Die Bewe­gung und das Bewusst­sein

Wenn wir uns die Frage stel­len, wie sich ein Bewusst­sein gegen den Nihi­lis­mus in poli­ti­schen Mas­sen­be­we­gun­gen ver­or­ten kann, müssen wir zuerst letz­te­res in ihren kon­kre­ten Formen ana­ly­sie­ren. Dass diese Ver­bin­dung von Bewusst­sein und Bewe­gung nur in den „rech­ten“ Zusam­men­hän­gen voll­zo­gen werden kann, gilt uns hier als erwie­sen. Nur sie tragen über­haupt die Inten­ti­on und die dumpfe Ahnung von Deka­denz und Nihi­lis­mus in sich, blei­ben aber auf halber Stre­cke stehen.
Ein Kampf ums Ganze muss ganz­heit­lich sein. Das gilt vor allem nur für Ziel- und Feind­be­stim­mung. Er erkennt die Gesamt­heit des heu­ti­gen Ver­falls und atta­ckiert ihr Zen­trum, die Deka­denz, als Effekt der Ideo­lo­gie des Libe­ra­lis­mus, in dem sich wie­der­um der Zustand des Nihi­lis­mus und die Frage nach dem Sinn des Daseins ver­birgt. Dieser Nihi­lis­mus, die Herr­schaft des Nichts auf geis­ti­ger-kul­tu­rel­ler Ebene ver­NICH­Tet auf kör­per­lich-demo­gra­phi­scher Ebene unser Volk.

Der Kampf gegen den Nihi­lis­mus ist damit not­wen­dig und nicht zufäl­lig eth­no­kul­tu­rell. Nur im Volk und seiner eth­no­kul­tu­rel­len Rea­li­tät, seiner phy­si­schen, anthro­po­lo­gi­schen Wirk­lich­keit und seiner kul­tu­rel­len Sprach­welt mani­fes­tiert sich in seinem Recht, seiner Reli­gi­on und Iden­ti­tät eine tra­gen­de und leben­di­ge Form, die sich sowohl dem Rela­ti­vis­mus als auch dem Uni­ver­sa­lis­mus ent­zieht. Ohne hier näher auf deren Zusam­men­hang mit dem Nihi­lis­mus ein­zu­ge­hen, kann man in beiden Schlag­wor­ten wesent­li­che Pole der euro­päi­schen Geis­tes­ge­schich­te erken­nen, die heute in kon­zen­trier­ter, destil­lier­ter Form in neo­kon­ser­va­ti­ven Auf­klä­rern und post­mo­der­nen Rela­ti­vis­ten auf­tre­ten.
Der totale Rela­ti­vis­mus, der die Bedeu­tung aller Begrif­fe und Werte, aller Formen und Ideen leug­net, der sie als „Kon­struk­te“ „ent­larvt“ und damit den Weg für einen nack­ten Hedo­nis­mus frei­räumt, ist ein Selbst­wi­der­spruch. Auch diese rela­ti­vis­ti­sche Kritik, diese „Dekon­struk­ti­on“ voll­zieht sich selbst in einer eth­no­kul­tu­rell gewach­se­nen Sprach­tra­di­ti­on, aus der sie nicht aus­bre­chen kann, ohne zum sinn­lo­sen Gestam­mel zu werden und im Rahmen eines kul­tu­rel­len Denk­we­ges (dem des Abend­lan­des), dessen Ende sie mar­kiert.
In der Spra­che leuch­tet einem Volk ursprüng­lich das Wesen seiner Umwelt auf. Sie ist kein „Kon­strukt“ und keine „Erfin­dung“, es gibt für die Lebe­we­sen kein „vor der Spra­che“.  Der Zugang zur Welt ist immer schon sprach­lich. Da die Welt und unser Dasein in der Welt aber in die Ver­än­de­rung der Zeit gestellt ist, wächst auch die Spra­che, dyna­misch mit. Diese Ver­än­de­rung ist selbst wie­der­um sprach­lich und ein neues Arran­gie­ren, Ver­än­dern, Ver­we­ben, Abschlie­ßen und Neu­an­knüp­fen im Rahmen einer Sprach­tra­di­ti­on. Sprach­li­che Ver­än­de­rung ist also kein Ein­wand gegen ihre Wahr­heit, also ihre „objek­ti­ve Gege­ben­heit“. Die Spra­che ist kein sub­jek­ti­ves Werk­zeug des Men­schen, das er einmal gebrau­chen und einmal nicht gebrau­chen kann. Er ist in sie ein­ge­las­sen und kann sie schon allein des­halb nicht defi­nie­ren, weil jedes Defi­nie­ren bereits einen Gebrauch und ein Vor­ver­ständ­nis der Spra­che vor­aus­setzt. Nur der dog­ma­ti­sche Uni­ver­sa­lis­mus, der dieses orga­ni­sche Werden nicht erträgt, ver­sucht die Spra­che zu fixie­ren zu instru­men­ta­li­sie­ren und zu regeln.  Ihre dyna­mi­sche Ver­än­de­rung und Unver­füg­bar­keit wird als Zei­chen von gefähr­li­cher „mora­li­scher Belie­big­keit“ oder gar will­kür­lich-tyran­ni­scher „Kon­struk­ti­on“ miss­deu­tet.
Ebenso rich­tet sich der Rela­ti­vis­mus, wenn er Spra­che oder Volk „dekon­stru­ie­ren“ will, nur gegen den Ast, der ihn trägt. Er ist als per­for­ma­ti­ver Ur-Wider­spruch: „Es gibt keine Wahr­heit“, die reine logi­sche Selbst­zer­stö­rung. Der Libe­ra­lis­mus als poli­ti­sche Theo­rie, die dem Nihi­lis­mus am besten ent­spricht, ist nichts ande­res als die poli­ti­sche Umset­zung dieser Selbst­zer­stö­rung.

Die eth­no­kul­tu­rel­le Gemein­schaft, ihr Recht, ihre Spra­che, ihre Reli­gi­on und ihre Iden­ti­tät ent­zie­hen sich dem Zugriff des Uni­ver­sa­lis­mus. Der Ver­such, aus einem eth­no­kul­tu­rel­len Raum diesen als abso­lu­ten, akul­tu­rel­len, über­zeit­lich-ewigen Maß­stab zu setzen, schei­tert ebenso, wie ihn abso­lut zu dekon­stru­ie­ren. Der Ver­such, das Eigene  als Abso­lu­tes, Sta­ti­sches und Über­le­ge­nes zu pos­tu­lie­ren, ist ebenso will­kür­lich und künst­lich, wie es total zu ent­wer­ten. Immer bleibt hier auch der Rest des schlech­ten Gewis­sen, dass man diesen Schritt letzt­lich grund­los und anma­ßend voll­zo­gen hat, dass man aus der Urer­fah­rung der Viel­falt der Welt einem Ein­heits­wunsch fol­gend Hand ange­legt hat.

Das Volk und die eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät nehmen also gegen die Behaup­tung einer uni­ver­sa­lis­ti­schen Wahr­heit not­wen­dig eine kri­ti­sche und revo­lu­tio­nä­re Rolle ein. Wenn natio­na­le,  tri­ba­lis­ti­sche Bewe­gun­gen gegen inter­na­tio­na­lis­ti­sche Ideo­lo­gi­en kul­tur­re­la­ti­vis­tisch argu­men­tie­ren und gegen abso­lu­te Wahr­heits­an­sprü­che die eth­no­kul­tu­rel­le und zeit­li­che Ver­fasst­heit von Wahr­heit vor­brin­gen, sind sie im Recht: gegen die Bedro­hung „von oben“
Ebenso stemmt sich die eth­no­kul­tu­rel­le Gemein­schaft aber mit Recht gegen die Gefahr „von unten“, gegen den tota­len Rela­ti­vis­mus und die indi­vi­dua­lis­ti­sche Atta­cke seiner gemein­sa­men Werte. Hier nimmt der Iden­ti­tä­re die umge­kehr­te Rolle ein und beharrt auf der Gel­tung kon­kre­ter Wahr­hei­ten, Werte und Tra­di­tio­nen gegen den Total­an­griff des Nihi­lis­mus.

Die eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät ist in einer nihi­lis­ti­schen, hedo­nis­ti­schen, vom Libe­ra­lis­mus beherrsch­ten Gesell­schaft das letzte Boll­werk an „Sinn“. Sie allein ist geheim­nis­voll­er­wei­se auch in der Lage in der ver­bloom­ten Masse gewis­se Refle­xe und Instink­te zu wecken, die sich der libe­ra­len Logik, in der jeder Ein­zel­ne und jede Klasse nur um ihre mate­ri­el­len Güter kämp­fen, ent­zie­hen. Mit Horror beäu­gen daher die Hohe­pries­ter des Nihi­lis­mus, die Mul­ti­kul­tis, die Neo­cons, die Inter­na­tio­na­lis­ten und Mar­xis­ten, alle iden­ti­tä­ren Gefühls­re­gun­gen im Volk. Sie ver­ste­hen den „Irra­tio­na­lis­mus“ dieser Ideo­lo­gie, die „gegen die kon­kre­ten öko­no­mi­schen Inter­es­sen“ geht, nicht.
Sie wissen instink­tiv, dass die Herr­schaft des Nihi­lis­mus, im Gewand des Hedo­nis­mus, auch heute noch nur durch die „Idee des Vater­lan­des“ wie Jünger sagt, bedroht ist. Sie ist die letzte, halb­ver­blass­te Ahnung des Reich­tums einer prä­mo­der­nen Welt, die „von Sinn prang­te“, oder wie es Schil­ler etwas bieder grae­ci­sie­rend nach­dich­tet;
„Da der Dich­tung zau­be­ri­sche Hülle
sich noch lieb­lich um die Wahr­heit wandt“,

Auch in der tiefs­ten Deka­denz, bei Befrie­di­gung aller kör­per­li­chen Wün­sche, im Zustand der tota­len media­len Zer­streu­ung bleibt ein gewis­ses Unwohl­sein ange­sichts des eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­täts­ver­lus­tes. In der Tat ist die Über­frem­dung für die Massen eine schlim­me­re kol­lek­ti­ve Angst als der sozia­le Abstieg, der allen­falls als pri­va­te Tra­gö­die erfah­ren wird. Diese Ahnung äußert sich in den Reihen der Spie­ßer-Blooms nur als das besag­te xeno­pho­be Res­sen­ti­ment, das rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en immer wieder neu auf­kö­cheln. Doch jedes Mal steigt hier auch der Spie­gel einer flüs­si­gen Brand­mi­schung an, die ein iden­ti­tä­rer Funke zum revo­lu­tio­nä­ren Bewusst­sein gegen den Nihi­lis­mus ent­fa­chen könnte.

Fast alle Ange­bo­te am post­mo­der­nen Markt der Sinn­stif­tung, von Eso­te­rik, über fern­öst­li­che Reli­gio­nen, zu kari­ta­ti­ven NGOs, Tier­schüt­zern, Daten­schüt­zern, Sekten, etc., sind Abklatsch eines uni­ver­sa­lis­ti­schen Inter­na­tio­na­lis­mus und nehmen in keiner Form den poli­ti­schen und spi­ri­tu­el­len Krieg mit dem Nihi­lis­mus und der Deka­denz auf. Auch sie werden wider­stands­los ins libe­ra­lis­ti­sche Kon­sum­sys­tem ein­ge­mein­det. Einzig und allein mit der Frage nach der Her­kunft, nach der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät ver­bin­det sich stets ein revo­lu­tio­nä­rer poli­ti­scher Anspruch, der nie­mals vom Libe­ra­lis­mus „inte­griert“ werden kann. Der hys­te­ri­sche „Kampf gegen Rechts“, wie ihn die Libe­ra­len betrei­ben, ist der Beweis dafür.

Die eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät ist im Unter­schied zu abs­trak­ten Mora­len, Ideo­lo­gi­en und Wis­sen­schaf­ten nie­mals ganz vom Uni­ver­sa­lis­mus „ver­dau­bar“. Der Unter­gang des Uni­ver­sa­lis­mus, der sich selbst im post­mo­der­nen Rela­ti­vis­mus ver­tilgt, reißt also in einer ersten Phase alle Iden­ti­tä­ten, alle Werte, alle Sicher­hei­ten mit sich. Unter ihnen kommt, wie das Gewürm unter einem Stein, der deka­den­te Wahn­sinn der Belie­big­keit hervor. Er ist nichts ande­res als das Hohe­lied auf das Nichts, die tiefe, wahr­haf­ti­ge Beschwö­rung der Sinn­lo­sig­keit und Halt­lo­sig­keit, die den Westen befal­len hat, nach­dem der reli­giö­se Uni­ver­sa­lis­mus und seine ideo­lo­gi­schen Nach­fol­ger ihre Gel­tung ver­lo­ren haben.
In diesem all­ge­mei­nen Ver­fall bleibt jedoch die eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät in ihrem unhin­ter­geh­ba­ren Wider­stand gegen uni­ver­sa­lis­ti­sche Tota­li­sie­rung und rela­ti­vis­ti­sche Dekon­struk­ti­on bestehen, ja sie wird viel­leicht sogar frei­ge­legt. Dass in der post­mo­der­nen Krise des Libe­ra­lis­mus die „natio­na­len Bewe­gun­gen“ erstar­ken, dass die „natio­na­le Frage“ ange­sichts des kei­men­den moder­nen Nihi­lis­mus aufkam, ist viel­leicht eine his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit.
In der Bedeu­tung der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, die letzt­lich Thema aller (post)modernen „Revo­lu­tio­nen“ in der Phi­lo­so­phie (von kul­tu­rel­ler über nar­ra­ti­ver bis hin zu sprach­li­cher Wende) sind, zeigt sich das Wesen des Nihi­lis­mus als Selbst­zer­stö­rung der uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie.
„Der post­mo­der­ne Rela­ti­vis­mus ist das reine Spalt­pro­dukt, der Rest­be­stand der Reak­ti­on, der ver­brauch­te Kata­ly­sa­tor eines kri­ti­schen Befrei­ungs­schlags der kon­kre­ten, kon­tin­gen­ten Iden­ti­tät gegen den Uni­ver­sa­lis­mus“ — so könnte ihn viel­leicht eine Zeit ex post beur­tei­len, die im Kampf um den Erhalt der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät den Nihi­lis­mus über­wun­den hat.
Wer für den Erhalt der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät ein­tritt, muss ganz not­wen­dig gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus vor­ge­hen. Die obige Betrach­tung hat viel­leicht gezeigt, dass sich darin nicht nur eine demo­gra­phisch-mora­li­sche Not­wen­dig­keit ver­birgt, son­dern auch ein phi­lo­so­phi­scher Zusam­men­hang zwi­schen der anti­uni­ver­sa­lis­tisch-anti­re­la­ti­vis­ti­schen Stel­lung der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät und dem Zusam­men­hang von Relativismus/Universalismus und Nihi­lis­mus besteht.

Die pas­si­ve Kul­tur­er­hal­tung

Gegen diese Ver­nich­tung der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät als Folge des Nihi­lis­mus traten und treten seit langem eine Viel­zahl an nicht par­tei­ge­bun­de­nen Bewe­gun­gen und Ver­ei­ni­gun­gen auf, die man mit dem Schlag­wort „Rechts“ umschreibt. In erster Linie — und hier haben alle kon­ser­va­ti­ven Strö­mun­gen: von der Bur­schen­schaft bis zum Trach­ten­ver­ein ein gewis­ses Recht — heißt ihre Maxime: Bewah­rung des Vor­han­den. Das bedeu­tet auf Ebene der Kultur: Erhal­tung, Wei­ter­füh­rung und Bewah­rung. Jedes erlern­te Gedicht und Volks­lied, jede getra­ge­ne Tracht, jeder vor dem Unter­gang geret­te­te Tra­di­ti­ons­ver­band ist gewis­ser­ma­ßen ein revo­lu­tio­nä­rer Akt gegen die Auf­lö­sung aller Dinge und den Nihi­lis­mus. Selbst wenn er reine Form und reines Ritual  ist, bewahrt sich in ihm, wie ein Arte­fakt dessen Sinn und Schrift­zei­chen man ver­ges­sen hat, eine Bedeu­tung, die eines Tages wieder tra­gend werden kann.
Auf der Ebene der Fami­lie und der Geschlecht­lich­keit bedeu­tet die Bewah­rung Wider­stand gegen den moder­nen bezie­hungs- und kin­der­feind­li­chen Lebens­stil in allen seinen Formen. Jede Ent­schei­dung für ein Kind, für eine echte Part­ner­schaft ist ein revo­lu­tio­nä­rer Akt gegen den Anti­na­ta­lis­mus, den Bevöl­ke­rungs­aus­tausch und die Spaß­ge­sell­schaft, die der Libe­ra­lis­mus uns ver­ord­net.
Diese Hal­tung krankt aber daran, dass sie rein defen­siv ist, dass sie ver­sucht, sich an den Zeit­geist anzu­pas­sen und sich ein­zu­pas­sen in die Nische för­de­rungs­wür­di­ger Kul­tur­ver­ei­ne oder den Party- und Spaß­be­trieb der Blooms. Ihre Kul­tur­er­hal­tung ist passiv und ver­kennt den not­wen­di­gen poli­ti­schen Kampf. Dort, wo sie in ihrer Tra­di­ti­ons­pfle­ge über die Deka­denz hin­aus­geht, werden sie meist sek­tie­re­risch und exklu­siv. Sie ver­su­chen darin nicht eine gesam­te Über­win­dung des Nihi­lis­mus, den Schritt über die Linie vorweg zu nehmen, son­dern ihre Werte über den Geröll­strom einer Zeit zu tragen.

Wir haben hier so etwas wie eine kon­ser­va­ti­ve Maxime der defen­si­ven Sub­stanz­be­wah­rung.
Das soeben Geschrie­be­ne ver­steht sich als ihr Ziel, Moral und Tugend von selbst und in allen rech­ten Krei­sen wird es stän­dig beteu­ert und beschwo­ren. Warum aber wird es so selten gelebt? Und noch wich­ti­ger: Wenn es von klei­nen Grup­pen gelebt wird,  kann es etwas am Ganzen ändern? Wir müssen das ver­nei­nen.
Das Pro­blem der heu­ti­gen Zeit liegt ja nicht allein  in der nack­ten Tat­sa­che, dass Leute z.B. ihre  Tra­di­tio­nen ver­ges­sen, ihr Lieder nicht mehr singen, keine Fami­li­en grün­den, etc.  Wir müssen uns fragen, WARUM sie das nicht tun. Ja, warum es „geschieht“, denn dieses Phä­no­men ist so total und kul­tur­ge­schicht­lich betrach­tet so plötz­lich ein­ge­tre­ten, dass es nicht nur eine zufäl­li­ge Über­ein­stim­mung vieler Ein­zel­ent­schei­dun­gen sein kann.
Bloß zu sagen, dass „die Medien“ dem Volk diesen Lebens­stil Volk dik­tie­ren, reicht nicht. Denn: Was jeman­dem ein­ge­re­det wurde, kann man ihm auch wieder „aus­re­den“. Würden Deka­denz und Hedo­nis­mus au einer bloßen Pro­pa­gan­da­lü­ge beru­hen, die den Lebens­tat­sa­chen wider­sprä­che, könn­ten sie sich nicht so massiv durch­set­zen. Sie spre­chen offen­bar einen tief­sit­zen­den Aspekt im Wesen des Men­schen an. Sie ent­spre­chen den realen Tat­sa­chen einer immer mehr auf Konsum und Ent­wur­ze­lung abge­stell­ten glo­ba­len Welt, ihrer Unmo­ral und ihrer posi­ti­ven Wis­sen­schaft.

Viel auf­schluss­rei­cher erscheint die Frage, was die weni­gen Aus­nah­men zu ihrem  die Deka­denz durch­bre­chen­den Lebens­be­wah­ren­den moti­viert und  befä­higt. In ihnen lebt offen­bar ein gewis­ses Wider­stands­po­ten­ti­al, das allein dafür sorgt, dass der Umbruch und die Selbst­ab­schaf­fung nicht von einer auf die andere, son­dern in eini­gen weni­gen Gene­ra­tio­nen­fol­gen geschieht.

Auch wenn dieses Wider­stands­po­ten­ti­al nicht zu einer gesam­ten Über­win­dung des nihi­lis­ti­schen Zustands reicht, reicht es offen­bar zu einer pri­va­ten Nische, einem klei­nen Bivak gegen seinen Sturm.
Denn offen­bar schläft in den weni­gen Ein­zel­nen, den weni­gen Inseln der Kultur und des Lebens, die es gibt, eine Kraft, die im kleins­ten Rahmen dem Nihi­lis­mus zeit­wei­se wider­ste­hen kann. Die grob umris­se­ne Auf­ga­be des Kamp­fes ums Ganze muss es sein, aus dieser unbe­wuss­ten, pas­si­ven Kraft ein akti­ves Bewusst­sein zu machen, das in Form einer klaren Bot­schaft einer brei­te­ren Masse ver­mit­tel­bar ist und ihr Ver­hal­ten lang­fris­tig ändern kann.

Hier stellt sich nun erneut mit grö­ße­rer Schär­fe die Frage, wie ein der­ar­ti­ges Bewusst­sein in poli­ti­sche Mas­sen­be­we­gun­gen ein­tre­ten kann.

Der poli­ti­sche Prag­ma­tis­mus.

Aus dem Gesag­ten müssen wir schlie­ßen, dass der Kampf gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus unbe­dingt auch gesell­schaft­lich und poli­tisch sein muss, soll er nicht nur pas­si­ve Bewah­rung und ein­sa­me Hoff­nung sein. Deka­denz und Nihi­lis­mus zer­stö­ren unsere Gemein­schaft als Ganzes. Jeder ein­zel­ne unse­rer Lands­leu­te, die ihnen ver­fal­len sind, reißen uns mit wie ein Berg­stei­ger seine Seil­schaft. Die eth­no­kul­tu­rel­le Gemein­schaft ist eine orga­ni­sche, in der der Zusam­men­bruch eines Organs alle ande­ren mit­reißt. Wenn in einem Körper z.B. „nur“ der Darm vom Krebs befal­len ist, nützt die kern­ge­sun­de Lunge auch nichts.

Der Rück­zug in eine pri­va­te Idylle, in ein bäu­er­li­ches Sied­lungs­pro­jekt, ein gut­bür­ger­li­ches Fami­li­en­idyll ist keine echte Über­win­dung des Nihi­lis­mus. Es ist letzt­lich die Ein­rich­tung in den Nischen, welche er in seiner erschre­cken­den  Fle­xi­bi­li­tät und Inte­gra­ti­ons­kraft offen lässt. Er will wider­stän­di­gen Geis­tern den Wider­stands­wil­len nehmen, gerade indem er ihnen Raum gibt, ihre anti­li­be­ra­len Ideen als „pri­va­ten, apo­li­ti­schen Lebens­ent­wurf“ aus­zu­le­ben.
“Der Bloom erringt die ein­fachs­ten Siege bei jenen, die sich ihm zu ent­zie­hen trach­ten.” Tiqqun

Jeder Kampf gegen Nihi­lis­mus und Deka­denz, der nicht zugleich eine gesamt­po­li­ti­sche Per­spek­ti­ve hat, also über poli­ti­sche oder meta­po­li­ti­sche Stra­te­gi­en auch einen Weg zur Errin­gung der Gestal­tungs­macht über die Gesell­schaft anstrebt, ist ver­kürzt (Für reine Ana­ly­sen des Wesen des Nihi­lis­mus gilt das frei­lich nicht.). Nur für sich selbst und die eigene Fami­lie  eine Über­win­dung des nihi­lis­ti­schen Libe­ra­lis­mus anzu­stre­ben, ist selbst bereits ein libe­ra­lis­ti­sches Denken. Es ist „sip­pen­ego­is­tisch“ und nicht einmal das kon­se­quent. Die eigene Fami­lie ist keine Monade, son­dern in die deka­den­te Gesamt­ge­sell­schaft ein­ge­bun­den. Man erkauft sich mit  Zeit, die wir nicht haben, eine „heile abge­schie­de­ne Fami­li­en­idyl­le“ um den unge­führ­ten Kampf noch aus­sichts­lo­ser an die eige­nen Kin­dern zu über­ge­ben. Es ist letzt­lich reiner Ego­is­mus, der ver­kennt, dass das Wesen von Deka­denz und Nihi­lis­mus nicht das Ver­feh­len Ein­zel­ner, son­dern ein epo­cha­ler Zustand ist. Der pri­va­te Entzug und Wider­stand dage­gen zeugt von einer gewis­sen Kraft, kommt aber auch einer Flucht vor der eigent­li­chen Ver­ant­wor­tung gleich.

Sich selbst vom Ganzen des Volkes, von der Völ­ker­ge­mein­schaft Euro­pas und zuletzt von der Viel­falt einer mul­ti­po­la­ren Welt abzu­kap­seln und seine anti­li­be­ra­le Sehn­sucht als pri­va­tes Sied­lungs­pro­jekt aus­zu­le­ben, ist selbst bereits Aus­druck eines libe­ra­len Indi­vi­dua­lis­mus — mag er sich auch auf eine Fami­lie oder Kom­mu­ne bezie­hen. Der Nihi­lis­mus regiert als innere Wahr­heit der herr­schen­den Ideo­lo­gie des „Schuld-Uni­ver­sa­lis­mus“ über die Poli­tik, indem er den meta­po­li­ti­schen Rahmen des poli­tisch Kor­rek­ten vor­gibt. Er gestal­tet so die täg­li­chen Lebens­be­din­gun­gen, die von Kin­des­bei­nen an die Insas­sen des Wes­tens für ein hedo­nis­ti­sches Skla­ven­da­sein zurecht­schlei­fen. Eine geis­ti­ge Wende gegen den Nihi­lis­mus kann daher nie­mals nur allein „von unten“  über viele kleine Kom­mu­nen oder das Ein­zel­ver­hal­ten erreicht werden.
Das ist das fal­sche Bewusst­sein, das der Libe­ra­lis­mus bewusst in allen Umwelts-,  Bür­ger­rechts- und sons­ti­gen Bewe­gun­gen beför­dert, um sie vom orga­ni­sier­ten poli­ti­schen Pro­test abzu­hal­ten.
Eine Über­win­dung des Nihi­lis­mus kann, wie auch immer sie erreicht werden mag, nur Hand in Hand mit Kräf­ten gesche­hen, die auch gesetz­li­che und meta­po­li­ti­sche „Rah­men­be­din­gun­gen“  schaf­fen,  also die gesam­te Gesell­schaft ver­än­dern.
Die geis­ti­ge Wende muss auf das Ganze gehen und das Ganze ist die Poli­tik. Ihr Ziel muss es  auch sein, die Ideo­lo­gen des Nihi­lis­mus aus ihren Ämtern zu ver­ja­gen und einen poli­ti­schen Raum zu schaf­fen, in dem wieder Leben mög­lich ist.

Der Geist der Über­win­dung muss aller­dings aus einem Kreis kommen, der sie für sich bereits vor­weg­ge­nom­men hat und mit seinem Feuer ein ganze Bewe­gung und in der Folge viel­leicht eine ganze rechts­po­pu­lis­ti­sche Regie­rung ansteckt. Der mas­sen­po­li­ti­sche Kampf und der geis­ti­ge Kampf ums Ganze müssen Hand in Hand gehen. Der Kampf gegen den Nihi­lis­mus muss mit einem Kampf gegen die poli­ti­sche Herr­schaft der nihi­lis­ti­schen Par­tei­en und Grup­pen ein­her­ge­hen.

Es ist ein Kampf um Wahr­heit und Werte, eine Revol­te gegen das stäh­ler­ne „Bewusst­seins­ge­fäng­nis“ der Moder­ne, das den Men­schen von Tra­di­ti­on und Sinn abge­schnit­ten hat. Es müssen Werte ergrün­det werden, die wich­ti­ger sind als das Leben, die  über den Nihi­lis­mus erhe­ben und in deren Glanz man auf seine Ver­lo­ckun­gen und Ver­füh­run­gen ver­zich­ten kann, ohne in eine bit­te­re Wider­stands-Askese zu ver­fal­len.

Die gesamt­ge­sell­schaft­li­che poli­ti­sche Kom­po­nen­te des Kampfs gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus ist hier­mit klar­ge­stellt. Er kann sich nicht in eso­te­ri­schen Zir­keln oder bäu­er­li­chen Kom­mu­nen von poli­ti­scher Prag­ma­tik und mas­sen­po­li­ti­schen Sach­zwän­gen her­aus­lö­sen. Aus dem oben beschrie­ben wissen wir aber auch, dass die reine poli­ti­sche Prag­ma­tik des Rechts­po­pu­lis­mus keine Lösung der wahren Krise ist, son­dern das Feuer der Erkennt­nis und den Willen zur Gesun­dung braucht, die nur in einem kleinen,„anti-nihilistischen Kreis“ erwach­sen kann.
Wie kommen nun dieser Kreis und sein Kampf gegen den Nihi­lis­mus mit Mas­sen­be­we­gung und ihrem all­tags­po­li­ti­schen Kampf zusam­men?

Die Frage, die sich uns stellt, ist, inwie­fern der Kampf um die poli­ti­sche Macht mit der bewuss­ten Über­win­dung des Nihi­lis­mus zusam­men­hängt. Ein­fach gesagt: Geht es nur darum, mit — egal wel­chen — mög­lichst wirk­sa­men Bot­schaf­ten poli­ti­sche Macht zu erlan­gen, um DANN  über die erober­ten Ver­tei­ler­stel­len anti­li­be­ra­les Denken ins Volk zu streu­en?
Oder muss sich dieses Denken bereits in der Pro­pa­gan­da, also Aktio­nen und Info­ar­beit einer poli­ti­schen Bewe­gung gegen den Libe­ra­lis­mus äußern?
Wir wollen zuerst ein paar Irr­tü­mer aus­räu­men, um zu zeigen, wie sich dieses Zusam­men­wir­ken nicht dar­stel­len kann.

Innen und außen & der Wahn von den „zwei Phasen“

In der Geschich­te der rech­ten Zusam­men­hän­ge gibt es keinen Unsinn, keine Kaprio­le, die noch nicht ver­sucht wurde. Beson­ders oft tau­chen Ideen der „Unter­wan­de­rung“ auf, in denen es irgend­wie darum geht, die wahren Inten­tio­nen der eige­nen Bewe­gung zu ver­ber­gen.
Ent­we­der dürfen sie aus einem klei­nen Ver­schwö­rer­kreis, der sich nach außen ganz anders gibt, nicht hin­aus­drin­gen (lokale Ver­ber­gung) oder sie sollen erst  zu einem gewis­sen Zeit­punkt ent­hüllt werden (tem­po­ra­le Ver­ber­gung). Beides ist illu­so­risch.
Eine poli­ti­sche Bewe­gung ist keine Geheim­ge­sell­schaft. So wie sie innen ist, so wird sie irgend­wann auch außen gese­hen werden. Mit­glie­der fluk­tu­ie­ren, Nach­rich­ten drin­gen nach außen, unbe­dach­te Worte fallen. Man kann innen und außen nie­mals radi­kal tren­nen. Am schla­gends­ten beweist das die Iden­ti­tä­re Bewe­gung, die vom spe­zi­fi­schen „Neonazi“-Stigma nur des­we­gen los­kom­men kann, weil  und solan­ge sie innen und außen nicht NS ist. (Das all­ge­mei­ne „patrio­tisch = rechts = nazi“-Verdikt, das auch Leute wie Sar­ra­zin und Pirincci trifft, kann der Bewe­gung egal sein — denn dem Volk ist es auch mit zuneh­men­den Maße egal. Auf das  spe­zi­fi­sche „intra­rech­te“ „Neonazi“-Stigma  trifft das hin­ge­gen nicht zu.)
Eine Bewe­gung kann sich auch nicht irgend­wann um 180° drehen und z.B. von einer unpo­li­ti­schen Szene-Unter­wan­de­rungs­be­we­gung zu einer poli­ti­schen Frak­ti­on werden. Dieser Plan müsste ja wieder von Anfang an einer klei­nen Min­der­heit bekannt und von ihr nach außen ver­bor­gen werden, womit die tem­po­ra­le wie­der­um eine unmög­li­che lokale Ver­ber­gung dar­stellt.
Was hin­ge­gen mög­lich und nötig ist, ist die Tren­nung von Theo­rie und Pro­pa­gan­da.
Die Theo­rie schafft ein ganz­heit­li­ches Welt­bild und for­mu­liert nach einer Lage­ana­ly­se das erreich­ba­re Ziel und die Stra­te­gie. In der Pro­pa­gan­da und Taktik dringt dieses in der ver­ständ­li­chen Spra­che der Bevöl­ke­rung, an aktu­el­le Fragen aus­ge­rich­tet nach außen.
Damit ist die Theo­rie nichts „Gehei­mes“ oder zu Ver­ber­gen­des. Sie ist nur zu umfang­reich, zu kom­plex oder teils zu unpo­pu­lär um als Thema für Aktio­nen und Flyer ver­wen­det zu werden. Gute Theo­re­ti­ker und Stra­te­gen über­prü­fen regel­mä­ßig die eigene Pro­pa­gan­da und haben den Puls am Bewusst­sein des Volkes, um klar zu sehen, für welche Pro­vo­ka­tio­nen und welche Bot­schaf­ten es auf­nah­me­be­reit ist. Die Theo­rie ist nicht „ver­bor­gen“, sie dringt stän­dig in ver­ständ­li­cher und begreif­ba­rer Form in ihren aktu­el­len Themen nach außen. Sie wirkt in der guten Pro­pa­gan­da auch nach und bestimmt ihren Rahmen und ihre Stoß­rich­tung.


Wenden wir diese Erkennt­nis­se auf die Frage nach einer Über­win­dung des Nihi­lis­mus an, so erken­nen wir, dass sie auf jeden Fall theo­re­ti­sches Ziel einer Bewe­gung sein muss, die sich den Erhalt der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät auf die Fahnen geschrie­ben hat. Ihre Stra­te­gie muss also, wenn sie hand­fest ist, auf die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Über­win­dung des Nihi­lis­mus und der Deka­denz abzie­len, was ihre „theo­re­ti­sche“ Beschäf­ti­gung mit der Sinn­fra­ge gleich­sam erzwingt
(dazu später mehr).
Die Frage ist also, kon­kre­ti­siert, ob die unbe­dingt not­wen­di­gen „anti-nihi­lis­ti­schen“, anti­de­ka­den­ten, gegen den Hedo­nis­mus gerich­te­ten Ele­men­te einer iden­ti­tä­ren Theo­rie Teil einer iden­ti­tä­ren Praxis und Info­ar­beit werden sollen und wenn ja, wie.
Doch wir wollen gleich damit her­aus­rü­cken: Nein, das sollen sie NICHT.
Eine poli­ti­sche Bewe­gung, die mit Aktio­nen und Flyer gegen Party und Spaß­ge­sell­schaft, gegen Konsum und Fei­er­lau­ne auf­tritt, hat ihr Fach ver­fehlt. Der The­men­be­reich einer iden­ti­tä­ren Bewe­gung ist und bleibt die Kon­kre­ti­sie­rung und Weckung des iden­ti­tä­ren Bewusst­seins für unsere Selbst­ab­schaf­fung anhand ihrer offen­sicht­lichs­ten Sym­pto­me: Mas­sen­ein­wan­de­rung und ihre Folgen — Über­frem­dung und Isla­mi­sie­rung. Die Deka­denz und den Nihi­lis­mus als ihre wahren Gründe zu begrei­fen bedeu­tet bereits drei wei­te­re Denk­schrit­te, die in Aktio­nen und Flug­schrif­ten unmög­lich zu ver­mit­teln ist. Sie muss aber regel­mä­ßig an einen gewis­sen Kreis ver­mit­telt werden, um ein Auf­ge­hen der Bewe­gung in der eige­nen, teils rechts­po­pu­lis­ti­schen Pro­pa­gan­da zu ver­hin­dern!


Die Bewe­gung die rech­ten Zusam­men­hän­ge und der Kreis

Der Kampf gegen Deka­denz ist vor allem etwas, das von zen­tra­len Akti­vis­ten einer iden­ti­tä­ren Bewe­gung vor­ge­lebt und ohne große Worte prak­ti­ziert werden soll. Es soll per­sön­lich geübt werden, aber nicht expli­zi­te Bot­schaft von Aktio­nen sein. Damit unter­schei­det sich die Bewe­gung sowohl von rein popu­lis­ti­schen Ver­bän­den, als auch von sek­tie­re­ri­schen, passiv kul­tur­er­hal­ten­den Rand­grup­pen.
Der popu­lä­re Kampf gegen Mas­sen­ein­wan­de­rung und Isla­mi­sie­rung schart die Leute mit iden­ti­tä­rem Bewusst­sein und idea­lis­ti­scher Sehn­sucht, aber meist noch libe­ra­lis­ti­scher Prä­gung um sich, denen im wei­te­ren Ver­lauf eines eli­tä­ren (d.h. „aus­le­sen­den) Ver­fah­rens die zen­tra­le Ursa­che dieser Sym­pto­me bewusst gemacht werden kann.

Mit einer „Pro­pa­gan­da gegen Deka­denz“ ver­grault man diese Leute hin­ge­gen meist von Anfang an. Man über­lässt damit die bren­nen­den, poli­ti­schen Themen sol­chen Grup­pie­run­gen, die die Frage nach der Deka­denz gar nicht stel­len und damit auch keinen Kampf ums Ganze führen. Die großen Erfol­ge poli­ti­scher Grup­pen wie etwa der  Gene­ra­ti­on Iden­ti­taire, die genau das prak­ti­zie­ren, im Ver­gleich zum rela­ti­ven Mobi­li­sie­rungs­miss­er­folg von anti­de­ka­den­ten „Volkstod“-Kampagnen beweist -  inhalt­lich-welt­an­schau­li­che Kritik bei­sei­te gelas­sen — die Rich­tig­keit dieser These.
(Auch bei mar­xis­ti­schen Grup­pen lässt sich Ähn­li­ches beob­ach­ten.)
Dieses bewuss­te In-den-Vor­der­grund-Stel­len von bestimm­ten Fragen, die bewuss­te Anpas­sung der eige­nen Aktio­nen und Bot­schaf­ten an das Bewusst­sein der Bevöl­ke­rung, die es aber gleich­zei­tig ent­wi­ckeln, schär­fen und erhe­ben, ist genau das Gegen­teil vom blin­den Hoffen auf  den Ein­tritt „einer Krise“, ab der man dann  erst „anfan­gen kann“ „etwas“ zu tun, womit immer die nackte Gewalt gemeint ist. (xx macht gewalt rev)
Die Haupt­un­ter­schie­de einer iden­ti­tä­ren Stra­te­gie zu diesem Kri­sen­kult bestehen darin, dass im Rahmen des Mög­li­chen das getan und mobi­li­siert wird, was geht, dass dieser Rahmen gezielt erwei­tert wird und in jeder kleins­ten Aktion das, was zu tun ist, bereits theo­re­tisch vor­be­rei­tet, geis­tig da und prak­tisch geschult wird.

Der Kampf ums Ganze, gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus ist also unbe­dingt poli­tisch und nicht privat kul­tu­rell. Als sol­cher hat er sich in eine gesamt­po­li­ti­sche Stra­te­gie ein­zu­fü­gen. Er ist nicht im Sinne einer tem­po­ra­len und loka­len Ver­ber­gung „geheim“ zu halten, son­dern im Sinne der Tren­nung von Stra­te­gie und Infoarbeit/Propaganda in einer lei­ten­den, lang­fris­ti­gen Posi­ti­on für den tages­po­li­ti­schen Kampf.

Der anti-nihi­lis­ti­sche Geist kann im Rahmen einer rechts­po­pu­lis­ti­schen Partei kaum ent­ste­hen. Schon auf­grund eines „The­men­ge­biets“ ist für ihn die meta­po­li­ti­sche Bewe­gung der ideale Grund, in dem er wur­zeln kann. Ziel dieser Bewe­gung muss es sein, über eine bestim­men­de Kraft der Meta­po­li­tik der rech­ten Zusam­men­hän­ge, den gesam­ten rechts­po­pu­lis­ti­schen Kampf so zu schär­fen, zu sam­meln und zu diri­gie­ren, dass er sich wie ein Keil auf das zen­tra­le Ziel und die zen­tra­le Frage: die Über­win­dung des Nihi­lis­mus zuspitzt.
Kon­kret heißt das hier und heute: die Frage der Demo­gra­phie und Selbst­ab­schaf­fung, die Fami­li­en- und Lebens­feind­lich­keit der west­li­chen Gesell­schaft muss als zen­tra­les Pro­blem, unter dem Wust an Sym­pto­men kennt­lich gemacht werden. Die Mas­sen­ein­wan­de­rung muss als fal­sche „Kur“, als ver­schlim­mern­des „Heil“mittel für ein zen­tra­les Pro­blem erkannt werden, das unsere Gesell­schaft befal­len hat. Die Über­frem­dung, die Isla­mi­sie­rung, die Migran­ten­kri­mi­na­li­tät — all das wuchert letzt­lich in der Wunde des Nihi­lis­mus und der Deka­denz. Es kann nur mit ihm über­wun­den werden. Der rechts­po­pu­lis­ti­sche Kampf dient hier und heute vor allem als „Ein­stieg“, als Sym­ptom und erste Erkennt­nis­stu­fe für die wahre, gehei­me Seuche, das „Geheim­nis des Ver­falls“, der Europa und die ganze Welt befal­len hat.
Gerät dieses Ziel aus den Augen, wird der Rechts­po­pu­lis­mus unwei­ger­lich zu bil­li­ger Hetze.

Wir haben also gese­hen, dass der Kampf gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus nicht ein­fach „irgend­wann“ nach Errei­chung eines fernen Ziels begin­nen kann, dass er aber auch nicht Thema iden­ti­tä­rer Aktio­nen werden soll. Er kann nur von der Bewe­gung aus­ge­hen, die die meta­po­li­ti­sche Front­stel­lung der rech­ten Zusam­men­hän­ge ein­neh­men und die Deu­tungs­ho­heit für die Ana­ly­se und The­ra­pie der Zeit­krank­heit erlan­gen muss.
Doch auch die Bewe­gung ist, wie wir gese­hen haben, not­wen­dig mas­sen­po­li­tisch. Auch sie kann damit nicht in ihrer Gesamt­heit anti-nihi­lis­tisch sein, da sich beides, wie erwähnt, aus­schließt.
Es tritt also die Frage auf, wie und wo in der Bewe­gung der anti-nihi­lis­ti­sche Geist ver­wur­zelt sein kann. Er muss, das wurde bereits gesagt, vor allem von der Lei­tung auf per­sön­li­cher Ebene vor­ge­lebt werden und in einem klei­nen eli­tä­ren Kreis am Leben gehal­ten werden.
Es muss ein Typus des  Akti­vis­ten beför­dert werden, der ihn ver­kör­pert. Es geht hier, wie wir später sehen werden, am Ende um die Sinn­fra­ge, die sich dem  rein Poli­tisch-Pro­pa­gan­dis­ti­schen ent­zieht. Es sind Fragen, die sich  weni­ger in Aktio­nen, als in einer Hal­tung und einem Stil aus­drü­cken. Dieser Stil muss im rich­ti­gen Bewusst­sein geformt und gebil­det werden. Er ent­steht wie die Bewe­gung nicht von allei­ne.
Wenn die Bewe­gung als mas­sen­po­li­ti­sche, meta­po­li­ti­sche Kraft eine Samm­lung der Patrio­ten bewir­ken, den Pros­test auf die Straße tragen und das Bewusst­sein des Volkes für die zen­tra­le Frage der Selbst­ab­schaf­fung schär­fen will, kann die Gemein­schaft, deren Auf­ga­be die Errei­chung eines anti-nihi­lis­ti­schen Bewusst­seins ist, nicht mit der Bewe­gung iden­tisch sein. Es ist mehr ein „Kreis“ als eine Bewe­gung. In ihm kann keine Prag­ma­tik, keine Hier­ar­chie und keine Stra­te­gie herr­schen. In ihm muss eine Frage umge­hen, deren Ant­wort er der Gesell­schaft vor­aus­den­ken muss.