­sein um das Geheim­nis des Nihi­lis­mus und um die wahre unein­ge­lös­te Auf­ga­be seiner Über­win­dung kann das Herz einer sol­chen Bewe­gung bilden, wenn sie nicht in einem dieser Auf­ga­ben­be­rei­che erstar­ren will.

Was die IB hier von anti­mo­der­nen poli­ti­schen Bewe­gun­gen der 3. PT unter­schei­det, ist, dass ihr bewusst sein muss, dass ihre Fahnen, ihre Lieder, ihre Sym­bo­le und ihr Mythos, der sich in den Bug­wel­len ihres Pfades bilden kann, nicht die Über­win­dung von Deka­denz und Nihi­lis­mus dar­stel­len.
Sie soll nicht der Illu­si­on erlie­gen, sich aus der moder­nen Welt aus­klin­ken zu können und einen neuen Mythos zu stif­ten, eine archäo­fu­tu­ris­ti­sche Wahr­heit bas­teln zu können. In sich muss sie von einer Hoff­nung getra­gen sein, die nur durch das Bewusst­sein, dass sie auch ins Nichts grei­fen könnte, wahr wird.

Es ist die Hoff­nung auf ein Ereig­nis, auf eine Wende, auf einen „ret­ten­den Gott“, der nicht eine Erlö­sung von der Welt, son­dern eine Erlö­sung zur Welt, birgt; der die Geschich­te nicht been­det, son­dern die Lüge vom „Ende der Geschich­te“ zer­schlägt, der keine end­gül­ti­ge Gleich­heit und Ein­heit schafft, son­dern die Viel­falt wieder wirk­lich und eigent­lich erstrah­len lässt.

Auf dieses Ereig­nis, das erst dann wahr und beschreib­bar wird, wenn es da und wirk­lich ist, nicht nur zu warten, son­dern auch zu „harren“, ist die Auf­ga­be jener, die den Nihi­lis­mus wirk­lich  über­win­den und nicht nur moder­nis­tisch „ertra­gen“ wollen.

Es ist ein Nein zu jedem uni­ver­sa­lis­ti­schen Fana­tis­mus, zu jeder poli­ti­schen Reli­gi­on, zu jeder eso­te­ri­schen Sekte und pri­va­ten Heils­leh­re. Ein Nein zu jedem Kult des reinen Opfers, des Todes und des Tötens, das Wahr­heit stif­ten soll.

Viel­mehr ver­langt diese wahr­haft heroi­sche Hal­tung im Bewusst­sein der Herr­schaft des Nihi­lis­mus, im Bewusst­sein des tota­len Zwei­fels, der all­um­fas­sen­den Ironie und Lächer­lich­keit, der Pose und der Geschmack­lo­sig­keit, die heute jeden Hero­is­mus wie Wurm­fraß befal­len hat, den­noch seine Prin­zi­pi­en zu leben.

Sie ver­langt von uns die Aus­ein­an­der­set­zung mit den reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Tra­di­tio­nen unse­rer Ahnen, ohne sie moder­nis­tisch-nietz­schea­nisch umzu­deu­ten, noch sie tra­di­tio­na­lis­tisch zu vers­ab­so­lu­tie­ren und privat wie­der­be­le­ben zu wollen.
Ohne in eine totale, fana­ti­sche, poli­ti­sche Reli­gi­on zu kippen, ver­langt  diese erwar­ten­de Über­win­dung des Nihi­lis­mus ein Ertra­gen des Schmer­zes und die idea­lis­ti­sche Arbeit.
Ohne im Aske­se­wahn und Opfer­kult die Stif­tung einer Wahr­heit zu ver­mu­ten, ver­langt sie den Ver­zicht, und ohne an ein „rich­ti­ges Leben im fal­schen“ zu glau­ben, ver­langt sie die mög­lichs­te Her­aus­nah­me aus der moder­nen Welt — bei gleich­zei­tig vollem poli­ti­schen Ein­satz im Kampf gegen sie.
Die Über­win­dung des Nihi­lis­mus erfor­dert einen neuen Typus des Den­kers und Akti­vis­ten, der sich der Gren­zen seiner Tat­mög­lich­keit und seines Den­kens bewusst ist — und den­noch han­delt und fragt.
Seine radi­ka­le Tat­be­reit­schaft, die sich mit einem Denken der „Tat­kri­tik“ ver­bin­det, seine Suche nach Stil, die den Stil­fa­schis­mus kri­ti­siert, seine Frage nach Wahr­heit, die aus einer radi­kal-nihi­lis­ti­schen Kritik erwach­sen ist, macht in ihrem Wider­spruch das Wesen eines neuen Raums aus, von dem aus der Nihi­lis­mus gestellt und viel­leicht über­wun­den werden kann.
In dieser Hal­tung ver­ei­nen sich Treue und Sehn­sucht mit Ver­zweif­lung und Hoff­nungs­lo­sig­keit, Krank­heit mit dem Wunsch zur Gesun­dung und ein  „me ne frego“ der Tat mit dem Denken der „Beter“, die sich „im Dom ver­hül­len.

Der Kreis und sein Typus

Wir sind nach dieser kri­ti­schen Repri­se der Fragen nach dem Nihi­lis­mus wieder bei der prak­ti­schen Frage „Was tun“ ange­langt. Einen Teil des alten Manu­skripts zum Nihi­lis­mus-Textes, in dem es um kon­kre­te Anwei­sun­gen an einen besag­ten „Kreis“ geht, der eine erwar­ten­de Über­win­dung des Nihi­lis­mus vor­weg­neh­men könnte, in dem kon­kret die Frage nach reli­giö­sen Riten und aske­ti­schen Grund­sät­zen behan­delt wurden, müsse wir aus dem jet­zi­gen Abschnitt unse­res Denk­we­ges wieder ver­wer­fen.

Über­haupt geste­hen wir das Pro­vi­so­ri­sche, das Frag­men­ta­ri­sche und Zer­fah­re­ne dieses Textes frei­mü­tig ein und hoffen, die hand­voll Leser ‚die es bis hier her schaff­ten, damit nicht allzu sehr ver­grämt zu haben. Allein um auch eine gewis­se Frei­heit für neue, andere Texte zu gewin­nen, war es wohl wich­tig, diese „Alt­las­ten“ abzu­schlie­ßen und zu ver­öf­fent­li­chen.

Als Con­clu­sio aus diesem Text dürfte aber hof­fent­lich die zen­tra­le Frage nach Deka­denz und Nihi­lis­mus als die Frage unse­rer Zeit her­aus­ge­tre­ten sein, die über allen poli­tisch-stra­te­gi­schen Fragen metal­len und eisern auf­strahlt. Sie ruft nach wie vor nach Män­nern und Frauen mit „Schick­sal­saugen“, die „der Schreck des eh’nern Fugs, gor­go­nisch nicht verst­eint“.

In dieser Frage zer­bricht auch aller Schein­glau­be in bio­lo­gis­ti­schen, natio­na­lis­ti­schen, sub­jek­ti­vis­ti­schen und nietz­schea­nis­ti­schen Ideen, die Frage des Nihi­lis­mus bereits beant­wor­tet zu haben. Dieser Bruch ist aber ein „Auf­bruch“ hin zu einer neuen Frage, die, wenn sie ehr­lich und ernst­haft, tief und auf­rich­tig ist, allein die Kraft in sich trägt, eine echte Samm­lung zu bewir­ken.
Eine Samm­lung, die einen Kreis um sich zieht, der als Elite einer geschicht­li­chen Bewe­gung vor­an­ge­hen kann, die sich im meta­po­li­ti­schen Feld des umtob­ten, wan­ken­den Euro­pas eine Bre­sche schla­gen im  „Dienst der Frage nach der Wahr­heit des Seins“,  dem „Denken einen Pfad öffnen“ öffnen könnte.

Diese Auf­ga­be ver­langt einen neuen Typ, der sich von alle dem, was heute in den rech­ten Zusam­men­hän­gen her­um­streunt (prag­ma­ti­sche Nach­wuchs­po­li­ti­ker, abge­ho­be­ne, eitle Intel­lek­tu­el­le, fana­ti­sche Akti­vis­ten, treu­doo­fe Res­sen­ti­ment-Ritter, eso­te­ri­sche Sek­ten­spin­ner, etc.),  radi­kal unter­schei­det und der auch keine Re-Ani­mie­rung des poli­ti­schen Sol­da­ten und Stahl­men­schen, der 3PT ist.
Wir werden ver­su­chen, diesem Typen, der sich jeder Typo­lo­gie ent­zieht, der keine „Gestalt“ mehr sein kann, einen Frei­raum zu schaf­fen.

Für die Weni­gen, die von Zeit zu Zeit wieder fragen, d. i. das Wesen der Wahr­heit erneut zur Ent­schei­dung stel­len. Für die Sel­te­nen, die den höchs­ten Mut zur Ein­sam­keit mit­brin­gen, um den Adel des Seyns zu denken und zu sagen von seiner Ein­zig­keit.“
(Martin Hei­deg­ger)