Die Vision

Wenn jedoch eine von echten Werten über­zeug­te Bewe­gung durch das „Heer­la­ger der Hei­li­gen“, der letz­ten wahren Euro­pä­er, gehen würde, wenn im Rahmen eines Krei­ses, egal wie klein er auch sei, der Libe­ra­lis­mus und Nihi­lis­mus in ihrem Wesen erkannt und im Klei­nen über­wun­den werden könn­ten – dann könnte sich dieser Sieg zu einer Strö­mung ver­brei­tern, die Euro­pas Erbe über den Abgrund dieses Jahr­hun­derts heben könnte.
Von der Sym­ptom­be­kämp­fung muss es end­lich zu einer echten Hei­lung kommen, die aller­dings zuerst eine Dia­gno­se benö­tigt. Sie liegt in groben, ober­fläch­li­chen Zügen bereits vor: die Deka­denz und der Hedo­nis­mus, die kol­lek­ti­ve Ver­wei­ge­rung von Fami­lie und Leben sind schuld an unse­rem Eth­no­sui­zid und ermög­li­chen damit Mas­sen­ein­wan­de­rung und Isla­mi­sie­rung. Ursa­che der Deka­denz wie­der­um ist der herr­schen­de Nihi­lis­mus, der dem Libe­ra­lis­mus ent­springt, der im Namen des Geldes, im Namen des Indi­vi­du­ums und der Mensch­heit alle kon­kre­ten Werte, Mythen und Tra­di­ti­on zer­stört hat. Er hat den Men­schen jeden Lebens­sinn genom­men, der ihn über bloßen Genuss und bloßes Erlei­den seines Lebens erhebt.
Er hat ihnen die Todes- und Opfer­be­reit­schaft für ein Ideal genom­men und damit die wahre Wert­schät­zung des Lebens unmög­lich gemacht. Er hat jedes „Wozu“ genom­men und ein hyper­sen­si­bles, rück­grat­lo­ses Geschlecht hin­ter­las­sen, das kein „Wie“ mehr erträgt und dessen Leben eine ein­zi­ge große Flucht vor dem Schmerz dar­stellt.

Eine echte Wider­stands­be­we­gung, die aufs Ganze, also auf die herr­schen­de Ideo­lo­gie des Libe­ra­lis­mus geht, muss genau hier anset­zen. Im klei­nen Kreis einer Gruppe und zuerst im eige­nen Herzen müssen Rela­ti­vis­mus und Nihi­lis­mus, Hedo­nis­mus und Ego­is­mus erkannt und über­wun­den werden. Die krank­haf­ten Erschei­nun­gen der Moder­ne, die heute größ­ten­teils schon als „Main­stream“ und „normal“ gelten, müssen als solche erkannt, bezeich­net und zurück­ge­drängt werden.
(Dies gilt weni­ger für die neuen „Trends“ wie Kon­sum­ver­wei­ge­rung, Vega­nis­mus, Recy­cling, etc. Das sind groß­teils Marketing-“Revolten“ des Kapi­ta­lis­mus, die dem Ver­brau­cher eine macht­vol­le Rolle vor­gau­kelt, die er nie­mals hatte. Vor allem geht es hier um den Bereich, der auch in „rech­ten“ Krei­sen kaum als Teil von Deka­denz und Nihi­lis­mus erkannt wird und wurde: Wer beim Trei­ben der One-Night-Stands, der Porno-Nor­ma­li­sie­rung und der Bana­li­sie­rung von Sexua­li­tät mit­macht, atta­ckiert letzt­lich den Lebens­nerv unse­res Volkes. Denn die Zer­set­zung des Ver­trau­ens in ver­läss­li­che Bezie­hun­gen, die neu­ro­tisch auf­ge­bläh­te, per­ver­se Trieb­be­ses­sen­heit und die Ent­sa­kra­li­sie­rung von Sexua­li­tät sind Haupt­fak­to­ren für den Eth­no­sui­zid Euro­pas.)
Doch wer bis hier­her mit Bedacht mit­ge­le­sen hat, wird sofort erken­nen, dass „mora­li­sche Ermah­nun­gen“ nicht das sind, was man der all­ge­mei­nen Deka­denz ent­ge­gen­set­zen kann.
Sie ist in all ihren Aus­drucks­for­men ja nicht das bös­wil­li­ge Über­schrei­ten einer bestehen­den Moral. Sie ist die logi­sche Kon­se­quenz aus der herr­schen­den Moral, der Moral des Hedo­nis­mus, dessen Credo: „Mache in deinem Schlaf­zim­mer, auf deinem PC, mit deiner Bezie­hung, deinem Körper und Leben, was dir Spaß macht, solan­ge es keinem scha­det“, so voll­zo­gen wird.
Die Über­win­dung der Deka­denz, die ver­sucht, sich ihren Folgen und Ver­hee­run­gen im Klei­nen ent­ge­gen­zu­set­zen, kann dies nicht allein durch mora­li­sche Selbst­dis­zi­pli­nie­rung errei­chen. Hier herrscht oft das, was Nietz­sche an der fal­schen Askese kri­ti­sier­te: „Rathe ich euch zur Keusch­heit? Die Keusch­heit ist bei Eini­gen eine Tugend, aber bei Vielen bei­na­he ein Laster. Diese ent­hal­ten sich wohl: aber die Hündin Sinn­lich­keit blickt mit Neid aus Allem, was sie thun. Noch in die Höhen ihrer Tugend und bis in den kalten Geist hinein folgt ihnen diess Gethi­er und sein Unfrie­den. Und wie artig weiß die Hündin Sinn­lich­keit um ein Stück Geist zu bet­teln, wenn ihr ein Stück Fleisch ver­sagt wird! Ihr liebt Trau­er­spie­le und Alles, was das Herz zer­bricht? Aber ich bin miss­trau­isch gegen eure Hündin.“

Hier wird auch das wahre Wesen des Nihi­lis­mus und der Deka­denz ver­kannt. Sie ist, wie oben ange­deu­tet, die „gesun­de“ und logi­sche Reak­ti­on auf den „Tod Gottes“, den Unter­gang jeden Wertes und jeden Sinns. Der Hedo­nis­mus, der den Spaß als Zen­trum des eige­nen Daseins setzt, ist die not­wen­di­ge Folge des „Tod Gottes“ und das Wesen der Moder­ne, die mit der Tech­nik auch erst­mals den Mög­lich­keits­raum für ihn schuf.
Wer geis­tig dem Wesen der Moder­ne treu bleibt, also letzt­lich nihi­lis­tisch ist, wird nie­mals in der Lage sein, Deka­denz und Hedo­nis­mus zu über­win­den. Wer sub­jek­ti­vis­tisch und huma­nis­tisch denkt, wer nicht glaubt, dass es Wahr­hei­ten und Tra­di­tio­nen gibt, die über einer Will­kür des mensch­li­chen Sub­jekts, über seiner „Selbst­ent­fal­tung“ stehen, wird nie­mals in der Lage sein, gegen die Logik der Auf­lö­sung der Tra­di­ti­on zu gewin­nen. Um die Deka­denz zu über­win­den müssen wir ver­ste­hen, woher sie stammt. Will man einen Rohr­bruch tro­cken­le­gen, muss man den Haupt­hahn abdre­hen, nicht irgend­ei­nen Was­ser­hahn. Das mah­nen­de Her­um­schrau­ben an ein­zel­nen Deka­denz­er­schei­nun­gen bringt nichts. Der Nihi­lis­mus als Wurzel der Deka­denz muss über­wun­den werden.
Auch im kleins­ten Kreis, auch im eige­nen Herzen reicht für den sym­bo­li­schen Vorhut-Sieg gegen die Deka­denz keine bloße Ver­sa­gung, Askese und bit­te­re Ableh­nung, in der der Wille sich dem Hedo­nis­mus ver­sagt. (Der Askese-Kult ist von Body­buil­ding bis hin zur „Nofap“-Bewegung längst als leis­tungs­tei­gern­des Prin­zip in den Libe­ra­lis­mus ein­ge­bet­tet worden und wird gerade als „gesun­der Ver­zicht“ in seiner auf­schie­bend-lust­stei­gern­den Wir­kung für spä­te­re Genüs­se und der Figur­op­ti­mie­rung erkannt) Viel weni­ger als um die Wil­lens­macht zur Askese geht es um die Frage einer Glau­bens­kraft zum freu­di­gen Ver­zicht, der bewusst und in Hin­blick auf einen höhe­ren Wert geschieht. Diesen kann aber nie­mals einer oder eine kleine Gruppe für sich selbst „erfin­den“.
Er geht immer ein ganzes Volk und eine ganze Kultur an.

Die Über­win­dung der Deka­denz, zu der die Masse und das Gros der „Rech­ten“ nicht in der Lage ist, kann, wenn sie sich zuerst im Klei­nen und vor allem im eige­nen Leben voll­zie­hen soll, para­do­xer­wei­se KEINE allein pri­va­te Askese sein.
Eine Ein­sicht in das Wesen von Hedo­nis­mus und Deka­denz erkennt ers­tens ihre Zusam­men­ge­hö­rig­keit mit dem Nihi­lis­mus, also dem Weg­fall aller Werte. Sie erkennt jene als logi­sche Folge dieser und in all dem einen umfas­sen­den zivi­li­sa­to­ri­schen und geis­tes­ge­schicht­li­chen Pro­zess, der ganz Europa befal­len hat. Wer gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus vor­geht, geht immer not­wen­dig aufs Ganze.
In seinen eige­nen Schwä­chen und Ver­haf­tun­gen im System des Blooms bekämpft er gleich­zei­tig einen all­ge­mei­nen Zustand der Gesell­schaft. Es geht also nicht mehr, wie etwa im Mit­tel­al­ter oder der Antike, nur darum, im Rahmen einer intak­ten Moral seine eigene Tugend wahr­haf­tig und voll­kom­men zu machen. Der Kampf um Tugend und ein gutes Leben rich­te­te sich not­wen­dig gegen die herr­schen­de Moral, die in sich eine lebens­feind­li­che Unmo­ral ist. Oft — ohne es zu wissen — sind wir tief von dieser Unmo­ral und ihrer zugrun­de­lie­gen­den Welt­sicht geprägt, um nicht zu sagen: infi­ziert. Ein reiner „Wille zur Gesun­dung“, nicht ein Stehen außer­halb der Krank­heit unter­schei­det uns viel­leicht vom Rest der Gesell­schaft, von den Spie­ßer- und Avant­gar­de­blooms. Es ist die dumpfe Ahnung, dass „etwas“ nicht stimmt, dass dieses „etwas“ uns tötet und weit größer ist als eine bloße gesell­schaft­li­che Phase oder „Ent­wick­lung“. Dieser Wille treibt uns zu einer echten Erkennt­nis und Dia­gno­se, die jeder Gesun­dung und The­ra­pie zuvor gehen muss.
Der pri­va­te Kampf gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus ist also nicht vom Kampf gegen die Geis­tes­la­ge unse­res Volks ins­ge­samt trenn­bar und wird damit auf geheim­nis­vol­le Art und Weise eine beson­de­re Auf­ga­be des „rech­ten Lagers“, das im Kampf um das eth­no­kul­tu­rel­le Über­le­ben immer wieder auf die Frage nach Deka­denz und Nihi­lis­mus gesto­ßen wird.

Eine echte Dia­gno­se der Deka­denz muss sie als Aus­druck des Nihi­lis­mus erken­nen und damit in ihrer ganzen geschicht­li­chen Größe und Wahr­heit ver­ste­hen. Sie ist das End­ergeb­nis­se einer langen Ent­wick­lung - der Aus­bruch eines uralten Schwel­brands. Was so lange wucher­te und sich wan­del­te, wird nicht in einer heißen Nacht besiegt. Der Nihi­lis­mus ist eine Stö­rung des Ganzen, die man im Ganzen ver­ste­hen muss, um einen Ausweg zu finden. Das heißt: ihn auch in seiner geschicht­li­chen Ent­wick­lung in seiner phi­lo­so­phi­schen Grund­la­ge zu ver­ste­hen.
Es sind keine „frem­den Viren“, keine „kleine Elite“, die gegen ein „gesun­des, nor­ma­les Ganzes“ vor­ge­hen würden. Es genügt nicht, zur Hatz gegen die Avant­gar­de-Blooms oder nur zu einer mora­li­schen Erneue­rung auf­zu­ru­fen. Die Aus­wüch­se einer inne­ren Krank­heit abzu­schnei­den oder weg­zu­ät­zen, ändert nichts an der Krank­heit selbst. Sie wird ver­drängt und bricht an ande­rer Stelle nur viel schlim­mer hervor. Der Kampf gegen einen Per­so­nen­kreis der „Zer­set­zer“ und „Nest­be­schmut­zer“ wirft die Frage auf, was sie zer­set­zen und beschmut­zen, und warum es zer­setz- und beschmutz­bar gewor­den ist. Der Aufruf zur Erneue­rung trägt in sich die Frage nach dem Zeit­punkt, der wie­der­her­ge­stellt werden soll. In moder­ner PC-Spra­che gesagt: Woher wissen wir, wel­cher Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punkt noch „viren­frei“ war? Oder kann man aus dem Zustand der Infek­ti­on über­haupt in ein viren­frei­es „Davor“ zurück?
All diese Fragen sollen im wei­te­ren Ver­lauf des Textes gestellt werden, doch eines sollte bereits jetzt klar sein. Erst wenn ein inne­res Gleich­ge­wicht wieder her­ge­stellt ist, gesun­det das Ganze — die Aus­wüch­se trock­nen aus und fallen von selbst ab.

 

Die Frage nach Sinn und Ziel

Betrach­ten wir den Nihi­lis­mus näher, so sehen wir, dass er eine Nega­ti­on ist. D.h. er ist die ver­nei­nen­de Ant­wort auf eine bestimm­te Frage und ein bestimm­tes Bedürf­nis des Men­schen. Begin­nend mit der Auf­klä­rung hat der Nihi­lis­mus das suchen­de Bedürf­nis des Men­schen nach ganz­heit­li­cher Ord­nung, Auf­ge­ho­ben­heit, Gebor­gen­heit, Sinn der Welt und seines Lebens, Gerech­tig­keit und Recht­fer­ti­gung des Daseins nega­tiv beant­wor­tet.
Statt­des­sen wurde der Zufall, das freie Spiel der Kräfte, die auto­sug­ges­ti­ve Sinn­stif­tung, der Dar­wi­nis­mus und eben zuletzt der Hedo­nis­mus gesetzt, der sich als poli­ti­sche Bewe­gung in Libe­ra­lis­mus und Mar­xis­mus zum Wohl der ganzen „Mensch­heit“ mobi­li­siert.
Wir wollen nun näher auf die Frage ein­ge­hen, die der Nihi­lis­mus nega­tiv beant­wor­tet und abdämpft, um aus ihrer Stoß­rich­tung, und dem nihi­lis­ti­schen Abstoß, viel­leicht sein Wesen besser zu ver­ste­hen.
Der Kampf gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus muss  ums Ganze gehen. Es geht ihm um den Total­ver­lust von Sinn und  Werten, das was Nietz­sche den „Tod Gottes“ genannt hat. Dem Mensch der Moder­ne bleibt nur eine Belie­big­keit und Krei­sen um den eige­nen Nabel. Er hat jedes Ziel ver­lo­ren. Damit fehlt ihm die innere Ruhe des Wan­de­rers, der auf gewis­sem Pfad einem gewis­sen Ziel ent­ge­gen­schrei­tet. Der Ziel­lo­se muss sich stän­dig seiner Bewe­gung ver­ge­wis­sern, um diese Ziel­lo­sig­keit zu über­spie­len . Er kann nie­mals inne halten.
Eine Panik vor dem Still­stand und dem ewig glei­chen Krei­sen um das Nichts beherrscht den moder­nen Men­schen. Dies äußert sich in einer Sucht nach Bewe­gung, nach „Fort­schritt“ und stän­di­gem Tape­ten­wech­sel. Stän­di­ge musi­ka­li­sche Unter­ma­lung, stän­di­ge Bild­rei­ze müssen den Bloom den ganzen Tag vor ihm selbst retten. Sie schüt­zen ihn vor der inne­ren Ver­zweif­lung über seine eigene Nich­tig­keit und die Nich­tig­keit des Ganzen, die immer in der Ruhe und Stille aus dem Schat­ten seines Egos her­vor­kriecht.
Der moder­ne Mensch dreht sich wie ein Krei­sel im leeren Raum, er „rollt wie eine Kugel aus dem X“ und nimmt die ziel­lo­se Bewe­gung an sich, als Ersatz für Weg und Ziel.
Wachs­tum um des Wachs­tums willen, das ist der Wahn­sinn, der Glo­ba­li­sie­rung, Umwelt­ver­nich­tung und Mas­sen­ein­wan­de­rung zei­tigt. For­schen um des For­schen wil­lens, das Ent­fes­seln von allen Mög­lich­keits­po­ten­tia­len ohne der Frage „Wozu?“ — das ist der Aus­druck dieser inne­ren Sinn­lo­sig­keit. „Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst“ ist die qua­si­re­li­giö­se Formel, mit  der alle moder­ne Patch­work-Reli­gio­si­tät die Not­wen­dig­keit einer echten Sinn­stif­tung über­deckt.
Sinn kommt vom alten deut­schen Begriff „sinnan“, das „auf dem Weg hin“ heißt.
Unser Dasein ist immer leben­dig und in der Zeit.  Wir sind auf einem Weg. Aus dieser Zeit­lich­keit und dem „auf dem Weg sein“  ergibt sich von selbst die Frage nach dem Woher und Wohin. Aus der bit­te­ren Erkennt­nis, dass mein Lebens­weg im Tod ein Ende finden muss, ergibt sich die Frage des „Warum“ und „Wozu“?

Das Vakuum

Der libe­ra­le Hedo­nis­mus ist als Dau­er­zu­stand aus­ge­brei­tet der Schmerz, den diese unbe­ant­wor­te­te Frage not­wen­dig erzeugt. Es ist ein „geis­ti­ger Schmerz“, eine Sinn­kri­se und Depres­si­on, die oft mit kör­per­li­cher Lust gedämpft werden. Der Nihi­lis­mus ist das Dogma, dass es auf diese Frage keine andere Ant­wort geben kann, als die man sich je selbst „erfun­den“ hat. Er ist das gehei­me innere End­ziel aller moder­nen Ideo­lo­gi­en, das sich nach Weg­fall von Mar­xis­mus und Faschis­mus im post­mo­der­nen Libe­ra­lis­mus ans Licht wühlt. Der Hedo­nis­mus ist der letzte gemein­sa­me Nenner, der dem schwär­men­den, augen- und ohren­be­täu­ben­den Gewühl gemein­sam ist. Die Deka­denz, der immer neue Tabu­bruch, die immer neue Stei­ge­rung des Lust­kit­zels, der immer rasche­re Wech­sel von Trends und Moden ist die Kon­se­quenz der hedo­nis­ti­schen Ver­drän­gung des Dogmas des Nihi­lis­mus. Denn das Leben wird uner­träg­lich, wenn es zum Sinn seiner selbst werden, es sich selbst mit eige­ner Kraft tragen soll. Dass „irgend­wie“ alles sinn­los erscheint, wenn man sich nicht gerade in einem bestimm­ten kurz­fris­ti­gen Ziel ver­bis­sen hat, ist der zweite gemein­sa­me Nenner der Blooms, der täg­lich die Selbst­mör­der in den Tod und die gebro­che­nen Seelen zu den Psych­ia­tern treibt. Jeder von uns kennt den Wech­sel zwi­schen mani­schem Hin­ein­stei­gern  und depres­si­ver Ernüch­te­rung, kennt den horror vacui, der auf­kommt, wenn gerade kein Stim­mungs­hoch das Bewusst­sein trägt. Man läuft auf Grund. Hier fehlt etwas, hier ist es ein Loch. Dieses Vakuum ist der wahre Grund der Deka­denz.

Warum bleibt die Ant­wort auf die Sinn­fra­ge aus? Warum bleibt sie, nicht nur für ein­zel­ne ver­fehl­te, trau­ri­ge Exis­ten­zen, wie z.B. im Mit­tel­al­ter jeder an Gott zwei­feln­de Rela­ti­vist erschei­nen musste, son­dern für eine ganze Zivi­li­sa­ti­on, eine ganze Epoche aus?
Warum hat sich in ihr die Gewiss­heit, dass diese Frage nie­mals „objek­tiv“ zu beant­wor­ten ist, als ein­zi­ge echte objek­ti­ve Wahr­heit und Ant­wort durch­ge­setzt? Warum konnte sich daher gerade in ihr eine Unmo­ral zur Herr­schaft auf­schwin­gen, in der der Regel­bruch zur Norm und das Laster zur Tugend wird? All das sind epo­cha­le Fragen, die die poli­ti­sche Inter­es­sens­sphä­re ein­zel­ner Völker weit über­steigt. Wir wollen uns diesen Fragen erst später stel­len und zuvor aus dem über den Nihi­lis­mus Erkann­ten ein Fazit für eine mög­li­che Gegen­be­we­gung ziehen.

Das „anti­ni­hi­lis­ti­sche Bewussst­sein“

Erkennt man den Nihi­lis­mus als Ver­wei­ge­rung einer Ant­wort auf eine Daseins­fra­ge, und im Dau­er­zu­stand als ein Vakuum, in dem die Deka­denz wuchert, muss man sich ein­ge­ste­hen:. ##Es geht weni­ger darum, die  Aus­wüch­se der Deka­denz zu kri­ti­sie­ren und zu beschnei­den, als darum, diese Leere zu füllen und die Frage zu beant­wor­ten.. Es muss nichts weg­ope­riert, ver­tilgt und ver­nich­tet werden. Es fehlt etwas. Wir haben nicht zu viel, son­dern zu wenig. Nihi­lis­mus und Deka­denz würden jetzt auch nicht mehr ver­schwin­den, wenn unser Zuviel an Ablen­kun­gen und Waren ver­schwin­det. Sie würde im Gegen­teil stär­ker bewusst. Man mag sich gar nicht aus­den­ken, was heute gesche­hen würde, wenn man die west­li­che Welt eine Woche auf „Entzug“ setzen, Shop­ping Malls und Fast­food­ket­ten zusper­ren, das Inter­net abdre­hen, Anti­de­pres­si­va, Aspi­rin, Alko­hol, Gras und Par­ty­dro­gen „abset­zen“ würde. Man hätte wohl etwas, das am nächs­ten an eine „Zombie-Apo­ka­ly­se“ her­an­kommt.  Er wird nur wieder bewusst und ein Heulen des Schmer­zes, wie auf einer Inten­siv­sta­ti­on, auf der die Schmerz­pum­pen abge­stellt werden, würde durch Europa gehen. Der Schmerz ver­schwin­det nicht, wenn man die Schmerz­mit­tel weg­nimmt. Der Gedan­ke, dem Kran­ken seinen Schmerz so erst bewusst zu machen, damit er end­lich nach dem wahren Grund für ihn zu fragen beginnt, ist zwar reiz­voll, doch ohne  ein echtes Heil­mit­tels parat zu haben, kommt dieser Wunsch einer ( teils nach­voll­zieh­ba­ren) apo­ka­lyp­tisch-mis­an­thro­pen Ver­nich­tungs­sehn­sucht gleich. Damit wäre aber noch nichts erreicht und keiner weiß, was das Ergeb­nis wäre. Mas­sen­sui­zi­de sind ebenso denk­bar wie ein Aus­bruch in hor­den­ar­ti­ge, selbst­zer­stö­re­ri­sche, kan­ni­ba­li­sche Anar­chie, wie sie Jean Ras­pail in „Sieben Reiter ver­lie­ßen die Stadt“ beschreibt. Die moder­ne west­li­che Kon­sum­welt ist also, so können wir fest­hal­ten, nicht Ursa­che von Deka­denz und Nihi­lis­mus, son­dern viel­mehr das Resul­tat des nihi­lis­ti­schen Zustands.
Wie ein ver­krüp­pel­ter Bett­ler, der ver­sucht, sein kran­kes Bein mit einem Holz­ge­stell zu stüt­zen, schuf sich das sinn­ent­leer­te und  wil­lens­kran­ke Europa das Pols­ter des Hedo­nis­mus und den deka­den­ten Zer­streu­ungs­be­trieb , um sich vom Sta­chel des Nihi­lis­mus zu erlö­sen.
Zusam­men­bruch oder mora­lisch for­cier­te Zer­stö­rung dieses Pols­ters löst heute die Sinn­kri­se ebenso wenig , wie es dem Bett­ler hilft, wenn man ihm seine Krücke unter der Hüfte weg­tritt.
Die Deka­denz ent­stand und ent­steht erst als natür­li­che Reak­ti­on, als eine Art Not- und Abwehr in der Folge des Nihi­lis­mus und es gehört zum letz­ten gehei­men Adel Euro­pas, dass es die tra­gi­sche Würde besitzt, an ihr zu ersti­cken. Europa voll­zieht so mate­ri­ell-poli­tisch die innere Wahr­heit des Zustands der höhe­ren Sinn­lo­sig­keit seines Daseins.

Erlöst die Krise von Nihi­lis­mus?

Wer also hofft, dass in einer radi­ka­len Wirt­schafts- und Ver­wer­tungs­kri­se „von selbst“, aus der Not ein neuer Wert gebo­ren und den Nihi­lis­mus besie­gen würde, hofft eben nur (Wobei diese Hoff­nung noch immer berech­tig­ter ist als die meis­ten kon­ser­va­ti­ven Ideen zusam­men. Damit es besser wird, muss es unbe­dingt anders werden. Radi­kal anders. Wo eine Lösung undenk­bar erscheint, ist die Auf­lö­sung nicht der schlech­tes­te Schluss.).

Dieser neue Wert wird nicht aus dem Nichts kommen, er kann nicht aus dem Nichts kommen. Keine Krise kann ihn aus dem Boden stamp­fen. Ohne Same wird nichts wach­sen, egal wie oft man den Boden mit Blut gießt und mit Stie­fel­trit­ten auf­wühlt. Die Krise ist nur Wol­ken­bruch und die schwü­le Hitze, die einen Trieb zum Aus­bruch bringt. Ohne Same bringt sie aber  nichts.
Doch auch das Samen­korn braucht einen frucht­ba­ren Grund, wie jedes Heil­mit­tel einen berei­ten Emp­fän­ger. Inso­fern ist die radi­ka­le Erfah­rung des eige­nen Nihi­lis­mus, der in einer Betriebs­kri­se der Deka­denz­ge­sell­schaft ent­steht, tat­säch­lich eine not­wen­di­ge, aber nicht hin­rei­chen­de Bedin­gung für eine mög­li­che Über­win­dung des Nihi­lis­mus gege­ben.
In einer radi­ka­len kri­sen­haf­ten Zuspit­zung, in einem Auf­bruch des Nihi­lis­mus, wenn den Blooms man­gels Ablen­kun­gen mit einem Schlag die see­li­sche Ver­durs­tung bewusst wird,  sind sie erst bereit für die Hei­lung — diese Bereit­schaft ist aber noch nicht die Hei­lung selbst.
Die sekun­dä­re Krise der Deka­denz kann also nur Grund und Boden für den Samen sein, der aus der Stel­lung der wahren, pri­mä­ren Krise, der Sinn­kri­se und der nihi­lis­ti­schen Nega­ti­on der Wahr­heits­fra­ge, gewon­nen werden kann.

Wir haben gese­hen, dass das Res­sen­ti­ment der Spie­ßer-Blooms gegen die immer extre­me­ren Aus­brü­che der Deka­denz und des Eth­no­zids, welche die Avant­gar­de-Blooms der Gender- und Mul­ti­kul­ti-Ideo­lo­gie „aus­son­dern“, ein zahn­lo­ser Reflex ist. Wir haben gese­hen, dass die rechts­po­pu­lis­ti­sche Agi­ta­ti­on nur ein Auf­kö­cheln dieser Refle­xe ist und ebenso — selbst im wahl­po­li­ti­schen „best case“-Szenario — Europa auf Dauer nicht retten könnte. Wir sehen: nur eine echte geis­ti­ge Wende, eine Hin­wen­dung zu gemein­schafts­tra­gen­den Werten, zu Fami­lie, Ethik, Ehre und Ver­ant­wor­tung über das eigene Ego hinaus kann eine Ret­tung brin­gen.
Diese Wende kann aber nicht allein in der kom­men­den, unaus­weich­li­chen sekun­dä­ren Ver­wer­tungs­kri­se des Libe­ra­lis­mus liegen. Sie braucht einen anti­de­ka­den­ten, nicht-nihi­lis­ti­schen „Samen­kern“, der  in der bin­nen­li­be­ra­lis­ti­schen Empö­rung der Spie­ßer-Blooms NICHT ange­legt ist. Die Avant­gar­de-Blooms plär­ren offen heraus, was inner­lich jeder weiß. Dass das, was die alten Formen, das Fami­li­en­bild, die sozia­len Werte, bis hin zu den geschlecht­li­chen Iden­ti­tä­ten getra­gen und abge­si­chert hat — „Gott“ ist tot. Diese Werte sind zu Ende kri­ti­siert. Sie geben keine echte Ant­wort mehr und auch ihre schein­ba­ren Ver­tei­di­ger ver­tei­di­gen sie bereits mit den Waffen des Geg­ners, mit der „per­sön­li­chen Selbst­ver­wirk­li­chung“, der „Gleich­heit“, der „Mensch­lich­keit“, etc.

Allein dadurch, dass dieser „Gott“ bezwei­fel­bar und hin­ter­frag­bar wurde, ist man bereits unwie­der­bring­lich aus seiner Wahr­heits­sphä­re hin­aus­ge­tre­ten. Man ist dabei in eine neue Sphäre ein­ge­tre­ten: die des Nihi­lis­mus.  Erst wenn man das Wesen dieser neuen Anti-Welt, dieser Sphäre des Nihi­lis­mus als unser geis­ti­ges Gefäng­nis erkannt hat, könnte man viel­leicht auch aus ihr, aus dem post­mo­der­nen Ende der Geschich­te aus­bre­chen. Es ist dies der Schritt „über die Linie“, wie ihn Ernst Jünger in seinem epo­cha­len gleich­na­mi­gen Essay beschrieb.

Dieser Schritt, wir werden später näher über ihn nach­den­ken, muss den Nihi­lis­mus und damit das gesam­te moder­ne „Werte“system des Libe­ra­lis­mus als zu Über­win­den­des betrach­ten, bevor er über­haupt denk­bar wird. Keine Stei­ge­rung des Volks­zorns, keine gran­dio­sen Wahl­er­geb­nis­se werden uns aus diesem kris­tal­le­nen Gefäng­nis des Nichts befrei­en. Es ist keine quan­ti­ta­ti­ve Stei­ge­rung bestehen­der Kri­tik­po­ten­tia­le und Bewe­gun­gen, son­dern ein qua­li­ta­ti­ver „Bewusst­seins­schritt“, zu dem das Volk selbst im Dau­er­feu­er der libe­ra­len Medien nicht in der Lage ist (Wenn es auch eine stille iden­ti­tä­re Sehn­sucht hat, was unsere Auf­ga­be auch von der mar­xis­ti­schen Ideo­lo­gie unter­schei­det, welche die Sehn­sucht nach „Welt­re­vo­lu­ti­on“ immer erst ins Volk pro­ji­ziert.). Es ist der Bewusst­seins­schritt, der den wahren Feind in der Deka­denz erkennt und damit wieder die Fragen nach Sinn gegen das Dunkel des Nihi­lis­mus stellt. Diesen Schritt kann auch nur das Volk als ganzen voll­kom­men voll­zie­hen — ja in der pla­ne­ta­ren Phase der Moder­ne und des Nihi­lis­mus muss auch die Frage nach den ande­ren Völ­kern gestellt werden.
Er betrifft immer eine ganze Kultur, eine ganze Sprach­welt und eine ganze eth­no­kul­tu­rel­le Gemein­schaft, in deren Kreis allein sich jemals Sinn, Wahr­heit und Wert wirk­lich bilden konn­ten.
In einer nöti­gen Kampf- und Vor­pha­se zu diesem Schritt wird sich seine Vor­be­rei­tung, der „Ansatz zum Schritt“, nur in einer klei­nen Bewe­gung kon­zen­trie­ren können, die selbst aber not­wen­dig in einer nihi­lis­ti­schen Umge­bung ver­blei­ben muss.
Diese Bewe­gung muss also ein „vor­grei­fen­des Bewusst­sein“ ent­wi­ckeln, in dem eine kom­men­de gesam­te Über­win­dung des Nihi­lis­mus vor­weg­neh­mend gegen diesen vor­ge­gan­gen werden kann.

Dieses Bewusst­sein ist wie ein hei­li­ges Feuer, das erst ins Volk getra­gen werden muss! Es muss in voller Rein­heit in einem klei­nen Kreis gebo­ren werden und dann wie ein Funke in die Masse der Leute getra­gen werden. Und sie sehnen sich bereits danach zu bren­nen! Hun­dert­tau­sen­de junge Deut­sche und Euro­pä­er sehnen sich nach den „unsicht­ba­ren Strah­len hoher Gefüh­le“, die sie über den Trott eines ein­tö­ni­gen Hedo­nis­mus erhe­ben und wie eine Welle von san­di­gem Grund fort­rei­ßen. Online-Rol­len­spie­le, Mit­tel­al­ter- und Gothic­sze­ne,  Ghetto-Gangs, urba­ner Van­da­lis­mus, HBO-Serien, Hoo­li­gan-Prü­ge­lei­en, Antifa- und NW- Akti­vis­mus, all das sind man­gel­haf­te Sub­sti­tu­te für diese Sehn­sucht nach Aben­teu­er, Span­nung, Geheim­nis und letzt­lich Sinn und Wahr­heit in einer ent­leer­ten Welt. Dass fast all diese Szenen und Bewe­gun­gen einen unheim­li­chen Hang zur Zer­stö­rung und eine Fas­zi­na­ti­on der Apo­ka­lyp­se ent­wi­ckeln, die zum kul­tu­rel­len Mas­sen­phä­no­men gewor­den ist, ver­wun­dert nicht: „In einer Gesell­schaft, die jedes Aben­teu­er zer­stört hat, ist das letzte Aben­teu­er die Zer­stö­rung dieser Gesell­schaft.“

Dieses Bewusst­sein muss in einer ersten Phase in radi­ka­lem Gegen­satz zur Masse treten.
Die Masse — samt rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­tei­en — hängt in der Matrix des Libe­ra­lis­mus, im lar­mo­yan­ten gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis, an Deka­denz und Nihi­lis­mus im Grunde nichts ändern zu wollen, fest. Man will um keinen Preis „prüde“ „spie­ßig“ oder „mora­li­sie­rend“ sein.

Auch ihr gesam­tes Dasein, ihre Lebens­ent­wür­fe, ihre inners­ten, intims­ten Gedan­ken, die letzt­lich doch wieder um ihr Ich, ihre Kar­rie­re, ihre kom­men­den Erb­schaf­ten, ihre Ein­künf­te, ihren Posten, ihr Anse­hen, ihre Lust und ihren Spaß krei­sen, sind die Ener­gie­zel­len des libe­ra­len Sys­tems, aus denen es sich Tag für Tag re-bootet. Sie sind Teil des Blooms, sie tragen es und repro­du­zie­ren es.
Doch in genau dieser Masse, genau für diese Masse muss eine Bewe­gung, die ein anti-nihi­lis­ti­sches Bewusst­sein bildet und die Über­win­dung des Nihi­lis­mus vor­weg­nimmt, tätig werden.
Ist doch der Zustand dieser deka­den­ten Masse direk­ter Aus­druck des Nihi­lis­mus. Wie alle Fun­ken­le­ser oder sons­tig poli­tisch inter­es­sier­te Men­schen wissen, erfor­dert Mas­sen­po­li­tik und Mas­sen­be­we­gung immer Zuge­ständ­nis­se an das Mas­sen­be­wusst­sein und die Mas­sen­me­di­en.
Wer im Dreck gräbt, muss sich schmut­zig machen, wer eine Herde leiten will, muss sich zum Hammel machen, wie Nietz­sche sagt.

Wir wissen auch, dass eine Idee, eine Bewe­gung immer nur wirk­sam und geschichts­mäch­tig werden kann, wenn sie die Ankupp­lung an die Masse findet, wenn sie es vermag, eine Spra­che zu finden, die das „Volk“ ver­steht und sein dump­fes Mas­sen­be­wusst­sein auf das höhere Bewusst­sein ihrer Erkennt­nis zu heben.

Wir haben die Rechts­po­pu­lis­ten scharf kri­ti­siert, weil sie der Masse nach dem Mund reden, sie bei ihren tief­hän­gends­ten Res­sen­ti­ments packen, und auf einen Weg ziehen, der nicht aus Deka­denz und Nihi­lis­mus her­aus­führt. Dieses schmei­cheln­de Umwer­ben und sein brei­ter Weg sind aber mas­sen­wirk­sam.
Jede klare Denun­zia­ti­on der gesam­ten Deka­denz, die alle Blooms auf ihre eigene ver­dräng­te Sinn­kri­se zurück­wirft und sie mit einem schnei­den­den „memen­to mori“ zu einer Ände­rung ihres Lebens auf­ruft, kann daher nicht mas­sen­wirk­sam werden. Sie kann sich nie­mals gegen das „Kon­kur­renz­an­ge­bot“ einer rechts­po­pu­lis­ti­schen Mas­sen­be­we­gung durch­set­zen. Was tun?

Wir haben gese­hen, was die Wurzel der Deka­denz ist: der  Nihlis­mus, der den feh­len­de Lebens­sinn als Natur­zu­stand ver­ewigt. Aus ihm ent­springt not­wen­dig der Hedo­nis­mus als Lebens­zweck, der in seiner gesell­schaft­li­chen Gesamt­heit Deka­denz und Eth­no­zid bringt. Nur ein ande­res Bewusst­sein, das den Kampf gegen Nihi­lis­mus und Deka­denz, den nöti­gen Schritt über die Linie vor­aus­denkt und vor­weg­nimmt, kann daher eine echte Wende her­bei­füh­ren. Der Rechts­po­pu­lis­mus kann das nicht bewerk­stel­li­gen. Der „spon­ta­ne Volks­zorn“ samt erhoff­ter Krise ebenso wenig. Es ist ein neues Bewusst­sein, das erar­bei­tet, geformt und in die unbe­wusst am Nihi­lis­mus lei­den­den Massen getra­gen werden muss. Aber wie kann das kon­kret gesche­hen?

Wir wollen, bevor wir näher über den Schritt, die Linie, die Sinn­fra­ge und die Ver­wei­ge­rung ihrer Ant­wort nach­den­ken, eine prak­ti­sche Erläu­te­rung des Zusam­men­hangs von rechts-patrio­ti­schem Popu­lis­mus und einer Gegen­be­we­gung zum Nihi­lis­mus ver­su­chen.

 

 

1Der “Ghetto-Kanacken”-Style, in dem sich die Migran­ten „eman­zi­pa­to­risch“ die „gesell­schaft­li­chen Kli­schees“, wie Kri­mi­na­li­tät, Faul­heit und Gewalt, samt zuge­hö­ri­ger Schimpf­wör­ter aneig­nen, ist nichts ande­res als ihre totale Ein­fü­gung in den Libe­ra­lis­mus. Sie wollen den­sel­ben Luxus wie „die da oben“, sie wollen „vom Bord­stein zur Sky­line.“ Sie wollen nicht den Reich­tum für alle, sie wollen den Luxus für sich und machen sich sogar über die zu kurz gekom­me­nen Ghet­to­kol­le­gen lustig (sofern sie nicht zur eige­nen idio­syn­kra­ti­schen „Gang“ gehö­ren, die alles andere als eine sozia­le „Klasse“ ist).
Sie wollen nicht die Logik des Libe­ra­lis­mus für eine mar­xis­ti­sche Revol­te auf­bre­chen, son­dern die Freu­den der Deka­denz für sich und ihre Kum­pels. Der schnel­le und ein­fa­che Weg dort­hin, der sich für den ein­fa­chen „Kana­cken“ bietet, ist das Ver­bre­chen, das in ihren Lie­dern glo­ri­fi­ziert und besun­gen wird. Das Ver­bre­chen hin­ter­fragt dabei die Eigen­tums­ver­hält­nis­se des Libe­ra­lis­mus in keins­ter Weise. Es will nicht alles für alle, son­dern alles für sich. Der neu­rei­che Ghetto-Gangs­ter schützt, wie Tony Mon­ta­na, seine Villa auch mit Wach­leu­ten und Kame­ras vor ande­ren Gangs­tern, weil er als typi­scher Ver­bre­cher das Eigen­tums­recht nur selek­tiv – nur für die ande­ren – bre­chen will.
Die Beja­hung des Ver­bre­chens bestä­tigt also nega­tiv die kapi­ta­lis­ti­schen Eigen­tums­ver­hält­nis­se und ist alles andere als „mar­xis­tisch“. Pech gehabt! Einmal mehr zeigt sich nach dem gran­dio­sen Schei­tern des Sowjet­sys­tems und des Anti­im­pe­ria­lis­mus/-kolo­nia­lis­mus, dass der Mar­xis­mus kein uni­ver­sa­lis­ti­sches Geschichts­phä­no­men, son­dern ein geis­tes­ge­schicht­li­ches Psy­cho­pro­blem des post­christ­li­chen Zen­trums des Uni­ver­sa­lis­mus, also Euro­pas ist.