Lange lag dieser Text aber brach, nachem in seiner fina­len Zuspit­zung, die, Teil um Teil nach hinten ver­scho­ben wurde, die „Ant­wort“ immer weiter auf­ge­spart wurde. Am Ende unter­bra­chen tech­ni­sche Pro­ble­me am „Funken“ über­haupt die Wei­ter­ar­beit. Inzwi­schen gab es einige geis­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lun­gen. achdem in einem zwei­ten Anlauf der  Text erneut gele­sen wurde, lag es nahe ihn über­haupt zu ver­wer­fen, seine unzäh­li­gen Aus­wüch­se, Exkur­se, Gedan­ken­split­ter und Auf­zäh­lun­gen aus­zu­sie­ben und die ganze Sache noch einmal von Vorne anzugehen.Dieses Unter­fan­gen steht als Auf­ga­be immer noch bevor. Dennoh soll dieser Text aber, leicht redi­giert in seiner ganzen Unzu­läng­lich­keit erschei­nen. Er soll als eine Art Log­buch auf einem Weg, eine Samm­lung von Noti­zen ein gedank­li­ches „Test­feld“ auf­ge­fasst werden. 

1. Totale Deka­denz
Zeit für ein Geständ­nis: All­mor­gent­lich, wenn  Stra­ßen­bahn Rich­tung Vor­le­sung oder Arbeit rollt, blät­te­ren wir in den han­dels­üb­li­chen Gra­tis­b­zei­tun­gen. Intel­lek­tu­el­le Tiefe bieten sie nicht, doch wer die hier erwar­tet, hätte sie gar nicht ver­dient. Die kurzen Mel­dun­gen der hand­voll Pres­se­agen­tu­ren sind hier über­sicht­li­cher zusam­men­ge­fasst als in den breit­ge­fal­te­ten linken „Qua­li­täts­zei­tun­gen“. Beson­ders bunt glänzt immer der „Gesell­schafts­teil“, in dem in bunten Bil­dern aus dem Leben der glo­ba­len A- und natio­na­len B- und C-Promis berich­tet wird. Nicht etwa weil die Welt der unver­dient Rei­chen und nach­ope­riert Schö­nen so inter­es­sant ist. Sehen wir es eher als kli­ni­sche Bestands­auf­nah­me einer ster­ben­den Gesell­schaft, als meta­po­li­ti­sche Feld­for­schung in der schwe­len­den Deka­denz.

Hier kon­sta­tiert man regel­mä­ßig mit einer gewis­sen gru­seln­den Genug­tu­ung, wie aus den sozio­kul­tu­rel­len Seu­chen­her­den Tag für Tag tie­fe­re Ein­fäl­le in die letz­ten Berei­che des Gesun­den und Nor­ma­len statt­fin­den. Hier ist über die Jahre ein rasan­ter Anstieg der mora­li­schen Ver­falls­ten­denz zu kon­sta­tie­ren. Tabu­brü­che müssen per­ma­nent über­bo­ten werden — wie das BIP. Waren es vor Jahren noch „Busen­blit­zer“ und „Nip­pel­ga­tes“, die auf­reg­ten und pro­vo­zier­ten, so ist es jetzt der rek­ta­le Aus­schnitt, der, mit „Po-Ketten“ ver­ziert, neue Tabus bricht. Ob Char­lot­te Roche, 50 Shades of Grey oder Sasha Grey – eine schlei­chen­de Nor­ma­li­sie­rung des Hard­cores ist über­all bemerk­bar.
Es reicht ein wenig kul­tur­in­dus­tri­el­le, pseu­do­in­tel­lek­tu­el­le Tünche, ein wenig „künst­le­ri­scher Anspruch“ und schon ist der Porno sein Schmud­deli­mage los, schon wird der Nackt­tanz mit ein­ge­setz­ten Sex­spiel­zeu­gen zur „Per­for­mance“ und findet seinen Platz auf den bunten Seiten dieser Zei­tun­gen, die täg­lich von hun­terttau­sen­den Schü­lern gele­sen werden.

Warum Genug­tu­ung?

Die Genug­tu­ung, die wir oben erwähnt haben, speist sich aus zwei Gedan­ken, die man fol­gen­der­ma­ßen zusam­men­fas­sen kann: 1. Wir haben es ja gesagt. 2. Was fällt, soll man stoßen.

Ad 1.: In der gesam­ten „Lauf­bahn“ des Fun­kens haben wir in/mit Aktio­nen und Gesprä­chen stets auf die gras­sie­ren­de, sich täg­lich über­bie­ten­de Deka­denz hin­ge­wie­sen und dabei oft auch in „unse­ren Krei­sen“ belä­cheln­des Abwie­geln erlebt. Das abgd­ro­sche­ne Sokra­tes-Zitat von der „damals schon ver­dor­be­nen Jugend Athens“ wird gebracht, und in genüss­li­cher Breite wird, mit einer großen Geste gegen Prü­de­rie, aus­ge­malt wie „wild“ es schon „die alten Römer trie­ben“.
(Dass die geis­ti­gen Bilder hier wohl aus moder­nen HBO-Serien stam­men, die den heu­ti­gen gesell­schaft­li­chen Kon­sens schwüls­tig und lasziv auf die Ver­gan­gen­heit pro­ji­zie­ren, wollen wir erst einmal außer Acht lassen.)
In der Kritik an der Deka­denz geht und ging es uns nie darum, dass bestimm­te Prak­ti­ken und Ver­hal­tens­wei­sen „immer schon“ geübt wurden. Es geht um die Frage, wie sie gesell­schaft­lich gewer­tet werden. Pro­sti­tu­ti­on, Abtrei­bung, Por­no­gra­fie etc. „gab“ es natür­lich schon immer. Nie­mals aller­dings galten diese Dinge als gesell­schaft­lich erstre­bens­wert und „normal“, nie­mals gab es zudem die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, per Inter­net und Smart­pho­ne Bilder en masse unter kind­li­chem Publi­kum zu ver­brei­ten, die auch mit­tel­al­ter­li­chen Lands­knech­ten die Scha­mes­rö­te ins Gesicht getrie­ben hätten. Wer hier keine klare qua­li­ta­ti­ve Stei­ge­rung der Deka­denz und ihrer gesell­schafl­tich-mora­li­schen Beur­tei­lung wahr­nimmt, dem ist wirk­lich nicht mehr zu helfen. Wir sagen: es wird noch wei­ter­ge­hen! Bald schafft die „gesell­schaft­li­che Rea­li­tät“ des Mas­sen­kon­sums von Hard­core­por­nos mit gesell­schafts­fä­hi­gen Bre­schen­schlä­gern und Gen­re­zwit­tern wie Sasha Grey und den 50 Shades den Einzug ins Haupt­abend­pro­gramm (HBO geht hier als Avant­gar­de voran). Wir erwar­ten zudem jeden Morgen die große Ankün­di­gung des „kon­tro­ver­sen Best­sel­lers“ über Pädo­phi­lie und Inzest, der auch hier eine „gesell­schaft­li­che Debat­te“ star­ten wird. Die Partei, die diese poli­tisch tragen könnte, gibt es bereits.
Ad 2.: Wir sehen in all diesen Dege­ne­ra­ti­ons- und Ver­falls­er­schei­nun­gen auch einen not­wen­di­gen und kon­se­quen­ten Ver­lauf. Anders gesagt: Man müsste sich wun­dern, wenn sie nicht ein­tre­ten würden. Wun­dern und sorgen müsste man sich, wenn diese Zeit herr­li­che Denk­mä­ler, schöne Kunst und groß­ar­ti­ge Men­schen her­vor­bräch­te. Wenn über­wie­gend intak­te Fami­li­en da wären und echte Werte herrsch­ten. Die Ober­fläch­lich­keit, die Ver­ein­sa­mung und Ent­frem­dung, die schrei­en­de Häss­lich­keit und Fadesse dieser Zeit sind Aus­druck ihrer häss­li­chen Seele.
Ein kran­ker Zeit­geist muss eine kranke Gesell­schaft her­vor­brin­gen. Die Phra­sen von Fort­schritt, Mensch­lich­keit und Frei­heit sind das geschmack­lo­se Mas­ca­ra, das ver­geb­lich über die eitern­den Aus­schlä­ge der Deka­denz geschmiert wird. Durch die ver­krus­te­te und fal­sche Fas­sa­de bricht sie immer wieder in ihrer ganzen Ent­setz­lich­keit und Härte durch.
Es braucht den immer neuen Tabu­bruch, der sich nur eine zeit­lang mit Kurio­si­tä­ten wie der erwähn­ten „Po-Kette“ zufrie­den gibt. Der iko­no­klas­ti­sche Geist, der gehei­men Herr­scher der Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus schleicht bereits gierig um die letz­ten Wert-Tempel herum, die er plün­dern, schän­den und schlei­fen will. Was bleibt dem Hunger nach „Kritik“ und “Frei­heit”, wenn nach reli­giö­ser und eth­no­kul­tu­rel­ler Iden­ti­tät auch die geschlecht­li­che und zuletzt die mensch­li­che Iden­ti­tät in seinem Magen gelan­det sind und sich in Rela­ti­vis­mus und Hedo­nis­mus auf­lö­sen? Pädo­phi­lie, Inzest, Trans­hu­ma­nis­mus, Body-modi­fi­ca­ti­ons, Andro­iden, Bio­ma­schi­nen — eine schöne neue Welt däm­mert herauf…

Kran­ker Körper – kran­ker Geist

All das sind äußere Nie­der­schlä­ge eines inne­ren Defekts. Ein lebens­feind­li­cher Geist der Gleich­heit, der alles Hohe, Edle, Exklu­si­ve und Kon­kre­te umstür­zen, verl­la­ge­mei­nern und ein­eb­nen will, regiert diese Zeit. Der Zynis­mus, die Kritik, die Häme, die Satire und die Geschmack­lo­sig­keit sind seine Haupt­waf­fen, mit denen er an der Front der Deka­denz über­ra­gen­de Siege erringt. Was sich gegen das Leben rich­tet und alle Lebens­ge­set­ze miss­ach­tetmuss zugrun­de gehen. Im Wahn­sinn unse­rer Deka­denz, der kein Halten, keine Sta­bi­li­sie­rung, keine Tal­soh­le, son­dern nur die unge­brems­te Tal­fahrt ins Nichts kennt, zeigt sich der Effekt des libe­ra­lis­ti­schen Welt- und Men­schen­bilds.
Der mate­ri­el­le Unter­gang ist letzt­lich nur die nor­ma­le und “gesun­de” Reak­ti­on auf den kran­ken Geist.

Dass dieser Ungeist gerade in Europa, stär­ker noch als in den USA, wütet, ja, dass unser Kon­ti­nent dort mitt­ler­wei­le als „ver­rucht“ gilt, sehe ich inso­fern auch als ein „posi­ti­ves“ Zei­chen. Dass bei uns kein sta­bi­ler libe­ral-ver­fas­sungs­pa­trio­ti­scher Staat zu machen ist, dass – in den USA fast unvor­stell­bar (sogar die Erz­lin­ken beru­fen sich da auf den urame­ri­ka­ni­schen Traum) – Denk­sek­ten wie die Grünen und anti­deut­schen Anti­fas offen Selbst­hass und Selbst­zer­stö­rung pre­di­gen, ist, so para­dox das klingt, ein Zei­chen unse­rer Gesund­heit.

Alles Gesun­de fie­bert, wenn es mit der Krank­heit in Berüh­rung kommt. Ein gesun­des freies Tier geht im Käfig zugrun­de. Erst Tiere, die in Gefan­gen­schaft gebo­ren sind, die gezähmt und gebro­chen sind, begin­nen sich an die unna­tür­li­che Lage zu gewöh­nen.
Die USA waren nie­mals ein geschicht­li­ches, gewach­se­nes, orga­ni­sches Volk. Sie wissen gar nicht, was echte Gemein­schaft und Kultur sind. In Europa brach der Libe­ra­lis­mus aber in und über leben­di­ge Völker herein, die sich in extre­mis­ti­schen Krämp­fen (Faschis­mus und Mar­xis­mus) gegen ihn wand­ten und wehr­ten.

Europa steht in einer Tra­di­ti­on. Es denkt die Fragen zu Ende und geht weiter.. Es dringt tiefer. Wir denken, leben und führen gerade den Librea­lis­mus ad absur­dum, bis hin zur Selbst­zer­stö­rung. Was das Credo der heu­ti­gen Zeit, die Formel „Es gibt keine Wahr­heit“, auf einer sprach­lich-logi­schen Ebene tut, voll­zieht die pas­sen­de poli­ti­sche Theo­rie, der Libe­ra­lis­mus, fleisch­lich und mate­ri­ell.
Der Satz „Es gibt keine Wahr­heit“ ent­zieht sich selbst die Grund­la­ge der Gel­tung und Wahr­heit.
Die libe­ra­le wert­freie, hedo­nis­ti­sche Gesell­schaft ent­zieht sich selbst die Sub­stanz und Grund­la­ge, die eine Gemein­schaft zur Fort­exis­tenz braucht.

Sie ent­wi­ckelt sich damit logisch und auto­ma­tisch auf eine totale Krise zu, in der ein Aus­nah­me­zu­stand über Sein oder Nicht­sein ent­schei­den muss. Wann und in wel­cher Form er auf­tritt, ist so unge­wiss, wie die Tat­sa­che, dass er kommt, gewiss ist. Die libe­ra­le Deka­denz, die Prin­zip gewor­de­ne Zer­schla­gung jedes Prin­zips, der zen­tra­le Wert der all­ge­mei­nen Wert­lo­sig­keit lässt keine Alter­na­ti­ve zu. Es ist die Logik des Nihi­lis­mus, der, wie der ehe­ma­li­ge Papst zu Recht sagte, eine Gesell­schaft des Todes her­vor­ge­bracht hat, das Gesun­de, Jungen hemmt und tötet und das Alte und Kranke feiert und för­dert. Eine Gesell­schaft, in der es sich unlägst zutrug, dass aus ille­gal ent­wen­de­ten Stamm­zel­len abge­trie­be­ner Kinder hoch­teu­re Pfle­ge­pro­duk­te für die welke Haut „fitter“ Greise, die dem Tod davon­jog­gen wollen, her­ge­stellt wurden. Was so erbärm­lich fällt, tau­melt, schlin­gert und wankt, muss eigent­lich noch weiter, nocht tiefer gesto­ßen werden.
Der herr­schen­de Zeit­geist aus Libe­ra­lis­mus, Selbst­hass und Uni­ver­sa­lis­mus muss in seiner ganzen Faul­heit mit Stumpf und Stiel ver­schwin­den. Es ist gut, dass sich der­zeit im Hier und Heute alles Extre­me, Ver­rück­te und Ver­kom­me­ne, aller Wahn­sinn wie in einer Eiter­beu­le sam­melt – wenn sie platztist die Ent­gif­tung rasch und umfas­send…
Die Deka­denz muss und soll ihren Zenit errei­chen. Die Unre­for­mier­bar­keit, die sui­zi­da­le Logik des libe­ra­lis­ti­schen Sys­tems, dass vom Budget bis zur Demo­gra­phie „seine eige­nen Vorraus­set­zun­gen“ nicht garan­tie­ren kann, wie einst Böcken­för­de geist­reich bemerk­te, sollen an sich selbst zugrun­de gehen. Die Frage ist aller­dings, ob die von diesem Wahn “befal­le­nen” Völker mit ihm und seinen Sys­te­men unter­ge­hen werden müssen.

Die Radi­ka­li­tät und Tota­li­tät dieser Samm­lung und Gerin­nung der Deka­denz, deren Sym­pto­me man täg­lich in besag­ten Klatsch­spal­ten ver­fol­gen kann, rief und ruft fast not­wen­dig eine Abwehr­re­ak­ti­on hervor. Indem sich dort Mul­ti­kul­ti-Zeit­geist, Häss­lich­keit, Faul­heit, Kör­per­feind­lich­keit, Dro­gen­miss­brauch, Pro­mis­kui­tät, Fri­vo­li­tät, Zynis­mus, Ego­is­mus und Uni­ver­sa­lis­mus sam­meln, wird eine Gegen­be­we­gung, sofern und soweit sie erwacht, not­wen­di­ger­wei­se eine Gegen­po­si­ti­on ein­neh­men. Doch wo sind die Ansät­ze einer sol­chen zu bemer­ken?

Kranke Elite – gesun­des Volk?

Dass der­zeit auch das „ein­fa­che Volk“ die per­ver­sen Gesten nach­ahmt, die in den Medien vor­ge­übt werden, ist kein Wider­spruch zu dieser Hoff­nung. Denn nicht nur eine kleine und ver­rück­te Elite ist der Deka­denz und dem Wahn­sinn ver­fal­len. Er besetzt als Herr­schaft­zei­chen des Nihi­lis­mus die gesam­te Gesell­schaft. Der Par­ty­wahn der koma­saufen­den „ein­fa­chen Land­ju­gend“ will und kennt nichts ande­res als die bur­les­quen Orgien kok­sen­der Groß­stadt­ge­wäch­se. Wo sich „das Volk“ gegen den Wahn­sinn der Elite empört, wo es gegen Aus­wüch­se moder­ner „Kunst“, Gen­der­wahn und Per­ver­si­on wütet, geschieht dies idR nicht aus einem echten gesun­den Gegen­ent­wurf, son­dern aus schlich­ter und echter Bor­niert­heit. Das hedo­nis­ti­sche Credo „jeder wie er will, solan­ge es Spaß macht“ ist längst auch in die Herzen und Hirne der meis­ten „Spie­ßer“, der ein­fa­chen Arbei­ter, Bauern und Ange­stell­ten ein­ge­drun­gen. Ihre „kul­tu­rel­le“ Lebens­welt, bestehend­aus Party-Oldies, moder­ner Schla­ger-Volks­mu­sik, sinn­ent­ler­ten Feu­er­wehr­fes­ten- und sons­ti­gen Besäuf­nis­sen, ihr WM-Par­typa­trio­tis­mus, ihre All-inclu­si­ve-Sexur­lau­be in Thai­land – all das ist kein „gesun­des, natür­li­ches Gegen­mo­dell“ zur offe­nen Deka­denz der Eliten. Es ist der­sel­be nihi­lis­ti­sche Hedo­nis­mus, nur auf nie­der­schwel­li­ge­rem Niveau, ver­klei­det und ver­kleis­tert und gedämpft durch die Ein­fach­heit des Gemüts und den sta­bi­len Rhyth­mus des Erwerbs­le­bens. Die Effek­te und Sym­pto­me — Über­al­te­rung, Ero­si­on des etho­kul­tu­rel­len Erbes, Auf­lö­sung, inner­li­che Depres­si­on und äußer­li­che Eksta­se­sucht – sind „oben“ wie „unten“ die­sel­ben.
Beide sind Aus­drü­cke eines libe­ra­lis­ti­schen Zeit­geists, der keine Werte kennen will, die über dem gren­zen­lo­sen „Selbst­ver­wirk­li­chungs­wahn“ des nack­ten gie­ri­gen Ichs steht. „It’s my life“ ist die Suff-Hymne dieser Kon­sum­ge­sell­schaft, die dann gele­gent­lich auch betrun­ken, über alle Stan­des­gren­zen hinweg, mit Tränen der Eksta­se in den After­hour-Bars gegrölt wird.

Der qua­li­ta­ti­ve Sprung

Gefei­ert und Getrun­ken wurde schon immer. Doch vor dem Auf­kom­men des Nihi­lis­mus, dessen alles­ver­än­dern­den Ein­bruch nur die­je­ni­gen leug­nen, die voll von ihm durch­drun­gen sind, waren Feier und Eksta­se wie Schmuck­stü­cke in die Fas­sung eines festen Wer­te­ge­bäu­den ein­ge­fügt. Das gele­gent­li­che Gehen­las­sen, das Zulas­sen des Absur­den und Über-die-Strän­ge-Schla­gens gewann seinen Reiz gerade durch die Beson­der­heit und Aus­nah­me, der sie im Jah­res­kreis zu festen Zeiten regel­mä­ßig Frei­raum ließen.
Im Nihi­lis­mus ist dieses Wer­te­ge­fü­ge ver­lo­ren. Es wird kein Raum mehr gelas­sen und die Grenze ver­schwin­det. Die Feier im Jah­res­kreis ent­grenzt sich zur ewigen Party. „Always Hard­core“ – am liebs­ten wäre der moder­ne Bloom, egal aus wel­cher Schicht, ob in bil­li­ges Outlet-Imitat oder echte Mar­ken­wa­re gehüllt, 24 Stun­den am Tag „drauf“, also in tota­ler Eksta­se.
Die Hip-Hop-Play­boy­vil­la in Flo­ri­da, ein Leben, das nur aus langem Aus­schla­fen, Jetski-Fahr­ten, Bun­ge­jum­pen, Grup­pen­sex, fetten Steaks, Shop­ping-Exzes­sen, Auto­ren­nen, Club­bings, Drogen und all­abend­li­chen Party-Orgien besteht, ist das erklär­te Lebens­ide­al von mil­lio­nen west­li­chen Jugend­li­chen aus allen Schich­ten und Krei­sen. Wäh­rend sogar die Hip­pies noch einen letz­ten Rest an eso­te­ri­scher “Tugend”, per­sön­li­cher Ent­wick­lung, Askese und poli­ti­schen Idea­len besa­ßen, kämpft die neue „Jugend­be­we­gung“ des Wes­tens nur mehr für ihr „Right to party“.

Das ist kein mora­lin­saures Lamen­to, es ist kein Vor­wurf und kein Jam­mern. Kein bit­te­res „oh tem­po­ra oh mores“ kommt über unsere Lippen. Das, was geschieht, ist der not­wen­di­ge, logi­sche und natür­li­che Effekt des Nihi­lis­mus, der kör­per­li­che Ver­fall der auf den see­li­schen folgt und das ganze Volk betref­fen muss.

Die Avant­gar­de-Blooms

Die offene und kon­zen­trier­te Deka­denz der oberen Schich­ten gewinnt hier sogar einen beson­de­ren Wert, der sie gegen die banale All-inclu­si­ve-Flat­rate-Deka­denz von unten abhebt. Sie ist sich ihrer Krank­heit bewusst, sie schmückt sie und feiert sie und will sie auf die Spitze trei­ben. Wie ein Aus­sät­zi­ger, der seine “schöns­te” Eiter­beu­le mit Schmin­ke her­vor­hebt und mit bunten schmü­cken­den Pier­cings umrahmt, so prä­sen­tie­ren und ver­kör­pern sie den tota­len Nihi­lis­mus, der jede Hoff­nung auf Über­win­dung auf­ge­ge­ben hat.

Wenn die “normal” Deka­den­ten von unten dage­gen lamen­tie­ren, dann tun sie das nicht, weil sie gegen den Nihi­lis­mus und Hedo­nis­mus des sab­ben­dern „it’s my life“-Individuums an sich ange­hen, son­dern weil ihnen die offene Deka­denz da oben schlicht „auf die Nerven geht“.
Es ist nicht „gestylt“ genug, hat zu viele Ecken und Kanten und stört die Party mit „sozi­al­kri­ti­schen“ Bot­schaf­ten. Letzt­lich ist der Ärger des Spie­ßer-Blooms über den deka­den­ten Tabu­bruch des Avant­gar­de-Blooms nur das generv­te Grun­zen am Schwei­ne­trog, wenn ein Fres­ser dem ande­ren auf die Haxe tritt.
Es ist tat­säch­lich in der Regel reine Bor­niert­heit, mit der sich Teile der Bevöl­ke­rung über Dinge wie Chris­to­pher Street Day, Life Ball, Lovepa­ra­de, Gen­der­wahn und modern­künst­le­ri­sche Obszö­ni­tä­ten empö­ren. Ihr Credo: Jeder soll machen, was er glaubt, soll „in der eige­nen Woh­nung tun, was ihm gefällt“, aber er soll seinen Hedo­nis­mus gefäl­ligst so leben, dass „jeder seine Ruhe hat“. (Wenn die sub­kul­tu­rel­len Clowns, etwa der Metalz­se­ne, sich über die Antifa ärgern, weil sie mit „ihrer Poli­tik“ das gemüt­li­che Besäuf­nis beim apo­li­ti­schen, mistan­thro­pisch-nekro­phi­len Gelärm „stören“, so ist das ebenso nur ein inter­nes Gerum­pel in den Ein­ge­wei­den des Libe­ra­lis­mus.)

Dass die Avant­gar­de-Blooms nur die faule Blüte aus dem­sel­ben libe­ra­lis­ti­schen Myze­li­um sind, aus dem das mod­ri­ge Moos der eige­nen Mit­tel­stands-Deka­denz wuchert, wird ihnen nicht bewusst.
Dass man Teil einer Gemein­schaft ist, in der es eben nicht „egal ist“was andere aus ihrem Leben machen, wird ebenso aus­ge­blen­det. Viel­leicht ist die Unwil­lig­keit der Spie­ßer-Blooms auch das innere schlech­te Gewis­sen, wel­ches genau weiß, dass die „ver­rück­ten, ner­vi­gen Spin­ner“ mit ihrer deka­den­ten Pene­tranz die innere Wahr­heit und Kon­se­quenz auch der eige­nen Deka­denz aus­drü­cken.

Die Front „Gesun­des Volk vs. Kranke Elite“ erweist sich in der tota­len Herr­schaft des Libe­ra­lis­mus als Schein. Bis in die letzte Alm­hüt­te, bis ins letzte Fjord und auf die letzte grie­chi­sche Insel­ket­te ist die moder­ne Welt, in ihrer vollen Inten­si­tät längst vor­ge­drun­gen und hat ihr schwar­zes hedo­nis­ti­sches Credo in alle Herzen gesetzt.

Das Bloom

Die Men­schen sind damit keine echten Per­sön­lich­kei­ten mehr, son­dern Sub­jek­te des Libe­ra­lis­mus. Sie sind, in ihren tau­sen­den bunten Varia­tio­nen, alle­samt Emp­fän­ger und ver­stär­ken­de Ver­brei­ter des Libe­ra­lis­mus. Sie sind Opfer und Täter zugleich. Sie sind Zahn­rä­der der Kul­tur­in­dus­trie, wie es von Adorno und Debord ein­drück­lich geschil­dert wurde. Sie sind die „Blooms“ und „Junge-Mäd­chen“, als die sie die fran­zö­si­schen Auto­ren von tiqqun plas­tisch beschrie­ben haben:

Der Bloom ist daher viel­mehr der wur­zel­lo­se Mensch, der Mensch, der sich an das Gefühl gewöhnt hat, im Exil zu Hause zu sein, der sich im Ort­lo­sen ver­wur­zelt hat und dem die Ent­wur­ze­lung nicht mehr Ver­ban­nung, son­dern den Nor­mal­zu­stand bedeu­tet. Nicht die Welt hat er ver­lo­ren, son­dern das Inter­es­se an der Welt hat er zurück­las­sen müssen.“

Das Bloom, und damit sei end­lich einmal ein Begriff erläu­tert, den der Funke vor eini­ger Zeit in die rech­ten Zusam­men­hän­ge ein­ge­führt hat, ist also Aus­druck für den herr­schen­den Zustand des tota­len Libe­ra­lis­mus und für seine per­so­nel­len Träger zugleich. (Zumin­dest in unse­rer ver­kürz­ten und holz­schnitt­ar­ti­gen Sicht­wei­se, mit der wir ihn aus der links­post­mo­der­nen Trash­phi­lo­so­phie von Tiqqun zu unse­rem eige­nen pro­pa­gan­dis­ti­schen Gebrauch her­aus­spren­gen 😉 ) Er drückt hier vor allem aus, dass nicht eine kleine Elite hinter dem Ver­fall steckt, son­dern, dass die gesam­te Gesell­schaft davon durch­drun­gen und ver­blen­det ist. Das Bloom herrscht – als libe­ra­le Ideo­lo­gie und Hedo­nis­mus. Es prägt die Sicht der Gegen­wart, der Ver­gan­gen­heit und Zukunft. Es formt die Spra­che und bildet das Bewusst­sein, es prägt die Kör­per­spra­che, die Gesten, die Klei­dung, die Musik. Es geht weiter als alle bis­he­ri­gen Ideo­lo­gi­enindem es auch das Irra­tio­na­le, die Utopie, die Fan­ta­sie und Krea­ti­vi­tät umfasst und in seine kul­tur­in­dus­tri­el­len Mecha­nis­men ein­speist.

Kri­tisch“ zu sein ist heute in. Der Regel­bruch, das Extra­va­gan­te und „Indi­vi­du­el­le“ wird zur all­ge­mei­nen Anfor­de­rung und zum kon­for­mis­ti­schen Zwang im sozia­len wie beruf­li­chen Alltag.
Jede „Jugend­be­we­gung“ und „Rebel­li­on“ wird sofort modisch ver­mark­tet, in Musik­vi­de­os auf­ge­grif­fen und erfährt als Hip-Hop-Skater-Gang-Spray­er-Style rei­ßen­den Absatz. Das Pali­tuch hat einen Fix­platz im H&M-Regal.

Die Ghetto-Gangs­ter-Sub­kul­tur, die heute teil­wei­se stil­ge­bend für Antifa und Babo-Nazis wurde, ist der bisher beste Erfolg des Blooms in der Auf­sau­gung und Kom­mer­zia­li­sie­rung revo­lu­tio­nä­rer Sym­bo­le, Gesten und Codes. Das mar­kiert auch die ent­täusch­te Hoff­nung der Marix­s­ten, die hoff­ten, in den Zuwan­de­r­er­ghet­tos ein neues revo­lu­tio­nä­res Sub­jekt zu finden. Sie dach­ten, dass deren wirt­schaft­li­cher Aus­schluss vom vollen Reich­tum der libe­ra­len Gesell­schaft, zusam­men mit ihrem eth­no­kul­tu­rel­len Aus­schluss, ein dop­pelt revo­lu­tio­nä­res Bewusst­sein, also quasi ein revo­lu­tio­nä­res „Rassen- und Klas­sen­be­wusst­sein“ schaf­fen würde, gegen das es kein Halten mehr gäbe. Tat­säch­lich ist dieser Traum nach kurzen „Black Panther“-Zuckungen gründ­lichst ver­pufft. In Europa kam es auf­grund der isla­misch-kul­tu­rel­len Sper­rung der Migran­ten gegen Mar­xis­mus, abge­se­hen von ein paar befreie­ungs­na­tio­na­lis­tisch inten­dier­ten Kurden- und Paläs­ti­nen­ser-Split­ter­grup­pen, nicht einmal dazu.1

 

Die Blooms sind über­all – als Syn­ap­sen, Ten­ta­kel, Ener­gie­zel­len, Pio­nie­re und Leib­gar­de des Blooms selbst, das sie erhal­ten, nähren, erwei­tern und ver­tei­di­gen.

Alle Blooms bewoh­nen gemein­sam das Vater­land des Exils. Und alle Blooms gehö­ren ohne Unter­schied in ein und die­sel­be Welt, die das Ver­ges­sen der Welt ist.” (Tiqqun)

Meist sind sie in ihrem Arbeits- und Spaß­be­trieb (welche gerade im Bereich der „neuen Selb­stän­di­gen“ immer mehr zu einer Ein­heit ver­schmel­zen) fried­lich und gluck­sen still vor sich hin, wäh­rend sie wie auf Schie­nen durch ihren ein­tö­ni­gen Alltag rollen. Sie sind alle Instru­men­te eines Orches­ters, ob sie nun den stamp­fen­den Kar­rie­r­et­akt, die dump­fen Trom­mel­schlä­gen des Pre­ka­ri­ats oder die jaz­zi­gen Syn­ko­pen der „Krea­ti­ven“ ein­brin­gen. Die moder­ne Welt ist ein Event mit vielen “Floors”. Alles ist easy, alles ist cool, alles ist geil, alles ist party. Solan­ge der Alko­hol und der Ver­kehr flie­ßen, solan­ge genug Schlamm zum Suhlen da ist, beißt ein Schwein dem ande­ren nicht in die Schwar­te.
Bringt man den Bloom aller­dings aus der Bahn, ja greift das Wesen des Blooms selbst an, kri­ti­siert man also die libe­ra­lis­ti­sche Idee und ihren Lebens­stil an sich, zeigt er sein wahres Gesicht.

Das Junge-Mäd­chen trägt eine Maske, und wenn es das ein­ge­steht, dann immer nur, um anzu­deu­ten, dass es auch ein »wahres Gesicht« hat, das es nicht zeigt oder nicht zeigen kann. Doch dieses »wahre Gesicht« ist eine wei­te­re Maske, eine schreck­li­che Maske: das wahre Gesicht der Herr­schaft Und in der Tat, wenn das Junge-Mäd­chen »die Maske fallen lässt, dann ist es das empire das live zu euch spricht.“

Diese Kritik ist immer aufs Ganze abge­zielt, wenn sie das Bloom tref­fen soll. Die inter­nen sub­kul­tu­rel­len und klas­sen­be­zo­ge­nen Strei­tig­kei­ten im Schwarm der Blooms sind keine Front gegen das Bloom selbst. East­side vs. West­side ist auch keine Kritik am Hip-Hop-Genre. Metal vs. Techno ist keine Hin­ter­fra­gung der Musik­in­dus­trie, Pepsi vs. Coca Cola keine Kritik am Fast­food.. Auch der oben beschrie­be­ne Kon­flikt der in Medien, Mode und Thea­ter behei­ma­te­ten Anvant­gar­de-Blooms mit den Spie­ßer-Blooms, die sich in Bier­zel­ten, Alm­hüt­ten, Volks­mu­sik-Fes­ti­vals und Flat­rate-Bor­del­len auf­hal­ten, ist nur ein Rum­peln in den Ein­ge­wei­den des Blooms im Ganzen.

Die Kritik ist meist generv­te Bor­niert­heit, der das Poli­ti­sche, Grelle, Tabu­bre­chen­de der Bloom-Elite gegen den Strich geht. Dass „so viel Geld für so etwas ver­schwen­det“ werde, dass man „das so offen prä­sen­tie­ren“ müsse, kurz: dass man sich so frei und radi­kal zur herr­schen­den Deka­denz und zum eige­nen Hedo­nis­mus und Nihi­lis­mus bekennt, stört das Bloom-Fuß­volk.
Man genießt auch die sexu­el­le Pro­mis­kui­ti­vi­tät, das metro­se­xu­el­le Spiel mit geschlecht­li­cher Iden­ti­tät, den Sex ohne Folgen, den man all den “linken” Gender-, Femi­nis­mus- und 68er-Ideo­lo­gen ver­dankt. Dabei ist man aber nur die Nach­hut, die das morgen im Main­stream Ange­schwemm­te auf­klaubt, wel­ches von der Avant­gar­de schon heute aus den letz­ten Festen der Moral herus gebro­chen wird. Dafür werden sie heute von den Spie­ßer-Blooms mit Ver­ach­tung gestraft.

Hier regt sich kein „gesun­des Volks­emp­fin­den“, dieser Kon­flikt ist für die Frage nach einer Gegen­be­we­gung gegen Deka­denz und Nihi­lis­mus im Effekt gleich­be­deu­tend wie der Kon­flikt zwi­schen Band- und Spul­wurm für den befal­le­nen Orga­nis­mus .
Zudem ver­schwin­det die Front­li­nie zwi­schen Spie­ßer- und Avant­gar­de-Blooms ebenso stetig wie die zwi­schen anti­deut­schen Linken und libe­ra­len Neo­cons. Alles nähert sich einer zynisch-hedo­nis­ti­schen Entro­piein der Main­stream und Avant­gar­de, Kin­der­film und Hard­core­por­no Hoch­zeit halten. .

Alles Wurst

Mini­rock, Bauch­frei, Tanga, Pier­cings, Tat­toos, Koma­saufen, Kiffen, Exsta­cy, One-Night-Stands, Sexting, Por­no­gra­fie, Orgi­en­par­ties, Mager­sucht, Gangs­ter­rap, Nasen-OPs, Homo­se­xua­li­tät, die Nackte auf Seite 3, Trans­se­xua­li­tät, Cross­dres­sing, Sata­nis­mus – alles wurde vom mit „Besorg­nis“ regis­trier­ten neuen Rand­phä­no­men der Gesell­schaft bald zum Trend und dann zur akzep­tier­ten Nische im pop­kul­tu­rel­len Main­stream. Es ist ein­fach Teil der “gesell­schaft­li­chen Wirk­lich­keit”gegen den anzu­re­den (auch in rech­ten Zusam­men­hän­gen) jeden fast auto­ma­tisch der Lächer­lich­keit preis­gibt.

Grei­fen wir ein paar Bei­spie­le heraus: Bei Hard­core-Por­no­gra­fie ist der Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess vom Tabu­bruch zum Main­stream weit fort­ge­schrit­ten, bei Homo­se­xua­li­tät ebenso (längst sind beide in allen Sei­fen­opern, PC-Spie­len, Dating­shows, sozia­len Netz­wer­ken und Kino­fil­men ange­kom­men). Im Bereich des Inzest, der Pädo­phi­lie und der Trans­se­xua­li­tät werden gerade erste Tabu­brü­che unter­nom­men.

Der Schein­wi­der­stand der Spie­ßer-Blooms gegen diese und viele andere Phä­no­me­ne war von Anfang an zum Schei­tern ver­ur­teilt. Man kri­ti­sier­te sie näm­lich in der Regel nicht im Namen echter Werte. Woher sollte man diese auch nehmen? Man kri­ti­ser­te sie bereits aus der Posi­ti­on des Hedo­nis­mus und der Selbst­ver­wirk­li­chung, die jene ebenso ein­for­der­ten. Die Schlam­pen­klei­dung schade der “Selbst­ver­wirk­li­chung” der Frauen, Koma­saufen und Koksen der Gesund­heit, Porno und Orgien dem wahren „sexu­el­len Lus­terer­leb­nis“. Man machte sich zum wahren Ver­fech­ter von Homo- und Trans­se­xu­el­len und belehr­te sie dar­über, dass ihre „berech­tig­ten For­de­run­gen“ besser ohne ihre exzes­si­ve Pro­vo­ka­ti­on erreicht werden könnte. Ja, im End­ef­fekt gab man vor, dass der End­zu­stand der tota­len Akzep­tanz bereits erreicht und jeder wei­te­re Tabu­bruch “ver­al­tet” und “fixiert” sei. (Mitt­ler­wei­le gehört es zum Grund­ton jeder media­len Moral­de­bat­te, dass der ver­meint­lich “kon­ser­va­ti­ve Part” mit Süf­fi­sanz kon­sta­tiert, dass sexu­el­le Revo­lu­ti­on ohne­hin bereits “ver­al­tet” sei, um sich zum Anwalt einer wahren Erotik zu machendie der “over­sex­ten” und “und­er­fuck­ten” Gesell­schaft fehle.)

All dieses Gefa­sel ist nichts. Es ist wie “Wat­te­bäl­le gegen Panzer”.
Der Schein­wi­der­stand kon­ser­va­ti­ver Spie­ßer­blooms ist zum Schei­tern ver­ur­teilt. Auch sie gehö­ren zum gehei­men Club der letz­ten Men­schen, deren ein­zi­ge Sorgen das „Lüst­chen für den Morgen und für den Abend“ sind.

Die tau­sen­den Rand­grup­pen und Par­ty­hel­den erkann­ten das rasch und warfen den Spie­ßer-Blooms vor, ihren „kon­ser­va­ti­ven“ Hedo­nis­mus der Wein­achts­fei­er, des Sexur­laubs und der Billig-Puffs ein­fach gegen ihren moder­nen und avant­gar­dis­ti­schen Hedo­nis­mus will­kür­lich auf­zu­wer­ten.
“Was macht ihre Selbst­ver­wirk­li­chung, ihre “Frei­heit” besser als unsere?”
Da bereits alle “kon­ser­va­ti­ven Werte” ins­ge­heim auf dem Grund des Hedo­nis­mus bauen und durch ihren Wert für das “erfüll­te Leben”, ihre Stei­ge­rungs­funk­ti­on für die “Selbst­ver­wirk­li­chung” legi­ti­miert werden, ist ihre “Ver­tei­di­gung” gegen die radi­ka­le Eman­zi­pa­ti­on unmög­lich.
Wenn Fami­lie, Ehe und Heirat keine Werte für sich, son­dern nur beson­de­re Formen der hedo­nis­ti­schen „Selbst­ver­wirk­li­chung“ sind (in tau­send schwüls­tig-wür­de­lo­sen Hol­ly­wood­ko­mö­di­en schein­bar glo­rif­ziert), wenn sie als Part­ner­schaft und Kin­der­wunsch zu sub­jek­ti­ven Rech­ten werden – mit wel­chem Recht will man sie Schwu­len ver­wei­gern?
Ist doch das vor­ge­brach­te “sub­jek­tiv-hedo­nis­ti­sches Inter­es­se” des Kindes auf „Nest­wär­me“ genau­so wenig an Geschlech­ter gebun­den und, wenn man es mate­ria­lis­tisch-modern abs­tra­hiert, sogar in einer „ordent­li­chen Regen­bo­gen­fa­mi­lie“ besser erfüllt als in einem kaput­ten hete­ro­se­xu­el­len Gemein­de­bau­clan. (Regel­mä­ßig sieht man die schein­kon­ser­va­ti­ve Ver­tei­di­gung der Spie­ßer­blooms, die z.B. Fami­lie aus dem kol­lek­ti­ven Ein­zel­in­ter­es­se von Kind, Mann und Frau als “befrie­di­gen­der” dar­stel­len, am kon­stru­ier­ten Ein­zel­fall der Homo-Lobby schei­tern. ( lie­be­vol­les, rei­ches künst­le­ri­sches Homo-Paar mit tiefem Kin­der­wunsch vs. ver­sof­fe­ne, dumpfe Hetero-Misch­po­ke, denen das Kind “pas­siert”))

Wenn erklär­tes Ziel des Lebens ist, dass „jeder wie er glaubt“ seinen eige­nen Sinn und Spaß im Leben finden muss, wenn „der Sinn des Lebens das Leben selbst“ ist und alle Formen, Werte, Begrif­fe und Ideen nur „Tools“ und Werk­zeu­ge eines ein­zi­gen großen, schmat­zen­den Meta­bo­lis­mus, des Blooms, sind – mit wel­chem Recht dann gegen Sex und Sauf­mo­den der Tee­nies vor­ge­hen? Mit wel­chem Recht Drogen und Selbst­zer­stö­rung ver­bie­ten? Wer will über den sub­jek­ti­ven Spaß und die Prä­fe­ren­zen des ande­ren bestim­men? Es ist „mein ver­damm­tes Leben“ und „mein ver­damm­ter Körper“. Keiner, der im Herzen nihi­lis­ti­schen Spie­ßer-Blooms kann gegen diesen Urschrei des Libe­ra­lis­mus ein echtes Argu­ment vor­brin­gen, ohne mit seiner Idee selbst zu bre­chen. Es geht immer nur um das Eine:

Im libe­ra­len Boom fällt sein Körper mit seinen tau­send Lüst­chen, sein Körper als schwam­mi­ge, gie­ri­ge ero­ge­ne Zone als immer­gei­ler, hyper­sen­si­bler Fleisch­klum­pen, mit seinem „Ideal“ und seinem Lebens­sinn zusam­men. Jeder Schmerz und jeder Schat­ten des kör­per­li­chen Tods ist ihm ein Angriff auf seinen hei­li­gen Wesens­kern. Der unwei­ger­li­che Ein­tritt des­sel­ben zer­stört seinen Lebens­sinn und all seine Hoff­nun­gen – daher seine pani­sche Todes­angst die sich in einem per­ver­sen Jugend­wahn äußert, die uns mit Nor­dic­wal­king­stö­cken klap­pern, mit mor­schen, ver­we­sen­den Kör­pern, mit frei­zü­gi­ger Klei­dung dra­piert, mit über­schmink­ten Fal­ten­ge­sich­tern zahn­los ent­ge­gen­grinst. Er hat nichts, für das er zu ster­ben bereit wäre und dafür hat er im Grunde nichts, wofür es sich zu leben lohnt.“

Der „Wider­stand“ ist nur Pose. Jeder soll ja doch „in seinem Schlaf­zim­mer machen, was er will“, und wenn das nette schwu­le Pär­chen von gegen­über sich in den Nach­bar­schafts­ver­ein ein­ge­lebt hat, wenn der freund­li­che Sohn der Nach­ba­rin kifft oder die Töch­ter aller Bekann­ten mit 15 die Pille nehmen und monat­lich den Part­ner wech­seln, wenn Medien und Zei­tun­gen von „Ver­bo­ten“ abra­ten und sogar in der “Lin­den­stra­ße” auf einmal diese Dingen als normal gelten – was soll der Spie­ßer-Bloom auch ande­res tun, als es am Ende zu akzep­tie­ren?

Mit dem Modus „drei Schrit­te vor und zwei zurück“ baut sich das Gestell des Blooms Stock­werk für Stock­werk und Kammer für Kammer aus. Aus den schril­len Tabu­brü­chen der Anvant­gar­de werden gemä­ßig­te­re, gestyl­te, abge­schlif­fe­ne Mas­sen­for­men, die über Brü­cken (wie z.B. Sasha Grey für Hard­core-Porno, Neil Patrick Harris für Homo­se­xua­li­tät, Shades of Grey für Fetischse­xua­li­tät usw.) in den Main­stream ein­tre­ten. Der Sieg der „Draq Queen“ Con­chi­ta Wurst beim Song­con­test 2014, der Umschwung der bloo­mig-spie­ßi­gen Ableh­nung zu einer bloo­mig-volks­fest­ar­ti­gen Fan­ge­mein­de mar­kiert ein erstes Ando­cken der Trans­se­xua­li­tät an den Main­stream.
In Con­chi­ta Wurst wirken Stand­ort-Patrio­tis­mus, nor­ma­ti­ve Kraft des wirt­schaft­li­chen Erfolgs und media­ler Gewöh­nungs­ef­fekt in einem meis­ter­haft vor­ge­führ­ten Tabu­bruch zusam­men, der die Front­li­nie zwi­schen Spie­ßer- und Avant­gar­de-Blooms weiter ver­scheibt.
Alle ver­stie­ge­nen Min­der­hei­ten wollen ihre Inter­es­sens­ver­tre­tung, wollen vom Schmud­deli­mage befreit werden und im Rahmen der spät­ka­pi­ta­lis­ti­schen Iden­ti­täts­po­li­tik eine klare, erkenn­ba­re sub­kul­tu­rel­le Zuschrei­bung, die dank media­ler „Auf­klä­rung“ auch bald der Arbeits­kol­le­ge und Nach­bar (an)erkennt und als hedo­nis­ti­schen Spleen ebenso akzep­tiert wie den Fetisch für asia­ti­sche Pro­sti­tu­ier­te von seinem Stamm­tisch­kum­pel.

Was wir ver­ste­hen müssen, ist: der schein­ba­re Kon­flikt zwi­schen Spie­ßer-Blooms und Avant­gar­de-Blooms, die Ver­schie­bung ihrer Front­li­nie ist nur ein Sturm im Was­ser­glas. Er ist in seinem Aus­gang bereits vor­her­be­stimmt.
Alle teilen sie das Credo des letz­ten Men­schendas wir hier beschrie­ben haben. XX Walls of free­dom

Das Credo heißt Hedo­nis­mus. Alle Werte werden aus ihrer Stei­ge­rungs­funk­ti­on für den Spaß eines Indi­vi­du­ums abge­lei­tet. Es gibt keine Wahr­heit und keine Werte jen­seits des “größ­ten Glück der größ­ten Zahl”. In diesem Credo soll jeder “nach seinem plai­sir” selig werden, ist jeder Herr seiner eige­nen Moral, Eigen­tü­mer seines eige­nen Geschmacks — solan­ge er die öffent­li­che Ord­nung dabei nicht stört. Seine Frei­heit ist per se total und endet nur an den “Gren­zen einer ande­ren Frei­heit”.
Die “Über­trei­bung”, die die Spie­ßer-Blooms den Gender-Ideo­lo­gen, Love-Parade-Par­dies­vö­geln und Inzest-Befür­wor­tern, etc. vor­wer­fen, ver­stößt nicht gegen dieses Prin­zip. Sie for­dert es im Gegen­teil ehr­li­cher und tota­ler ein. “Dann schaut halt weg” ist das unschlag­ba­re Argu­ment der Avant­gar­de gegen die Spie­ßer der Deka­denz.

Der okzi­den­ti­ta­le End­zeit­dan­dy lehnt sich ange­sichts dieser Zustän­de zurück und erwar­tet mit zyni­scher Häme die kon­se­quen­te Lega­li­sie­rung von Inzest, Zoo­phi­lie und Pädo­phi­lie. Alle aber, deren poli­ti­sches Ziel den Erhalt dieser Tra­di­ti­ons­ket­te dar­stellt, deren aktu­el­les Glied gerade ero­diert, sehen sich vor ein schier unlös­ba­res Pro­blem gestellt.
Wenn Hedo­nis­mus und Deka­denz als herr­schen­des Credo sowohl die Avant­gar­de der Wer­te­zer­stö­rer als auch das Gros der kon­ser­va­ti­ven Wer­te­ver­tei­di­ger befal­len haben – wo lässt sich eine echte Gegen­be­we­gung ver­or­ten?

Die Über­win­dung des Nihi­lis­mus und das Dilem­ma des Rechts­po­pu­lis­mus

Was dieser Arti­kel klar machen soll, ist : Nur eine Über­win­dung des Libe­ra­lis­mus und Wer­te­re­la­ti­vis­mus, nur ein echter Aus­bruch aus dem Bloom-Geflecht wird den Libe­ra­lis­mus über­win­den. Keines der oben erwähn­ten Pseu­do­ar­gu­men­te, kein Lamen­tie­ren der Spie­ßer-Blooms wird etwas ändern. Solan­ge das Credo des Libe­ra­lis­mus, wonach jeder mit seinem Körper und Leben machen soll und darf, „was er will“, solan­ge er „keinen ande­ren schä­digt“ gilt, solan­ge das sogar als „Selbst­ver­wirk­li­chung“ und Lebens­ide­al vor­ge­stellt wird, ist eine Ände­rung unmög­lich.

Das Dilem­ma fast aller eta­blier­ten rech­ten Par­tei­en liegt genau in diesem Punkt. Sie sind letzt­lich see­len­los. Ihr inners­tes Wesen steht nicht im Wider­spruch zum Libe­ra­lis­mus, son­dern ist seine Syn­ap­se. Sie for­mu­lie­ren nur all­ge­mei­ne Unlust und Ärger der Spie­ßer-Blooms. Kein Gefühl des Erha­be­nen und Hei­li­gen umgibt sie, sie ver­wei­sen auf nichts Höhe­res. Man muss sich nur ihre lang­wei­li­gen und zahmen bunten Logos anse­hen, die keinen Schim­mer von sym­bo­li­scher Kraft an sich haben. Man muss sich nur ihre Ver­tre­ter anse­hen, die — je erfolg­rei­cher, desto mehr — dem aal­glat­ten Yuppie-Typus des Libe­ra­lis­mus glei­chen. Die jeu­nesse doré dieser Par­tei­en unter­schei­det manch­mal nicht viel von dem Party-Drogen-Kar­rie­re-Geistden man etwa unter den „high poten­ti­als“ inter­na­tio­na­ler Unter­neh­men vor­fin­det. Es ist kein biss­chen Schick­sal in ihren Augen…
Das „höchs­te“ der Gefüh­le in diesen Krei­sen ist dann manch­mal das Schwel­gen in einer pri­va­ten Samm­lung an NS-Musik oder das gele­gent­li­che tiefe „Abna­zen“ in ver­trau­tem Kreis (das dann mit ganz beson­ders glat­ten Bekennt­nis­sen zur herr­schen­den Ideo­lo­gie am nächs­ten Tag wett­ge­macht wird).
Die natio­na­lis­tisch-faschis­ti­schen poli­ti­schen Bewe­gun­gen, denen man oft ins­ge­heim, fas­zi­niert hul­digt, waren zumin­dest im Anfangs­sta­di­um noch auf der Suche nach einem höhe­ren Sinn und einer Über­win­dung des abend­län­di­schen Nihi­lis­mus. (Dass sie dann diese Inten­ti­on, samt ihrer Sym­bo­le, Begrif­fe und Mythen, schließ­lich total ent­kern­ten, und diese Suche gegen ihre eigent­li­chen Väter — etwa in der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on — ver­rie­ten, ist eine andere Geschich­te.) In der rechts­po­pu­lis­ti­schen Gegen­be­we­gung gegen das Mul­ti­kul­ti-System ist aber nicht einmal mehr eine ober­fläch­li­che Frage nach dem Nihi­lis­mus und eine Kritik an der Deka­denz ent­hal­ten.
Ihr Trom­meln gegen Mas­sen­ein­wan­de­rung, Isla­mi­sie­rung, Aus­län­der­kri­mi­na­li­tät, demo­gra­phi­schem Kol­laps, etc. muss daher not­wen­dig an der Ober­flä­che blei­ben. Ihr Geschäft ist es, den Spie­ßer-Blooms das zu sagen, was sie hören wollen: dass alles so blei­ben könne wie bisher, dass wir so blei­ben könn­ten, wie wir sind. Dass „bis auf die Aus­län­der“ alles in Ord­nung sei und dass die „gol­de­ne Zeit“ des libe­ra­len Wirt­schafts­wun­ders das ist, wohin wir zurück müss­ten. Dass aber all die genann­ten Phä­no­me­ne nur Sym­pto­me unse­rer nihi­lis­ti­schen Selbst­ab­schaf­fung sind, bleibt unge­dacht und unge­sagt. 
Die Kritik an der Mas­sen­ein­wan­de­rung bleibt daher meist eine rein öko­no­mi­sche Kritik, wie sie etwa bei Sar­ra­zin per­fek­tio­niert wurde. Es geht nicht um Wahr­heit, um unser Recht auf unsere Heimat, son­dern bloß um „die Kosten“die Zuwan­de­rung ver­ur­sa­chen würde, letzt­lich also eine libe­ral-öko­no­mi­sche Frage. Es geht um die Bedro­hungdie der Islam für den west­lich libe­ra­len Lebens­stil bringt.

Die rechts­po­pu­lis­ti­sche Sym­ptom­be­kämp­fung und die libe­ra­le Islam­kri­tik wollen nicht die innere Krank­heit besie­gen. Sie flüch­ten vor der Ent­schei­dung, die Europa seit dem 19 Jh bedrängt und die wir end­lich tref­fen müssen. Sie wollen um jeden Preis dem Aus­nah­me­zu­stand und dem Ernst­fall aus­wei­chen, die Mul­ti­kul­ti und Isla­mi­sie­rung, als Pro­duk­te unse­rer Deka­denz, uns unwei­ger­lich brin­gen werden.
So wie über den hedo­nis­ti­schen Bloom die Sinn­fra­ge seines Lebens mit Urge­walt her­ein­bricht, sobald er, dem Getrei­be ent­zo­gen, mit der Gewiss­heit des eige­nen Todes kon­fron­tiert wird, so wird auch der Libe­ra­lis­mus, wenn er mit seinem Unter­gang kon­fron­tiert wird, auf sein Kern­pro­blem zurück­ge­wor­fen: Er ist para­si­tär.

Er ist ein System auf Kosten ande­rer. Sein Waren­reich­tum basiert auf der glo­ba­len Aus­beu­tung der Erde, deren Res­sour­cen und Umwelt er zer­stört. Seine noch vor­han­de­ne Sta­bi­li­tät basiert auf dem Wer­te­sys­tem unse­rer Vor­fah­ren, das er unter­gräbt und abschafft. Sein Bevöl­ke­rungs­wachs­tum basiert auf dem stän­di­gem Mas­sen­im­port Frem­der, den er braucht, weil er in sich ein gif­ti­ges Klima für Fami­lie und Kinder schafft.  Der Körper einer wer­den­den Mutter ist der mit Abstand lebens­ge­fähr­lichs­te Auf­ent­halts­ort in einem west­li­chen Staat.)

Der Libe­ra­lis­mus ist eine Krank­heit, ein Infekt, der heute akut auf­bricht.
Alles, alles was heute pas­siert, war in der feis­ten Wirt­schafts­wun­der­zeit schon latent ange­legt. Die „Wider­stän­de“ der bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ven Kreise gegen Liber­ti­na­ge, Deka­denz und Bevöl­ke­rungs­aus­tausch, die sich in weni­gen Jahr­zehn­ten durch­setz­ten, war von Anfang an zum Schei­tern ver­ur­teilt und wurde von den Avant­gar­de-Blooms und Mul­ti­kul­tis im Sturm über­rollt. Von CDU über kirch­li­che Kreise bis zu den natio­na­len Rest­be­stän­den war es ein ein­zi­ges hoff­nungs­lo­ses Rück­zugs­ge­fecht. Der Geist des Nihi­lis­mus spreng­te mit dem Schlag­wort der „Eman­zi­pa­ti­on“ alle Bin­dun­gen und Hüllen um das nackte Indi­vi­du­um weg. Er fegte die kon­ser­va­ti­ven Brems­ver­su­che bei­sei­te. Warum das?
Eine Gegen­be­we­gung, deren Wesen ihrem Gegner nicht wirk­lich ent­ge­gen­steht, ist ihm Ver­fal­len. Sie kann ihren Gegner aber nur dann über­win­den, wenn sie ihn ganz erkannt und ver­stan­den hat.
Ernst Jünger schreibt in „Über die Linie“, dass zu einer The­ra­pie des Nihi­lis­mus erst eine echte Dia­gno­se von­nö­ten ist. Nur eine echte Erkennt­nis des Wesens von Deka­denz und Nihi­lis­mus kann eine echte, wesen­haf­te Geg­ner­schaft erzeu­gen.

Dass zu wenige kon­ser­va­ti­ve Denker sich ernst­haft mit der geis­tes­ge­schicht­li­chen Frage nach dem Nihi­lis­mus befass­ten, so dass keine echte Bewe­gung und Denk­schu­le ent­ste­hen konnte, tat seinen Teil dazu, dass es seit ’45 kein ernst­haf­ter theo­re­ti­scher und prak­ti­scher Schlag gegen ihn gesetzt wurde.

Dieser ent­schei­den­de Schlag ist die große For­de­rung der Zeit, die über allen Rand­fra­gen und Rand­phä­no­me­nen steht. Die gesamt Agi­ta­ti­on gegen Ein­wan­de­rung und Isla­mi­sie­rung ist nur inso­fern sinn­voll, als sich um sie und durch sie ein Typus und eine Stoß­rich­tung bilden, die dem libe­ra­len Nihi­lis­mus ent­wach­sen und ent­kom­men könn­ten.
Die bloße rechts­po­pu­lis­ti­sche Agi­ta­ti­on bleibt ein libe­ra­les Null­sum­men­spiel, das die einen Sym­pto­me der libe­ra­lis­ti­schen Krank­heit: „Glo­ba­li­sie­rung, Inter­na­tio­na­lis­mus, Ein­wan­de­rung, Isla­mi­sie­rung“ kri­ti­siert und gegen sie ihre ande­ren Sym­pto­me: „Gen­der­wahn, Sexua­li­sie­rung, Pro­mis­kui­ti­vi­tät, Hedo­nis­mus, Indi­vi­dua­lis­mus, etc.“ in Schutz nimmt.


Was wäre, wenn?

Selbst wenn eine der­ar­ti­ge rechts­po­pu­lis­ti­sche Partei in einem west­li­chen Land unmit­tel­bar an die Macht käme, die Mehr­heit im Par­la­ment stell­te und neben der Gewalt über die Legis­la­ti­ve auch die Medi­en­land­schaft weit­ge­hend beein­flus­sen und somit die Exe­ku­ti­ve wie die Juris­dik­ti­on mit­tel­bar kon­trol­lie­ren würde – all das würde nichts ver­än­dern, wenn Deka­denz und Nihi­lis­mus nicht gebro­chen wären.Was würde pas­sie­ren?

Selbst bei Null­zu­wan­de­rung und maxi­ma­ler Grenz­si­che­rung würde sich inner­halb der Mauern einer „Fes­tung Europa“ der post­mo­der­ne Wahn­sinn wei­ter­fres­sen – vor seiner logi­schen Kon­se­quenz, der Mas­sen­ein­wan­de­rung und Isla­mi­sie­rung, vor­läu­fig abge­schirmt. Doch wie lange? Eine libe­ra­le Fes­tung Europa hätte wohl gar nicht genug Männer, um ihre Mauern zu beman­nen, und selbst wenn eine hoch­tech­ni­sier­te Maschi­ne­rie und Robo­tik Kin­der­man­gel und Über­al­te­rung aus­glei­chen könn­ten (Japan ver­sucht diesen Weg): irgend­wann hätte man sich zu Ende geschrumpft. Vor allem aber ist der libe­ra­le Geist kein Fes­tungs­geist, keine Kraft, die einer Bela­ge­rung stand­hält.
Am Ende würde Europa an seiner eige­nen Deka­denz ersti­cken. Die Selbst­ab­schaf­fung und der Bevöl­ke­rungs­aus­tausch würden eben nicht, wie jetzt im „flie­ßen­den Wech­sel“, son­dern in einem lange auf­ge­stau­ten Schub ablau­fen. Die Ein­wan­der­er­mas­sen der „youth buld­ges“ aus Südost würden eben, erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt, in einem Schwung als Inva­so­ren, Flücht­lin­ge und Sied­ler nach Europa vor­drin­gen und voll Stau­nen hinter seinen Mauern in die ver­wais­ten, aus­ge­stor­be­nen, „grünen“ „smar­ten“ High­tech-Städte einer unter­ge­gan­gen Zivi­li­sa­ti­on stol­pern.
Das rechts-libe­ra­le Mini­mum, wie es Götz Kubit­schek beschrie­ben hat:„Konsumieren, aber ohne Neger an der Kasse“,
würde mit seinen Refor­men nur die Folgen und Sym­pto­me unter­drü­cken, bräch­te aber keine echte Hei­lung. Wie bei jeder Krank­heit würden diese unter­drück­ten, über­tauch­ten Sym­pto­me später geballt zurück­schla­gen.
Jede echte „Wende“ in unse­rer Demo­gra­phie, die dieses Schick­sal der Ver­grei­sung und Kolo­ni­sa­ti­on abwen­den könnte, bedeu­tet unaus­weich­lich den Bruch mit Nihi­lis­mus und Deka­denz.
Das bedeu­tet aber, dass man sich ihnen stel­len und sich mit ihrem Wesen aus­ein­an­der­set­zen muss, um aus der Dia­gno­se eine Heil­mög­lich­keit abzu­lei­ten.
Doch das Groß­teil der rech­ten Agi­ta­ti­on ist die aktive Aus­blen­dung dieser Wesens­fra­ge.

Die Aus­län­der und die Urangst der Rech­ten

Ein Volk kann nur leben, wenn es einen Gott, eine Seele und einen Mythos hat, der es erst zu einem leben­di­gen Wesen macht. Der es also gleich­sam „enner­viert“ und ihm jen­seits von allen poli­ti­schen Kon­trak­ten und Mecha­nis­men einen Sinn, ein Schick­sal, einen Instinkt und Lebens­wil­len ver­leiht. Ein Volk, dem das fehlt, ist kein Volk mehr, son­dern Bevöl­ke­rung, die bloß aus „Gewohn­heit“ neben­ein­an­der lebt und aus Sen­ti­men­ta­li­tät die Folk­lo­re pflegt.
Der Libe­ra­lis­mus zer­stört immer zuerst diesen Wert, diese Seele und sinn­stif­ten­de Instanz: an ihm gehen so die Völker zugrunde.Sie werden ent­seelt zu Bio­mas­se und Kon­sum­kol­lek­ti­ven, in denen die natio­na­le Zuge­hö­rig­keit (wie im erwähn­ten „Party-Patrio­tis­mus“) nur noch ein folk­o­ris­ti­sches „Extra“ ist, das seine Nische in der Musik und Kul­tur­pro­duk­ti­on findet.

Die oft res­sen­ti­ment­ge­la­de­ne Xeno­pho­bie des ein­fa­chen Volkes ist, wie Alain de Benoist erkannt hat, auch Aus­druck einer tiefen Iden­ti­täts­stö­rung. Es ist oft eine Art „Stand­ort­pa­trio­tis­mus“, der sich so sehr aus wirt­schaft­lich-egoos­ti­schen Gedan­ken und Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der Nation als „GmbH“ speist, d.h. so wenig eth­no­kul­tu­rell fun­diert ist, dass sogar Aus­län­der selbst ihn spie­lend über­neh­men können. (Viele Migran­ten sind mitt­ler­wei­le selbst aus wirt­schaft­li­chen Grün­den gegen „neue Zuwan­de­rer“.)

Die rechts­po­pu­lis­ti­sche Partei baut haupt­säch­lich auf diesem Res­sen­ti­ment auf. Der Aus­län­der ist für sie einer­seits fauler „Schma­rot­zer“ und „Kri­mi­nel­ler“, ande­rer­seits Kon­kur­rent und Arbeits­platz­dieb. Er ist einer­seits bil­dungs­fer­ner Stra­ßen­gangs­ter und ande­rer­seits über­füllt er Schul­klas­sen. Hinter all diesen wider­sprüch­li­chen Argu­men­ta­tio­nen, deren Grund­rich­tung ist, Aus­län­der über­all als Stö­rung des geord­ne­ten öko­no­mi­schen Betriebs dar­zu­stel­len, ver­steckt sich die eine dop­pel­te Urangst der eta­blier­ten sys­tem­treu­en Rech­ten.
Einer­seits ist es die unbe­wuss­te Angst vor der Über­frem­dung an sich. Vor allem aber ist es die Angst, das tat­säch­lich anzu­spre­chen: dass wir Euro­pä­er alte, ster­ben­de Völker sind; dass die Aus­län­der unauf­halt­sam in das Vakuum ein­drin­gen, wel­ches wir hin­ter­las­sen. Dabei ist es letzt­lich egal, ob sie als Arbei­ter, als Kri­mi­nel­le, als Hoch­be­gab­te, als Fau­len­zer, als Fun­da­men­ta­lis­ten, als Auf­ge­klär­te, etc. kommen. Es findet eine Erset­zung und ein Aus­tausch statt. Das aus­zu­spre­chen, trauen sie sich nicht, statt­des­sen ver­stri­cken sie sich in wider­sprüch­li­che, öko­no­misch und neu­tral getünch­te Argu­men­te.
Denn dieser Aus­spruch und seine Erkennt­nis würde sie näm­lich unmit­tel­bar auf die Frage nach dem „Warum“ unse­res Aus­ster­bens ver­wei­sen. Die klare Ant­wort: „Schuld sind unser Libe­ra­lis­mus, Nihi­lis­mus und Hedo­nis­mus“, ist für sie uner­träg­lich. Sie ist näm­lich gleich­be­deu­tend mit: „Du bist Teil des Pro­blems: du musst dein Leben ändern!“

Du musst dein Leben ändern,du musst deine Spra­che ändern, dein Denken und deine poli­ti­sche Bot­schaft. Es reicht dann nicht mehr, alles Krank­haf­te des Libe­ra­lis­mus auf Islam und Aus­län­der zu pro­ji­zie­ren, also die „Erset­zung“ unse­rer Schrump­fun­gen durch impor­tier­te Sied­ler für die Schrump­fung selbst ver­ant­wort­lich zu machen. Das „Pro­blem“ ist gerade nicht, wie das Rechts­po­pu­lis­ten immer beschwö­ren, von der Gesell­schaft iso­lier­bar und im Lager der­je­ni­gen, „die sich nicht inte­grie­ren“, zu ver­or­ten. Das wahre Pro­blem liegt bei uns und in uns selbst.

Das gesam­te ver­rot­ten­de Poten­ti­al an Rest­eu­ro­pä­ern zusam­men­ge­fasst, könnte viel­leicht noch ein paar Erhe­bun­gen und Wahl­er­fol­ge zustan­de brin­gen. Seine nume­ri­sche „Mehr­heit“ setzt sich immer­hin mehr­heit­lich aus Pen­sio­nis­ten zusam­men, was in den Rest­jahr­zehn­ten ihres Lebens­abends noch ein paar „Siege“ an den Wahl­ur­nen lie­fern könnte. Bei einem Klima, das ange­sichts der immer radi­ka­le­ren Krisen von Mul­ti­kul­ti immer mehr nach „rechts“ wan­dert, muss sind einige Kon­stel­la­tio­nen denk­bar, in denen ein­wan­de­rungs­kri­ti­sche Rechts­po­pu­lis­ten an die Macht gelan­gen.

Doch die wahre Schlacht kann so allein nie­mals gewon­nen werden. Alles, was getan wird, ist eine Ver­wal­tung und Umrüs­tung des schwin­den­den Rest­po­ten­ti­als Euro­pas. Wenn man zu wenige und zu schwa­che Ver­bän­de und keinen Nach­schub hat, kann man nie­mals siegen. Egal wie man die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mittel und Men­schen for­miert, auf­stellt, ein­klei­det und ein­setzt. Ohne Reser­ven und Nach­schub ist keine Schlacht zu gewin­nen. Die Reihen der Gegner wach­sen jeden Tag und die Zeit spielt gegen uns.
Der Punkt ist bald erreicht, an dem auch rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en mit ihren den Spie­ßer-Blooms schmei­cheln­den Antie­in­wan­de­rungs­kam­pa­gnen keine Mehr­hei­ten mehr ein­fah­ren — ganz ein­fach weil der Libe­ra­lis­mus den Rest­be­stand unse­res Volkes, aus dem sie ihre Wähler ziehen, kon­ti­nu­ier­lich weg­frisst. Es sind hier nicht nur die Alten und Kran­ken, die weg­ster­ben. Die „Aus­falls­ra­te“ der zah­len­schwa­chen Jugend Euro­pas ist ebenso enorm. Unfall-, Dro­gen­to­te und Selbst­mor­de — Selbst­fin­dungs­trips ins Aus­land sind hier die Aus­nah­me, die Tötung unge­bo­re­nen Lebens ist die Regel. Aber auch die stei­gen­de Zahl an euro­päi­schen Todes­op­fern migran­ti­scher Gangs geht hier letzt­lich auf die Kappe des Libe­ra­lis­mus.
Die libe­ra­le Agi­ta­ti­on der Rechts­po­pu­lis­ten spricht also nicht an, dass das wahre Pro­blem unsere Deka­denz und unser Nihi­lis­mus sind. Sie haben dem Volk ins­ge­samt seinen Lebens­sinn geraubt und stoßen den Ein­zel­nen in ein wur­zel­lo­ses Leben ohne Sinn, Werte und Auf­ga­be. Der Libe­ra­lis­mus erzeugt, über­all wo einer auf­tritt, ster­ben­de Völker und in der Folge Mas­sen­ein­wan­de­rung und Über­frem­dung. Statt in diesen Sym­pto­men einen Hin­weis auf die wahre Frage nach der Über­win­dung der Krank­heit zu sehen, ver­stri­cken sich Rechts­po­pu­lis­ten in wider­sprüch­li­che Anti-Aus­län­der­kam­pa­gnen, die ver­su­chen in der „Feh­ler­haf­tig­keit“ der Aus­län­der den Fehler des Libe­ra­lis­mus erkannt und gebannt zu haben. Damit drü­cken sie sich um die eigent­li­che Frage und würden selbst bei mas­si­ven Erfol­gen an der Wahl­ur­ne nichts ver­än­dern können.